Thorsten Schulte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Thorsten Schulte, (Pseudonym „Silberjunge“) (* 18. März 1973[1]) ist ein deutscher Unternehmensberater und Autor.[2][3] Kritiker ordnen ihn dem neurechten Populismus zu.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thorsten Schulte absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann.[4] Von 1999 bis Mitte 2008 arbeitete er als Investmentbanker, für die DZ-Bank in Frankfurt, zwischendurch für die HSH Nordbank und für kurze Zeit auch in der Deutschen Bank. Danach machte er sich als Unternehmensberater selbständig.[5][6][7]

Zwischen 2010 und 2019 veröffentlichte Thorsten Schulte vier Sachbücher, die ersten beiden zu Themen der Geldanlage, die letzten beiden zu politischen Themen. Außerdem schreibt er als „FOCUS online-Experte“ Gastkolumnen im Focus.[6] 2016 gründet er mit Bernd Lucke die Initiative „Pro Bargeld - Pro Freiheit e.V.“[8]

Seine Publikationen wurden vom deutschen Buchhandel seiner Meinung nach teilweise boykottiert, weil sie AfD-nah, verschwörungstheoretisch und populistisch seien. Dabei vermutet Georg Meck (FAZ), dass erst die Ablehnung von Buchhändlern das Interesse an der Publikation verstärkt habe. Der Thalia-Verlag habe daraufhin seine Verkaufspolitik geöffnet.[9]

Politische Betätigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulte trat 1989 im Alter von 14 Jahren in die Junge Union ein und war bis Oktober 2015 Mitglied der CDU.[4]

1994 war er Wahlkampfmanager von Laurenz Meyer, als dieser erfolglos für das Amt des Oberbürgermeisters in Hamm kandidierte.

Im Bundestagswahlkampf 2017 hielt er nach eigener Aussage als Parteiloser Vorträge auf AfD-Veranstaltungen, in denen er die Themenbereiche seiner Bücher und seines Vereins behandelte.[10][5]

Mitgliedschaften und Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seit 2016 ist er Vorsitzender des Bautzener Vereins „Pro Bargeld – Pro Freiheit“. Schulte bestreitet eine „politische Rechtslastigkeit“ des Vereins.[11]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontrollverlust (2017)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schultes drittes Buch, Kontrollverlust, erreichte laut Buchreport Ende September 2017 den ersten Platz der Sachbuch-Bestsellerliste des Spiegels. Das Vorwort „Freiheit, die wir meinen“ verfasste Willy Wimmer.

Georg Meck (FAZ) charakterisiert den Inhalt des Buches als das, „was AfD-Anhänger gerne lesen, aber auch was CDU/CSU-Leute so schon formuliert haben.“ Damit bezieht er sich auf die von Schulte behaupteten Vertragsbrüche in Flüchtlings- wie Euro-Krise hinsichtlich Dubliner Übereinkommen und Maastricht-Vertrag, sowie die Nullzinspolitik von EZB-Präsident Mario Draghi. Außerdem kämpfe Schulte gegen die Abschaffung des Bargelds, für mehr direkte Demokratie und für die Freiheit, auch in Deutschland Waffen tragen zu dürfen. Meck findet jedoch bei Schulte, der der Mitte der Gesellschaft entstamme, wie zu erwarten sei, keine Aufrufe zur Gewalt, auch kein „völkisches, rechtsextremes Gedankengut“. Die Union habe Schultes Meinung nach ihre Werte verraten, habe sich radikalisiert, eine These mit der er sich nach Meck „auf die Frustrierten und Verfemten in der CDU“ stützt.[12]

Gerrit Bartels meint, dass das Buch gut zum Sortiment des Kopp-Verlags passe. Er hebt in der Rezension des Tagesspiegels Schultes Kritik an der Finanz- und Flüchtlingspolitik der Merkel-Regierung hervor, sein Plädoyer für die Beibehaltung des Bargelds, seine Investitionsberatung. Merkel habe in der Zuwanderungspolitik einen Rechtsbruch begangen, Schulte berechne außerdem immense Kosten der Zuwanderung und spreche sich „in diesem Zusammenhang“ für das angebliche Naturrecht auf Selbstverteidigung durch private Schusswaffen aus.

„Thorsten Schulte lehrt mit seiner verschwörungstheoretischen Schrift das Gruseln, und auf den einschlägigen Internetseiten finden sich einmal mehr die üblichen Vorwürfe, die „Mainstreammedien“ und der Buchhandel würden das Buch ignorieren und boykottieren. Was seinen Erfolg nur befördert – einen Bucherfolg, der nach dem Einzug der AfD in den Bundestag ins Bild passt, zumal Schulte auf AfD-Wahlkampfveranstaltungen Vorträge hielt. Da-didel-dum, der Populismus geht um.“[13]

Denis Scheck bezeichnete Schulte in der ARD-Sendung Druckfrisch 2017 aufgrund der Äußerungen in seiner Publikation als „durchgeknallten Verschwörungstheoretiker“:

„Selten hatte ich den Eindruck, so direkt an den Stromkreis des populistischen Wahnsinns angekoppelt zu sein wie in diesem Pamphlet eines Investmentbankers, der vor der drohenden Abschaffung unseres Bargelds warnt – und in seinem Appell zur Stärkung individueller Freiheitsrechte auch gleich noch Schusswaffen für alle fordert.“[14]

Fremdbestimmt (2019)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorwort erklärt Schulte seine Zielsetzung: Er will zeigen, dass die politische Entwicklung zu einer gelenkten Demokratie führe, in der Demokratie den Bürgern nur vorgegaukelt werde. Die Kräfte, die das Gegenteil von Freiheit und Wahrheit anstreben, sind für Schulte „Teil einer Plutokratie, einer Reichtumsherrschaft, wenn nicht gar einer Kleptokratie... (...). Ihnen entschlossen entgegenzutreten, ist Ziel meines Buches. Ich verstehe es als Weckruf, verbunden mit einem Aufruf. Wir müssen den Erkenntnisgewinn als Auftrag zum Handeln verstehen.“[15]

In der Einleitung gibt er einen Überblick über den Inhalt: Im ersten Teil stellt er dar, wie „die USA und Großbritannien einen Keil zwischen Deutschland und Russland trieben und fortwährend treiben, wie unser Geschichtsbild raffiniert verfälscht wird und Propaganda unsere Köpfe durchdringt.“ Der zweite Teil widmet sich dem „Parteienstaat als Verfallserscheinung der Republik“, der seiner Meinung nach gelenkten und kontrollierten Mediokratie (Herrschaft der Mittelmäßigkeit).

Nachdem der Kopp Verlag und der FinanzBuch Verlag nicht bereit waren, den Titel zu verlegen, erscheint der Titel nun im VFFW (Verlag für Frieden, Freiheit & Wahrheit GmbH) und somit als Eigenverlag-Publikation.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Investitionen, hauptsächlich Silber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 erklärte er, warum er seit 2001 auf Silber setzt. Er ging von der wirtschaftlichen Bedeutung des Silbers aus und stützte sich unter anderem auf ein Gutachten der Bundesregierung, dass 2030 78 % der gesamten Silberförderung von den Zukunftstechnologien "aufgesaugt" würden. Er war davon mit 80 % Eintrittswahrscheinlichkeit davon überzeugt, dass der Silberpreis in 2010/11 auf 25 bis 30 Dollar steigen werde und 2012/13 sogar auf 100 Dollar je Feinunze.[16] „Wir sind davon überzeugt, dass das Silber auf 100 Dollar bis 2012/13 durchstarten wird.“[17][18] Abweichungen von diesen Prognosen erklärte er durch veränderte Wirtschaftslage und die Manipulation des Preises über 4 große anonyme Akteure auf dem Silbermarkt.[19] Schulte spricht sich für „antizyklisches Investieren“ aus[20] und wirbt daher für Silber als Vermögensanlage,[21] weshalb er sich selbst auch „Silberjungen“ nennt. Er sieht im physischen Besitz von Silber den besten Schutz vor Inflation.[22]

Bargeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulte geht davon aus, dass das „Finanzestablishment“ eine Gesellschaftsordnung ohne Bargeld durchsetzen möchte, in der „gläserne Bürger“ vom Staat überwacht werden. Zudem könnten die „wehrlosen Sparer“ ohne Bargeld zur Rettung von Banken bei drohenden Bankenpleiten direkt enteignet und durch Negativzinsen schleichend enteignet werden.

