Mitropa

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Die MITROPA, später MITROPA AG, war eine Bewirtungs- und Beherbergungsgesellschaft, die die Versorgung von Reisenden in Bahnhöfen und auf Autobahnraststätten bereitstellte und durchführte. Sie wurde 1916 zum Betrieb von Schlaf- und Speisewagen gegründet. „MITROPA“ ist ein Akronym, das sich aus „MITteleuROPäische Schlaf- und Speisewagen Aktiengesellschaft“ ableitet.

2004 wurde die MITROPA verkauft. Seit dem Jahr 2006 firmiert der Rest der Gesellschaft unter dem Namen SSP Deutschland GmbH.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zug mit MITROPA-Speisewagen auf der Rhätischen Bahn in der Schweiz (1928)
Mitropa-Gaststätte im Berliner Ostbahnhof (1956)

Die Gesellschaft wurde am 24. November 1916 als Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen Aktiengesellschaft gegründet. Ziel war es, die Dominanz der französisch-belgischen Internationalen Schlafwagengesellschaft (CIWL/ISG) einzuschränken. Begründer von Mitropa waren unter anderem die Eisenbahnverwaltungen aus Deutschland, Österreich und Ungarn. Mit der Aufnahme des Geschäftsbetriebes am 1. Januar 1917 erhielt die Gesellschaft das Monopol zum Betrieb von Speise- und Schlafwagen in Deutschland, Österreich und Ungarn bis zum 1. Oktober 1946. Anfang 1917 übernahm die MITROPA auch die Bewirtschaftung des Balkanzugs von Berlin nach Konstantinopel, der die Mittelmächte miteinander verband und den Orient-Express der CIWL ersetzen sollte. Die MITROPA übernahm vorhandene Wagen und Personal der ISG sowie schon bestehende deutsche Schlaf- und Speisewagengesellschaften. Parallel dazu behielten allerdings die deutschen Länderbahnen ihre Schlafwagen, die letzten eigenständigen Kurse der nunmehrigen Reichsbahn gingen erst 1925 auf die MITROPA über.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebiet der MITROPA durch Verträge mit der ISG wieder auf Deutschland und Österreich beschränkt. Die Gesellschaft bot aber auch Kursläufe in die Niederlande und in die Schweiz an. Sie bewirtschaftete auch den FD Rheingold. In der Zwischenkriegszeit übernahm die Gesellschaft auch weitere Geschäftsfelder. So wurden Restaurationsbetriebe auf den Schiffen der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft und den Fähren der Strecke SassnitzTrelleborg betrieben. Auch die gastronomische Versorgung in den Flugzeugen der Lufthansa wurde von der MITROPA übernommen. Die MITROPA eiferte hier der französisch-belgischen Konkurrenz der CIWL nach, die ebenfalls erste Bewirtschaftungen von Linienflügen sowie Schiffsrestaurants auf der Donau und der Weichsel übernommen hatte.

Eine Weinkellerei hatte die MITROPA um 1923 in Traben-Trarbach an der Mittelmosel erworben und konnte dadurch die drei Hausmarken MITROPA Kupfer, MITROPA Silber und MITROPA Gold anbieten. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von der neu gegründeten DSG diese Sorten zuerst noch als MITROPA Hausmarke, später aber als DSG Hausmarke angeboten.

Ab 1922 standen der MITROPA vier Salon–Schlafwagen sowie ein Salon–Speisewagen zur Verfügung. Die MITROPA kaufte diese Wagen nach der Auflösung des ehemaligen kaiserlichen Hofzuges und baute beide um. Trotz Umbau blieben sie Luxuswagen. Äußerlich erhielten diese Wagen noch den grünen MITROPA–Anstrich und zusätzlich die Aufschriften als Salon–, Schlaf– oder Speisewagen. Eingesetzt wurden die Wagen damals im Luxuszug auf der Strecke Berlin–Hoek van Holland mit Anschluss an das Kanalschiff nach Harwich. Die Salonwagen der MITROPA wurden teilweise auch privat, wie zum Beispiel vom Reichspräsidenten von Hindenburg, benutzt. Dazu wurden die Salonwagen in planmäßig verkehrende D–Züge eingestellt. Im Jahre 1935 hat man die Salonwagen abgestellt und verkauft.[1]

