The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

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Filmdaten
Deutscher Titel The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
Originaltitel The Imitation Game
Logo The Imitation Game.png
Produktionsland Vereinigte Staaten,
Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2014
Länge 113 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
JMK 8[2]
Stab
Regie Morten Tyldum
Drehbuch Graham Moore
Produktion Nora Grossman,
Ido Ostrowsky,
Teddy Schwarzman
Musik Alexandre Desplat
Kamera Óscar Faura
Schnitt William Goldenberg
Besetzung

The Imitation Game ist, nach „Enigma – Das Geheimnis“, eine weitere dramatisch zugespitzte Filmbiografie über den britischen Logiker, Mathematiker, Kryptoanalytiker und Informatiker Alan Turing. Die Hauptrollen spielen Benedict Cumberbatch und Keira Knightley, Morten Tyldum führte Regie, das Drehbuch schrieb Graham Moore auf der Grundlage der Biographie Alan Turing – Enigma von Andrew Hodges.

Der Film feierte beim 41. Telluride Film Festival am 29. August 2014 Weltpremiere und wurde auch im September beim 39. Toronto International Film Festival gezeigt,[9][10] wo er den Publikumspreis für den besten Spielfilm gewann. Die Europapremiere war am 8. Oktober 2014 beim London Film Festival.[11] In Deutschland kam der Film am 22. Januar 2015 in die Kinos.[12] 2015 wurde er mit dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Herrenhaus (engl. the mansion) von Bletchley Park war die Zentrale der britischen Codeknacker und ist heute ein Museum.

Der Film besteht aus drei ineinander verwobenen Handlungssträngen, die wichtige Abschnitte in Alan Turings Leben darstellen. Im Folgenden sind diese, anders als im Film, in chronologischer Ordnung angegeben.

1927[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der junge Alan Turing ist ein introvertierter Junge, der von seinen Schulkameraden aufgrund seiner Andersartigkeit geärgert wird. Lediglich sein Freund Christopher steht zu ihm. Sie tauschen im Mathematikunterricht untereinander verschlüsselte Botschaften aus. Alan beginnt, sich in Christopher zu verlieben. Als er ihm nach den Ferien seine Liebe offenbaren möchte, erfährt er, dass Christopher an Tuberkulose gestorben ist.

1939[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachgebaute Turing-Bombe, im Film „Christopher“ genannt

Nach Beginn der Kriegshandlungen zwischen Deutschland und Großbritannien bewirbt sich Turing um eine Stelle bei der Government Code and Cypher School in Bletchley Park. Während des Vorstellungsgesprächs mit Commander Alastair Denniston macht er bei diesem wegen seiner Arroganz und sozialen Inkompetenz einen negativen Eindruck. Trotzdem kann er Denniston überzeugen, ihn einzustellen. Zusammen mit Hugh Alexander, John Cairncross, Peter Hilton, Keith Furman und Charles Richards soll er die durch die Enigma verschlüsselten Nachrichten der deutschen Armee „knacken“.

Schnell entwickelt Turing die Idee, eine kryptanalytische Maschine zu bauen, um den sich täglich ändernden Schlüssel schneller herauszufinden. Bei seinen Vorgesetzten findet er damit keine Unterstützung, weshalb er sich an Winston Churchill wendet, der ihn daraufhin als Leiter des Teams einsetzt.

Turing feuert Furman und Richards und stellt dafür Joan Clarke und einen weiteren Mitarbeiter ein. Zu Joan Clarke baut er während seiner Arbeit eine Freundschaft auf. Da Clarkes Eltern sie drängen, sich zu verloben, macht Turing ihr einen Heiratsantrag, damit sie weiter an dem Projekt arbeiten kann.

Turing stellt seine elektromechanische „Knackmaschine“ (Turing-Bombe, im Film von ihm „Christopher“ genannt) fertig; sie arbeitet aber zu langsam, um die deutschen Kryptogramme brechen zu können. Sein Vorgesetzter Alastair Denniston gibt dem Team eine Frist von einem Monat, innerhalb deren sie Fortschritte vorweisen müssen, anderenfalls will er das Projekt stoppen. Als eine Kollegin einer anderen Abteilung bei einem Flirt mit Hugh Alexander erwähnt, dass ihr deutsches Gegenüber seine Funksprüche immer gleich einleitet, hat Turing die entscheidende Idee. Da zu Beginn jedes Tages ein Wetterbericht verschlüsselt gesendet wird, der stets mit denselben Worten beginnt und endet, kann das Team den Suchraum für die Maschine einschränken, und endlich gelingt es, den Code zu knacken.