„Ohne Bargeld kann der Sparer nicht vor den Negativzinsen der Europäischen Zentralbank fliehen. (...) Ohne Bargeld wird auch das Konsumverhalten für die großen Konzerne völlig gläsern. Gut für die Wirtschaft, aber wirklich ein Gewinn für uns alle? Die Entwicklung in Schweden ist ein Weckruf für diejenigen, denen das Bargeld lieb und teuer ist.“[23]

Kryptowährungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulte vertritt die Auffassung, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen nicht anonym und frei von staatlicher Kontrolle bleiben werden. Er beruft sich dazu auch auf den Kryptologen Adi Shamir: „An irgendeinem Punkt werden Regierungen gewaltsam intervenieren und den Gebrauch von Bitcoin für illegale Zwecke einschränken und bestrafen – das wird der Zeitpunkt sein, wenn der Wert stark fallen wird“. Kryptowährungen, so Schulte, seien wie das Papiergeld nur vom anhaltenden Vertrauen der Investoren abhängig. Es gelte auch dafür das Wort Voltaires: „Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück - Null“.[24]

EZB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulte kritisiert die EZB wegen ihrer Nullzinspolitik, den Anleihekäufen und wegen angeblicher Intransparenz. Er befragte Draghi in einer Pressekonferenz zu den Folgen der EZB-Politik. Mit ihren Anleihenkäufen helfe die EZB vor allem den großen Konzernen, behauptete er gegenüber Draghi:

„Durch die Käufe der Unternehmensanleihen werden die Renditen dieser Papiere gesenkt und die Kurse der Anleihen steigen. Konzerne können sich dadurch billig wie nie Geld am Kapitalmarkt besorgen. (...) Mit dem Geld können sie dann Konkurrenten, insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen, preiswert aufkaufen. Selbst riesige Fusionen wie der Aufkauf von Monsanto durch Bayer werden möglich.“

Die Wettbewerbsverzerrungen würden kleine und mittlere Unternehmen benachteiligten, äußerte Schulte, woraufhin Draghi die gegenteilige Auffassung vertrat. Unter den fast 200 Konzernen, die in den Genuss der Aufkäufe gekommen seien, äußerte Schulte, Allianz, Daimler, Volkswagen, Shell und Enel, aber auch Schweizer Firmen wie Nestle, Roche, Novartis und selbst Glencore. Als er Draghi darauf angesprochen habe, habe dieser die Frage gänzlich unbeantwortet gelassen.[25]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daniel Schönwitz von der Wirtschaftswoche zählt Schulte zu den Finanzexperten und -dienstleistern, die „mit düsteren Prognosen“ arbeiten und zugleich „simple Lösungen propagieren“, was „frappierend an die Populisten in der Politik“ erinnere.[26]

Christoph Giesa, auf den sich Schönwitz bezieht, sieht hinter der Anlageberatung die Überzeugung, dass allein ein Crash einen Systemwechsel ermögliche – weg von Euro, EZB und EU. Er hält die Anlagestrategien damit für politisch motiviert.[27]