In den Speisewagen der MITROPA lag ab dem Jahre 1926 die MITROPA Zeitung kostenlos zum Mitnehmen aus. Diese Zeitschrift hatte themenbezogene Ausgaben für die Standorte in Berlin, Frankfurt am Main, Köln und München. Die Zeitung sollte auf der Zugreise der Unterhaltung dienen. Informationen und kulturelle Hinweise zur jeweiligen Region, wechselten sich inhaltlich mit Kurzgeschichten, Reisetipps, Werbung und Rätsel ab.

Die Wagen der Gesellschaft erhielten ab 1927/1928 erstmals den bordeauxroten Anstrich sowie das typische MITROPA-Emblem. Entwickelt hatte das Unternehmenslogo und die typische Schriftart der Gebrauchsgrafiker Karl Schulpig. Das Unternehmen betrieb in Gotha ein eigenes MITROPA – Ausbesserungswerk für Schienenfahrzeuge. In diesem Zeitraum übernahm die MITROPA auch das Sponsoring für den ersten Internationalen Fußballwettbewerb, den Mitropapokal.

Im Jahr 1928 übernahm die MITROPA die Siesta GmbH, die sich einen Namen mit dem Vermieten der damals sehr bekannten Siesta-Kissen an die Reisenden gemacht hatte. Danach wurden die Kissen unter dem Namen MITROPA-Reisekissen weiter vermietet.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs musste die MITROPA ihre Geschäfte zunächst erheblich einschränken. Mahlzeiten wurden nur noch gegen Lebensmittelkarte n ausgegeben.[2] Ein Teil der bewirtschafteten Speise- und Schlafwagen wurde sofort abgestellt und für militärische Zwecke, wie die Befehlszüge der Wehrmacht, verwendet. Nach der Besetzung weiter Teile Mitteleuropas durch die Wehrmacht übernahm die MITROPA andererseits frühere Kurse der CIWL, MITROPA-Schlafwagen kamen so bis Bordeaux oder Sofia.[3] Diese Ausdehnung war aber letztlich nur vorübergehend. Die verbliebenen Speisewagendienste wurden im Juni 1942 auf Betreiben von Albert Ganzenmüller, dem Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium, eingestellt, der Betrieb der Schlafwagen streng reglementiert.[4] Die letzten Schlafwagenkurse wurden 1944 eingestellt. Andererseits übernahm die MITROPA weitere stationäre Dienste, vor allem an Bahnhöfen. So wurde während der deutschen Besetzung Polens im Warschauer Hauptbahnhof ein MITROPA-Restaurant Nur für Deutsche eröffnet.[5] Mit Kriegsende wurden alle Mitropadienste eingestellt.

Wilhelm Kleinmann war seit 26. Mai 1942 der letzte Direktor der MITROPA. Kleinmann – seit 1. Oktober 1931 Mitglied der NSDAP – entwickelte schon bei der Reichsbahn eine emsige Tätigkeit mit dem Ziel der „Säuberung“ der Reichsbahn von Juden und Sozialdemokraten, und der Besetzung wichtiger Positionen mit zuverlässigen Nationalsozialisten. Nach Kritik von Joseph Goebbels, Adolf Hitler und Albert Speer an Kleinmann – vor allem wegen der unzureichenden Leistungen der Reichsbahn während des Zweiten Weltkrieges in Russland – wurde dieser jedoch 1942 von der Reichsbahn zur MITROPA abgeschoben. Kleinmann verschwand in den Wirren des Einmarschs der Roten Armee in Berlin, vermutet wird, dass er in einem Internierungslager in Posen ums Leben kam.[6]

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MITROPA-Geschirr aus der DDR
Werbemarke fünfzig Jahre MITROPA von 1967

