Söhlde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Söhlde
Söhlde
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Söhlde hervorgehoben
Koordinaten: 52° 11′ N, 10° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Hildesheim
Höhe: 94 m ü. NHN
Fläche: 57,1 km2
Einwohner: 7796 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 137 Einwohner je km2
Postleitzahl: 31185
Vorwahlen: 05129 und 05123 (Nettlingen und Bettrum)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HI, ALF
Gemeindeschlüssel: 03 2 54 032
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bürgermeister-Burgdorf-Str.
31185 Söhlde
Webpräsenz: www.soehlde.de
Bürgermeister: Alexander Huszar (CDU)
Lage der Gemeinde Söhlde im Landkreis Hildesheim
Landkreis Hildesheim Niedersachsen Landkreis Holzminden Landkreis Northeim Landkreis Goslar Landkreis Wolfenbüttel Salzgitter Landkreis Hameln-Pyrmont Region Hannover Landkreis Peine Freden (Leine) Lamspringe Bockenem Alfeld (Leine) Duingen Sarstedt Algermissen Harsum Giesen Nordstemmen Hildesheim Elze Gronau Eime Diekholzen Diekholzen Schellerten Schellerten Söhlde Bad Salzdetfurth Holle SibbesseKarte
Über dieses Bild

Söhlde ist eine Gemeinde im äußersten Nordosten des Landkreises Hildesheim; sie grenzt an die Landkreise Peine und Wolfenbüttel sowie an die Stadt Salzgitter. Der Verwaltungssitz liegt im Ortsteil Söhlde, der mit der Gebietsreform von 1974 auch Namensgeber für die neue Gemeinde wurde. Mit knapp 8000 Einwohnern zählt Söhlde zum Durchschnitt im Vergleich mit den anderen Gemeindegrößen im Landkreis.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Topografisch liegt die Gemeinde Söhlde in der Hildesheimer Börde bzw. streng genommen schon in der sich östlich anschließenden Ilseder Börde (vgl. Braunschweig-Hildesheimer Lößbörde) am Übergang des Harzvorlandes zur Norddeutschen Tiefebene. Das Gemeindegebiet wird von den Bundesstraßen B 1 und B 444 sowie der Bahnstrecke Hildesheim–Braunschweig (Bahnhof Hoheneggelsen) durchquert.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Söhlde besteht aus folgenden Ortschaften (Einwohnerzahl in Klammern)[2]:

(Stand: 1. September 2015)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patentmühle, heute das Standesamt

Das Dorf Söhlde gehörte zur Go Eggelsen. Diese kam 1446 endgültig zur Burg Steinbrück. Durch die Stiftsfehde fiel 1523 das Amt Steinbrück an Braunschweig. Im Kriege des Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Kulmbach gegen Herzog Heinrich d. J. wurde am 20. Juni 1553 Söhlde durch die Raubscharen des Markgrafen niedergebrannt. Im Jahre 1592 gab es dort vier Ackerleute, acht Halbspänner und 72 Kotsassen. Das Amt Steinbrück kam 1643 an Hildesheim zurück. Am 19. Februar 1644 wurde in Söhlde ein Meierding gehalten. Zu den an das Amt Steinbrück zu leistenden Diensten gehörten u. a. die Saat-Tage. Jeder Einwohner, der Pferde hielt, musste in der Saatzeit einen Tag mit dem Pfluge dienen oder 8 Gotegroschen (96 Pfennig) bezahlen. In der Erntezeit hatte jeder Einwohner fünf Tage Erntedienst zu leisten oder für jeden Tag 48 Pfennig zu entrichten.[3]

Der Glaser Christoph Behrens entdeckte um 1820, dass sich die geschabten Steine aus dem südlich des Dorfs liegenden Kreiderücken vorzüglich zur Herstellung von Kitt eigneten. Behrens errichtete die erste von Windkraft getriebene Kreidemühle und wurde so Begründer der blühenden Söhlder Kreideindustrie.[4] Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche Kreidewerke. Die Gewinnung und Verarbeitung der Kreide hatte in der Folge beträchtliche Auswirkungen auf die gewerbliche Struktur der Gemeinde und auf das Ortsbild. Auffälligstes Anzeichen war die Vielzahl von Windmühlen, von denen die meisten zur Vermahlung des Kalkgesteins dienten. Es existierten in Söhlde 14 Windmühlen, die fast alle der Kreideverarbeitung dienten, so dass Söhlde gegen Ende des 19. Jahrhunderts als mühlenreichstes Dorf Europas galt.[5] Im Jahre 1906 erkannten die Kreidehersteller sehr schnell die Vorteile der Elektrizität. Sie bauten ein Elektrizitätswerk, das alle Kreidewerke, Söhlde und auch die meisten Orte der Umgebung mit Strom versorgte. Die Windmühlen verloren Ihre Bedeutung.[6]

Am 12. August 1944 forderte der Abwurf von Sprengbomben über der Ortschaft Söhlde neun Todesopfer, ein Wohnhaus wurde zerstört.