Schulte veröffentlicht einen Teil seiner Sachbücher im kontroversen Kopp-Verlag, der unter anderem auch rechtspopulistische, verschwörungstheoretische und esoterische Buchtitel verlegt.[28][29] Schulte äußerte zu seiner Verlagswahl, er habe sich bewusst aus Solidarität mit Verlag und Autoren dazu entschieden, weil er „Gesinnungsterror“ ablehne, obwohl er kein Freund von Esoterik- und UFO-Literatur sei.[30]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtsgericht Dresden, Vereinsregisterblatt VR 9694
  2. (Spiegel-Bestseller Hardcover über 24 Wochen: Platz 1 in 40/2017) buchreport. Abgerufen am 27. September 2019 (deutsch).
  3. FOCUS Online: Thorsten Schulte - Experten - Finanzen. Abgerufen am 10. November 2019.
  4. a b Georg Meck: Umstrittener Bestsellerautor: Der Provokateur. In: FAZ.NET. 9. November 2017, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 26. März 2018]).
  5. a b Ex-CDU-Mitglied aus Hamm landet mit Merkel-Kritik in Bestsellerliste im Westfälischen Anzeiger vom 25. August 2017
  6. a b FOCUS Online: Thorsten Schulte - Experten - Finanzen. Abgerufen am 10. November 2019.
  7. Georg Meck: Umstrittener Bestsellerautor: Der Provokateur. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. November 2019]).
  8. Georg Meck: Umstrittener Bestsellerautor: Der Provokateur. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. November 2019]).
  9. Georg Meck: Umstrittener Bestsellerautor: Der Provokateur. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. November 2019]).
  10. Am Sonntag wird die AfD in den Bundestag einziehen. Ihr Glück dort könnte bald wieder enden: Dampf ablassen mit der AfD, Jungle World, 21. September 2017
  11. Hanning Voigts: Angst um das Bargeld. Frankfurter Rundschau, 23. August 2016, abgerufen am 26. September 2017.
  12. Georg Meck: Umstrittener Bestsellerautor: Der Provokateur. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. November 2019]).
  13. Rechtes Erfolgsbuch „Kontrollverlust“: Versilberter Populismus, Der Tagesspiegel, 2. Oktober 2017
  14. Denis Scheck kommentiert die Top Ten Sachbuch | Druckfrisch. Abgerufen am 30. November 2017 (deutsch).
  15. Fremdbestimmt: 120 Jahre Lügen und Täuschung, S. 5.ff (Vorwort)
  16. Im Gespräch: Silber-Experte Thorsten Schulte: „Neue Hochs beim Silberpreis sind nur eine Frage der Zeit“. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 17. November 2019]).
  17. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH: Edelmetalle: Silber ist eigentlich reif für eine Korrektur. 21. April 2011, abgerufen am 30. November 2017.
  18. Silberpreisentwicklung in USD | Silber Chart in Dollar | Silberpreis Tendenz. Abgerufen am 17. November 2019.
  19. Andreas Toller: Silberjunge: „Silber ist der beste Inflationsschutz“. Abgerufen am 17. November 2019: „Die vier größten Spieler auf dem Silberterminmarkt haben laut Terminmarktaufsicht im November 2012 Nettoleerverkäufe von in der Spitze 278 Millionen Feinunzen getätigt. Das entspricht 37 Prozent der Minenproduktion eines Jahres. Bei keinem anderen Rohstoff sehen wir so eine dominierende Stellung der vier größten Akteure. Wer diese Spieler sind, verrät die Aufsichtsbehörde allerdings nicht. Selbst aktuell sind es noch immer fast 195 Millionen Unzen, also mehr als ein Viertel der Jahresproduktion, die dort bewegt werden.“
  20. Daniel Eckert: Silber: Das Metall boomt stärker als Gold. In: welt.de. 19. Mai 2016, abgerufen am 29. September 2017.
  21. „Neue Hochs beim Silberpreis sind nur eine Frage der Zeit“. In: FAZ.net. 24. August 2010, abgerufen am 29. September 2017.
  22. Andreas Toller: Silberjunge: „Silber ist der beste Inflationsschutz“. Abgerufen am 17. November 2019.
  23. FOCUS Online: Das wäre echt krass! Gibt es in Schweden bald kein Bargeld mehr? Abgerufen am 10. November 2019.
  24. FOCUS Online: Bei Bitcoins kann es mit der Anonymität schnell vorbei sein. Abgerufen am 10. November 2019.
  25. FOCUS Online: Die EZB hat schon von fast 200 Konzernen Anleihen gekauft - selbst von Schweizern. Abgerufen am 10. November 2019.
  26. Daniel Schönwitz: Crash-Absicherung: Anleger ködern mit der Angst vorm Untergang. In: wiwo.de. 3. Mai 2017, abgerufen am 29. September 2017.
  27. Liane Bednarz, Christoph Giesa: Gefährliche Bürger. Die neue Rechte greift nach der Mitte.Carl Hanser Verlag München, 24. August 2015
  28. Lara Malberger: CDU-Mitglieder für die AfD. correctiv, 17. September 2017, abgerufen am 26. September 2017.
  29. SPIEGEL-Liste: Die Bücher-Bestseller. In: Spiegel Online. 12. September 2014 (spiegel.de [abgerufen am 17. September 2017]).
  30. Georg Meck: Umstrittener Bestsellerautor: Der Provokateur. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. November 2019]).