Tamara Funiciello

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Portrait Tamara Funiciello
Tamara Funiciello (2019)

Tamara Funiciello (* 20. März 1990 in Bern) ist eine Schweizer Politikerin (SP).

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tamara Funiciello ist die Tochter einer Detailhandelsangestellten und eines Fabrikarbeiters. Sie wurde in Bern geboren, wuchs jedoch auf Sardinien auf. Um die Jahrtausendwende zog die Familie erneut nach Bern. Sie absolvierte die Matura, begann ein Studium in Internationalen Beziehungen an der Universität Genf und wechselte für das Studium der Geschichte und Sozialwissenschaften an die Universität Bern. Vor ihrer Zeit als Präsidentin der Juso Schweiz arbeitete sie als Lagermitarbeiterin, Büro- und Serviceangestellte sowie als Gewerkschaftssekretärin bei der Unia.[1][2] Funiciello spielte in der Schweizer Landhockey-Nationalmannschaft und gewann Gold an der U21-Europameisterschaft der C-Division.[3][2] In einem im Juni 2019 veröffentlichten Interview mit dem Magazin[4] nahm Funiciello erstmals öffentlich Stellung zu ihrer Sexualität und outete sich als bisexuell.[4] Mit ihrer Wahl als Nationalrätin ist sie die erste Frau im Schweizer Parlament, die ihre Liebe zu Frauen öffentlich machte.[5]

Politischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funiciello startete ihre politische Laufbahn als Vorstandsmitglied der vorsitzlosen Stadtberner Juso, später war sie Präsidentin der Juso Kanton Bern und der den Sandinisten nahestehenden Hilfsorganisation JuBria. Weiter amtete sie als Mitglied in der Geschäftsleitung der SP Kanton Bern.[2] Am 18. Juni 2016 erreichte sie im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit als vierte und erste weibliche Präsidentin seit dem die Juso 2008 wieder ein Präsidium einführte. Am 4. Dezember 2016 wurde Funiciello als Vize-Präsidentin der SP Schweiz gewählt.[6] Seither gehört sie auch der Geschäftsleitung der SP Schweiz an.

Funiciello ist überzeugte Feministin und setzt sich aktiv mit dem Thema Sexismus und Gewalt an Frauen auseinander.[7] Als Sozialistin strebt sie eine gewaltlose Überwindung des Kapitalismus hin zu einem demokratischen Sozialismus an.[8]

Bei den Wahlen am 27. November 2016 wurde Funiciello als Vertreterin der Juso in den Berner Stadtrat gewählt.[9] Bei den Wahlen am 25. März 2018 wurde sie als Vertreterin der SP in den Grossen Rat des Kantons Bern gewählt, worauf sie aus dem Stadtrat zurücktrat.[10] Ihr Amt als Präsidentin der Juso hat sie nach drei Jahren per Ende August 2019 abgeben.[11] Ihre Nachfolgerin ist Ronja Jansen. Bei den Parlamentswahlen vom 20. Oktober 2019 wurde Funiciello auf der Liste der Berner SP-Frauen in den Nationalrat gewählt, wo sie Einsitz in der Rechtskommission nimmt.[12] Den Sitz im Grossen Rat gab sie daraufhin ab.

Am 29. Februar 2020 wurde Funiciello im ersten Wahlgang als Co-Präsidentin der SP Frauen Schweiz gewählt.[13]

Mediale Aufmerksamkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grössere mediale Aufmerksamkeit erfuhr Funiciello im Jahr 2017 durch eine politische Aktion, bei der sie und weitere weibliche Parteimitglieder sich mit der Verbrennung eines Büstenhalters und entblösstem Oberkörper gegen Sexismus wehrten.[14] 2018 erlangte sie besondere mediale Aufmerksamkeit mit ihrer Kritik am Song 0-7-9 des Popduos Lo & Leduc, den sie im Interview[15] mit Tele Bärn als sexistisch bezeichnete. Die Zeitung Schaffhauser Nachrichten druckte eine Karikatur mit ihrer (öffentlich abrufbaren) Mobiltelefonnummer ab.[3] Funiciello erhielt daraufhin Beleidigungen und Drohungen.[16][17] Der Presserat rügte die Veröffentlichung.[18] Im Februar 2019 besuchte sie einige Kommentarschreiber, um im Gespräch mit ihnen etwas über die Hintergründe von Hate Speech im Internet zu erfahren.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tamara Funiciello – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel WTF!, vom 21. Juni 2016
  2. a b c Lebenslauf. Abgerufen am 11. März 2020.
  3. a b c Zielscheibe der Wut – Tamara Funiciello auf dem Roadtrip ins Hassland. In: watson.ch. 28. März 2019, abgerufen am 28. März 2019.
  4. a b Gerade Linke. In: Das Magazin. 21. Juni 2019, abgerufen am 24. Juni 2019 (Schweizer Hochdeutsch).
  5. Tamara Funiciello outet sich als Bisexuell. Abgerufen am 11. März 2020.
  6. Funiciello ist Vizepräsidentin der SP Schweiz | NZZ. Abgerufen am 11. März 2020.
  7. Anliegen – Tamara Funiciello. In: Tamara Funiciello. (tamarafuniciello.ch [abgerufen am 11. März 2020]).
  8. Streitbare Juso-Präsidentin - Tamara Funiciello – radikal, aber diskussionsbereit. 11. März 2017, abgerufen am 11. März 2020.
  9. Gemeindewahlen vom 27. November 2016. In: www.bern.ch. Abgerufen am 15. Januar 2017.
  10. Wahlen und Abstimmungen. Abgerufen am 26. März 2018.
  11. Tamara Funiciello tritt zurück. In: srf.ch. 6. April 2019, abgerufen am 6. April 2019.
  12. Ratsmitglied Funiciello Tamara. Abgerufen am 11. März 2020.
  13. Tamara Funiciello neue Co-Präsidentin der SP Frauen* Schweiz. 29. Februar 2020, abgerufen am 11. März 2020 (deutsch).
  14. Cinzia Venafro: Juso Feministinnen provozieren mit Busen-Aktion. (blick.ch [abgerufen am 19. Januar 2018]).
  15. Ist der Sommerhit „079“ sexistisch? In: TeleBärn News. Abgerufen am 11. November 2018.
  16. Christina Neuhaus: «0-7-9» het sie gseit | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. September 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 12. November 2018]).
  17. Nach Kritik an 079-Song von Lo & Leduc druckt Zeitung Handynummer von Juso-Chefin ab. In: az Aargauer Zeitung. (aargauerzeitung.ch [abgerufen am 12. November 2018]).
  18. Der Presserat rügt die Publikation von Tamara Funiciellos Telefonnummer | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. (nzz.ch [abgerufen am 11. März 2020]).
VorgängerAmtNachfolger
Fabian MolinaPräsidentin der JungsozialistInnen Schweiz
Juni 2016 – August 2019
Ronja Jansen