Infolge des Zweiten Weltkrieges und der folgenden Teilung Deutschlands wurde auch die MITROPA geteilt. Bereits im April 1945 hatte die Direktion der MITROPA die Stadt Berlin mit einem Ausweichzug in Richtung Westen nach Bad Segeberg verlassen. Die in Berlin verbliebenen Mitarbeiter meldeten die MITROPA am 23. Mai 1945 bei den zuständigen Behörden wieder als Aktiengesellschaft mit Sitz in Berlin, Universitätsstraße 2 bis 3a an. Eine erste Inventur nach dem Krieg ergab, dass auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone von 45 vorhandenen Speisewagen nur sechs und von 48 vorhandenen Schlafwagen nur fünf einsatzbereit waren. Zunächst liefen diese Wagen nur in den verkehrenden Zügen der vier Besatzungsmächte. Durch den Abzug von weiteren Speise– und Schlafwagen in westliche Besatzungszonen, erlitt der Wagenpark noch zusätzlich Verluste.[7]

Die MITROPA begann in den später wieder verkehrenden FD–Zügen Berlin – Leipzig, Dresden – Rostock, Berlin – Erfurt und Berlin – Stralsund, mit einer eher bescheidenen Bewirtschaftung. Es wurde zunächst im Zug, in Behelfsküchenabteilen, eine Suppe gegen Markenabgabe serviert. In Berlin kochte man für Kinder im Rahmen der Schulspeisung ein Mittagessen. Schrittweise eröffnete man wieder zerstörte Bahnhofswirtschaften.[8] Am 1. Oktober 1945 eröffnete die MITROPA das erste Hotel nach dem Krieg. Ein ehemaliger Hochbunker in Berlin-Lankwitz bot bis zu 240 Personen eine Übernachtungsmöglichkeit.[9] Ein MITROPA–Schlafwagen–Hotel stand ab 1950 in Berlin am Stettiner Bahnhof mit 42 Schlafabteilen für Gäste und Geschäftsreisende zur Verfügung. Auch in Leipzig gab es damals solch eine Übernachtungsmöglichkeit.[10]

In den Westzonen bildeten sich nach 1945 zwei MITROPA–Betriebe. In der amerikanischen und französischen Zone entstand die Direktion–West in Frankfurt am Main und für die britische Zone wurde die Generaldirektion der DR in Bielefeld beauftragt. Diese wiederum übergab den Schlaf- und Speisewagenbetrieb als Reichsbahn Schlafwagen und Speisewagen Betrieb nach Hamburg–Altona. In der weiteren Entwicklung ging daraus am 1. April 1950 die Deutsche Schlafwagen- und Speisewagengesellschaft (DSG) hervor, die Schlaf- und Speisewagen der Deutschen Bundesbahn in der Bundesrepublik Deutschland bewirtschaftete. 1954 wurde in einer Vereinbarung der Interzonen–Verkehr zwischen der DB, der DR, der MITROPA und der DSG geregelt.[11]

Die Kooperation von DSG und MITROPA im Eisenbahnverkehr funktionierte den Umständen entsprechend gut. Die MITROPA in der DDR nutzte das an einen Reichsadler erinnernde Zeichen nun abgewandelt: Der Adlerkopf über dem „M“ entfiel, das vormals vierspeichige, in der Verbindung mit dem Adler an ein Hakenkreuz erinnernde Rad erhielt zwei weitere Speichen. Die neu gegründete DSG in der Bundesrepublik Deutschland benutzte bis ca. 1974 ebenfalls das MITROPA–Zeichen. Es wurde jedoch ohne Abwandlungen und in der ursprünglichen Form verwendet. Das Zeichen war damals zusätzlich neben dem Kurzzeichen „DSG“ an den Schlaf- und Speisewagen der DSG sowie auf deren Speisekarten und auf diversen Getränkeetiketten angebracht.[12]

Die MITROPA AG blieb in (Ost-)Berlin eine der wenigen Aktiengesellschaften, die die DDR überleben sollten. Von 1960 bis 1990 stand an der Spitze der MITROPA ein Generaldirektor. Zugeordnet waren vier Direktorate mit jeweils einen Direktor. Der Hauptbuchhalter war dabei dem Generaldirektor direkt unterstellt. Der Vorstand der MITROPA setzte sich aus dem Generaldirektor, den vier Direktoren und dem Hauptbuchhalter zusammen. Auch in der DDR war dabei das entscheidende Gremium der MITROPA der Aufsichtsrat. Seine Mitglieder setzten sich aus Generaldirektoren und leitenden Angestellten des Verkehrswesens zusammen.

