Striegistal

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Striegistal
Striegistal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Striegistal hervorgehoben
Koordinaten: 51° 0′ N, 13° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Mittelsachsen
Höhe: 270 m ü. NHN
Fläche: 77,22 km2
Einwohner: 4842 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner je km2
Postleitzahl: 09661
Vorwahlen: 037207, 034322
Kfz-Kennzeichen: FG, BED, DL, FLÖ, HC, MW, RL
Gemeindeschlüssel: 14 5 22 540
Gemeindegliederung: 14 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
OT Etzdorf, Waldheimer Straße 13
09661 Striegistal
Webpräsenz: www.striegistal.de
Bürgermeister: Bernd Wagner
Lage der Gemeinde Striegistal im Landkreis Mittelsachsen
AltmittweidaAugustusburgBobritzsch-HilbersdorfBrand-ErbisdorfBurgstädtClaußnitzDöbelnDorfchemnitzEppendorfErlau (Sachsen)FlöhaFrankenberg/Sa.Frauenstein (Erzgebirge)FreibergGeringswaldeGroßhartmannsdorfGroßschirmaGroßweitzschenHainichenHalsbrückeHarthaHartmannsdorf (bei Chemnitz)Königsfeld (Sachsen)Königshain-WiederauKriebsteinLeisnigLeubsdorf (Sachsen)Lichtenau (Sachsen)Lichtenberg/Erzgeb.LunzenauMittweidaMühlau (Sachsen)Mulda/Sa.Neuhausen/Erzgeb.NiederwiesaOberschönaOederanOstrau (Sachsen)PenigRechenberg-BienenmühleReinsberg (Sachsen)RochlitzRossau (Sachsen)RoßweinSaydaSeelitzStriegistalTauraWaldheimWechselburgWeißenborn/Erzgeb.ZettlitzZschaitz-OttewigSachsenKarte
Über dieses Bild
Wappen von Striegistal bis 2008
Wappen von Tiefenbach bis 2008

Striegistal ist eine Gemeinde im Landkreis Mittelsachsen in Sachsen. Die Mehrzahl der Ortsteile liegen an der Kleinen Striegis, der Großen Striegis und der (vereinigten) Striegis.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Striegistal liegt etwa 15 km östlich der Stadt Mittweida, 16 km südlich von Döbeln und 17 km nordwestlich der Kreisstadt Freiberg. In Berbersdorf vereinigen sich die Kleine und die Große Striegis zur Striegis, deren Wasser in Niederstriegis in die Freiberger Mulde fließt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriebstein Roßwein Nossen
Rossau Nachbargemeinden Großschirma
Hainichen Hainichen Oberschöna

Gemeindegliederung, Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteil Größe in km² Einwohner
2. Jan. 2008
Einwohner
1. Jan. 2014
Arnsdorf 4,1 367 329
Berbersdorf 8,1 508 475
Böhrigen 5,3 684 600
Dittersdorf 2,2 102 85
Etzdorf 9,5 803 716
Gersdorf 3,5 99 110
Goßberg 3,1 114 93
Kaltofen 3,2 76 65
Marbach, mit Kummersheim 16,4 1185 1056
Mobendorf 8,6 617 612
Naundorf 2,8 267 234
Pappendorf 7,4 528 498
Schmalbach 2,8 182 143

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Besiedlung bis zur Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrzahl der Dörfer wurde im Zuge der deutschen Ostsiedlung unter Markgraf Otto zwischen 1156 und 1162 gegründet. 1162 bestätigte Kaiser Friedrich I., Barbarossa auf Bitten des Markgrafen, dass dieser 800 Hufen Landes, die er „auf seine Kosten roden und urbar machen“ ließ, einem Kloster, dem späteren Kloster Altzella stiften kann. In einer Urkunde aus dem Jahr 1185 werden die Grenzen des Klosters Altzella beschrieben. Danach gehörten von Arnsdorf, Dittersdorf, Kaltofen und Naundorf abgesehen, die Territorien aller anderen Dorfschaften der Gemeinde Striegistal zum Stiftungsgebiet. Obwohl in der Grenzbeschreibung kein einziger Name einer Ortschaft der Gemeinde Striegistal genannt wird, lässt sich vermuten, dass 1162 die Mehrzahl der Dörfer existierte.

Ob die Besiedlung der 800 Hufen damals schon vollständig abgeschlossen war, lässt sich nicht belegen. Neuere Forschungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Ortschaft Kaltofen, evtl. auch Goßberg, später entstanden ist. Böhrigen wird bereits in einer Urkunde vom 9. Juni 1183 erwähnt. Aus dieser Urkunde und aus archäologischen Befunden ist bekannt, dass es bereits vor 1156 Versuche zur Besiedlung der Region gab.

Erste urkundliche Erwähnung der Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde erste urkundliche Erwähnung damalige Schreibung
Arnsdorf 1348 Arnoldisdorf
Berbersdorf 1428 Berbirsdorff
Böhrigen 1183 Bor
Dittersdorf 1325 Dytrichdorph
Etzdorf 1314 Erzwinstorf
Gersdorf 1502 Gerßdorf
Goßberg 1428 Gogisperg
Kaltofen 1297 zum Kaldovene
Kummersheim 1428 Komersheim
Marbach 1264 Marchbach
Mobendorf 1428 Obirndorf
Naundorf 1337 Nuendorf
Pappendorf 1230 Poppendorf
Schmalbach 1428 Smalbach

Von der Reformation bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Jahre nach der Reformation wurde Ulrich von Mordeisen Grundherr der ehemals dem Kloster Altzella gehörenden Dörfer Berbersdorf, Bräunsdorf, Goßberg, Großschirma, Großvoigtsberg, Kaltofen, Kleinschirma, Kleinvoigtsberg, Kleinwaltersdorf, Langhennersdorf, Loßnitz, Mobendorf, Seifersdorf, Pappendorf und Reichenbach. Nach dem Ableben des Ulrich von Mordeisen erbten seine Söhne die Dörfer. Alle drei hatten kein Interesse an dem Besitz von jeweils fünf Dörfern. Sie verkauften sie an das sächsische Herrscherhaus. Am längsten ließ sich Rudolf Mordeisen Zeit. Er hatte die Dörfer Pappendorf, Mobendorf, Berbersdorf, Goßberg und Kaltofen geerbt. Der Kaufvertrag mit Kurfürst Christian trägt das Datum 5. Juli 1587. Diese Dörfer wurden dem im Zuge der Reformation gegründeten Amt Nossen zugeschlagen und von dort aus jahrhundertelang verwaltet.

Im Ortsteil Berbersdorf gerieten 1701 zwei Männer im Rahmen der Hexenverfolgung in einen Hexenprozess,[2] im Ortsteil Marbach 1700 ein alter Mann.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1994 schlossen sich vier Gemeinden im Rahmen der Gemeindegebietsreform zur Gemeinde Striegistal, sechs weitere zur Gemeinde Tiefenbach zusammen. Namensgebend waren die die Ortsteile durchfließenden oder tangierenden Gewässer Kleine und Große Striegis und die (vereinigte) Striegis wie auch das kleine Fließgewässer Tiefenbach.

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Arnsdorf[4] 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit 5 weiteren Gemeinden zu Tiefenbach
Berbersdorf[4] 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit 3 weiteren Gemeinden zu Striegistal
Böhrigen[4] 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit 5 weiteren Gemeinden zu Tiefenbach
Dittersdorf[4] 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit 5 weiteren Gemeinden zu Tiefenbach
Etzdorf[4] 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit 5 weiteren Gemeinden zu Tiefenbach
Gersdorf[5] vor 1875 Eingemeindung nach Etzdorf
Goßberg[4] 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit 3 weiteren Gemeinden zu Striegistal
Kaltofen[6] 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Pappendorf
Kummersheim[6][7] 1. Juli 1950 Umgliederung von Zella nach Marbach
Marbach[4] 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit 5 weiteren Gemeinden zu Tiefenbach
Mobendorf[4] 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit 3 weiteren Gemeinden zu Striegistal
Naundorf[4] 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit 5 weiteren Gemeinden zu Tiefenbach
Pappendorf[4] 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit 3 weiteren Gemeinden zu Striegistal
Schmalbach[6][7] 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Berbersdorf
Tiefenbach[4] 1. Juli 2008 Zusammenschluss mit Striegistal zu Striegistal

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2000: 5.966 (Tiefenbach: 3.779, Striegistal: 2.187)
  • 2006: 5.555 (Tiefenbach: 3.511, Striegistal: 2.044)
  • 2007: 5.483 (Tiefenbach: 3.462, Striegistal: 2.021)
  • 2009: 5.359
  • 2012: 4.933
  • 2013: 4.958

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[8]
Wahlbeteiligung: 56,2 %
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
76,9 %
18,6 %
1,7 %
2,9 %

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 18 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Allgemeiner und Freier Wählerverein Striegistal (AFWS): 15 Sitze
  • CDU: 3 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1993 ist Bernd Wagner der Bürgermeister. Bei der letzten Wahl im September 2015 wurde er mit 87,4 % der Stimmen im Amt bestätigt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche in Etzdorf
Kursächsischer Viertelmeilenstein Berbersdorf
  • Schlossanlage im Ortsteil Gersdorf
  • Kirchen in den Ortsteilen Etzdorf, Marbach und Pappendorf
  • Steinbogenbrücke aus dem 17. Jahrhundert über die Große Striegis im Ortsteil Pappendorf
  • Eindachhof aus dem Jahr 1626 im Ortsteil Pappendorf
  • Nachbildungen der 1722 bzw. 1727 errichteten kursächsischen Postmeilensäulen Nr. 16 (Ganzmeilensäule Marbach - Rosental vom Postkurs Dresden-Leipzig) bzw. Leipzig-Freiberg und Nr. 19 (Viertelmeilenstein Berbersdorf, Abfahrt A4), Nr. 20 (Ganzmeilensäule Pappendorf, Kirche) sowie Nr. 21 (Viertelmeilenstein Kaltofen, Richtung Hainichen) vom Postkurs NossenChemnitz
  • Rekonstruierte königlich-sächsische Meilensteine aus der Zeit von 1859 bis 1865 als Ganz- und Halbmeilensteine sowie Straßenwärterstein von den Postkursen Hainichen- bzw. Waldheim-Nossen in Etzdorf und Marbach bzw. als Wegweiserstein von der Poststraße Freiberg–Hainichen in Mobendorf-Ziegerhäuser
  • Aussichtsturm Böhrigen

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Tal des Perzbaches an der Straße von Goßberg nach Langhennersdorf befindet sich ein Gedenkort mit Steintafel zur Erinnerung an die weiblichen KZ-Häftlinge eines Todesmarsches aus den Außenlagern Leipzig-Schönefeld und Taucha des KZ Buchenwald, die im Frühjahr 1945 ihren Misshandlungen erlagen oder von SS-Männern ermordet wurden.

Bemerkenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bergbaugebiet in Gersdorf ist eine ausgewählte Stätte zur Bewerbung um Aufnahme in die Liste zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet führt die A 4, welche über den Anschluss Berbersdorf zu erreichen ist. Die B 169 führt im Westen des Gemeindegebietes durch den Ortsteil Arnsdorf. Die ehemaligen Bahnhöfe Böhrigen und Berbersdorf liegen an der 2004 (im Personenverkehr schon 1998) stillgelegten Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa, auf der seit 2005 der Striegistal-Radweg von Hainichen nach Roßwein im Bau ist. Die Buslinien 690, 691 und 695 verbinden die Gemeinde heute im öffentlichen Personennahverkehr mit Hainichen und Roßwein.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Amts- und Mitteilungsblatt der Gemeinde Striegistal wird der Striegistalbote herausgegeben.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in der Gemeinde gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Witzsch (* 24. August 1877 in Glauchau; † 5. November 1939 in Dresden), Heimatforscher und Volksschullehrer in Mobendorf[11]
  • Friedrich Gottlob Lehmann (* 12. August 1805 in Hainichen; † 3. Juli 1869), Textilfabrikant in Böhrigen und Landtagsabgeordneter.
  • Carl Gustav Leonhardt (* 20. Februar 1845 in Hainichen; † 8. September 1903), Textilfabrikant
  • Diethmar villicus de Poppendorf [12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Striegistal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Arnsdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  • Dittersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  • Kummersheim im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  • Naundorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 551–554.
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 484.
  4. a b c d e f g h i j k Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  5. Gemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen, 1904, Herausgeber: Statistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren
  6. a b c Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  7. a b Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen
  8. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gemeinderatswahl 2014. In: sachsen.de. 11. Mai 2015.
  9. http://saebi.isgv.de/biografie/David_Schirmer_(1623-1687)
  10. Ralf Höppner: Die Striegistäler.de. In: heimatverein-striegistal.de.
  11. http://www.heimatverein-striegistal.com/Witzsch.pdf
  12. Ralf Höppner: Die Striegistäler.de. In: heimatverein-striegistal.de.