AIESEC
AIESEC ist die größte internationale Studentenorganisation weltweit mit über 800 Lokalkomitees in 113 Ländern, in welchen über 86.000 Mitglieder aktiv sind. Besonders stark ist AIESEC in Indien, Polen, Brasilien und der Türkei sowie Deutschland vertreten, wo es Lokalkomitees oder Initiativgruppen an 48 Standorten (Universitäten und Fachhochschulen) gibt. Als erste internationale Studentenorganisation war AIESEC in Festlandchina vertreten, daneben ist AIESEC in Afghanistan vertreten.
AIESEC wurde 1948 in Stockholm von Studenten der Wirtschaftswissenschaften aus sieben Ländern (Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Niederlande, Norwegen und Schweden) gegründet und wuchs innerhalb weniger Jahre zu einer globalen Organisation. Da sich im Laufe der Zeit der Fokus erweitert hat und auch Studenten anderer Studienrichtungen zu AIESEC gestoßen sind, wurde die Abkürzung (ehemals: Association Internationale des Etudiants en Sciences Economiques et Commerciales) in den 1990er Jahren zum Eigennamen.
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Ziel von AIESEC[Bearbeiten]
Das Ziel von AIESEC ist die Förderung der Völkerverständigung und die Ausschöpfung des Potentials unserer Gesellschaft, die exakte englische Formulierung der Zielsetzung lautet „Peace and Fulfilment of Humankind's Potential.“ AIESEC ist eine Plattform, die jungen Menschen ermöglicht, sich weiterzuentwickeln und einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu haben. Zwei Säulen tragen dazu bei diese Ziele zu erreichen:
1. Exchange (Austausch)
- AIESEC organisiert und vermittelt internationale Praktika in den Bereichen Management, IT, Soziales oder im Bildungsbereich in allen Regionen in denen es Lokalkomitees gibt. Da das Ziel der Praktika eine kulturelle Erfahrung ist, können deutsche Studenten nur ein Praktikum im Ausland machen.
- Austausch von Wissen und Know-How innerhalb der Organisation auf regionalen, nationalen und internationalen Konferenzen
2. Leadership Development (Führungskraftentwicklung)
- AIESEC versucht gezielt Studenten Möglichkeiten zur Übernahme von Verantwortung und von Führungspositionen zu motivieren. Begleitende Seminare und Konferenzen sollen dazu beitragen, dass die Studenten von ihrer Führungserfahrung profitieren und sich untereinander austauschen. Das Ziel ist es verantwortliche, tolerante und kulturell-offene Führungskräfte auszubilden, die in der Zukunft Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen können und einen positiven Einfluss haben.
Geschichte von AIESEC[Bearbeiten]
1946 wird AIESE, die Vorgängerorganisation von AIESEC in Lüttich in Belgien gegründet. 1949 wird AIESEC mit der Veranstaltung des 1. International Congress (3.-6. März 1949 in Stockholm) offiziell gegründet und es wird schon im ersten Jahr 89 Studenten ein Auslandspraktikum ermöglicht. 1953 beginnt die Kooperation von AIESEC mit der Internationalen Handelskammer und der UNESCO. 1955 wird die 1.000er Marke beim Prakikantenaustausch gebrochen. 1960 absolvierten 2.973 Studenten ein Auslandspraktikum mit AIESEC. Die erste dauerhafte Zentrale von AIESEC wurde 1961 in Genf eröffnet. 1963 wurden die Teilnehmer des 15. International Congress in Princeton von US-Präsident John F. Kennedy empfangen. Während des 16. International Congress 1964 in Rom empfing Paul VI. die Teilnehmer zu einer Privataudienz im Vatikan. 1965 tritt mit der Tschechoslowakei das erste sozialistische Land in AIESEC ein. 1969 wurde das erste Mal ein Computer zur Praktikantenvermittlung eingesetzt. Bis dahin wurden Praktikanten ausschließlich über so genannte Matching-Konferenzen vermittelt. Die Lufthansa wurde 1970 offizieller Partner für Reisen der deutschen AIESEC. Um die Qualität seiner Praktika zu sichern, wurde 1974 beschlossen, die Minimumdauer eines Praktikums auf 6 Wochen festzulegen. 1971 Jahr zog die Zentrale von Genf nach Brüssel um. 1991 wird das heute verwendete und international einheitliche blaue Logo eingeführt und löste das orange ab. 1992 wurden Vertreter auf die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung nach Brasilien geschickt. 1996 beschloss AIESEC sich auf den Prakikantenaustausch zu fokussieren. 1997 geht der Prakikantenaustausch online. 1998 zog die die Dachorganisation AIESEC International von Brüssel nach Rotterdam um. Mit dem internetbasierten Programm Insight werden ab 1998 Praktika zunehmend online vermittelt. Im Jahre 2000 wird eine verbesserte Version insight 2 in Betrieb genommen. Insight XP wurde 2004 eingeführt. Seit 2007 wird diese von dem Intranetportal myaiesec.net abgelöst.
AIESEC in Deutschland[Bearbeiten]
Das erste Lokalkomitee in Deutschland wurde von Albert Kaltenthaler 1951 in Nürnberg gegründet. Im selben Jahr folgten Köln und Mannheim. Am 19. März 1952 wurde AIESEC in Deutschland auf dem 4. International Congress in Kopenhagen offizielles Mitglied von AIESEC; der erste Vorsitzende war Albert Kaltenthaler. Diese Entscheidung war für die bisherigen AIESEC-Länder nicht ganz einfach, da die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg noch frisch waren. Bereits im folgenden Jahr fand in Nürnberg vom 15. bis 23. März 1953 der 5. International Congress statt. Hier wurden das Saarland und Jugoslawien als Mitglieder von AIESEC aufgenommen. Am 18. Dezember 1956 wurde AIESEC Deutschland offiziell als Verein ins Kölner Vereinsregister eingetragen. Ein Jahr später wird das Nationalkomitee des Saarlandes aufgelöst und in Deutschland aufgenommen. 1964 wurde Ludwig Erhard Ehrenkurator. Seit 1971 ist Deutschland das Land mit den meisten Praktikantenstellen innerhalb der Organisation. 1974 kam der 10.000. ausländische Praktikant nach Deutschland und wurde von Bundespräsident Walter Scheel empfangen. In Deutschland gab es mittlerweile 25 Lokalkomitees. 1985 wurde Deutschland, mit seinen inzwischen 45 Lokalkomitees, beauftragt, die Beziehungen zur Volksrepublik China zu verbessern. 1988 absolvierten 900 Studenten ein Praktikum in Deutschland unter ihnen auch der erste aus China. Mit dem Fall der Mauer wurden 1989 die ersten beiden Komitees in der DDR in Berlin gegründet. 1990 erhielt AIESEC in Deutschland offiziell den Auftrag, AIESEC in der DDR aufzubauen. 1991 wurde der 43. International Congress in Deutschland unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Richard von Weizsäcker abgehalten. AIESEC in Deutschland war dabei sowohl die Vertretung der westlichen als auch der östlichen Lokalkomitees. 1993 wurde AIESEC in Deutschland Mitglied im deutschen Vorbereitungskomitee des Sozialgipfels der UN und vertritt 1995 die Studenten bei dem Gipfel. 2002 schaffte AIESEC Deutschland für afghanische Studenten die erste Möglichkeit zu einem Auslandsaufenthalt durch den Aufbau von AIESEC in Afghanistan. 2004 richtete AIESEC Deutschland den 56. International Congress unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder in Hannover aus. Die ersten afghanischen Praktikanten absolvierten 2005 ein Praktikum in Deutschland.
AIESEC in Österreich[Bearbeiten]
AIESEC in Österreich wurde 1952 gegründet und besitzt sechs Lokalkomitees (Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg und zwei in Wien). Zudem wurde 2011 eine Research Group in Klagenfurt gegründet, mit dem Ziel das dortige LC wieder zu eröffnen. Der nationale Vorstand (Member Committee) sitzt in Wien und besteht aus sechs Personen. Der nationale Vorstand wird von einem Team (National Support Team) unterstützt, deren Aufgaben in der Verwaltung nationaler Anliegen und Projekte liegen.
AIESEC in der Schweiz[Bearbeiten]
AIESEC in der Schweiz wurde 1951 in St. Gallen gegründet. Zurzeit gibt es in der Schweiz acht Lokalkomitees (Basel, Bern, Freiburg im Üechtland, Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen, und Zürich). Das Member Committee, der nationale Vorstand, hat seinen Sitz in Bern. Da es in der Schweiz mehrere Amtssprachen gibt, ist die offizielle Arbeitsspache bei AIESEC in der Schweiz nur Englisch.
AIESEC in Afghanistan[Bearbeiten]
Der Beginn des Aufbaus von AIESEC in Afghanistan war eine Konferenz im Dezember 2002 mit dem Namen NIFA (New Ideas for Afghanistan). Einer der fünf Workshops befasste sich mit dem Thema AIESEC. Die Konferenz wurde vom Lokalkomitee Frankfurt am Main, welches sich auch anschließend für die Weiterverfolgung der Idee verantwortlich zeichnete, geleitet. Die ersten Praktikanten verließen im Februar 2005 Afghanistan um in Berlin zu arbeiten. Auf dem International Presidents Meeting 2005 wurde es am 25. Februar offizielles AIESEC-Land. Im März 2005 wurde das offizielle MC Büro in der Mediothek für Afghanistan e.V. eröffnet. Präsident von NIFA und damit auch erster MCP Afghanistans war Marcus Wittig. Erster gewählter Member Committee President (MCP) wurde Ahmad Waheed Sahak. Das erste und bisher einzige Lokalkomitee befindet sich in Kabul.
AIESEC in Kanada[Bearbeiten]
AIESEC in Kanada verdankt seine Gründung einer Bitte von Donald W. James von AIESEC in den USA um einen Empfehlungsbrief. Diese Bitte erreichte im Februar 1958 den Vizepräsidenten von „The House of Seagram Limited“, Charles Bronfman. Dieser fand die Idee von AIESEC so gut, dass er zum Schluss kam, Kanada müsse ein selbständiges AIESEC haben. Am 25. März 1958 schrieb dieser also an den Vorsitzenden der World University Student's Society, Mel Rothman. Nach einigen Briefwechseln landete ein Schreiben bei Lewis Perinbam von der World University Service of Canada. Am 8. November 1958 fand in der McGill University in Montreal das erste provisorische Treffen von AIESEC in Kanada statt. Bei diesem Gründungstreffen waren Eric W. Kierans, Adam Dickie, Simon St.Pierre, Jean Dagenais, Lionel Simons, Gerald Destounis und Arthur Dalfen anwesend, alles Professoren verschiedener Fachbereiche.
AIESEC in China[Bearbeiten]
Es gab mehrere Versuche AIESEC in Volksrepublik China zu gründen. Erste Anläufe gab es in den 1980er Jahren, die allerdings mit dem Tian'anmen-Massaker 1989 zum Erliegen kamen. Mitte der 1990er Jahre gab es erneute Anläufe, unterstützt von AIESECern aus Japan, USA, Hong Kong und Deutschland. Die USA und Japan hatten bereits Austauschprogramme, doch 1997 bauten Studenten aus Deutschland und Hong Kong in Shanghai eine erste Interest Group auf. Im Jahr darauf wurde eine weitere Interest Group in Beijing gegründet. 2002 wurde China auf dem International Presidents Meeting in Malta offizielles AIESEC-Mitglied. Zurzeit hat AIESEC in Festland China mehr als 200 Mitglieder an Universitäten in Beijing, Shanghai, Tianjin, Hangzhou und Guangzhou, die sich für den internationalen Austausch einsetzen.
AIESEC in Rumänien[Bearbeiten]
AIESEC in Rumänien wurde 1992 auf Initiative von AIESEC in Österreich gegründet und besitzt zwölf Lokalkomitees.
Struktur von AIESEC[Bearbeiten]
AIESEC ist dreistufig aufgebaut. Auf den drei Ebenen ist die Mitarbeit möglich. Sie werden im Folgenden dargestellt.
Lokale Ebene[Bearbeiten]
An Hochschulen ist AIESEC in Form von Lokalkomitees vertreten. In einer Stadt kann es mehrere Lokalkomitees geben, wie dies derzeit in Berlin an der Technischen Universität sowie der Humboldt-Universität der Fall ist. Ein Lokalkomitee kann mehrere Universitäten und Hochschulen umfassen. Jedes Lokalkomitee umfasst einen Vorstand (Executive Board), der aus einem Präsidenten (Local Committee President) sowie bis zu sechs Teamleitern (Vice President) besteht und für maximal ein Jahr von den Mitgliedern des Komitees gewählt wird. Jedes lokale Komitee besteht aus den Bereichen Finance, Communications, Team Management, External Relations, Outgoing Exchange und Incoming Exchange, die alle von jeweils einem Vice President geleitet werden.
Nationale Ebene[Bearbeiten]
Alle Lokalkomitees eines Landes bzw. Territoriums werden von einem sogenannten Member Committee verwaltet, dessen Mitglieder der einjährigen Tätigkeit in Vollzeit nachkommen und jährlich auf der nationalen Konferenz (NatCo) gewählt werden, die gegen Ende des Wintersemesters in Oerlinghausen stattfindet und von einem Großteil der nationalen Komitee-Vorstände besucht wird. Der Sitz von AIESEC Deutschland befindet sich seit 2003 in Bonn, zuvor war es Köln. Seine Aufgabe ist es, die Arbeiten jedes Lokalkomitees zu verwalten und zu koordinieren. Das Member Committee wird unterstützt von dem National Support Body (NSB) sowie dem National Support Team (NST).
Internationale Ebene[Bearbeiten]
AIESEC International (AI) bildet die weltweite Verwaltung von AIESEC und sitzt in Rotterdam. Das AI besteht aus einem Presidenten, den Vice Presidents für jeden der sechs Bereiche sowie mehreren Directors, die die globalen Regionen verwalten und koordinieren.
Aufnahme der Länder[Bearbeiten]
- 1948 - Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Niederlande, Norwegen, Schweden
- 1951 - Italien, Schweiz, Spanien
- 1952 - Österreich, Großbritannien, Bundesrepublik Deutschland
- 1953 - Jugoslawien, Saarland
- 1954 - Türkei
- 1955 - Israel
- 1956 - Griechenland, USA
- 1958 - Venezuela, Südafrika
- 1959 - Kolumbien, Portugal, Irland, Kanada
- 1961 - Island, Argentinien, Mexiko
- 1962 - Sierra Leone, Ghana, Nigeria
- 1963 - Korea, Japan, Chile, Peru, Tunesien
- 1964 - Australien, Taiwan, Ecuador, Hongkong
- 1965 - Senegal
- 1966 - Tschechoslowakei
- 1968 - Brasilien, Philippinen, Puerto Rico, Thailand
- 1969 - Malta, Indien
- 1970 - Malaysia, Costa Rica, Indonesien
- 1972 - Polen, Ungarn
- 1973 - Kenia, Singapur
- 1974 - Ägypten
- 1975 - Elfenbeinküste
- 1976 - Iran
- 1977 - Togo
- 1978 - Sudan
- 1979 - Neuseeland
- 1981 - Liberia
- 1982 - Panama, Simbabwe
- 1983 - Uruguay
- 1984 - Senegal
- 1985 - Guatemala
- 1987 - Marokko
- 1989 - Dominikanische Republik, Papua-Neuguinea, Kamerun, DDR (Wegen des Mauerfalls war Deutschland nun als Ganzes vertreten)
- 1990 - Sowjetunion
- 1991 - Bulgarien
- 1992 - Rumänien
- 1993 - Estland, Kroatien, Slowenien
- 1994 - Botswana, Bosnien-Herzegowina, Litauen, Pakistan, Ukraine
- 1995 - Mazedonien, Bolivien
- 1996 - Sri Lanka, Armenien, Lettland
- 1997 - El Salvador, Uganda
- 2000 - Bangladesch
- 2002 - Vereinigte Arabische Emirate, Volksrepublik China
- 2005 - Afghanistan
- 2006 - Georgien
- 2007 - Iran
Literatur[Bearbeiten]
- Deutsches Komitee der AIESEC e.V. (Hrsg.): Die größte globale Studentenorganisation. AIESEC in Deutschland. Dt. Komitee der AIESEC, Bonn 2006.