In der DDR bewirtschaftete die MITROPA nicht nur Speise-, Buffet– und Schlafwagen, sondern eine Vielzahl von gastronomischen Einrichtungen vor allem in den größeren Bahnhöfen. Außerdem gab es auf vielen Bahnhöfen die MITROPA−Frisörsalons und zeitweise war die MITROPA auch für die Intershopläden verantwortlich. Ab 1954 übernahm sie die gastronomische Versorgung auf den Schiffen der Weißen Flotte in Berlin und Sächsische DampfschiffahrtDresden sowie den Eisenbahnfähren auf der Ostsee. Zum 1. Januar 1961 wurden der Gesellschaft auch die Autobahnraststätten übertragen.

Ab den sechziger Jahren verkehrte bis 1989 der Touristenexpress, abgekürzt TOUREX als fahrendes Hotel auf der Strecke Dresden – Varna – Dresden. Der Ferienzug war jährlich von Mai bis Oktober im Einsatz. Der TOUREX umfasste bis zu 17 Wagen und hatte dabei eine Bettenbelegung von maximal 360 Personen. Betreut wurden die Reisenden auf der Fahrt nach Bulgarien von 28 Mitarbeitern der MITROPA.[13] [14]

Im Jahre 1971 eröffnete sie in Usadel bei Neubrandenburg an der Fernverkehrsstraße 96 ihr erstes Motel.[15][16] Die Gesellschaft betrieb ebenfalls das 1969 eröffnete Rügen-Hotel in Saßnitz.

Ein wichtiger Werbeträger war ab dem Jahre 1972 das vom VEB Colditzer Porzellanwerk hergestellte Geschirr „rationell“. Speisewagen, Bahnhofsrestaurants und –bistros waren damit ausgestattet. Die MITROPA war Mitglied der Europäischen Reisezug–Fahrplan–Konferenz, sie schloss mit einer Reihe von Unternehmen, Bahnverwaltungen und Reisebüros Vereinbarungen über den Lauf von Speise- und Schlafwagen sowie deren gegenseitige Versorgung, die Bewirtschaftung von Triebwagen und den Verkauf von Bettkarten ab. Neben der Vereinbarung mit der DB/DSG gab es solche mit Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Jugoslawien, Österreich, ČSSR und Polen.

MITROPA in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1925 fuhren Schlafwagen der MITROPA nach Bern, Chur, Interlaken, Lugano und Zürich. Speisewagen liefen in den Zügen nach dem Bahnhof Arth-Goldau und Zürich. Im Oktober 1926 wurde ein Vertrag über den Betrieb von Schlaf- und Speisewagen zwischen der SBB und der MITROPA abgeschlossen. Außerdem gab es 1926 einen Vertrag über einen Schlafwagenkurs nach Interlaken mit der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn. Die SBB setzte zwischen Basel und Chur auch geschlossene MITROPA-Schlafwagenzüge ein. Im Jahre 1928 folgten Verträge mit der Berninabahn und Rhätischen Bahn (RhB) über einen Speisewagenbetrieb. Die MITROPA war damit auch auf den Schmalspurbahnen der Schweiz präsent. Auch die Bahnhofswirtschaft Alp Grüm wurde von 1928 bis 1949 mit Restaurant und Buffet von der MITROPA bewirtschaftet. Das Bahnhofsgebäude Alp Grüm befindet sich auf einer Höhe von 2'091 m ü. M. und war der höchstgelegene Wirtschaftsstandort den die MITROPA damals betrieb. Die Tätigkeit der MITROPA endete am 30. Juni 1949 mit der Beschlagnahmung und Liquidation deutscher Vermögenswerte und -gegenstände durch die Regierung der Schweiz.[17]

