Kölner Domfenster

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Die Kölner Domfenster bedecken im Kölner Dom eine Fläche von rund 10.000 m². Etwa 1.500 m² davon sind aus dem Mittelalter erhalten geblieben.

Damit stammen die Kölner Domfenster aus unterschiedlichen Epochen und tragen wesentlich zum Gesamteindruck der Kathedrale bei. Sie spiegeln deutlich den jeweiligen zeitgenössischen Anspruch an die Gestaltung und die Funktion der Fenster. So wurden die Fenster des Kapellenkranzes, der zunächst ausschließlich Geistlichen vorbehalten sein sollte, um das Jahr 1260 mit Ausnahme des zentralen Achskapellenfensters rein ornamental (Grisaille) verglast und erst 1330/1340 mit einem figürlichen Bildprogramm für die durchreisenden Pilger ausgestattet[1]. Das Fenster in der zentralen Dreikönigenkapelle von 1260 ist heute das älteste erhaltene Domfenster. Das Ende der ersten Bauperiode des Domes spiegeln die spätmittelalterlichen Fenster im nördlichen Seitenschiff, typische Vertreter des 19. Jahrhunderts finden sich mit den Bayernfenstern im südlichen Seitenschiff. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgten im Auftrag vom Domherren Alexander Schnütgen umfangreiche Rekonstruktions- und Erneuerungsarbeiten durch die Kölner Werkstätte für Glasmalerei Schneiders und Schmolz an zahlreichen mittelalterlichen Fenstern.[2] Verluste aus den Beschädigungen des Zweiten Weltkrieges zeigen sich teilweise bis in die Gegenwart; nach und nach werden fehlende oder provisorische Verglasungen restauriert oder durch moderne Fenster ersetzt. Das jüngste Fenster des Kölner Doms ist das große Richter-Fenster in der Südfassade.

Die folgende Übersicht soll die Fenster des Kölner Doms möglichst vollzählig auflisten und abbilden.

Grob schematisierter Grundriss des Kölner Domes auf Basis diverser alter Grundrisse nachgezeichnet. Kapellenkranz und Marienkapelle farblich hervorgehoben Chorumgang mit Kapellenkranz sowie Marienkapelle
Im Uhrzeigersinn
Bezeichnung Lage Kurzbeschreibung Datierung Künstler
(zwei unbenannte Fenster) Engelbertuskapelle
Barbara- und Evergislusfenster Barbara- und Evergislusfenster Maternuskapelle Linkes Fenster der Kapelle, neugotische Darstellung der Heiligen Barbara und des Kölner Bischofs, des Heiligen Evergislus 1855 Peter Graß
Jakobus-Fenster Jakobus-Fenster Maternuskapelle Mittleres Fenster der Kapelle, verschiedene Szenen aus dem Martyrium des Heiligen Jakobus. 1330/1340
Katharina-Heribert-Fenster Maternuskapelle Rechtes Fenster der Kapelle mit Darstellung der Heiligen Katharina und des Kölner Bischofs Heribert. 1856/1857 Peter Graß
Severin- und Anno-Fenster Severin- und Anno-Fenster Johanneskapelle Linkes Fenster der Kapelle, Darstellung der Heiligen Severin (links) und Anno (rechts) im Bischofsornat 1330/1340
Allerheiligenfenster Allerheiligenfenster Johanneskapelle Mittleres Fenster der Kapelle mit Darstellung mit einer Vielzahl von Heiligen, Himmelschören, Propheten, Päpste, Könige u. a. 1330/1340
Mauritius- und Gereon-Fenster Mauritius- und Gereon-Fenster Johanneskapelle Rechtes Fenster der Kapelle, Darstellung des Heiligen Mauritius (links) und des Heiligen Gereon (rechts) 1330/1340
älteres Dreikönigsfenster Dreikönigenfenster Dreikönigenkapelle Linkes Fenster der Kapelle, Darstellung der Anbetung der Heiligen Drei Könige 1330/1340
Kölner Dom Älteres Bibelfenster, um 1260 (detail) Älteres Bibelfenster Dreikönigenkapelle Mittleres Fenster der Kapelle, ältestes Fenster des Doms mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament 1250/1260
Petrus- und Maternusfenster Petrus- und Maternusfenster Dreikönigenkapelle Rechtes Fenster der Kapelle mit Darstellung der Heiligen Petrus und Maternus, dem ersten Kölner Bischof 1330/1340
Kunibert-Fenster Kunibert-Fenster Agneskapelle Linkes Fenster der Kapelle, Darstellung des Heiligen Kunibert im Bischofsornat mit segnender Handhaltung 1330/1340 (mit neuzeitlichen Ergänzungen)
Mittelfenster der Agneskapelle Agneskapelle Architekturfenster in der Mitte der Kapelle, das die beiden anderen Fenster, die nur teilweise im Original erhalten sind, optisch ergänzt. 2004 nach Entwürfen von Arnold Wolff, Glasmaler Klaus Augenstein
Agnes-Fenster Agnesfenster Agneskapelle Rechtes Fenster der Kapelle mit Darstellung der Heiligen Agnes und ihrer Attribute, dazu vier weitere weibliche Heilige 1330/1340 (mit neuzeitlichen Ergänzungen)
Silvester- und Gregor-von-Spoleto-Fenster Silvester- und Gregor-von-Spoleto-Fenster Michaelskapelle Linkes Fenster der Kapelle, zeigt Papst Silvester I. und Gregor von Spoleto Spätestens 1330/1340
Marienkrönungsfenster (Kapellenkranz) Marienkrönungsfenster (Kapellenkranz) Michaelskapelle Mittleres Fenster der Kapelle mit figurenreicher Marienkrönungsszene 1330/1340
Felix- und Naborfenster Felix- und Naborfenster Michaelskapelle Rechtes Fenster der Kapelle, Darstellung der Heiligen Felix und Nabor, umgeben von Königen und Propheten Spätestens 1330/1340
Ursula- und Clemensfenster Ursula- und Clemens-Fenster Stephanuskapelle Linkes Fenster der Kapelle, Darstellung des Heiligen Clemens und der Heiligen Ursula 1852 Peter Graß
jüngeres Bibelfenster weitere Bilder Jüngeres Bibelfenster Stephanuskapelle Rechtes Fenster der Stephanuskapelle mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament um 1280 und 1891/92
Pius-Päpstefenster Marienkapelle Mittleres Fenster der Marienkapelle im südlichen Chorseitenschiff. Darstellung der Päpste Pius IX., Pius X., Pius XI. und Pius XII. 1956 Wilhelm Geyer
Grob schematisierter Grundriss des Kölner Domes auf Basis diverser alter Grundrisse nachgezeichnet. Binnenchor farblich hervorgehoben Obergaden des Binnenchors
Bezeichnung Lage Kurzbeschreibung Datierung Künstler
Zentrum des Chorobergadens mit einigen der insgesamt 48, um 1300 geschaffenen Königsfenster Zyklus der Chorobergadenfenster Obergaden des Binnenchors 15 Fenster, zentrales Achsfenster mit Maria mit dem Christuskind und den anbetenden Drei Königen, die weiteren Fenster eine Galerie von jungen und alte Königen. 13./14. Jahrhundert
Grob schematisierter Grundriss des Kölner Domes auf Basis diverser alter Grundrisse nachgezeichnet. Nordquerhaus farblich hervorgehoben Nördliches Querhaus
Bezeichnung Lage Kurzbeschreibung Datierung Künstler
Nordquerhausfenster Nordquerhausfenster Nördliches Querhaus Großes Fassadenfenster des nördlichen Querhauses. 1865, 1968 u. 1980 Friedrich Baudri
Kinderfenster Nördliches Querhaus Vollfenster im westlichen Seitenschiff des Querhauses. Szenen aus dem Leben Christi, finanziert durch 1948 gesammelte Spenden von Kölner Kindern. 1965 Bernhard Kloß
Christusfenster Christusfenster Nördliches Querhaus Halbfenster im westlichen Seitenschiff des Querhauses. Fragmente zweier Zyklen, biblische Szenen, Engel und Heilige 1525–1562
Welterfenster im Nordquerhaus Nördliches Querhaus Teilweise rekonstruierter Zyklus, bisher ist das Salomonfenster und das Abrahamfenster rekonstruiert. 2004 Michael Welter
Christuszyklus-Fenster Nördliches Querhaus Westseite des nördlichen Querhauses, Fragmente eines Zyklus, evtl. aus St. Cäcilien oder St. Apern stammend. Werden kontinuierlich restauriert und wiedereingesetzt. Um 1525 und 1562