Die heutige Gemeinde Söhlde wurde bei der Gebietsreform, die am 1. März 1974 in Kraft trat, durch den Zusammenschluss der Altgemeinde Söhlde mit den Gemeinden Bettrum, Feldbergen, Groß Himstedt, Hoheneggelsen, Klein Himstedt, Mölme, Nettlingen und Steinbrück neu gebildet.[7] Wegen der Unzufriedenheit mit der Namensgebung, vor allem im Ortsteil Hoheneggelsen, wurde die Gemeinde mit Wirkung vom 1. Mai 1981 durch ein niedersächsisches auch als "Reformkorrekturgesetz" bezeichnetes Gesetz in Hoheneggelsen umbenannt.[8] Durch Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 12. Januar 1982 wurde diese Umbenennung jedoch als ein unzulässiger Eingriff in das Namensrecht der Gemeinde für nichtig erklärt, und am 7. April 1982 erfolgte die erneute Umbenennung zurück zu Söhlde.[9][10]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrzahl der Bürger gehört der evangelisch-lutherischen Glaubensrichtung an. Die Reformation in der Gemeinde Söhlde wurde 1543 durch den Schmalkaldischen Bund eingeführt. Die sechs evangelischen Kirchengemeinden haben sich zum Kirchengemeindeverband Söhlde zusammengeschlossen. Gemeinsame Arbeitsschwerpunkte bilden hierbei die Arbeit mit Kindern, Konfirmanden und Jugendlichen, Besuchsdienstkreis, regionale Gottesdienste. Zur evangelisch-lutherischen Kirchenregion Söhlde gehören insgesamt zehn Kirchen. Erwähnenswert ist die im Jugendstil vermalte St. Martinskirche in Bettrum, die Wehrkirche in Hoheneggelsen mit Kolumbarium und die St.-Marien-Kirche in Nettlingen mit einem modern gestalteten Wandfries.

Zentraler Treffpunkt für die Jugendarbeit ist die Jugendscheune Heinrich Dammann in Bettrum. Mit Spendengeldern der Heinrich-Dammann-Stiftung und der EU wurde in den Jahren 2008/2009 die einstige Pfarrscheune zur Jugendscheune um- und ausgebaut.

Die katholische Pfarrgemeinde wurde am 1. Februar 1653 gegründet. Sie gehört zum Dekanat Braunschweig. Die Kirche der Gemeinde, Mariä Himmelfahrt, steht in Steinbrück und wurde 1786 erbaut. Zum 1. November 2006 wurde das Dekanat Peine im Bistum Hildesheim aufgelöst. Die diesem Dekanat zugeordneten Pfarrgemeinden, zu denen Steinbrück gehörte, wurden dem Dekanat Braunschweig eingegliedert. Die katholische Kirche in Söhlde befindet sich in einer Diaspora-Situation, denn nur etwa 15 % sind dieser Konfession zugehörig.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsratswahl[11][12]
Wbt.: 56,6 % (+2,8 %p)
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
72,7 %
27,3 %
Gewinne/Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
   2
   0
  -2
  -4
-1,8 %p
+1,8 %p
Gemeinderatswahl 2016[13][14]
Wahlbeteiligung: 61,0 % (+3,42 %p)
 %
50
40
30
20
10
0
42,0 %
41,3 %
8,7 %
4,7 %
3,2 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,0 %p
+7,9 %p
+1,5 %p
-2,7 %p
+2,0 %p
-1,8 %p

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat der Gemeinde Söhlde besteht aus 20 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 7.001 und 8.000 Einwohnern.[15] Die 20 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit beginnt am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.

Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Alexander Huszar (CDU).

Die letzte Kommunalwahl vom 11. September 2016 ergab das folgende Ergebnis (in Klammern Veränderung zur Wahl 2011):

  • SPD – 8 Sitze (−2)
  • CDU – 8 Sitze (±0)
  • UWG – 2 Sitze (+1)
  • Grüne – 1 Sitz (±0)
  • FDP – 1 Sitz (+1)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Söhlde ist Alexander Huszar (CDU). Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 wurde er mit 52,7 % der Stimmen gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,9 %.[16] Huszar trat sein Amt am 1. November 2014 an und löste den bisherigen Amtsinhaber Reiner Bender (SPD) ab, der nicht mehr kandidiert hatte.

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als der Gemeinderat, der für alle Ortsteile der Gemeinde Söhlde zuständig ist, wird der Ortsrat nur für den gleichnamigen Ortsteil gewählt.