Am 5. Juni 1996 wurde die MITROPA Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen Aktiengesellschaft, Berlin, Zweigniederlassung Basel, Schweiz gegründet.[18] Sie sollte „Service in Tageszügen, im Schlafwagen- und Liegewagenverkehr, auf Fährschiffen, in stationären Servicebetrieben der Personenbahnhöfe, in Hotels, in Raststätten an Autobahnen und Straßen, auf Flughäfen“ erbringen. Das Geschäft der Buffet Suisse SA (früher Minibuffet AG),[19] heute in Liquidation, wurde ab 1. März 1997 übernommen. Am 21. August 1997 wurde die MITROPA Suisse SA Bern (seit 13. Januar 2003 als DB Reise&Touristik Suisse SA) gegründet.[20] Sie übernahm die Leistungen der Zweigniederlassung, welche am 9. Dezember 2005 gelöscht wurde. 2002 wird diese Leistung von der Passaggio Rail AG, heute elvetino AG und eine 100 %-Tochter der SBB wieder übernommen.[21]

MITROPA nach der Wiedervereinigung Deutschlands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands existierten Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn sowie deren Schienengastronomie-Tochtergesellschaften bis 1994 nebeneinander her. Im September 1991 waren rund 100.000 MITROPA-Mitarbeiter im Reisedienst beschäftigt. Dabei bewirtschaftete der MITROPA-Fahrbetrieb 81 Schlafwagen, 109 Liegewagen, 82 Speisewagen und 42 Buffetwagen mit ca. 700 Köchen, Kellnern und Schlafwagenschaffnern. Außerdem betrieb in dieser Zeit die MITROPA 264 Bahnhofsgaststätten, 6 Hotels und 28 Autobahnraststätten. Es gab 10 Flughafen–Restaurants sowie 82 Restaurants auf Fahrgastschiffen und drei Fährschiffen. Darüber hinaus führte sie 13 Frisörsalons, drei Wäschereien und mehr als 270 Kioske, Verkaufsstellen und Kaufhallen.[22] 1994 wurden die beiden Bahnunternehmen zur Deutschen Bahn AG fusioniert und MITROPA und DSG zur MITROPA AG.

Die neue MITROPA AG hatte vier Geschäftsbereiche: Service im Zug, Gastronomie und Handel an Bahnhöfen, Service an der Straße und Schiffscatering. Der Bereich Schiffscatering wurde 1999/2000 an Scandlines abgegeben. Das Tagesgeschäft (hauptsächlich die Bewirtschaftung von Speisewagen) aus dem Bereich Service im Zug sowie die dazugehörige Logistik (Fahrzeugwartung, Lebensmittellager und -belieferungen) wurden im Juli 2002[23] in die damalige DB Reise & Touristik AG (seit November 2003 DB Fernverkehr) integriert. Das Nachtgeschäft (hauptsächlich die Bewirtschaftung von Schlaf- und Liegewagen) wurde in die 2002 neu gegründete, bis heute im Konzernbesitz befindliche DB European Railservice integriert. Damit entfiel unter der Leitung von Hartmut Mehdorn der traditionsreiche Name für die Bordgastronomie der Züge der Deutschen Bahn. Seither sind die Restaurantkräfte nur schwer von Zugbegleitern und Zugführer unterscheidbar.

Anfang 2004 kündigte die Deutsche Bahn an, das Unternehmen zu verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Mitropa 1950 Mitarbeiter.[23] Am 1. April 2004 wurde die MITROPA AG mit den verbleibenden Geschäftsbereichen an die Compass Group Deutschland GmbH mit Sitz in Eschborn verkauft.[24] Ende 2004 wurde das Unternehmen MITROPA AG in die MITROPA GmbH umgewandelt. 2005 beschäftigte das Unternehmen bundesweit 1950 Mitarbeiter im Bereich stationäre Gastronomie & Handel für Reisende an 46 Bahnhöfen sowie 34 Autobahnraststätten bzw. Autohöfen. Im Jahr 2003 erzielte die MITROPA GmbH einen Umsatz von 120 Millionen Euro.

Innerhalb der Compass Group wurde die MITROPA GmbH dem Tochterunternehmen Select Service Partners zugeschlagen. Im Jahre 2006 wurde Select Service Partners aus dem Konzern herausgelöst und firmiert nun als SSP Deutschland.[25]

Bilder Schlafwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder Speisewagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammelgegenstände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie viele andere Unternehmen war auch die MITROPA auf eine anteilige Fremdfinanzierung angewiesen. Folglich gab man 1926 Genussscheine aus, die heute in entwerteter Form als Historische Wertpapiere vorliegen. In der DDR gab die MITROPA verschiedene, Gutscheine in den Bahnhofsgaststätten aus. Außerdem gab es Wertgutscheine, Wertbons, Pfand- und Wertmarken, welche vom MITROPA Rügen–Hotel–Saßnitz ausgegeben worden sind. Alle tragen das ab 1949 verwendete MITROPA Logo und meist noch einen entsprechenden Gültigkeitsvermerk. Doch auch andere Gegenstände mit MITROPA Logo, besonders Geschirr, sind heute beim Sammler sehr begehrt. [26]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation und der Betrieb der MITROPA wurde durch die zahlreichen Dienststellen in Deutschland und im Ausland gewährleistet. Als Beispiel ein Überblick vom Umfang des Unternehmens im Jahre 1925.[27]

Direktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Direktion für sämtliche MITROPA Betriebe: Berlin NW 7, Universitätsstraße 3 bis 3a

Nebenstellen der Direktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abteilung Zentral–Einkauf: Zentrallager: Berlin, Fruchtstraße 80/82. Vorküche: Berlin, Fruchtstraße 80/82. Garage: Berlin, Madaistraße 5
  • Abteilung Zentralgetränkelager: Berlin, Görlitzer Personenbahnhof, Empfangsgebäude
  • Drucksachen–Hauptlager: Berlin NW 7, Universitätsstraße 2 bis 3a
  • Uniformen–Hauptlager und Wäscherei: Berlin, Palisadenstraße 77 II
  • Betriebskrankenkasse: Berlin NW 7, Prinz–Louis–Ferdinand–Straße 1
  • Technisches Lager: Berlin, Lehrter Hbf., Ankunftsseite
  • Werkstatt Gotha: Kohlenstraße 8

