Guhrow

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Wappen Deutschlandkarte
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Guhrow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Guhrow hervorgehoben

Koordinaten: 51° 49′ N, 14° 14′ O

Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Spree-Neiße
Amt: Burg (Spreewald)
Höhe: 58 m ü. NHN
Fläche: 6,67 km2
Einwohner: 531 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner je km2
Postleitzahl: 03096
Vorwahl: 035606
Kfz-Kennzeichen: SPN, FOR, GUB, SPB
Gemeindeschlüssel: 12 0 71 164
Adresse der Amtsverwaltung: Hauptstraße 46
03096 Burg(Spreewald)
Website: amt-burg-spreewald.de
Bürgermeisterin: Kerstin Jaser
Lage der Gemeinde Guhrow im Landkreis Spree-Neiße
BurgBriesenDissen-StriesowDöbernDrachhausenDrehnowDrebkauFelixseeForstGroß Schacksdorf-SimmersdorfGubenGuhrowHeinersbrückJämlitz-Klein DübenJänschwaldeKolkwitzNeiße-MalxetalNeuhausenPeitzSchenkendöbernSchmogrow-FehrowSprembergTauerTeichlandTschernitzTurnow-PreilackWelzowWerbenWiesengrundKarte
Über dieses Bild

Guhrow, niedersorbisch Góry, ist eine Gemeinde im südöstlichen Teil Brandenburgs im Landkreis Spree-Neiße. Sie gehört zum Amt Burg (Spreewald).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedenseiche und Lindenstraße

Guhrow liegt in der Niederlausitz, unmittelbar am östlichen Rand des Spreewaldes. Das Stadtzentrum von Cottbus liegt rund zehn Kilometer südöstlich von Guhrow. Die Gemarkung der Gemeinde grenzt im Norden an die Gemeinde Schmogrow-Fehrow, im Osten an Briesen und im Süden und Westen an Werben. Umliegende Ortschaften von Guhrow sind Schmogrow im Norden, Fehrow im Osten, Briesen im Osten, Gulben im Südosten, Ruben im Süden, Werben im Westen und Burg-Kauper im Nordwesten.

Die Gemeinde liegt im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden. Öffentliche Gebäude und Einrichtungen, Straßen, Wege, Plätze und Brücken sind zweisprachig beschriftet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guhrow verfügt über keine Ortsteile, bewohnten Gemeindeteile oder Wohnplätze.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guhrow wurde erstmals im Jahr 1469 mit der Bezeichnung Gohr urkundlich erwähnt. Der Ortsname geht auf das niedersorbische Wort gora für Berg zurück und bezeichnet eine auf einer Anhöhe gelegene Siedlung. 1582 wurde der Name Guro genannt, der niedersorbische Ortsname ist aus dem Jahr 1843 als Górow und 1880 als Góry überliefert.[3] Zum Zeitpunkt der Ersterwähnung gehörte Guhrow zur Herrschaft Cottbus, die als Exklave der Mark Brandenburg vom Markgraftum Niederlausitz und später vom Kurfürstentum Sachsen umgeben war. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte das Dorf 51 Feuerstellen und 295 Einwohner. Von den Haushalten Guhrows waren sieben Ganz- und fünf Halbbbauern, 19 Kossäten, 16 Büdner und ein Rademacher, zudem gab es eine Schmiede im Ort. Kirchlich gehörte Guhrow zu Briesen.[4] Im Jahr 1807 kam das Dorf durch den Tilsiter Frieden in das Königreich Sachsen.

Zu Sachsen gehörte Guhrow nur knapp acht Jahre, nach der auf dem Wiener Kongress beschlossenen Teilung des Königreiches Sachsen wurde die Niederlausitz dem Königreich Preußen zugesprochen. Guhrow lag hier fortan in der Provinz Brandenburg und kam bei der Gebietsreform im Jahr 1816 zum Kreis Cottbus im Regierungsbezirk Frankfurt. Anfang der 1840er Jahre lebten in Guhrow 430 Menschen.[5] Im Jahr 1864 hatte der Ort 537 Einwohner in 78 Wohngebäuden, in der Topografisch-statistischen Übersicht des Regierungsbezirkes Frankfurt sind eine Windmühle und vier Ausbausiedlungen als zu Guhrow gehörend aufgelistet.[6] Bei der Volkszählung vom 1. Dezember 1871 hatte die Landgemeinde Guhrow 503 Einwohner in 88 Familien, von den Einwohnern waren 236 Männer und 267 Frauen; 113 Einwohner waren Kinder unter zehn Jahren. Des Weiteren waren zu diesem Zeitpunkt alle Einwohner von Guhrow evangelisch-lutherischer Konfession.[7]