Nach den Kommunalwahlen in Niedersachsen 2016 verteilen sich die neun Sitze im Ortsrat wie folgt (in Klammern Veränderung zur Wahl 2011):

  • SPD: 7 Sitze (±0)
  • CDU: 2 Sitze (±0)

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeisterin ist Carola Nitsche (SPD).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde Söhlde zeigt in Rot die silberne Kehrwiederkirche Steinbrück mit goldenem Knauf und Kreuz.[17] Die Kehrwieder-Kirche in Steinbrück ist der einstöckige Rest eines Rundturmes mit Kegeldach und Laterne.

Wappen des Orts Söhlde

Die Ortschaften haben eigene Wappen, so z.B. Söhlde (Ortschaft) drei silberne Bockwindmühlen auf Rot, Hoheneggelsen roter Doppeladler auf Gold.[18]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftlich ist die Gemeinde von der Landwirtschaft geprägt; die Lage in der Hildesheimer Börde mit ihren fruchtbaren Böden ist ausschlaggebender Faktor hierfür. Neben der Landwirtschaft ist die Ortschaft Söhlde vor allem durch den Kreideabbau geprägt. Das Abbaugebiet zählt zu den größten Kreideförderungen der Welt. Das Kreidewerk "Vereinigte Kreidewerke Damman KG" ist mit rd. 80 Mitarbeitern in Werk und Verwaltung der größte Arbeitgeber der Gemeinde.[19] Zum Kreidewerk Damman gehören auch Kreidewerke in Lägerdorf und auf Rügen.

Weitere größere Arbeitgeber gibt es in der Gemeinde nicht. Es ist hauptsächlichb eine Auspendlergemeinde. Die Gemeinde Söhlde versteht sich als Wohnstandort;[20] die Anbindung an die kleineren Städte Salzgitter und Peine und die größeren wie Hildesheim, Braunschweig und Hannover über B 1, B 444, mehrere Buslinien und die Bahnstrecke Hildesheim–Braunschweig ist somit sehr wichtig.

In der Ortschaft Hoheneggelsen befindet sich der Sitz der Volksbank Hildesheimer Börde, die über 17 Filialen (davon drei in der Gemeinde Söhlde) in Landkreis Hildesheim und Umgebung verfügt.

In der Nähe der Ortschaft Hoheneggelsen liegt eine stillgelegte Sonderdeponie des Landes Niedersachsen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraßen B 1 und B 444 stellen die Anbindung sowohl in West-Ost-Richtung als auch in Nord-Süd-Richtung her. Regionale Buslinien ergänzen die innerörtliche Erschließung und die Verbindung mit den Nachbarorten. Die Bahnstrecke Hildesheim–Braunschweig weist einen Bahnhof in der Siedlung Bahnhof Hoheneggelsen auf, die sich zwischen Hoheneggelsen und Groß Himstedt befindet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hildesheimer und Kalenberger Börde. Natur und Landschaft im Landkreis Hildesheim. Mitteilungen der Paul-Feindt-Stiftung, Band 5: Hildesheim 2005, ISBN 3-8067-8547-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Söhlde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Zahlen und Statistik auf der Webseite der Gemeinde Söhlde, abgerufen am 14. September 2015
  3. http://www.soehlde.de/Unsere_Gemeinde/Ortschaften/S%C3%B6hlde/
  4. http://www.soehlde.de/Unsere_Gemeinde/Ortschaften/S%C3%B6hlde/
  5. http://robert.cyty.com/kartei/soehlde-windmuehlen.html
  6. http://www.dammann.de/Unternehmen/Geschichte/S%C3%B6hlder-Kreide
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 209.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 219.
  9. Urteilstext
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 813.
  11. Ergebnis der Ortsratswahl Söhlde 2011 auf der Webseite der Gemeinde, abgerufen am 1. Oktober 2015
  12. Ergebnis der Ortsratswahl Söhlde 2016 auf der Webseite der Gemeinde, abgerufen am 2. Oktober 2016
  13. Wahlergebnis Kreiswahl 2006 - LK HI. endgültig. Webseite des Landkreis Hildesheim. Abgerufen am 18. März 2012.
  14. Webseite der Gemeinde Söhlde, abgerufen am 2. Oktober 2016.
  15. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 14. November 2014
  16. Einzelergebnisse der Direktwahlen am 25. Mai 2014 in Niedersachsen, abgerufen am 15. November 2014
  17. Hauptsatzung der Gemeinde Söhlde, abgerufen am 15. November 2014
  18. Abbildungen auf der Gemeinde-Homepage unter „Ortschaften“, abgerufen am 15. November 2014
  19. http://www.heinrich-dammann-stiftung.de/wp-content/uploads/2014/07/dermenschheinrichdammann.pdf
  20. Informationsbroschüre der Gemeinde Söhlde - Grußwort des Bürgermeisters.. Webseite der Gemeinde Söhlde. Abgerufen am 15. März 2012.