Sonstige Dienststellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hauptabteilung Berlin – West: Mit den Zweigabteilungen Berlin Anhalter Bahnhof, Berlin Potsdamer Bahnhof, Berlin Schlesischer Bahnhof, Berlin Lehrter Bahnhof und Berlin Görlitzer Bahnhof
  • Abteilung Eichkamp bei Berlin: Mit der Zweigabteilung Insterburg und dem Kontrolleurposten Breslau
  • Abteilung Berlin Stettiner Bahnhof
  • Abteilung Altona: Mit der Zweigabteilung Hamburg und Hannover
  • Abteilung Dresden
  • Abteilung Frankfurt am Main: Mit der Zweigabteilung Basel Bad Bahnhof (Schweiz) und dem Kontrolleurposten Wiesbaden
  • Abteilung Köln: Mit der Zweigabteilung Dortmund und dem Kontrolleurposten Saarbrücken
  • Abteilung Leipzig
  • Hauptabteilung München: Mit den Zweigabteilungen München Hbf., Würzburg und Stuttgart
  • Bezirksdirektion für Österreich in Wien sowie das Reisebüro der MITROPA in Wien
  • Vertretung für die Niederlande: Geschäftsstelle Amsterdam, Zweigabteilung Hoek van Holland und Zweigabteilung Vlissingen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Albert Mühl: 75 Jahre Mitropa – Die Geschichte der Mitteleuropäischen Schlafwagen- und Speisewagen-Aktiengesellschaft. EK-Verlag GmbH, Freiburg 1992, Seiten 162 bis 168
  2. DB Museum (Hrsg.): Im Dienst von Demokratie und Diktatur: Die Reichsbahn 1920–1945 (= Geschichte der Eisenbahn in Deutschland. Band 2). 2. Auflage. Nürnberg 2004, ISBN 3-9807652-2-9, S. 108.
  3. Werner Sölch: Orient-Express. Glanzzeit und Niedergang eines Luxuszuges. 4. Auflage, Alba Verlag, Düsseldorf 1998, S. 67–71.
  4. Alfred Gottwaldt: Dorpmüllers Reichsbahn: Die Ära des Reichsverkehrsministers Julius Dorpmüller 1920–1945. EK-Verlag, Freiburg 2009, ISBN 978-3-88255-726-8, S. 195
  5. Bartoszewski W., 1859 dni Warszawy. Wydawnictwo „Znak“, Kraków 1974
  6. Alfred Gottwaldt, Diana Schulle: „Juden ist die Benutzung von Speisewagen untersagt“ Die antijüdische Politik des Reichsverkehrsministeriums zwischen 1933–1945, Teetz 2007, ISBN 978-3-938485-64-4, S. 105.
  7. Albert Mühl: 75 Jahre Mitropa – Die Geschichte der Mitteleuropäischen Schlafwagen- und Speisewagen-Aktiengesellschaft. EK-Verlag GmbH, Freiburg 1992, Seite 94
  8. Neues Deutschland, 28. Mai 1946, „Wieder Mitropa-Betriebe“
  9. Berliner Zeitung, 23. Juni 1946, „Das Mitropa-Hotel in Berlin“
  10. Berliner Zeitung, 18. Juni 1950, „Schlafwagen-Hotel“
  11. Albert Mühl: 75 Jahre Mitropa – Die Geschichte der Mitteleuropäischen Schlafwagen- und Speisewagen-Aktiengesellschaft. EK-Verlag GmbH, Freiburg 1992, Seiten 92 bis 95
  12. Diverse Speisekarten der DSG und Werbeprospekt der Orenstein & Koppel AG Dortmund (Waggonbau) von 1974
  13. Klaus Bossig: Sonderfahrzeuge der Deutschen Reichsbahn. EK-Verlag GmbH, Freiburg 2008, Seite 144
  14. TOUREX–Zugbegleiter mit Informationen für Reisende, 1981, Herausgeber: MITROPA und DR
  15. Geschichte des Motels, abgerufen am 21. November 2011
  16. Virtual Museum of Dead Places, mit einem Artikel aus der Zeitschrift Der Deutsche Straßenverkehr, 11/1971, abgerufen am 21. November 1971
  17. Albert Mühl: 75 Jahre Mitropa – Die Geschichte der Mitteleuropäischen Schlafwagen- und Speisewagen-Aktiengesellschaft. EK-Verlag GmbH, Freiburg 1992, Seiten 85 bis 90 und 191 bis 196
  18. Konkursverfahren Gericht Bern-Laupen. Kanton Bern, 21.08.1997, abgerufen am 14. Januar 2010 (deutsch).
  19. Eintrag Handelsregister Kanton Bern. Kanton Bern, 29.09.2008, abgerufen am 14. Januar 2010 (deutsch).
  20. Eintrag im Handelsregister des Kantons Bern
  21. Elvetino Portrait
  22. Albert Mühl: 75 Jahre Mitropa – Die Geschichte der Mitteleuropäischen Schlafwagen- und Speisewagen-Aktiengesellschaft. EK-Verlag GmbH, Freiburg 1992, Seite 108
  23. a b Meldung DB AG will Mitropa verkaufen. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2004, ISSN 1421-2811, S. 146.
  24. Geschäftsbericht 2004 S. 73
  25. Traditionsname Mitropa verschwindet. ECONOMY.ONE GmbH (Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH), 30. Juni 2006, abgerufen am 14. Januar 2010 (deutsch).
  26. Henning Huschka: Ersatzgeld und Geldähnliche Belege in der DDR, (Sammler-Katalog), H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, 2. Auflage 2013
  27. Unternehmensorganisation aus dem MITROPA–Kursbuch Winter 1925/26

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gottfried Krüger-Wittmack: 75 Jahre MITROPA. Hermann Merker Verlag, Fürstenfeldbruck 1992, ISBN 3-922404-28-6
  • Tilo Köhler: Sie werden plaziert! Die Geschichte der Mitropa. Transit-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-88747-177-6
  • Oliver Strüver: Schlafen und Speisen auf langen Reisen. In: Eisenbahn Magazin. Nr. 4. Alba Publikation GmbH & Co KG April 2016, ISSN 0342-1902, S. 6–15.
  • Albert Mühl: 75 Jahre Mitropa – Die Geschichte der Mitteleuropäischen Schlafwagen- und Speisewagen-Aktiengesellschaft. EK-Verlag GmbH Freiburg 1992, ISBN 3-88255-674-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mitropa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien