Vernawahlshausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vernawahlshausen
Gemeinde Wahlsburg
Koordinaten: 51° 37′ 34″ N, 9° 37′ 17″ O
Höhe: 129 (110–140) m ü. NHN
Einwohner: 926 (1. Jul. 2006)
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Postleitzahl: 37194
Vorwahl: 05571
Vernawahlshausen vom Heuberg (Kiffing) aus gesehen.

Das Dorf Vernawahlshausen ist die östliche und mit 926[1] Einwohnern kleinere Ortschaft der beiden Gemeindeteile von Wahlsburg.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vernawahlshausen liegt in Nordhessen im Weserbergland zwischen dem Solling (im Norden) und dem Kiffing (Höhenzug im Süden), hinter dem sich der Bramwald (im Süden) und der Reinhardswald (im Südwesten) befindet. Die bereits zu Niedersachsen gehörende Kleinstadt Uslar liegt etwa vier Kilometer nördlich, die Gemeinde Bodenfelde fünf Kilometer west-nordwestlich, die Großstadt Göttingen 24 Kilometer ost-südöstlich und die nordhessische Großstadt Kassel 35 Kilometer süd-südwestlich (alle Entfernungen Luftlinie).

Der Ort liegt auf 135 Meter Höhe über Normalnull (NN) im Tal der Schwülme, die etwa viereinhalb Kilometer westlich bei Lippoldsberg, dem Hauptort und Verwaltungssitz der Gemeinde Wahlsburg, in die Weser mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnung der Vernawahlshäuser Steinaxt

Das „spätmöglichste Jahr als Datum der Ersterwähnung“ von Vernawahlshausen ist das Jahr 1233 – diese Erwähnung geht hervor aus schriftlich aufgezeichneten Streitigkeiten um Ländereien des heutigen Gebiets der Gemeinde Wahlsburg.[2] In den Aufzeichnungen wurde Vernawahlshausen als „Wahlshusen“ erwähnt. Der Name wurde später zur besseren Unterscheidung von Wahlshausen geändert. Da man weiter vom damaligen Regierungssitz entfernt angesiedelt war, kam das "Verna" hinzu. Im 18. Jahrhundert war Vernawahlshausen als größte Leinenbleiche in Hessen bekannt.

Dass sich schon vorher Menschen in dieser Gegend aufgehalten haben, kann aus dem Fund eines vorgeschichtlichen Artefakts geschlossen werden: Knapp einen Kilometer nördlich der Dorfmitte fand, etwa 1978, ein Dorfbewohner auf einem Kartoffelacker einen durchbohrten Breitkeil. Die etwa zehn Zentimeter lange Axt stammt aus dem Mittelneolithikum (Rössener Kultur).

Im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges existierte in Vernawahlshausen innerhalb und außerhalb der sozialdemokratischen Arbeiterschaft eine Art Widerstandsbewegung gegen die Politik von Hitlers Nationalsozialisten.[3] Sie wurde von diesen nach 1933 gewaltsam unterdrückt.[4] Am 19. April 1933 wurde der Bürgermeister Quentin durch den Hofgeismarere Landrat Hans Graack (NSDAP) abgesetzt und dem Zimmermann Theodor Henne kommissarisch übertragen. Später übernahm der NSDAP-Ortsgruppenleiter Eduard Blume das Amt des Bürgermeisters.

Durch den Zweiten Weltkrieg gab es in Vernawahlshausen 84 Todesopfer.[5]

Am 1. Februar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde mit dem Nachbarort Lippoldsberg zur Großgemeinde Wahlsburg zusammengeschlossen.[6]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Margarethen-Kirche im Zentrum von Vernawahlshausen

Ältestes in Vernawahlshausen erhaltenes Gebäude ist die St. Margarethenkirche im Zentrum des Dorfes. Ihr teilweise romanischer Baustil deutet darauf hin, dass die Kirche vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes erbaut wurde. Als ältester Teil der Kirche gilt in den Aufzeichnungen der Kirchengemeinde der quadratische Chor- oder Altarraum. Es wird vermutet, dass er um 1100 als romanischer Chor mit einem Kreuzkuppengewölbe gebaut wurde. Der Überlieferung zufolge gab es einen noch älteren Vorgängerbau, eine im 10. Jahrhundert von Mönchen aus dem Kloster Corvey errichtete Kapelle, die der Heiligen Margareta von Antiochia geweiht war.

Patrone der Kirche waren bis 1293 die Herzöge von Braunschweig. Durch einen Gebietsaustausch kam das Patronat über die Kapelle danach zum Kloster Lippoldsberg.