Bernhard-Fenster Nördliches Querhaus Vollfenster im östlichen Seitenschiff des Querhauses oberhalb der ehemaligen Schatzkammer. Acht einzelne Scheiben mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Bernhard 1524–1525
Grob schematisierter Grundriss des Kölner Domes auf Basis diverser alter Grundrisse nachgezeichnet. Südquerhaus farblich hervorgehoben Südliches Querhaus
Bezeichnung Lage Kurzbeschreibung Datierung Künstler
Görres-Fenster Südliches Querhaus Halbfenster im westlichen Seitenschiff des Querhauses, gedacht als „Denkmal“ für Joseph Görres. Darstellung mit dem Heiligen Joseph, dazu Bildnisse des Heiligen Bonifatius und Karls des Großen 1856 Leonard Faustner
Weyres-Fenster Ostseite Südliches Querhaus Ornamentfenster im östlichen Seitenschiff des Querhauses. Anfang 1950er Willy Weyres
Paulus-Fenster Paulus-Fenster Südliches Querhaus Vollfenster im östlichen Seitenschiff des Querhauses, Darstellung der Kirchenväter der Ostkirche sowie der Bekehrung des Paulus. Original von 1858,
1994 rekonstruiert
Petrus-Fenster (Apostelkonzil) Südliches Querhaus Vollfenster im westlichen Seitenschiff des Querhauses, Darstellung des Apostelkonzils von Jerusalem, der Schlüsselübergabe an Petrus durch Christus sowie Papst Pius IX. Mit einem Engel und einer Bulle, die auf das erste vatikanische Konzil hinweist. 1870
Richterfenster weitere Bilder Richter-Fenster Südportal Zentrales Fenster des Südportals, Mosaikteppich aus 11.263 farbigen Quadraten in 72 Farbtönen. 2007 Gerhard Richter
Grob schematisierter Grundriss des Kölner Domes auf Basis diverser alter Grundrisse nachgezeichnet. Nördliches Seitenschiff farblich hervorgehoben Nördliches Seitenschiff
Bezeichnung Lage Kurzbeschreibung Datierung Künstler
Petrus-Wurzel-esse-Fenster Petrus-Wurzel-Jesse-Fenster Nördliches Seitenschiff Vierbahniges Fenster, zweites von links im nördlichen Seitenschiff. Darstellung des Petrus und dem Motiv Christus als Wurzel Jesse sowie 16 Wappen des Stifters und seiner Vorfahren 1509 (?)
Passionsfenster Passionsfenster Nördliches Seitenschiff Linkes, zweibahniges Fenster im Fensterzyklus des nördlichen Seitenschiffs mit Szenen aus der Passion Christi, dem Heiligen Laurentius und Maria im Strahlenkranz auf der Mondsichel 1508
Typologisches Dreikönigenfenster Typologisches Dreikönigenfenster Nördliches Seitenschiff Vierbahniges Fenster, zweites von rechts im nördlichen Seitenschiff. Darstellung der Geburt Christi, vier Heilige sowie 16 Wappen des Stifters und seiner Vorfahren. 1508 Meister der Heiligen Sippe
Marienkrönungsfenster (Nordseite) Marienkrönungsfenster (Nordseite) Nördliches Seitenschiff Rechtes, zweibahniges Fenster im nördlichen Seitenschiff. Darstellung der Krönung Mariens, der Familie des Stifters sowie vier Heiliger: Maria Magdalena, der Heilige Georg, der Apostel Johannes und Simon Petrus. Um 1509 Meister von St. Severin
Typologisches Geburt Christi-Fenster Typologisches Geburt-Christi-Fenster Nördliches Seitenschiff Zentrales, vierbahniges Fenster im nördlichen Seitenschiff. Darstellung der Geburt Christi und Motive zur Geschichte Kölns
Grob schematisierter Grundriss des Kölner Domes auf Basis diverser alter Grundrisse nachgezeichnet. Südliches Seitenschiff farblich hervorgehoben Südliches Seitenschiff
Bezeichnung Lage Kurzbeschreibung Datierung Künstler
Stephanusfenster Stephanusfenster Südliches Seitenschiff Östliches Halbfenster des Bayernfenster-Zyklus. Steinigung des Stephanus. 1848 Max Emmanuel Ainmiller, Heinrich Maria von Heß
Pfingstfenster Pfingstfenster Südliches Seitenschiff Östliches Vollfenster des Bayernfenster-Zyklus. Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger. 1848 Max Emmanuel Ainmiller, Heinrich Maria von Heß
Beweinungsfenster weitere Bilder Beweinungsfenster Südliches Seitenschiff Mittleres Vollfenster des Bayernfenster-Zyklus. Darstellung der Kreuzabnahme und der Beweinung Christi. 1847 Max Emmanuel Ainmiller, Heinrich Maria von Heß
Anbetungsfenster Anbetungsfenster Südliches Seitenschiff Westliches Vollfenster des Bayernfenster-Zyklus. Anbetung der Hirten und die Anbetung der Heiligen Drei Könige. 1846 Max Emanuel Ainmiller, Heinrich Maria von Heß
Johannesfenster Johannesfenster Südliches Seitenschiff Westliches Halbfenster des Bayernfenster-Zyklus. Szenen aus dem Leben von Johannes dem Täufer. 1847 Max Emmanuel Ainmiller, Heinrich Maria von Heß
Grob schematisierter Grundriss des Kölner Domes auf Basis diverser alter Grundrisse nachgezeichnet. Westfassade und Turmhallen farblich hervorgehoben Westfassade und Turmhallen
Bezeichnung Lage Kurzbeschreibung Datierung Künstler
Johannes-Klein-Fensterzyklus Nördliche Turmhalle Bilderzyklus der Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Jüngsten Gericht 1884 Johannes Klein
Leben-Christi-Fenster Leben-Christi-Fenster 2005 Südliche Turmhalle Bilderzyklus der Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Jüngsten Gericht 1884,
rekonstruiert 1993–2010
Johannes Klein
Großes Westfenster Großes Westfenster Westfassade 22 Meter hohes Fenster mit sechs Bahnen und doppeltem Maßwerk. Darstellung alt- und neutestamentliche Szenen. 1865–1870 Carl Julius Milde / Johann Jacob Achelius

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelne Fenster und Fenstergruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrike Brinkmann: Biblische Geschichten auf Glas: Die Fenster von Johannes Klein im Erdgeschoss der Turmhallen des Kölner Domes. Verlag Kölner Dom, Köln 2010, ISBN 978-3-922442-67-7
  • Ulrike Brinkmann: Das jüngere Bibelfenster. Verlag Kölner Dom, Köln 1993, ISBN 978-3-922442-03-5
  • Rüdiger Becksmann: Bildfenster für Pilger. Zur Rekonstruktion der Zweitverglaseung der Chorkapellen des Kölner Domes unter Erzbischof Walram von Jülich (1332–1349). In: Kölner Domblatt, Jahrbuch des Zentral-Dombauvereins. Bd. 67, Verlag Kölner Dom, Köln 2002, ISBN 3-922442-48-X, S. 137–194.
  • Ulrike Brinkmann, Rolf Lauer: Die mittelalterlichen Glasfenster des Kölner Domchores. In: Himmelslicht. Europäische Glasmalerei im Jahrhundert des Kölner Dombaus (1248–1349) Ausstellungskatalog Schnütgen-Museum Köln, 20. November 1998 bis 7. März 1999, Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln, Köln 1998.
  • Eva Frodl-Kraft: Die Ornamentik der Chor-Obergadenfenter des Kölner Domes. In: Himmelslicht. Europäische Glasmalerei im Jahrhundert des Kölner Dombaus (1248–1349). Ausstellungskatalog Schnütgen-Museum Köln, 20. November 1998 bis 7. März 1999, Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln, Köln 1998.
  • Hannes Roser: Quellen zur Stiftung und zum Programm des Piusfensters von Wilhelm Geyer in der Marienkapelle des Kölner Domes. In: Kölner Domblatt, Jahrbuch des Zentral-Dombauvereins, Bd. 69, Verlag Kölner Dom, Köln 2004, ISBN 3-922442-57-9, S. 297–310.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bleiglasfenster im Kölner Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrike Brinkmann, Rolf Lauer: Die mittelalterlichen Glasfenster des Kölner Domchores. In: Himmelslicht. Europäische Glasmalerei im Jahrhundert des Kölner Dombaus (1248–1349). S. 23 f.
  2. Herbert Rohde: Corpus Vitrearum medii Aevi Deutschland IV/1. Die mittelalterlichen Glasmalereien des Kölner Domes, Deutscher Verlag für Kunstwissenschaften, Berlin 1974, ISBN 3-87157-046-X.

Koordinaten: 50° 56′ 28,64″ N, 6° 57′ 29,41″ O