Saarland 1947 bis 1956

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Saarland
1947–1956
Flagge das Saarlandes 1947–1956 Wappen das Saarlandes 1947–1956
Flagge Wappen
Flag of Germany (1946-1949).svg Navigation Flag of Germany.svg
Verfassung Verfassung des Saarlandes vom 15. Dezember 1947
Amtssprache Deutsch
Hauptstadt Saarbrücken
Staatsform Republik
Regierungschef Ministerpräsident
Währung Französischer Franc
Gründung 17. Dezember 1947[1]
Auflösung 31. Dezember 1956
Zeitzone UTC+1 MEZ
Nationalhymne Saarlandlied (ab 1950)
Kfz-Kennzeichen SA (1945–1948),
OE (1949–1956)[2]
Lage des Saarlandes in Europa
Deckblatt der Verfassung des Saarlandes von 1947, mit Flagge

Das Saarland war vom Ende des Zweiten Weltkrieges an bis Ende 1956 ein Protektorat Frankreichs, die wirtschaftliche Angliederung bestand noch bis Mitte 1959.

Das 1947 festgelegte, gegenüber den Grenzen des Saargebiets von 1920 vor allem im Nordwesten und im Norden vergrößerte, Protektoratsgebiet entsprach, abgesehen von einer kleinen Grenzkorrektur 1949, dem heutigen Saarland. Politisch wurde das Protektorat jedoch der Vierten Französischen Republik nicht eingegliedert. Ein Beitritt zur 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland war zunächst ebenfalls nicht vorgesehen. Die begrenzte Eigenständigkeit des Saarlandes wurde durch eine eigene Staatsangehörigkeit, eigene Flagge und Hymne symbolisiert.

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Von Frankreich eingesetzter Militärgouverneur war ab dem 30. August 1945 Gilbert Grandval, der sein Amt am 7. September 1945 antrat. Er stand an der Spitze der Délégation Supérieure de la Sarre, welche die französische Militärregierung an der Saar war. Grandval war Militärgouverneur (bis 10. Januar 1948), anschließend Hoher Kommissar (bis 5. März 1952) und zum Schluss Botschafter (1. Januar 1952 bis 8. Juli 1955) im Saarland. Ihm folgte Charles-Marie-Eric de Carbonnel auf dem Botschafterposten nach (bis 27. Oktober 1956).

Gang im begonnenen, jedoch nicht fertiggestellten Regierungsbunker in den Schlossberghöhlen (2010)

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in den Jahren 1947, 1952 und 1955 zu Landtagswahlen.

Saarländische Regierungschefs waren:

An den Bundestagswahlen 1949 und 1953 nahm das Saarland nicht teil.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Das Saarland wurde am 21. März 1945 von US-amerikanischen Truppen besetzt und im Juli des Jahres zunächst in die Französische Besatzungszone eingegliedert. 1947 wurde das Saarland schließlich als Protektorat Frankreichs teilautonom.[3]

Demokratische Grundrechte wie das Grundrecht auf Meinungsfreiheit wurden den Saarländern lange nicht zugebilligt. Politische Parteien, die für eine Wiedervereinigung mit dem deutschen Kernland innerhalb der völkerrechtlichen Grenzen des Deutschen Reiches von 1937 eintraten, wurden nicht zugelassen, insbesondere keine Ableger der Parteien der Bundesrepublik, wo die Unterstützer des Protektorats beziehungsweise die frankophilen Verfechter eines Anschlusses an Frankreich (Mouvement pour le Rattachement de la Sarre à la France) als Separatisten angesehen wurden. Bei der Landtagswahl 1952 gab deswegen rund ein Viertel der Wahlberechtigten aus Protest ungültige Stimmzettel ab.

Saarstatut und Volksabstimmung[Bearbeiten]

Bundeskanzler Konrad Adenauer, der das Problem Saarland zugunsten seiner bevorzugten Westbindung und der Aussöhnung mit Frankreich weitgehend ausgeklammert hatte, nahm daraufhin auch Kontakt zur separatistischen Saarregierung auf. Dies führte zur Unterzeichnung des sogenannten „Zweiten Saarstatuts“ (Abkommen zwischen den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über das Statut der Saar) am 23. Oktober 1954 in Paris als Teil der Pariser Verträge.

Das Statut sah vor, dass das Saarland ein europäisches Statut erhält, was bedeutet hätte, dass die wirtschaftliche Bindung an Frankreich bestehen bleibt und ein von der Westeuropäischen Union (WEU) einzusetzender europäischer Kommissar sollte mit den äußeren Angelegenheiten des Saarlands betraut werden. Das Saarstatut war die Vision des saarländischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, der das Saarland zum ersten europäischen Territorium machen wollte. Die Planung ganzer Stadtteile in und um Saarbrücken, welche die heute in Brüssel, Luxemburg und Straßburg befindlichen europäischen Institutionen aufnehmen sollten, war bereits angelaufen.[4][5]

In der Bundesrepublik wurde Adenauer scharf angegriffen, die SPD und FDP befürchteten eine De-facto-Abtretung des Saarlands an Frankreich. Allerdings sah das Statut zunächst eine Volksabstimmung am 23. Oktober 1955 vor.[6] Adenauer und die Bundes-CDU warben dabei für die Annahme des Statutes, die Saar-CDU lehnte es jedoch ab, ebenso wie die Deutsche Sozialdemokratische Partei (DSP) und die Demokratische Partei Saar (DPS). Befürworter im Saarland waren dagegen die Christliche Volkspartei des Saarlandes (CVP) und die Sozialdemokratische Partei des Saarlandes (SPS).[7]

Die Abstimmungsfrage auf dem Stimmzettel war:

„Billigen Sie das mit Zustimmung der Regierung des Saarlandes zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Französischen Republik am 23. Oktober 1954 vereinbarte Europäische Statut für das Saarland?“[7]

Briefmarke aus dem Saarland zur Volksbefragung 1955[6] (Abbildung der Universitätsbibliothek Saarbrücken)

Das Abstimmungsergebnis vom 23. Oktober 1955 lautete:

Stimmen %
Ja 201.973 32,29
Nein 423.434 67,71
ungültig/leer 15.725
Summe 641.132 100
Registrierte Wähler/Wahlbeteiligung 662.849 97,55
Quelle:[8]

Dieses Votum gegen das Saarstatut wurde als Ausdruck des Willens zu einem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland angesehen.

Eingliederung in Deutschland[Bearbeiten]

Anschließende internationale Verhandlungen führten zum Luxemburger Vertrag vom 27. Oktober 1956, in dem Frankreich der Rückgliederung des Saarlandes unter deutsche Hoheit zum 1. Januar 1957 zustimmte. Am 14. Dezember 1956 erklärte der saarländische Landtag den förmlichen Beitritt zum Geltungsbereich des deutschen Grundgesetzes.[9] Durch das Gesetz über die Eingliederung des Saarlandes vom 23. Dezember 1956 wurde das Saarland am 1. Januar 1957 politisch als zehntes Bundesland in das Bundesgebiet der damaligen Bundesrepublik eingegliedert (sog. kleine Wiedervereinigung).[10] Der Beitritt erfolgte wie 1990 der der DDR nach dem Artikel 23 des Grundgesetzes alter Fassung. Durch ein Gesetz vom 20. Dezember 1956 war zugleich die saarländische Staatsangehörigkeit wieder abgeschafft worden.

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten]

Seit 1945 galt im Saarland das Kfz-Kennzeichen SA (bis 1948), die einzelnen Kreise wurden durchnummeriert. 1949 wurde es durch das Kurzzeichen OE (Occupation Est) ersetzt, das bis Ende 1956 geführt wurde. Im Jahr 1948 war das Kürzel FS geplant. Seit dem 1. Januar 1957 gelten die bis heute verwendeten Kfz-Kennzeichen.

Medien[Bearbeiten]

Dem besonderen Status des Saarlands in der ersten Hälfte der 1950er Jahre verdankt auch der französischsprachige Sender Europe 1 seine Entstehung. Dessen Sendungen werden seitdem auf Langwelle von der Sendeanlage Sender Felsberg-Berus bei Felsberg ausgestrahlt. Er war bis zur Einführung des privaten Rundfunks in Deutschland der einzige privat betriebene Rundfunksender auf deutschem Boden.

Sport[Bearbeiten]

Das Saarland hatte von 1950 bis 1957 ein eigenes Nationales Olympisches Komitee. Das NOK wurde im Oktober 1950 gegründet und auf französischen Vorschlag vom IOC anerkannt. Es schickte eine eigene Olympiamannschaft zu den Olympischen Spielen 1952, die aus 31 Männern und fünf Frauen bestand, die jedoch keine Medaillen gewannen. Im Jahre 1956 nahmen die Athleten an der Gesamtdeutschen Mannschaft teil, Saarländer errangen dabei Medaillen. Das NOK des Saarlandes bestand bis Februar 1957 und wurde aufgelöst, nachdem das Saarland ab dem 1. Januar 1957 zur Bundesrepublik Deutschland gehörte.

Im Juni 1950 wurde der Saarländische Fußballbund (SFB) von der FIFA aufgenommen. Er organisierte eine Saarländische Fußballnationalmannschaft (19 Länderspiele von 1950 bis 1956, mit Teilnahme an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1954; dabei wurde u. a. zweimal gegen den späteren Weltmeister Deutschland gespielt). Die höchste Spielklasse im Vereinsfußball war die Ehrenliga Saarland (drei Spielzeiten von 1948 bis 1951), allerdings nahm die erste Mannschaft des 1. FC Saarbrücken, die damals sportlich beste Mannschaft (u. a. Teilnahme am Europapokal der Landesmeister 1955/56), daran nicht teil, sondern spielte 1948/49 in der 2. französischen Liga und organisierte anschließend den Internationalen Saarlandpokal.

Saarländische Sportler nahmen in diesen Jahren an Weltmeisterschaften ihrer jeweiligen Sportarten teil und errangen auch Medaillen (einer der größten Erfolge: Therese Zenz, 1954 Weltmeisterin im Einer-Kajak). In St. Wendel fand der Große Preis des Saarlandes statt, ein Lauf zur Motorrad-Weltmeisterschaft.

Wirtschaft[Bearbeiten]

100 sogenannte Saar-Franken von 1955, Schriftzug „Saarland“ auf der Rückseite

Wirtschaftlich war das Saarland an Frankreich gekoppelt. 1947 wurde anstelle der Reichsmark die Saar-Mark eingeführt, die aber im selben Jahr durch den Französische Franc ersetzt wurde. Dieser wurde 1954/55 durch eigene saarländische Münzen (Saar-Franken) ergänzt. Es gab eine Zollgrenze zu den Westzonen beziehungsweise der späteren Bundesrepublik, aber keine zu Frankreich, das Saarland gehörte noch bis zum 6. Juli 1959 zum französischen Zollgebiet.

Der Termin für die wirtschaftliche Eingliederung an die Bundesrepublik durch die Einführung der Deutschen Mark wurde vor der Bevölkerung lange geheim gehalten. Der hoffnungsvoll erwartete „Tag X“ war der 6. Juli 1959.[11] Ab diesem Tag wurde im Saarland die D-Mark zum Kurs von 100 Saar-Franken = 0,8507 DM eingeführt, und die Zollschranken zum Land Rheinland-Pfalz entfielen fortan. Erst mit dem wirtschaftlichen Anschluss wurde die „kleine Wiedervereinigung“ an der Saar vollständig.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried Busemann: Den eigenen Weg gehen. Die Selbstfindung der Sozialdemokratie an der Saar 1945 bis 1968. St. Ingbert 2013, ISBN 978-3-86110-533-6.
  • Herbert Elzer: In Distanz zu Adenauers Saarabkommen vom 23.10.54. Die rheinland-pfälzische CDU als unbeugsame Verfechterin einer „deutschen Saar“. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. 24 (1998), S. 457–544.
  • Herbert Elzer: Die deutsche Wiedervereinigung an der Saar. Das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen und das Netzwerk der prodeutschen Opposition 1949 bis 1955. Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-86110-429-2.
  • Herbert Elzer: Konrad Adenauer, Jakob Kaiser und die „kleine Wiedervereinigung“. Saarbrücken 2008, ISBN 978-3-86110-445-2.
  • Herbert Elzer: Posthorn und Saarstaat. Die westdeutsch-saarländischen Postbeziehungen 1945–1955. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. 39 (2013), S. 509–556.
  • Armin Heinen: Saarjahre. Politik und Wirtschaft im Saarland 1945–1955. Stuttgart 1996, ISBN 3-515-06843-0.
  • Johannes Hoffmann: Das Ziel war Europa. Der Weg der Saar 1945–1955. Nachdruck der Ausgabe von 1963. St. Ingebert 2013, ISBN 978-3-95602-003-2.
  • Rainer Hudemann, Burkhard Jellonnek, Bernd Rauls: Grenz-Fall. Das Saarland zwischen Frankreich und Deutschland 1945–1960. Saarbrücken 1998.
  • Martin Kerkhoff: Großbritannien, die Vereinigten Staaten und die Saarfrage 1945 bis 1954. Stuttgart 1996, ISBN 3-515-07017-6.
  • Johannes Schäfer: Das autonome Saarland. Demokratie im Saarstaat 1945–1957. St. Ingbert 2012, ISBN 978-3-86110-513-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saarprotektorat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zeitpunkt des Inkrafttretens der Verfassung des Saarlandes.
  2. Für Occupation Est.
  3. Chronik Saarländischer Fußballbund 1945 – 1956. In: Deutscher Fußball-Bund (Hrsg.): 100 Jahre DFB – Die Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes. Sportverlag Berlin, Berlin 1999, ISBN 3-328-00850-0, S. 88 bis 91
  4. 1) Das Saarstatut – Die Saar auf dem Weg zu einer Europäisierung. 14. Januar 2015, abgerufen am 6. Februar 2015.
  5. „Der Dicke muss weg“ – Plakat der DPS zum Saar-Referendum, 1955. www.1000dokumente.de, abgerufen am 6. Februar 2015.
  6. a b Sowohl die Verfassung des Saarlandes als auch das Saarstatut selbst sahen eine Volksabstimmung vor, das Referendum am 23. Oktober 1955 war aber von seiner Art eine Volksbefragung und wurde auch von offizieller Seite als solche bezeichnet.
  7. a b 2) Volksbefragung und Abstimmungskampf. 18. Juli 2014, abgerufen am 1. Januar 2015.
  8. 3) Ergebnisse und politische Folgen der Volksbefragung. 18. Juli 2014, abgerufen am 1. Januar 2015.
  9. Beitrittserklärung des Saarlandes nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vom 14. Dezember 1956, Amtsblatt des Saarlandes, S. 1645 (PDF; 233 kB).
  10. Gesetz über die Eingliederung des Saarlandes vom 23. Dezember 1956.
  11. Tag X für die Saar rückt näher. Zeit online, 10. April 1959, abgerufen am 6. Februar 2015.