Ysop

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Ysop
Ysop (Hyssopus officinalis)

Ysop (Hyssopus officinalis)

Systematik
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Tribus: Mentheae
Untertribus: Nepetinae
Gattung: Hyssopus
Art: Ysop
Wissenschaftlicher Name
Hyssopus officinalis
L.

Ysop (Hyssopus officinalis), auch Bienenkraut, Duftisoppe, Echter Ysop, Eisenkraut, Eisop, Esope, Gewürzysop, Heisop, Hisopo, Hizopf, Ibsche, Isop, Ispen, Essigkraut, Josefskraut oder Weinespenkraut genannt, ist ein Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Der Name Ysop leitet sich vom Hebräischen אֵזוֹב ('ésóv) für ‚heiliges Kraut‘ ab.[1] Die Pflanze wird als Gewürz- und Heilpflanze seit dem 16. Jahrhundert kultiviert.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ysop ist eine bis 60 cm hohe Staude oder ein Zwergstrauch. Er weist zahlreiche aufrechte, selten auch niederliegende, verzweigte, mattbraune Äste mit abblätternder Rinde auf. Die Blätter sind gegenständig und scheinbar quirlig an Kurztrieben angeordnet. Sie sind sitzend oder fast sitzend, bis 50 mm lang und 10 mm breit. Ihre Form ist stumpf oder kurz zugespitzt, sie sind ganzrandig, kahl bis zottig behaart und an Ober- und Unterseite dicht mit Öldrüsen bedeckt.

Detailansicht des Blütenstands

Die fünfzähligen Blüten sind leuchtendblau oder violett gefärbt, selten weiß oder rosa. 4 bis 16 Blüten sind in einseitswendigen Scheinquirlen zu endständigen, ährigen Blütenständen vereinigt. Die Vorblätter sind linealisch, laufen spitz zu und sind nicht begrannt oder besitzen Grannen mit einer Länge von 1 bis 3 mm. Der Kelch ist oft violett, röhrig, 15-nervig und kahl oder flaumig behaart. Die gleich großen Kelchzähne sind bis 3 mm lang und mit oder ohne Granne. Die Blütenkrone ist bis zu 12 mm lang, trichterförmig und zweilippig. Die Oberlippe ist aufrecht und ausgerandet, die Unterlippe lang abstehend und dreilippig mit einem großen ausgerandeten Mittellappen. Es sind 4 herausragende und spreizende Staubblätter vorhanden. Die Staubfäden sind weiß oder violett. Der Fruchtknoten ist oberständig. Die Griffel sind länger als die Staubblätter. Die ungefähr 2 mm langen Nüsschen sind braun und glatt, sie verschleimen bei Feuchtigkeit.

Die Blütezeit ist von Juli bis Oktober.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 12.[2]

Illustration des 19.Jh. von Hyssopus officinalis
Zahlreiche Stängel wachsen aus verholzenden Zweigen, die auf der Erde liegen

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ysop kommt in Europa, Westasien und in Nordafrika vor. In Europa findet man ihn nur im Süden (nordwärts bis zu den Südalpen), weiter nördlich wurde er seit dem Mittelalter als Gewürz-, Heil- und Zierpflanze angebaut. Er ist dort in wärmeren Gegenden zum Teil ein eingebürgerter Neophyt, anderswo ist er nur unbeständig verwildert, so z.B. im Hegau, im Gebiet um den Genfer See und am Alpensüdfuß.

Standorte und Verbreitung in Mitteleuropa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ysop braucht kalkhaltigen oder sonst basenreichen, lockeren, trockenen steinig-flachgründigen Boden und ein sehr warmes Klima. Er besiedelt trockene Hügel und Hänge, Felsenheiden sowie Wegränder; dabei bevorzugt er kalkhaltigen und trockenen Boden sowie einen sonnigen Standort. Er kommt teilweise in Xerobrometen, aber auch in Felsband- und Mauerspaltengesellschaften vor.[2]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann folgende Unterarten unterscheiden[3]:

  • Hyssopus officinalis subsp. aristatus (Godr.) Nyman: Sie kommt vom westlichen und zentralen Mittelmeergebiet bis in die nördliche Ägäis vor.[3]
  • Hyssopus officinalis subsp. austro-oranensis Maire: Sie kommt in Marokko und Algerien vor.[3]
  • Hyssopus officinalis subsp. canescens (DC.) Nyman: Sie kommt in Spanien und in Frankreich vor.[3]
  • Hyssopus officinalis subsp. montanus (Jord. & Fourr.) Briq.: Sie kommt von Südeuropa bis zur Ukraine und dem südlichen europäischen Russland vor.[3]
  • Hyssopus officinalis subsp. officinalis: Sie kommt von Europa bis zum Iran vor.[3]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Junge Blätter werden kleingehackt in Salate und Gemüse gegeben. Dort sollte der Ysop aufgrund seiner starken Würzkraft stets nur sparsam verwendet werden. In der Küche wird er ausschließlich frisch zubereitet, da Ysop beim Trocknen sehr an Aroma einbüßt. Er ist zudem Bestandteil des Chartreuse. Auch wird Ysop bei der Parfümherstellung verwendet.

Nicholas Culpeper bemerkt zu Ysop: Es hilft gegen Ohrensausen, Atembeschwerden und Zahnweh. Das frische Kraut, mit Zucker zerstoßen, hilft bei frischen Wunden und Schnitten.

Verwendung als Heilpflanze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Heildroge dienen die getrockneten, blühenden Pflanzenteile – Hyssopi herba.

Als Wirkstoffe enthalten sie: Ätherisches Öl mit Pinocamphon und Isopinocamphon als Hauptkomponenten, weiterhin Limonen und Pinen, Flavonoide wie Diosmin, Lamiaceen-Gerbstoffe wie Rosmarinsäure und Marrubin und unter anderem auch Bitterstoffe und Terpene.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ätherische Öl und die Gerbstoffe geben der Droge leicht entzündungshemmende, Auswurf fördernde und auch krampflösende Eigenschaften. In der Volksheilkunde wird die Pflanze z.B. zum Gurgeln bei Heiserkeit sowie bei Rachen- und Entzündungen, zu Waschungen und auch innerlich bei übermäßiger Schweißabsonderung eingesetzt. Außerdem wird Ysopkraut noch gelegentlich bei Husten und Verdauungsbeschwerden eingesetzt.

Für die Wirksamkeit gibt es bisher keine ausreichenden Belege.

Von Anwendungen in höheren Dosen über längere Zeit und speziell des ätherischen Öls mit dem neurotoxisch wirkenden Pinocamphon sollte man Abstand nehmen: Nach der Einnahme von 10 bis 30 Tropfen über mehrere Tage (2 bis 3 Tropfen bei Kindern) wurden Vergiftungserscheinungen mit Krämpfen beobachtet.

In Teemischungen ist die Beigabe von bis zu 5 % Ysopkraut als Geschmackskorrigens erlaubt.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ysop ist reich an ätherischen Ölen, vor allem Pinocamphon, Kampfer und Pinen. Darüber hinaus lassen sich mehrere Bitterstoffe (unter anderem Marubiin) und Gerbstoffe sowie Flavonoide finden.

Ysop in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in der Bibel mehrfach erwähnte Ysop (Num 19,18 EU, hebr.: Esov; Joh 19,29 EU) ist nicht mit Hyssopus officinalis gleichzusetzen, der in Israel nicht wächst. Vielmehr handelt sich in der Heiligen Schrift um eine Majoran- bzw. Oregano-Art[4], die jedoch zur selben Unterfamilie wie Hyssopus officinalis gehört. Entsprechend beinhaltet das auch heute teilweise als „Biblischer Ysop“ verkaufte Gewürz die „Saatar“ genannte Mischung.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.gewuerzlexikon.de/ysop.html
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 812.
  3. a b c d e f Rafaël Govaerts (Hrsg.): Hyssopus officinalisa - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 24. Februar 2016.
  4. Fritz Rienecker: Lexikon zur Bibel, 11. Aufl. Wuppertal 1988, S. 647 ISBN 3-417-24528-1. David Darom: Die schönsten Pflanzen der Bibel. Vom Ysop bis zu den mächtigen Zedernbäumen, Herzlia, S. 6. ISBN 965-280-067-8

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gunter Steinbach (Hrsg.): Strauchgehölze (Steinbachs Naturführer). Mosaik Verlag GmbH, München 1996, ISBN 3-576-10560-3.
  • Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur - Kultur und Verwendung. Tessloff Verlag, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8
  • Franz von Bruchhausen (Hrsg.): Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis, Band 2 - Drogen E - O, Berlin 1996, ISBN 3-5405-2638-2
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, Franckh-Kosmos-Verlag, 2. überarbeitete Auflage 1994, 2000, Band 4, ISBN 3- 440-08048-X
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-3342-3
  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das Neue Handbuch der Heilpflanzen. Botanik Arzneidrogen, Wirkstoffe Anwendungen, Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2011, ISBN

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ysop – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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