Kroaten in Deutschland

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Die Kroaten in Deutschland (kroatisch Hrvati u Njemačkoj) sind mit 375.932 Personen kroatischer Staatsangehörigkeit die sechstgrößte Ausländergruppe[1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte nur eine geringe Zahl von Kroaten in Deutschland. Es handelte sich überwiegend um Arbeiter im Bergbau und der Industrie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (Politische Emigration)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs kamen Kroaten als politische Flüchtlinge aus dem nun kommunistischen Jugoslawien. Es handelte sich um gemäßigte und radikale Antikommunisten, darunter auch Personen die den kroatischen Faschismus unterstützt hatten. Sie trafen auf die kroatischen Fremdarbeiter, die während des Krieges für den Bergbau angeworben worden waren (im Jahr 1944 noch knapp 7.999 Personen). Dadurch gab es etwa 10.000 zumeist katholische kroatische Einwanderer und die deutschen Diözesen gründeten die ersten katholischen Gemeinden für Kroaten (kroatische Missionen).[2]

Zeit des Zweiten Jugoslawien (Arbeitsmigration)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Kroaten der ersten Generation kamen in den 1960er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland. Besonders viele kamen ab dem Jahr, als ein entsprechendes Abkommen zwischen den Regierungen Deutschlands und Jugoslawiens über die Aufnahme von Gastarbeitern aus Jugoslawien unterzeichnet wurde. Während des Kroatischen Frühlings, bei dem unter anderem auch gegen die Politik, welche die massive Abwanderung von Kroaten aus ihrer Heimat ins Ausland förderte, protestiert wurde, kamen auch zahlreiche vom jugoslawisch-kommunistischen Regime politisch verfolgte Exilkroaten nach Westdeutschland.

Die zweite Generation wurde in den 1970er Jahren in Deutschland geboren oder zog im Rahmen der Familienzusammenführung in späteren Jahren nach.

Jugoslawienkriege (Fluchtmigration)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa 15 % der Kroaten kamen zwischen 1991 und 1995 während des Kroatien- und des Bosnienkriegs nach Deutschland. Nach einer Studie von UNHCR und IOM aus dem Jahr 1996 lag der Anteil der kroatischen Flüchtlinge und Vertriebenen aus Bosnien und Herzegowina in Deutschland bei 14,84 % (etwa 52.000 Personen) von insgesamt etwa 350.000 (77,30 % Bosniaken)[3]. Ein Teil blieb auf Dauer, die meisten zogen jedoch wegen aufenthaltsrechtlicher Gründe wieder zurück nach Bosnien und Herzegowina oder in Drittstaaten. Allein im Zeitraum von 1996 bis 1999 zogen etwa 6000 Kroaten aus Bosnien und Herzegowina aus Deutschland in die USA und etwa 5600 nach Kanada und Australien.

Bevölkerungsbewegungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strukturelle Angaben über Gastarbeiter in Westeuropa und den Anteil kroatischer und anderer Bevölkerungsgruppen des ehemaligen jugoslawischen Vielvölkerstaates während der letzten 35 Jahre.

Migration
Quelle: Gesamtzahl der Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien in Westeuropa aus Kroatien aus Bosnien-Herzegowina in Deutschland
Volkszählung 1971[4] 790.500 Arbeiter 6,1 % der Bevölkerung bzw. 308.295 oder. 38,3 % insgesamt aus Jugoslawien (Bevölkerungsanteil 22,2 %) 4,8 % der Bevölkerung ?
1973[5] 1.110.000 (860.000 Arbeiter + 250.000 Familienmitglieder) 295.000 Arbeiter bzw. 34,4 % + Familienmitglieder 141.000 Arbeiter + Familienmitglieder 55 % aller bzw. 605.000 (473.000 Arbeiter und 137 500 Familienmitglieder)
Anfang 1981[6] 1.100.000 (700.000 + 400.000 Familienmitglieder) „mindestens etwa 1/3“, („Vjesnik“, 10. April 1982) ? ?
Volkszählung 1981[7] 815.000 (578.000 + 237.000 Familienmitglieder) 189.000 (135.000 + 54.000 Familienmitglieder), bzw. 23,19 % aller ? ?
1986[8] ? ? ? 591.000 insgesamt aus Jugoslawien
1991[9] ? ? ? 775.082 insgesamt aus Ex-Jugoslawien
1992[10] ? ? ? 915.636 insgesamt aus Ex-Jugoslawien
2005[11] ? 228.926 156.872 1.729.091 insgesamt aus Ex-Jugoslawien
2006[12] ? 227.510 157.094 1.452.701 insgesamt aus Ex-Jugoslawien

Quelle: „Crkva i hrvatsko iseljeništvo“, Kršćanska sadašnjost, Zagreb, 1982 / „Vjesnik“, 14. Mai 2001.[13] Statistički ured, Wiesbaden, 2005.