Trotz des Erfolges werden manche der nun bekannten deutschen Angriffspläne nicht weitergeleitet und Verluste auf Seiten der Alliierten in Kauf genommen, da Turing und sein Team befürchten, die Deutschen würden ansonsten erfahren, dass die Enigma kompromittiert ist, und ihre Verfahren oder gar das System ändern.

Turing offenbart seiner Verlobten Joan Clarke gegenüber seine Homosexualität. Als diese trotzdem mit ihm zusammenbleiben will, weist er sie zurück.

1951[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Turing zu Hause wird eingebrochen. Da er bei der Polizei angibt, dass nichts gestohlen worden sei, und die Polizisten wegschickt, schöpft ein Beamter Verdacht, er könnte ein Agent des russischen Geheimdienstes sein. Bei den Ermittlungen in diese Richtung kommt nun per Zufall heraus, dass Turing homosexuell ist. Er wird wegen „grober Unzucht und sexueller Perversion“ verurteilt und vor die Wahl gestellt, für zwei Jahre ins Gefängnis zu gehen oder sich einer Hormontherapie zu unterziehen. Da er im Gefängnis seiner Arbeit nicht nachgehen kann, entscheidet er sich für die stark nebenwirkungsbehaftete Hormontherapie. Bei einem Besuch seiner ehemaligen Verlobten Joan Clarke erleidet er einen emotionalen Zusammenbruch. Turings Suizid mit 41 Jahren wird in einem Text vor dem Abspann erwähnt.

Das „Verhör“ mit Detective Nock, in dem Turing ihm seine geheime Tätigkeit im Zweiten Weltkrieg erzählt, stellt die Rahmenhandlung des Films dar.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten begannen am 15. September 2013 in England. Zu den Drehorten gehörten Turings alte Schule Sherborne und Bletchley Park, wo er mit seinem Team arbeitete. Gedreht wurde in Städten in England: Nettlebed in Oxfordshire und Chesham in Buckinghamshire.[13] Weitere Drehorte waren Bicester Airfield und das Law Society Building in Chancery Lane.[14] Die Dreharbeiten wurden am 30. November 2013 beendet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes
Kritiker [15]
Publikum [15]
Metacritic
Kritiker [16]
Publikum [16]
IMDb [17]

Der Film wurde sehr positiv aufgenommen. So erreichte er einen Wert von 89 % positiven Kritiken bei dem Filmkritik-Aggregator Rotten Tomatoes.[15]

Kai Mihm von epd Film vergab 4 von 5 Sternen. Der Film sei gut geschrieben, spannend inszeniert und gewinne „durch die Verschachtelung dreier Zeitebenen [...] erzählerische Finesse“. Zudem bereite „Benedict Cumberbatch [...] in der Hauptrolle großes Vergnügen“. Dabei sei The Imitation Game „mehr als ein Biopic“, da Graham Moore und Morten Tyldum „aus Turings Schicksal einen Themenkomplex“ entwickelten, „der über die reine Nacherzählung eines Lebens“ hinausweise. Beinahe beiläufig werde gemäß dem Titel „das Porträt einer Welt“ gezeichnet, „in der fast alles auf Schein und Spiel, Trug und Mimikry“ basiere.[18]

Historischer Wahrheitsgehalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die britische Historikerin Alex von Tunzelmann beschuldigt den Film der „üblen Nachrede“ in Bezug auf Turing und weist eine Reihe von historischen Falschdarstellungen nach. Ihr schwerster Vorwurf ist die historisch nicht korrekte Platzierung von John Cairncross als Spion der UdSSR in Turings Team in Bletchley Park. Der Turing-Biograf Andrew Hodges hält es für „aberwitzig“, dass die beiden Personen unter den Arbeits- und Sicherheitsbedingungen in Bletchley Park zusammentrafen. Der Film stellt es jedoch so dar, als hätte es eine Übereinkunft zwischen Turing und Cairncross gegeben, das Geheimnis des jeweils anderen nicht zu verraten. Damit wird Turing als ebenfalls des Landesverrats schuldig dargestellt, da er einen Spion deckt. Dieser Darstellung widerspricht Tunzelmann energisch als „falsch“ und „ehrenrührig“. Ein Handlungsstrang des Films baut auf dieser Konstruktion auf, da er die Untersuchung Turings durch die Polizei, die zu seiner Anklage und Verurteilung wegen Homosexualität führte, als durch den Spionageverdacht gegen Turing motiviert darstellt. Historisch korrekt sei aber, dass die Polizei niemals mit diesem Motiv ermittelte, sondern Turing selbst es gewesen sei, der den Verdacht auf sein Privatleben lenkte, als er eine polizeiliche Aussage nach einem Diebstahl nachträglich abändern ließ. Der Film stellt auch technische Dinge fehlerhaft dar, unter anderem den Gebrauch von Tipp-Ex, da entsprechende Produkte nicht vor 1956 auf den Markt kamen und Tipp-Ex selbst erst seit 1959 verkauft wird. Insgesamt stuft Tunzelmann den Film aufgrund seiner Fehler, die auf der Darstellung Turings als Landesverräter basieren, als „nicht tragbar“ ein.[19].

Im Film wird sogar durch eine launige Bemerkung Menzies’ unterstellt, die Leitung des MI6 selbst sei über Cairncross Rolle als Doppelagent im Bild gewesen und habe diesen bewusst dazu benutzt, den Sowjets gewisse Informationen zuzuspielen, denn Churchill sei so paranoid gewesen, dass er diesen jegliche Information verweigern wollte. Für diese Unterstellung gibt es keinen öffentlich bekannten Hinweis, aber durch eine derartige Konstruktion wird Turings angeblicher „Verrat“ relativiert.

Als ersten Erfolg können die Codebreaker die Positionen von U-Booten ermitteln, die im Begriff sind, einen Konvoi anzugreifen. Turing beschließt, nichts zu unternehmen, weil sonst die Deutschen herausfinden könnten, dass die Enigma gebrochen ist. Solch eine weitreichende Entscheidung zu treffen, oblag natürlich niemals den Codeknackern, sondern lag in der Verantwortung der Admiralität beziehungsweise des Premierministers.

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Januar 2015 (PDF; Prüf­nummer: 148 844 K).
  2. Alterskennzeichnung für The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben. Jugendmedien­kommission.
  3. Keira Knightley to Star Opposite Benedict Cumberbatch in 'Imitation Game' The Hollywood Reporter
  4. Matthew Goode Joins Benedict Cumberbatch For Alan Turing Biopic - CinemaBlend.com
  5. Mark Strong Joins THE IMITATION GAME, Ben Kingsley and Patricia Clarkson Lead LEARNING TO DRIVE | Collider
  6. ‘Downton Abbey’ Actor Allen Leech Joins Cumberbatch in ‘Imitation Game’ | Variety
  7. Matthew Goode, Mark Strong and Rory Kinnear: Join Cast of 'The Imitation Game'. The Hollywood Reporter.
  8. Benedict Cumberbatch and Keira Knightley begin shoot on The Imitation Game | News | Screen
  9. http://www.theguardian.com/film/2014/aug/28/telluride-lineup-headlined-by-wild-rosewater-and-imitation-game
  10. http://www.tiff.net/festivals/thefestival/programmes/specialpresentations/the-imitation-game
  11. http://www.bfi.org.uk/news-opinion/news-bfi/announcements/imitation-game-will-open-58th-bfi-london-film-festival
  12. http://www.filmstarts.de/kritiken/198371.html
  13. Wartime Spy Movie to be Filmed in Bicester – Oxfordshire
  14. Sherlock’s on the trail of a new movie blockbuster (From The Oxford Times)
  15. a b c Sammlung von Kritiken zu The Imitation Game bei Rotten Tomatoes (englisch), abgerufen am 6. April 2015
  16. a b Zeitungskritiken zu The Imitation Game auf Metacritic.com (englisch), abgerufen am 6. April 2015
  17. The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben in der Internet Movie Database (englisch)
  18. Kai Mihm: Kritik zu The Imitation Game. epd Film, 12. Dezember 2014, abgerufen am 23. April 2015.
  19. Alex von Tunzelmann: The Imitation Game: inventing a new slander to insult Alan Turing. The Guardian, 20. November 2014, abgerufen am 21. November 2014.
  20. tz.de: Oscars 2015: Das sind alle Gewinner, abgerufen am 24. Februar 2015