Gefallendenkmal

Noch bis ins späte 19. Jahrhundert war Guhrow ein rein sorbischsprachiges Dorf. Arnošt Muka ermittelte in Guhrow für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Lausitz im Jahr 1884 eine Einwohnerzahl von 510, von denen alle Sorben waren.[8] Der Kreis Cottbus wurde 1886 in Landkreis Cottbus umbenannt. Am 1. Dezember 1910 sind für Guhrow 465 Einwohner verzeichnet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Ort Teil der Sowjetischen Besatzungszone und lag dort ab 1947 im Land Brandenburg. Seit dem 7. Oktober 1949 gehörte Guhrow zur DDR. Am 1. Juli 1950 wurde die Gemeinde im Zuge einer Gebietsänderung aus dem Landkreis Cottbus in den Landkreis Lübben umgegliedert. Bei der DDR-Kreisreform am 25. Juli 1952 wurden die Landkreise und Länder aufgelöst und Guhrow wurde dem Kreis Cottbus (ab 1954 Kreis Cottbus-Land) im Bezirk Cottbus zugeordnet. Im Jahr 1956 hatten noch knapp 75 Prozent der 594 Einwohner Guhrows Sorbischkenntnisse.

Nach der Wiedervereinigung lag Guhrow zunächst im Landkreis Cottbus in Brandenburg. Am 16. Juli 1992 schloss sich die Gemeinde zur Erledigung ihrer Verwaltungsgeschäfte dem Amt Burg (Spreewald) an. Der Landkreis Cottbus ging am 6. Dezember 1993 im neuen Landkreis Spree-Neiße auf.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 500
1890 474
1910 465
1925 495
1933 486
1939 477
1946 673
1950 641
Jahr Einwohner
1964 547
1971 513
1981 472
1985 464
1989 429
1990 414
1991 403
1992 404
1993 406
1994 409
Jahr Einwohner
1995 420
1996 437
1997 452
1998 518
1999 553
2000 582
2001 588
2002 589
2003 586
2004 589
Jahr Einwohner
2005 600
2006 585
2007 583
2008 578
2009 563
2010 558
2011 543
2012 546
2013 531
2014 523
Jahr Einwohner
2015 514
2016 520
2017 521
2018 519
2019 531

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl[9][10][11]: Stand 31. Dezember (ab 1991), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Guhrow besteht aus acht Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 ergab folgende Sitzverteilung:[12]

Wählergruppe Sitze
Aktiv für Guhrow 7
Einzelbewerber Marcus Schilka 1

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1970–2014: Erna Koppermann[13]
  • seit 2014: Kerstin Jaser (Wählergruppe „Aktiv für Guhrow“)[14]

Jaser wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 89,2 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren[15] gewählt.[16]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Guhrow und in der Liste der Bodendenkmale in Guhrow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Am Wiesenweg im Norden des Dorfes erinnert ein Gedenkstein an zwei junge Landarbeiter, die am 24. April 1888 von einem Unwetter überrascht und kurz vor Erreichen des Dorfes vom Blitz erschlagen wurden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guhrow liegt an der Landesstraße 51 zwischen Burg (Spreewald) und Cottbus.

Der Haltepunkt Ruben-Guhrow lag an der Schmalspurbahn Lübben–Straupitz–Cottbus, die 1970 stillgelegt wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Guhrow verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich von Kleist (1777–1811), Schriftsteller, lebte zeitweise in Guhrow im Herrenhaus. Sein Vater hatte das kleine Rittergut 1781 gekauft. Heinrich von Kleist und seine sechs Geschwister verkauften 1797 das Gut Guhrow an Ludwig von Wackerbarth, den Besitzer des benachbarten Gutes Briesen.[17]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sportverein im Dorf ist der SV 1912 Guhrow mit Fußball (Kreisoberliga Niederlausitz) und Tischtennis.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Guhrow/Góry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2019 (XLSX-Datei; 223 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Guhrow
  3. Ernst Eichler: Die Ortsnamen der Niederlausitz. VEB Domowina-Verlag, Bautzen 1975, S. 56.
  4. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg enthaltend. Berlin 1809, S. 347 (Online).
  5. Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. O. Gustav Harnecker's Buchhandlung, Frankfurt a. O. 1844, S. 40.
  6. Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. O. Verlag von Gustav Harnecker u. Co., Frankfurt a. O. 1867, S. 42.
  7. Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873, S. 218f., Nr. 34 (online).
  8. Arnošt Muka: Statistika łužiskich Serbow. Wobličenje a wopisanje., Budyšin 1884–1886, S. 124 (Online, hier S. 136).
  9. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Spree-Neiße. S. 18–21
  10. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  11. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  12. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  13. 40 Jahre für Guhrow. In: Lausitzer Rundschau, 1. April 2010
  14. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  15. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
  16. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
  17. Verträge 1781 und 1797 im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam - 37 Briesen, Kr. Cottbus 95 und 101