Aktuelle Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut den Angaben von statista.com lebten am 31. Dezember 2017[14] in Deutschland 368.000 kroatische Staatsangehörige. Beim Zensus 2011 wurde die Zahl der Kroaten in Deutschland noch mit 330.730 beziffert. Beim Mikrozensus stieg diese Zahl von 324.000 (2011) auf 407.000 (2015), wobei zwischen Zensus und Mikrozensus Unterschiede in der Definition des Migrationshintergrundes bestehen. Der Kroatische Weltkongress in der Bundesrepublik Deutschland (KWKD) spricht von ca. 400.000 Kroatischstämmigen in Deutschland.[15] Die vorherige konstante Abnahme der kroatischen Staatsbürger in der Bundesrepublik Deutschland erklärt sich zum einen durch die verstärkte Rückkehr nach Kroatien, zum anderen entscheiden sich viele, insbesondere junge und gut ausgebildete Menschen kroatischer Abstammung, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Mit dem Beitritt Kroatiens in die EU ist die Zahl der kroatischen Staatsbürger in Deutschland wieder angestiegen.

Ältere Angaben des statistischen Bundesamtes (kroatische Staatsangehörige):

  • 2011: 220.199
  • 2009: 221.222
  • 2008: 223.056
  • 2007: 225.309
  • 2006: 227.510
  • 2005: 228.926
  • 2004: 229.172
  • 2003: 236.570
  • 2002: 230.987
  • 2001: 223.819
  • 1994: 176.251
  • 1993: 153.146

Verteilung auf die Bundesländer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 31. Dezember 2014[16]

Anzahl der Kroaten in deutschen Bundesländern
Nr. Bundesland Personen
1. Baden-Württemberg 82.092
2. Bayern 64.163
3. Berlin 9.692
4. Brandenburg 471
5. Bremen 1.167
6. Hamburg 5.668
7. Hessen 38.322
8. Mecklenburg-Vorpommern 260
9. Niedersachsen 7.429
10. Nordrhein-Westfalen 41.043
11. Rheinland-Pfalz 8.668
12. Saarland 1.005
13. Sachsen 614
14. Sachsen-Anhalt 435
15. Schleswig-Holstein 2.129
16. Thüringen 189

Verteilung auf die Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angaben für das Jahr 2005

Anzahl von Kroaten in Großstädten
Stadt Personen
München 36.655 (2017)[17]
Stuttgart 29.600[18]
Frankfurt am Main 16.075[19]
Berlin 13.282[20]
Mannheim 6.555
Hamburg 4.585
Düsseldorf ¹ 3.550
Nürnberg 3.392
Hannover ³ 3.102
Köln 2.854
Karlsruhe 2.423
Augsburg ³ 2.237
Offenbach am Main 1.999
Essen ² 1.944
Pforzheim ¹ 1.481
Wiesbaden 1.263
Wuppertal 1.183
Ulm 1.107
Freiburg ¹ 1.037
Darmstadt ¹ 751
Heidelberg 326

¹31. Dezember 2004, ²30. Juni 2006, ³31. Dezember 2007

Unter den Landkreisen und Kreisfreien Städten in der Bundesrepublik hatte beim Zensus 2011 Stuttgart den größten Anteil von Migranten aus Kroatien an der Bevölkerung, gefolgt von Pforzheim. [21]

Aufenthaltsdauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufenthaltsdauer am 31. März 2018[22] ergibt sich aus dem Zeitraum zwischen dem Datum der ersten Einreise in Deutschland bis zur letzten Ausreise oder bis zum Stichtag mit Berücksichtigung von Unterbrechungen (Auslandsaufenthalte sind herausgerechnet).

Netto-Aufenthaltsdauer in Jahren
unter 1 1 bis 4 4 bis 6 6 bis 8 8 bis 10 10 bis 20 20 bis 30 30 und mehr nicht berechenbar Gesamt
Personen: 37.746 104.975 18.442 4.210 3.058 20.793 48.571 97.413 40.724 375.932
In %: 10,04 27,92 4,90 1,12 0,81 5,53 12,92 25,91 10,83 100

Bei den meisten Personen, die in den letzten Jahren nach Kroatien zurückkehren, handelt es sich um Menschen in der Altersrente, die in den 1960er und 1970er Jahren nach Deutschland gekommen sind.

Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung – BMBF über den Anteil an Ausländern in Schulen im Jahr 1994 gab es für kroatische Schüler bundesweit die folgende Verteilung:

  • 46,5 % besuchten Grundschulen
  • 53,3 % besuchten weiterführende Schulen

Auf die weiterführenden Schulen verteilen sich die kroatischen Schüler wie folgt:

  • 42,2 % besuchten das Gymnasium
  • 49,5 % besuchten die Realschule
  • 8,3 % besuchten die Hauptschule

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fronleichnamsprozession der kroatischen katholischen Mission in Freiburg im Breisgau (2017).

Gemäß den Angaben der kroatischen katholischen Missionen leben in Deutschland ca. 305.000 katholische Kroaten. (~82% der kroatisch-stämmigen Deutschlands) Es gibt daher fast 100.000 Mitglieder mehr als Kroatische Staatsbürger in Deutschland.

Derzeit gibt es 97 kroatische katholische Missionen, in denen 89 Priester, 5 Diakone, 61 Pastoralmitarbeiter/-innen und 32 Sekretärinnen tätig sind.[23] Ihnen widmet sich die Kroatenseelsorge in Deutschland.

Sportler (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den in Deutschland bekannten Persönlichkeiten mit kroatischer Staatsangehörigkeit oder Abstammung zählen die folgenden Sportler:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jenni Winterhagen: Transnationaler Katholizismus (= Studien zu Migration und Minderheiten. Band 28). LIT Verlag Münster, 2013, ISBN 978-3-643-12346-6, Kapitel 5 : Kroatische Einwanderung und Selbstorganisation, S. 81–125.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Hrsg.): Das Bundesamt in Zahlen 2017 : Asyl, Migration und Integration. 2018, Tabelle III - 4: Ausländische Bevölkerung nach den häufigsten Staatsangehörigkeiten am 31.03.2018, S. 113 (bamf.de [PDF]).
  2. Winterhagen 2013, S. 81 (s. Literatur)
  3. „Zur sozialen Struktur der bosnischen Kriegsflüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland“, (Memento des Originals vom 22. März 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.proasyl.de
  4. Quelle: Savezni zavod za statistiku, Beograd
  5. Zensus von 1971
  6. Angaben der Länder in denen ehemalige jugoslawische Bürger sich aufhielten
  7. Quelle: Savezni zavod za statistiku, Sowie Angaben aus dem stat. bilten br. 1239, Beograd
  8. „Der Fischer Weltalmanach“, 1989
  9. „Der Fischer Weltalmanach“, 1994
  10. wie zuvor
  11. wie zuvor
  12. wie zuvor
  13. „Vjesnik“ 14. Mai 2001, http://www.vjesnik.hr/Pdf/2001%5C05%5C14%5C15A15.PDF@1@2Vorlage:Toter Link/www.vjesnik.hr (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  14. Anzahl der Ausländer in Deutschland nach Herkunftsland in den Jahren 2016 und 2017. In: statista.com. Abgerufen am 12. Juli 2018.
  15. Kroatischer Weltkongress in Deutschland. Abgerufen am 12. Juli 2018.
  16. Seite 99
  17. Statistisches Amt der Landeshauptstadt München (Hrsg.): Demografie der Münchner Bevölkerung 2017 : Auswertungen der Bevölkerungsbewegungen des Jahres 2017 sowie des Bevölkerungsbestands zum Jahresende 2017. 2018, Tabelle 16: Bevölkerung zum 31.12.2017 nach Nationalität, S. 14 (muenchen.de [PDF]).
  18. [1]
  19. [2]
  20. https://www.businesslocationcenter.de/de/A/ii/2/popupseite0.html
  21. Kartenseite: Kroaten in Deutschland - Landkreise Abgerufen am 31. März 2017
  22. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Hrsg.): Das Bundesamt in Zahlen 2017 : Asyl, Migration und Integration. 2018, Tabelle III - 6: Aufenthaltsdauer der ausländischen Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit am 31.03.2018, S. 115 (bamf.de [PDF]).
  23. kroatische Seelsorge (Memento des Originals vom 22. Juni 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zivazajednica.de