Gutsbezirk Reinhardswald

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Lage des Gutsbezirks Reinhardswald im Landkreis Kassel

Der Gutsbezirk Reinhardswald (auch Forstgutsbezirk Reinhardswald genannt)[1][2] ist als Gutsbezirk ein gemeindefreies Gebiet im nordhessischen Landkreis Kassel (Deutschland). Es ist 184,16 km² groß; davon sind 180,81 km² Wald.[3] Als größter der drei noch verbliebenen hessischen Gutsbezirke umfasst er fast die gesamte Fläche des rund 200 km² großen Reinhardswaldes. Es gibt in Nordhessen noch den Gutsbezirk Kaufunger Wald und in Südhessen den Gutsbezirk Spessart.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß § 153 Absatz 1 Buchstabe c der Hessischen Gemeindeordnung gilt die Verordnung über gemeindefreie Grundstücke und Gutsbezirke vom 15. November 1938 fort.[4] Der Gutsbezirk Reinhardswald ist ein Forstgutsbezirk im Sinne des § 4, Absatz 2 der Verordnung; daher ist der zuständige staatliche Forstbeamte Gutsvorsteher. Der Bezirk wird deshalb vom Reinhardshagener Forstamtsleiter verwaltet. Dieser fungiert als Bürgermeister, wobei er nicht gewählt, sondern vom Landkreis ernannt wird. Wesentliche Aufgaben des Bürgermeisters sind unter anderem die Erhebung von Steuern, Müllbeseitigung, die Betreuung der Einwohner, Aufgaben der Ortspolizei, des Standesamtes sowie die Aufgaben als Träger öffentlicher Belange.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Hessischem Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation [5] gliedert sich der Gutsbezirk in sieben Gemarkungen: die Oberförstereien Gahrenberg, Gottsbühren, Hofgeismar, Karlshafen, Veckerhagen und Hombressen sowie die Gemarkung Trendelburg (Gmk.-Nr. 61627).

Kurioses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Angaben des Hessischen Statistischen Landesamtes ist der Gutsbezirk unbewohnt.[6] Allerdings leben zwei Einwohner in dem Gebiet, die, wenige hundert Meter von der Altstadt Hann. Mündens entfernt, die Gaststätte Tillyschanze neben dem gleichnamigen Aussichtsturm betreiben. Zwischen der Gaststätte und dem Turm verläuft die Landesgrenze von Hessen und Niedersachsen. Beide Personen sind beim Forstamt in Reinhardshagen gemeldet, das für Verwaltungsangelegenheiten zuständig ist.

In finanziellen Angelegenheiten müssen die beiden Bewohner das Finanzamt in Hofgeismar aufsuchen, in ordnungsrechtlichen Gaststättenangelegenheiten die Ordnungsbehörde in Kassel. Da der Gutsbezirk keine Postleitzahl besitzt, wurde er auch nicht mit Post beliefert. So richteten sich die beiden Einwohner ein Postfach in Hannoversch Münden ein. Das Abwasser wird nach Niedersachsen abgeleitet. Das zuständige Wahllokal liegt in Reinhardshagen, Ortsteil Veckerhagen.[7][8][9]

Insbesondere das Kuriosum der fehlenden Postleitzahl war bereits Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Hessischen Landtag.[1] Warum der Gutsbezirk dennoch weiterhin als unbewohnt geführt wird, ist unbekannt.

Im Dezember 2015 erhielt die Tillyschanze, obwohl sie im Gutsbezirk liegt und somit nicht zum Stadtgebiet von Hann. Münden gehört, die Adresse Bierweg 1, 34346 Hann. Münden und wird seitdem auch mit Post beliefert.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kleine Anfrage des Abgeordneten Schäfer-Gümbel (SPD) vom 7. September 2012 betreffend Zustellung von Post im Forstgutsbezirk Reinhardswald, auf starweb.hessen.de (PDF; 71,1 KB)
  2. Die Tillyschanze – Leben im Niemandsland, vom 5. August 2013, auf tagesspiegel.de
  3. „Gutsbezirk Reinhardswald, Landkreis Kassel“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS)., Stand von 1961, in Flächennutzungsstatistik
  4. Verordnung über gemeindefreie Grundstücke und Gutsbezirke, § 119, Nr. 2 der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 (RGBl. I, S. 4), vom 15. November 1938, auf verfassungen.de
  5. Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation
  6. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerung der hessischen Gemeinden, auf statistik-hessen.de
  7. Keine Postleitzahl, aber 100 Prozent Wahlbeteiligung, in Göttinger Tageblatt, vom 26. August 2005
  8. Spiegel Online: Die einsamsten Wähler des Landes, auf spiegel.de, vom 16. Januar 2009
  9. a b Kurioses: Der Forstgutsbezirk Reinhardswald – ein Kuriosum in Hessen!, auf tillyschanze.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikivoyage: Reinhardswald – Reiseführer

Koordinaten: 51° 31′ N, 9° 33′ O