Im Altarraum wurden 1955 bei Sanierungsarbeiten mittelalterliche Fresken entdeckt. In der Fachliteratur werden sie von „romanisch bis spätgotisch“ eingestuft.[7]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur wenige hundert Meter nördlich von Vernawahlshausen verläuft die Kreisstraße 449 von Uslar nach Bodenfelde, über die Abschnitte der touristischen Routen der Deutschen Fachwerkstraße, der Deutschen Märchenstraße und der Straße der Weserrenaissance führen. Durch Uslar und das Tal der Weser verlaufen die Bundesstraßen 241 und 80. Die nächsten Autobahnabfahrten gibt es bei Warburg und Breuna an der A 44 sowie bei Göttingen, Nörten-Hardenberg und Northeim an der A 7.

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alte Bahnhof von Vernawahlshausen, unterer Bahnsteig

Die ehemalige Station im Norden des Ortes an der Sollingbahn und der Bahnstrecke Göttingen–Bodenfelde wurde mittlerweile zu einem eingleisigen Haltepunkt der Kategorie 7 herabgestuft. Heute (2012) halten hier nur noch Züge zwischen Ottbergen und Göttingen („Oberweserbahn“). Dieser Verkehr wird seit Dezember 2013 durch die Nord-West-Bahn ausgeführt. Das Empfangsgebäude wurde zum Jahreswechsel 1971/72 abgerissen. Es verband über eine Treppe die Bahnstrecke Göttingen–Bodenfelde mit der höher gelegenen Sollingbahn. Somit war es möglich, schon in Vernawahlshausen umzusteigen. Heute ist dies erst im Nachbarort Bodenfelde möglich.

Weitere Regionalbahnhöfe in der Nähe von Vernawahlshausen befinden sich in Bodenfelde und Uslar; der nächste Bahnhof mit Halten von IC-/ICE-Zügen ist Göttingen.

Luftverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächsten bedeutenden Flughäfen befinden sich bei Hannover und Paderborn. In Uslar liegt ein kleiner Segelflugplatz.

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem ländlich geprägten Ort spielt der Agrarsektor wirtschaftlich kaum noch eine Rolle. Industriebetriebe sind nicht mehr vorhanden. In der Umgebung von Vernawahlshausen gibt es zahlreiche Wandermöglichkeiten im Bramwald, Kiffing, Reinhardswald und im Solling. Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise die Burgen und Burgruinen der Bram-, Kruken-, Saba- und Trendelburg sowie die historischen Ortskerne von Hann. Münden und Uslar befinden sich in der Nähe. Durch Vernawahlshausen führen die von Uslar kommenden Touristik-Routen Deutsche Märchenstraße und die Straße der Weserrenaissance.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Kunze: Ortssippenbuch Vernawahlshausen Uslar 2006. ISBN 978-3-933334-17-6 (1)
  • Thorsten Quest, Uta Schäfer-Richter: Dorfleben. Die Geschichte der Dörfer Lippoldsberg und Vernawahlshausen. Herausgegeben von der Gemeinde Wahlsburg 1989. Verlag Die Werkstatt GmbH, Göttingen.
  • Roland Henne: Mittelalterliche Wüstungen im Gericht Gieselwerder und ihre Siedlungsplätze. In: Waldenserdörfer Gottstreu und Gewissenruh. Beiträge zur Orts- und Heimatgeschichte und zum Dorfleben 1722-1997. Herausgegeben vom Gemeindevorstand der Gemeinde Oberweser und der Sparkassenstiftung des Landkreises Kassel (Oberweser 1997).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik – Gemeinde Wahlsburg. Einwohnerzahl von Vernawahlshausen (Stand: 31. Juli 2006).
  2. Thorsten Quest, Uta Schäfer-Richter: Dorfleben. Die Geschichte der Dörfer Lippoldsberg und Vernawahlshausen. Herausgegeben von der Gemeinde Wahlsburg 1989. Verlag Die Werkstatt GmbH, Göttingen. Seite 15, Anmerkung 19 (Seite 51): Gutachten von Archivrat Dr. Heinemeyer vom Staatsarchiv Marburg zur urkundlichen Ersterwähnung des Ortsteiles Vernawahlshausen (Gemeinde Wahlsburg) vom 13. Juli 1987.
  3. Dorfleben. Die Geschichte der Dörfer Lippoldsberg und Vernawahlshausen. Seite 308: „Wenig Zustimmung für die NSDAP in Vernawahlshausen.“
  4. „Am fürchterlichsten wurde ein junger Arbeiter misshandelt, der vor den März-Wahlen ein großes Transparent über die Straße gehängt hatte mit der Aufschrift: Wer Nazis wählt, wählt den Krieg, er wurde nach Oedelsheim verschleppt und dort so schwer misshandelt, dass er bis an sein Lebensende an den Folgen der Schläge zu leiden hatte.“ Dorfleben. Die Geschichte der Dörfer Lippoldsberg und Vernawahlshausen. Seite 312: „Widerstand und offener Terror.“
  5. Dorfleben. Die Geschichte der Dörfer Lippoldsberg und Vernawahlshausen. „Ein Kriegstagebuch aus Vernawahlshausen.“ Seite 343.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 398.
  7. Info der Evangelischen Kirchengemeinde Vernawahlshausen über die St. Margarethen-Kirche.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vernawahlshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien