Incel

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Incel (Kofferwort aus involuntary, dem englischen Wort für ‚unfreiwillig‘, und celibate, dem englischen Wort für ‚zölibatär‘) ist die Selbstbezeichnung einer in den USA entstandenen Internet-Subkultur von heterosexuellen Männern, die nach Eigenaussage unfreiwillig keinen Geschlechtsverkehr bzw. keine romantische Beziehung haben und der Ideologie einer hegemonialen Männlichkeit anhängen. Die Szene wird der Manosphere zugerechnet, in der auch die Männerrechtsbewegung agiert. Von einem Aktivismus für Männerrechte unterscheidet sie sich dadurch, dass ihre Anhänger Frauenfeindlichkeit in Verbindung mit Gewaltfantasien propagieren.[1][2] Von Incels ausgedrückte Überzeugungen und Gefühle sind geprägt von Misogynie, dem Anspruch, ein Recht auf Sex zu haben, Selbstmitleid und der Billigung und Anwendung von Gewalt gegen Frauen und gegen sexuell aktive Männer. Dies grenzt Incels von Absolute Beginners und Love-shyness ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Terminus „Incel“ war ursprünglich rein deskriptiv und geht zurück auf eine kanadische Studentin, die 1997 mit der Online-Selbsthilfegruppe „Alana’s Involuntary Celibacy Project“ schüchternen Menschen aller sexuellen Orientierungen ein Forum geben wollte. Nachdem sie es im Jahr 2000 verlassen hatte, entwickelte es sich zu einem Hassforum heterosexueller Männer, die den Terminus als Selbstbezeichnung übernahmen. Nur noch selten wird in der Gegenwart das Kofferwort[3] Incel als Synonym für „unfreiwillig ohne eine intime Beziehung und ohne sexuelle Betätigung Lebende(r)“ benutzt.

Der ideologische Ursprung der heutigen, frauenfeindlich ausgerichteten Incel-Subkultur wird in Boards wie 4chan gesehen, dort insbesondere im Subboard „ROBOT 90001“ (/r9k/) und „politically incorrect“ (/pol/).[4]

(Geplante) Anschläge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Fokus der Medien geriet die Incel-Szene erst nach der Amokfahrt in Toronto 2018, bei der 10 Menschen ums Leben kamen. Der Attentäter war ein bekennender Incel. Er hatte zuvor auf Facebook von der „Incel Rebellion“ geschrieben und auf den Täter des Amoklaufs von Isla Vista verwiesen, der von Teilen der Incel-Community als Held gefeiert wird.[5][6] Im November 2018 drang ein 40-jähriger Mann in ein Yoga-Studio in Florida ein und erschoss zwei Frauen, bevor er sich selbst tötete. In Youtube-Videos hatte er sich dazu bekannt, Incel und Sympathisant des Täters von Isla Vista zu sein, sowie Hass auf Frauen und rechtsextreme Ansichten geäußert. Bereits als Schüler hatte er Texte geschrieben, in denen er fantasierte, Frauen zu vergewaltigen und zu töten.[7] Auch Stephan B., der am 9. Oktober 2019 ein Attentat auf eine Synagoge und einen Döner-Imbiss in Halle (Saale) beging, hat laut NDR Bezüge zur „Incel“-Ideologie. Während seiner Tat hörte er ein Lied, das der „Incel“-Szene gewidmet ist und sich auf die Amokfahrt von Toronto bezieht.[8][9][10] Im Juli 2021 wurde in Ohio eine 21-jährige verdächtige Person festgenommen, die laut monatelanger Ermittlungen regelmäßig auf einschlägigen Seiten der Incel-Community postete und einen „Incel“-Terroranschlag geplant hatte. Die Person strebte dabei an, bis zu 3.000 Menschen zu töten und besaß illegal ein Maschinengewehr.[11][12]

Ideologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Incels“ betrachten sich oft als Männer dritter Klasse, die sich von Frauen sexuell und romantisch zurückgewiesen fühlen und jene hassen, die Sex haben.[1][2] Sie glauben, dass sowohl Dating als auch die komplette soziale Hierarchie durch das äußere Erscheinungsbild determiniert wird (Lookism)[13]. An der Spitze stünden dabei die Männer, die von Frauen als besonders körperlich attraktiv empfunden würden, die sogenannten „Chads“ oder „Alphas“. Diese würden rund 20 Prozent der Männer ausmachen.[14][15] Durchschnittlich attraktive und sexuell aktive Männer werden als „Normies“ bezeichnet.[1] Incels würden – bedingt durch ihr physisches Erscheinungsbild – ganz unten in der Hierarchie stehen. Frauen werden wiederum in „Stacies“ (hyperfeminin, attraktiv) und nach Meinung der „Incels“ weniger attraktive „Beckies“ unterteilt.[16] Der Attentäter von Toronto richtete sich in seinem Aufruf zur „Incel Rebellion“ neben Frauen auch ausdrücklich gegen „Chads“.[17] Nach Ansicht der „Incels“ würden Frauen nur nach Partnerschaften mit den o. g. „Chads“ streben,[18] sie selbst seien entweder von zu geringer Körpergröße oder zu hässlich, um Sex zu haben oder eine Partnerschaft mit einer Frau zu begründen. Diese nihilistische Einstellung bezeichnen sie selbst als „Blackpill“.[19][20] Das geteilte Leid und geteilte Erfahrungen des Unglücklichseins spielen in den Communities eine zusammenhaltsstifende Rolle, während die Wahrnehmung des gesellschaftlichen Ausgeschlossenseins auch zur Legitimation von Gewalt herangezogen wird.[6]

Manche „Incels“ glauben, auch nach (bezahltem) Sex mit einer Prostituierten sei man weiterhin ein „Incel“.[21] Elliot Rodger, der Täter des Amoklaufs von Isla Vista, schrieb beispielsweise, auch wenn er gekauften Sex erhalten hätte, hätte er sich dennoch wie ein „Verlierer“ gefühlt.[22] Die Kommentatorin Lux Alptraum interpretiert dies dahingehend, dass einige „Incel“-Anhänger nicht bloß nach sexuellen Erfahrungen streben, sondern nach einem Gefühl der Kontrolle und Dominanz über Frauen.[21] Helena Raspe (FAS) sieht bei der Incel-Subkultur demgegenüber auch eine „Suche nach Wertschätzung und Intimität“.[23]

Die Ideologie zeichnet sich zudem durch einen starken Frauenhass aus. Frauen werden oft dehumanisierend als „Femoids“ oder „Female Humanoids“ bezeichnet: weibliche menschenähnliche Geschöpfe, für die männliche Attraktivität hauptsächlich in maskulinen äußerlichen Merkmalen wie einer kantigen und markanten Form von Unterkiefer und Kinn (sog. „Testosteron-Unterkiefer“) sowie hohem Status liege (was mit Hypergamie in Verbindung gebracht wird).[17][19][24][14][13] Ein Beispiel hierfür stellt das 2016 in Umlauf gekommene und seither in der Szene etablierte „Millimeters-of-Bone“-Meme dar, das impliziert, dass nur „wenige Millimeter Knochen“ den Unterschied zwischen einem Incel und einem „Chad“ ausmachen könnten.[24] Viele „Incels“ versuchen durch schönheitschirurgische Eingriffe und Bodybuilding, in der Szene auch „Looksmaxxing“ genannt, selbst zum „Chad“ zu werden.[25]

Die Incels geben dabei unter anderem Feminismus, der sexuellen Revolution, Genetik oder den behaupteten natürlichen Gesetzen der Anziehung die Schuld für ihr Leiden.[3] Dabei gehen sie davon aus, dass die Partnerwahl vor der sexuellen Revolution nach dem Prinzip des sogenannten „Looks-Matching“ funktioniert habe, wonach Menschen Partner mit einer ähnlichen Attraktivitätsstufe gehabt hätten.[26] Seit der sexuellen Revolution würden sich Frauen, dieser Ansicht zufolge, jedoch nur noch um „Chads“ bemühen.[26] Dating-Apps würden diese Tendenz verstärken.[27]

In den Incel-Communities wird ein diffuses und gewaltsames Männlichkeitsideal vertreten.[3] Laut dem Geschlechterforscher Rolf Pohl werde das ideologische Rüstzeug vor allem von den maskulinistischen und männerrechtlichen Bewegungen geliefert: „Sie sind die Theorie, der Hass und die Gewaltbereitschaft sind die Praxis.“[28] Der Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach zufolge arbeite die Szene in den USA zunehmend mit rechtsnationalen Bewegungen zusammen,[29] die sich dort vor allem in der Alt-Right-Bewegung formieren. Laut dem Southern Poverty Law Center ist Frauenfeindlichkeit mehr und mehr zur „Einstiegsdroge für Extremisten“ geworden.[7] Auch Elliot Rodger, den Amokläufer von Isla Vista, rechnet es aufgrund seiner Misogynie und Abneigung gegen interrassische Paare der Alt-Right zu.[30] Rassismus spielt in der Incel-Ideologie eine große Rolle,[31] etwa in der Betonung der biologischen Minderwertigkeit nichtweißer Menschen oder in der vom Amokläufer von Isla Vista propagierten Vorstellung, er hätte als Weißer Anspruch auf Sex.[32] Die Ideologie der Incels beinhaltet auch Pläne zu einem Aufstand gegen das System („Beta Male Uprising“), in dessen Zuge bei Attentaten möglichst viele Frauen und sexuell aktive Menschen umgebracht werden sollen.[33] Forscher zählen fast 50 Opfer von durch Incels begangenen Tötungsdelikten (Stand April 2020)[34] und insgesamt 90 Gewaltdelikte, die in Zusammenhang mit Incel-Ideologie stehen.[35]

Gesellschaftliche Umstände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Publizistin Veronika Kracher sieht die Incel-Ideologie als ein „Produkt patriarchaler und kapitalistischer Verhältnisse […], die toxische Geschlechtsvorstellungen perpetuieren“ sowie „einer Gesellschaft, die sexuelle Unsicherheit oder Unwissen bei Männern mit Hohn abstraft und die permanent suggeriert, dass man unbedingt Sex haben muss und ein Versager ist, wenn man dem nicht nachkommt“.[36] Diese toxischen Vorstellungen seien auch in der Popkultur, wie in den Serien Friends oder The Big Bang Theory, sehr präsent.[37] Deshalb müsse die Kritik an ihnen eine „radikal feministische“ sein,[19] wobei sie eine pro-feministische Jugendarbeit zur Prävention vorschlägt.[13][38] Casey Ryan Kelly und Chase Aunspach kritisieren am Beispiel von Elliot Rodgers die von Incels unkritisch übernommene gesellschaftlich verbreitete und insbesondere in der Männerrechtsbewegung und der Alt-Right ideologisch instrumentalisierte Vorstellung, wonach Identität nicht losgelöst von Sexualität, Intimität nicht ohne Sex, und weiße Männlichkeit nicht ohne einen aggressiven und erfüllten Sexualtrieb denkbar sei. Sie betonen aber, dass der gelebte Schmerz junger Männer, die mit sozialer Isolation konfrontiert sind, anerkannt werden müsse.[32] In der Washington Post sieht Christine Emba die Incels als „logischen Schlusspunkt für eine Kultur, die zunehmend Sex mit Erfolg gleichsetzt, während menschliche Kontakte verloren gehen und durch das Internet ersetzt werden“.[39]

Des Weiteren verweist Emba auf die sozioökonomisch erschwerten Bedingungen für die Generation der Männer, die der Incel-Subkultur angehören. Viele seien arbeitslos, würden noch bei ihren Eltern oder nahe an der Armutsgrenze leben oder seien, speziell in den USA, durch Schulden aus den hohen Studiengebühren belastet. Dies habe zu einer Zunahme von Angst und Depression in dieser Generation geführt.[39] Eine Analyse, die die Attentäter aus dem Incel-Umfeld untersuchte, fand bei ihnen ein Gefühl der Hilfs- und Hoffnungslosigkeit, welches dabei insbesondere mit Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt, aber auch mit fehlenden sozialen Beziehungen und zum Teil familiären Problemen verbunden war; sie projizierten dieses Gefühl jedoch primär auf ihre Ablehnung durch Frauen.[40] In ihrem Manifest Feminism for the 99 Percent sehen die Autorinnen Cinzia Arruzza, Tithi Bhattacharya und Nancy Fraser die Incel-Bewegung als Teil von „schnell wachsenden rechtspopulistischen Bewegungen, die massenhaft Unterstützung gewinnen, indem sie einige reale Schattenseiten der kapitalistischen Moderne aufzeigen – einschließlich ihres Versagens, Familien und Gemeinschaften vor den Verwüstungen des Marktes zu schützen.“ Rechtspopulisten hätten jedoch die sexuelle Freiheit als Verursacher in den Vordergrund gestellt, um die eigentlich dahinter stehende Ursache, das Kapital, zu schützen.[41]

Die US-amerikanischen Kommunikationswissenschaftler Jack Bratich und Sarah Banet-Weiser ziehen bei der Incel-Subkultur Parallelen zum Neoliberalismus, der gesellschaftlich zu einer Individualisierung führte, in der jeder selbst für seinen eigenen Erfolg verantwortlich gesehen wird, es aber keine soziale Fürsorge mehr für die „Gescheiterten“ gebe. Stattdessen seien „unsoziale“ Online-Communitys die „Fürsorge“ der „Gescheiterten“ geworden, in denen sich der Frust zu Frauenhass wandelte. In diesen Communitys wirke die Individualisierung weiter fort, indem sich die Mitglieder gegenseitig motivierten, hartherziger und extremer zu werden, anstatt sich gegenseitig therapeutisch zu unterstützen.[42] Auch Kracher sieht „neoliberale Verhältnisse und Selbstoptimierung“ als Teil des Problems, was von den Incels aber nicht erkannt werde.[38]

Auf Vox hält Aja Romano viele der misogynen Anfeindungen der Incels für eine Maskierung tiefer zugrunde liegender psychischer Probleme. Neben dem Stereotyp des „unabhängigen“ Mannes, der „nicht um Hilfe fragen sollte“, seien die zahlreichen Budgetkürzungen bei der psychiatrischen Versorgung insbesondere in den USA jedoch ein zentrales Hinderns dafür, Incels therapeutisch zu unterstützen.[43] Der Psychologe Leif Edward Ottesen Kennair sieht eine Vernachlässigung und mangelndes Mitgefühl gegenüber denjenigen Männern, die von der Gesellschaft zurückgelassen würden, und fordert mehr Forschung, etwa über den Zusammenhang zwischen psychischen Krankheiten und Incel-Zugehörigkeit. Viele Mitglieder der Incel-Communitys würden unter psychischen Erkrankungen wie Depression oder Dysmorphophobie leiden oder Anzeichen von Autismus zeigen.[44] Aus Sicht der Terrorismusforscher Bruce Hoffman und Kollegen müsse es daher eines der wichtigsten Gegenmaßnahmen sein, den Zugang zu psychiatrischer Versorgung „dramatisch“ zu verbessern.[34]

Bezüglich des behaupteten „Lookismus“, wonach die Incels ihr äußeres Erscheinungsbild als wesentlichen Faktor für den Misserfolg ansehen, kritisiert der Journalist Max Eberle die „patriarchalen Schönheits- und Leistungsideale“, unter denen die Betroffenen leiden. Es sei ein „tragische[r] Widerspruch“, dass Incels zugleich andere Gruppen, die ebenfalls unter diesen Idealen leiden, anfeinden.[13]

Der Philosoph Ondřej Beran sieht eine Verbindung zwischen der Ideologie der Incels und biologisch und evolutionspsychologisch inspirierten Erklärungsansätzen für menschliches Verhalten und gesellschaftliche Zustände. Er schlägt stattdessen eine historische Erklärung des Phänomens vor, die gesellschaftlichen Sexismus, männliche und weiße Vorherrschaft in den Blick nimmt, ohne persönliche Verantwortung für von Incels begangene Gewalttaten zu vernachlässigen.[31]

Anhänger und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Recherche des Senders CBC News sind in den drei größten Incel-Foren 60.000 Nutzer aktiv.[45] Anhänger der Bewegung in den USA werden der Generation heterosexueller überwiegend weißer Männer zugerechnet, die der Geschlechterforscher Michael Kimmel als „angry white men“ bezeichnet[46] und die ihre Wut in Misogynie ausleben.[47] Eine Studie von 2019 fand hingegen keine klaren Hinweise auf eine Dominanz weißer Männer, sondern geht von einer „rassischen“ Diversität innerhalb der Szene aus.[48] Die Journalisten eines Filmbeitrages von Y-Kollektiv geben an, dass ein Großteil der Szene-Angehörigen, zu denen sie während ihrer Recherchen Kontakt hatten, nicht weiß ist und sich deshalb ausgestoßen fühlt.[49][50] Auch Elliot Rodger schrieb in seinem Manifest, dass er sich wegen seiner mütterlicherseits ostasiatischen Abstammung anders gefühlt habe.[51] Laut einer Umfrage eines der größten Szene-Foren ist fast jedes zweite Mitglied nicht weiß, obwohl 85 Prozent angaben, in den USA oder Europa zu leben.[26] Kracher zufolge soll sich der Attentäter von Halle zudem während des Prozesses von der Szene distanziert haben, da ihm diese „quasi zu migrantisch“ sei.[52] In der Szene existiert für Angehörige, die der Meinung sind, dass ihr „Incel“-Status auf ihre ethnische bzw. rassische Herkunft als People of Color zurückzuführen sei, die Bezeichnung „Ethnicel“.[53] In diesem Zusammenhang kursieren, auch vonseiten der Betreffenden, spezielle Ethnophaulismen wie „Currycel“ (Inder bzw. Südasiaten)[54] oder „Ricecel“ (Ost- und Südostasiaten) sowie die „JBW“ („just be white“) genannte Ansicht, dass es für weiße Männer leichter sei, bei Frauen Erfolg zu haben.[55]

Der Altersschnitt in der Szene liegt zwischen 15 und 25,[56] die Gruppe der 18- bis 21-Jährigen macht nach Recherchen von Veronika Kracher mit 31,3 Prozent den größten Anteil aus.[57]

Ausgehend von den USA und Kanada hat sich das Phänomen mittlerweile über den gesamten englischsprachigen Raum verbreitet. In Online-Communitys haben sich tausende Incels zusammengeschlossen, wie in „The Red Pill“, einem Kanal der Forengemeinschaft Reddit, dem Subforum „PhilosophyOfRape“, wo „korrektive Vergewaltigung von Feministinnen“ diskutiert wurde, oder auf 4chan und weiteren.[19] Wird ein Forum geschlossen, finden sich die „Incels“ in einem anderen zusammen.[58]

Situation im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum war eine Szene mit diesem Namen lange nicht bekannt. Doch wird auf Plattformen und in Foren von antifeministischen Männerrechtlern wie WGvdL und der indizierten WikiMANNia Frauenhass und radikaler Antifeminismus verbreitet.[59][38][9] Zudem wird das englischsprachige Incel-Forum lookism.net von Berlin aus betrieben und hat gemäß eigenen Angaben viele deutschsprachige Mitglieder.[13] Ein Monitoring spezifischer Hassformen im Netz, die sich gegen Frauen richten, existiert nicht (Stand Dezember 2018).[60] Laut Erin Saltman, die Facebooks Team für Counterterrorismus in Europa, dem Nahen Osten und Afrika leitet, seien Incels in Deutschland erstaunlich weit verbreitet, weil es „starke ideologische Überschneidungen mit der rechtsextremen Szene“ gebe, die in Deutschland „leider robuster als in anderen Ländern“ sei.[9][10]

Laut der Autorin Eike Sanders, Mitarbeiterin des Antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrums (apabiz) und Mitglied im Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus, werde Feminismus in extrem rechten Verschwörungsideologien als Türöffner für Migration und Multikulturalismus angesehen. Feministinnen würden dort als Verräterinnen bezeichnet, die keine Kinder bekämen. Ihr zufolge biete Rechtsextremismus daher idealen Nährboden für antifeministische und sexistische Ideologien.[61] Laut der antifaschistischen Publizistin Heike Kleffner würden „Rechter Frauenhass und die Incels […] leider allzu oft verharmlost“.[61]

Recherchen des Y-Kollektivs im Auftrag von ARD und ZDF in verschiedenen Internetforen ergaben 2020, dass einige deutschsprachige Incels online zu Anschlägen aufriefen und diese ankündigten. Außerdem sollen User sich gegenseitig zum Suizid aufgefordert bzw. angestachelt und dazu aufgerufen haben, dabei auch andere Menschen zu töten.[50]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angela Nagle: Kill All Normies. Online Culture Wars from 4chan and Tumblr to Trump and the Alt-Right. Zero Books (John Hunt Publishing) 2017, ISBN 978-1-78535-543-1.
    • Die digitale Gegenrevolution. Online-Kulturkämpfe der Neuen Rechten von 4chan und Tumblr bis zur Alt-Right und Trump. Transcript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4397-8.
  • Takis Würger: Männlich, ledig, lebensgefährlich. In: Der Spiegel. 34/2014, S. 50–54 (spiegel.de).
  • Tanya Falenczyk: Incel-Bewegung. Die Ungeliebten. In: Zeit Campus. Nr. 2/2019, 5. Februar 2019 (zeit.de).
  • Veronika Kracher: Incels – Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults. Ventil-Verlag. 2020. ISBN 978-3-95575-130-2[62]
  • Susanne Kaiser: Politische Männlichkeit. Wie Incels, Fundamentalisten und Autoritäre für das Patriarchat mobilmachen. Suhrkamp/ Insel. 2020. ISBN 978-3-518-12765-0
  • Maik Baumgartner, Roman Höfner, Ann-Kathrin Müller, Marcel Rosenbach: Feindbild Frau. Die dunkle Welt enthemmter Männer. Und was gegen den Hass hilft. In: Der Spiegel. 7/2021, 13. Februar 2021, S. 8–14.

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Y-Kollektiv: Suizid, Gewalt, Frauenhass: Wie gefährlich sind Incels in Deutschland?, veröffentlicht auf YouTube, 2020.[49]
  • Alex Lee Moyer: TFW No GF, veröffentlicht 2020 (englisch).[63]

Spielfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Incel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Zoe Williams: ‘Raw hatred’: why the 'incel' movement targets and terrorises women. In: The Guardian. 25. April 2018 (theguardian.com).
  2. a b Alyssa M. Glace, Tessa L. Dover, Judith G. Zatkin: Taking the black pill: An empirical analysis of the “Incel”. In: Psychology of Men & Masculinities. Band 22, Nr. 2, April 2021, ISSN 1939-151X, S. 288–297, doi:10.1037/men0000328 (apa.org [abgerufen am 26. Mai 2021]).
  3. a b c Roberta Liggett O’Malley, Karen Holt, Thomas J. Holt: An Exploration of the Involuntary Celibate (Incel) Subculture Online. In: Journal of Interpersonal Violence. 24. September 2020, ISSN 0886-2605, doi:10.1177/0886260520959625.
  4. Dale Beran: Who Are the 'Incels' of 4chan, and Why Are They So Angry? Abgerufen am 3. Juli 2021 (englisch).
  5. Michael Schilliger: Der Amokfahrer von Toronto war ein Incel – aber was ist das eigentlich? Eine Erklärung. In: Neue Zürcher Zeitung. 25. April 2018 (nzz.ch).
    Tilman Richter: Der Hass der „Incels“. Männer ohne Sex. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. April 2018 (faz.net).
  6. a b Taisto Witt: ‘If i cannot have it, i will do everything i can to destroy it.' the canonization of Elliot Rodger: ‘Incel’ masculinities, secular sainthood, and justifications of ideological violence. In: Social Identities. Band 26, Nr. 5, 2. September 2020, ISSN 1350-4630, S. 675–689, doi:10.1080/13504630.2020.1787132 (tandfonline.com [abgerufen am 5. Mai 2021]).
  7. a b Steve Hendrix: How male supremacy fueled an incel attack on a florida yoga studio. In: The Washington Post. 7. Juni 2019 (washingtonpost.com).
  8. Zerrwelt der Frauenhasser - Wie die „Incel“-Szene an Bedeutung gewinnt und wie gefährlich sie ist. Abgerufen am 8. März 2021 (englisch).
  9. a b c Marcel Rosenbach, Ann-Katrin Müller, Roman Höfner, Maik Baumgärtner: Tödlicher Frauenhass: Der Onlinehetze folgt tausendfach Gewalt im echten Leben. In: Der Spiegel. Abgerufen am 7. März 2021.
  10. a b Susanne Kaiser: Rechtsextrem und Sexist. Zeit online, 23. Februar 2020
  11. Police Foiled An Ohio Incel's Plot To Kill Women In A Mass Shooting, Prosecutors Say. In: NPR. Abgerufen am 28. Juli 2021 (englisch).
  12. USA: Geplanter Incel-Anschlag in Ohio verhindert. 23. Juli 2021, abgerufen am 28. Juli 2021 (deutsch).
  13. a b c d e Max Eberle: Incels: Auf Lookism.net beleidigen Männer sich gegenseitig für ihr Aussehen. In: Vice. 5. Juni 2020, abgerufen am 18. Juni 2020.
  14. a b Alice Hines: How Many Bones Would You Break to Get Laid? “Incels” are going under the knife to reshape their faces, and their dating prospects. 28. Mai 2019, abgerufen am 11. Dezember 2020 (englisch).
  15. MARIA WIKLUND: THE MISOGYNY WITHIN THE MANOSPHERE. Malmö University, 1. Mai 2020, abgerufen am 15. Januar 2021 (englisch).
  16. Rebecca Jennings: Incels Categorize Women by Personal Style and Attractiveness. 28. April 2018, abgerufen am 14. Januar 2021 (englisch).
  17. a b Philipp Bovermann: Amokfahrt von Toronto. Was ist ein „Incel“? In: Süddeutsche Zeitung. 25. April 2018 (sueddeutsche.de).
    Rachel Janick: “I laugh at the death of normies”: How incels are celebrating the Toronto mass killing. Southern Poverty Law Center, 24. April 2018 (splcenter.org).
  18. Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie? Abgerufen am 14. Januar 2021.
  19. a b c d Veronika Kracher: Gekränkte Männlichkeit. In: Jungle World. 3. Januar 2019, abgerufen am 8. Juli 2019.
  20. Lars Fleischmann: Irre wirre Männerwelt. Neues Deutschland Druckerei und Verlag GmbH, 5. Dezember 2020, abgerufen am 15. Januar 2021.
  21. a b Sex workers cannot solve the problem of angry, misogynistic men. 31. Mai 2018, abgerufen am 26. Mai 2021 (englisch).
  22. Gaby Del Valle: Don’t ask sex workers to solve the problem of violently angry men. Abgerufen am 26. Mai 2021 (englisch).
  23. Helena Raspe: Sexpuppen auf Rezept. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 14. März 2021.
  24. a b Christina Cauturecci: Incel memes aren't a joke. 19. Juli 2018, abgerufen am 11. Dezember 2020 (englisch).
  25. Incels: Auf Lookism.net beleidigen Männer sich gegenseitig für ihr Aussehen. Abgerufen am 14. Januar 2021.
  26. a b c Interview mit Veronika Kracher von Nicholas Potter: „Incels sind die Spitze des patriarchalen Eisbergs“, Belltower.News, 22. September 2020.
  27. Kayla Preston, Michael Halpin, Finlay Maguire: The Black Pill: New Technology and the Male Supremacy of Involuntarily Celibate Men. In: Men and Masculinities. 18. Mai 2021, ISSN 1097-184X, S. 1097184X2110179, doi:10.1177/1097184X211017954 (sagepub.com [abgerufen am 4. Juni 2021]).
  28. Die düstere Welt der «Incel». «Gewalttaten aus Frauenhass sind keine Einzelfälle». Interview von Beat Soltermann mit Rolf Pohl, SRF, 5. Mai 2018.
  29. Inga Barthels: Frauenhass und Rechtsnationalismus. Die Rache verunsicherter Männer. In: Der Tagesspiegel. 20. März 2019 (tagesspiegel.de).
  30. Keegan Hankes, Alex Amend: The Alt-Right is Killing People, Southern Poverty Law Center, 5. Februar 2018.
  31. a b Ondřej Beran: To Each Incel According to His Needs? In: SATS. 26. Januar 2021, ISSN 1869-7577, S. 000010151520200007, doi:10.1515/sats-2020-0007 (degruyter.com [abgerufen am 2. Mai 2021]).
  32. a b Casey Ryan Kelly, Chase Aunspach: Incels, Compulsory Sexuality, and Fascist Masculinity. In: Feminist Formations. Band 32, Nr. 3, 2020, ISSN 2151-7371, S. 145–172, doi:10.1353/ff.2020.0044 (https://muse.jhu.edu/article/777134 Abstract [abgerufen am 5. Mai 2021]).
  33. Susanne Kaiser: Politische Männlichkeit: Wie Incels, Fundamentalisten und Autoritäre für das Patriarchat mobilmachen. Suhrkamp, Berlin 2020, ISBN 978-3-518-12765-0.
  34. a b Bruce Hoffman, Jacob Ware, Ezra Shapiro: Assessing the Threat of Incel Violence. In: Studies in Conflict & Terrorism. Band 43, Nr. 7, April 2020, ISSN 1057-610X, S. 565–587, doi:10.1080/1057610X.2020.1751459 (tandfonline.com [abgerufen am 20. Mai 2020]).
  35. Sian Tomkinson, Tauel Harper, Katie Attwell: Confronting Incel: exploring possible policy responses to misogynistic violent extremism. In: Australian Journal of Political Science. Band 55, Nr. 2, 2. April 2020, ISSN 1036-1146, S. 152–169, doi:10.1080/10361146.2020.1747393 (tandfonline.com [abgerufen am 3. März 2021]).
  36. Veronika Kracher: Incels. Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults, Mainz 2020, S. 97.
  37. Toxische Männlichkeit - Die popkulturellen Wurzeln des Incel-Movements. Deutschlandfunk, 24. August 2020, abgerufen am 25. August 2020.
  38. a b c Incels – Toxische Männlichkeit als Internetkult. Deutschlandfunk, 9. November 2020
  39. a b Christine Emba: Men are in trouble. ‘Incels’ are proof. In: The Washington Post. 7. Juni 2019, abgerufen am 9. Mai 2021 (englisch).
  40. Dj Williams, Michael Arntfield: Extreme sex-negativity: An examination of helplessness, hopelessness, and misattribution of blame among “Incel” multiple homicide offenders. In: Journal of Positive Sexuality. Band 6, Nr. 1, 1. April 2020, S. 33–42, doi:10.51681/1.613 (journalofpositivesexuality.org [PDF; abgerufen am 28. Mai 2021]).
  41. Cinzia Arruzza, Tithi Bhattacharya, Nancy Fraser: Feminism for the 99 percent : a manifesto. Hrsg.: Verso. London 2019, ISBN 978-1-78873-442-4, S. 37.
  42. Jack Bratich, Sarah Banet-Weiser: From Pick-Up Artists to Incels: Con(fidence) Games, Networked Misogyny, and the Failure of Neoliberalism. In: International Journal of Communication. Band 13, Nr. 0, 22. September 2019, ISSN 1932-8036, S. 25 (ijoc.org [abgerufen am 4. Februar 2021]).
  43. Aja Romano: What a woman-led incel support group can teach us about men and mental health. 20. Juni 2018, abgerufen am 5. Mai 2021 (englisch).
  44. Leif Edward Ottesen Kennair: Who cares for the men who are left behind? In: Kilden – Information Centre for Gender Research. 4. Juni 2020, abgerufen am 17. März 2021 (norwegisch).
  45. Why incels are a 'real and present threat' for Canadians. CBC News, abgerufen am 3. März 2021.
  46. Walter S. DeKeseredy et al. (Hrsg.): The Routledge International Handbook of Violence Studies. Taylor & Francis, London, 2018, ISBN 978-1-138-28344-2, S. 409.
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