Saarland 1947 bis 1956

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Saarland
1947–1956
Flagge das Saarlandes 1947–1956 Wappen das Saarlandes 1947–1956
Flagge Wappen
Flag of Germany (1946-1949).svg Navigation Flag of Germany.svg
Verfassung Verfassung des Saarlandes vom 15. Dezember 1947
Amtssprache Deutsch
Hauptstadt Saarbrücken
Staatsform Republik
Regierungschef Ministerpräsident
Währung Französischer Franc
Gründung 17. Dezember 1947[1]
Auflösung 31. Dezember 1956
Zeitzone UTC+1 MEZ
Lage des Saarlandes in Europa
Deckblatt der Verfassung des Saarlandes von 1947, mit Flagge
Gang im begonnenen, jedoch nicht fertiggestellten Regierungsbunker in den Schlossberghöhlen (2010)

Das Saarland war vom Ende des Zweiten Weltkrieges an bis Ende 1956 ein Protektorat Frankreichs, die wirtschaftliche Angliederung bestand noch bis Mitte 1959. In der Geschichte des Saarlandes war es schon zuvor, im Zuge der Reunionspolitik unter Ludwig XIV. (1680 bis 1697), infolge der Französischen Revolution bzw. unter Napoleon I. (1793 bis 1815) und als Saargebiet (1920 bis 1935), zu einer Abtrennung von Deutschland gekommen.

Das 1947 festgelegte Protektoratsgebiet entsprach, abgesehen von einer kleinen Grenzkorrektur 1949, dem heutigen Saarland. Politisch wurde das Protektorat jedoch der Vierten Französischen Republik nicht eingegliedert. Ein Beitritt zur 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland war ebenfalls nicht vorgesehen. Die begrenzte Eigenständigkeit des Saarlandes wurde durch eine eigene Staatsangehörigkeit, eigene Flagge und Hymne symbolisiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Demokratische Grundrechte wie das Grundrecht auf Meinungsfreiheit wurden den Saarländern lange nicht zugebilligt. Politische Parteien, die für eine Wiedervereinigung mit dem deutschen Kernland innerhalb der völkerrechtlichen Grenzen des Deutschen Reiches von 1937 eintraten, wurden nicht zugelassen, insbesondere keine Ableger der Parteien der Bundesrepublik, wo die Unterstützer des Protektorats beziehungsweise die frankophilen Verfechter eines Anschlusses an Frankreich (Mouvement pour le Rattachement de la Sarre à la France) als Separatisten angesehen wurden. Bei der Landtagswahl 1952 gab deswegen rund ein Viertel der Wahlberechtigten aus Protest ungültige Stimmzettel ab.

Saarstatut und Volksabstimmung[Bearbeiten]

Bundeskanzler Konrad Adenauer, der das Problem Saarland zugunsten seiner bevorzugten Westbindung und der Aussöhnung mit Frankreich weitgehend ausgeklammert hatte, nahm daraufhin auch Kontakt zur separatistischen Saarregierung auf. Dies führte zur Unterzeichnung des sogenannten „Zweiten Saarstatuts“ (Abkommen zwischen den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über das Statut der Saar) am 23. Oktober 1954 in Paris als Teil der Pariser Verträge. In der Bundesrepublik wurde Adenauer deswegen scharf angegriffen, die SPD und FDP befürchteten eine De-facto-Abtretung des Saarlands an Frankreich. Allerdings sah das Statut zunächst eine Volksabstimmung am 23. Oktober 1955 vor. Adenauer und die Bundes-CDU warben dabei für die Annahme des Statutes, die Saar-CDU lehnte es jedoch ab.

Die Abstimmungsfrage auf dem Stimmzettel war:

„Billigen Sie das mit Zustimmung der Regierung des Saarlandes zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Französischen Republik am 23. Oktober 1954 vereinbarte Europäische Statut für das Saarland?“[2]

Briefmarke aus dem Saarland zur Volksbefragung 1955 (Abbildung der Universitätsbibliothek Saarbrücken)

Das Abstimmungsergebnis vom 23. Oktober 1955 lautete:

Stimmen %
Ja 201.973 32,29
Nein 423.434 67,71
ungültig/leer 15.725
Summe 641.132 100
Registrierte Wähler/Wahlbeteiligung 662.849 97,55
Quelle: [3]

Dieses Votum gegen das Saarstatut wurde als Ausdruck des Willens zu einem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland angesehen.

Rückgliederung an Deutschland[Bearbeiten]

Anschließende internationale Verhandlungen führten zum Luxemburger Vertrag vom 27. Oktober 1956, in dem Frankreich der Rückgliederung des Saarlandes unter deutsche Hoheit zum 1. Januar 1957 zustimmte. Am 14. Dezember 1956 erklärte der saarländische Landtag den förmlichen Beitritt zum Geltungsbereich des deutschen Grundgesetzes. Durch das Gesetz über die Eingliederung des Saarlandes vom 23. Dezember 1956 wurde das Saarland am 1. Januar 1957 politisch als zusätzliches Bundesland in das Bundesgebiet der damaligen Bundesrepublik eingegliedert.

Wirtschaft[Bearbeiten]

100 so genannte „Saar-Franken“ von 1955, Schriftzug „Saarland“ auf der Rückseite

Wirtschaftlich war das Saarland jedoch noch an Frankreich angekoppelt. Offizielle Währung war der Französische Franc, der 1954/55 durch eigene Münzen („Saar-Franken“) ergänzt wurde; es gab eine Zollgrenze zu den Westzonen beziehungsweise der späteren Bundesrepublik, aber keine zu Frankreich.

Der Termin für die wirtschaftliche Eingliederung an die Bundesrepublik durch die Einführung der D-Mark wurde vor der Bevölkerung lange geheim gehalten. Der hoffnungsvoll erwartete „Tag X“ war der 6. Juli 1959.[4] Erst mit dem wirtschaftlichen Anschluss wurde die „kleine Wiedervereinigung“ an der Saar vollständig. Das Beitrittsverfahren wurde 1990 zum Vorbild für die verfassungsrechtliche Gestaltung der deutschen Wiedervereinigung.

Sport[Bearbeiten]

Das Saarland hatte von 1950 bis 1957 ein eigenes Nationales Olympisches Komitee (mit Teilnahme einer eigenen Olympiamannschaft an den Sommerspielen 1952). Dazu bestand eine Saarländische Fußballnationalmannschaft (19 Länderspiele von 1950 bis 1956, mit Teilnahme an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1954). Es fand zudem der Große Preis des Saarlandes statt, ein Lauf zur Motorrad-Weltmeisterschaft.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried Busemann: Den eigenen Weg gehen. Die Selbstfindung der Sozialdemokratie an der Saar 1945 bis 1968. St. Ingbert 2013, ISBN 978-3-86110-533-6.
  • Herbert Elzer: Die deutsche Wiedervereinigung an der Saar. Das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen und das Netzwerk der prodeutschen Opposition 1949 bis 1955. Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-86110-429-2.
  • Herbert Elzer: In Distanz zu Adenauers Saarabkommen vom 23.10.54. Die rheinland-pfälzische CDU als unbeugsame Verfechterin einer "deutschen Saar". In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. 24 (1998), S. 457–544.
  • Herbert Elzer: Konrad Adenauer, Jakob Kaiser und die „kleine Wiedervereinigung“. Saarbrücken 2008, ISBN 978-3-86110-445-2.
  • Herbert Elzer: Posthorn und Saarstaat. Die westdeutsch-saarländischen Postbeziehungen 1945–1955. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. 39 (2013), S. 509–556.
  • Armin Heinen: Saarjahre. Politik und Wirtschaft im Saarland 1945–1955. Stuttgart 1996, ISBN 3-515-06843-0.
  • Johannes Hoffmann: Das Ziel war Europa. Der Weg der Saar 1945–1955. Nachdruck der Ausgabe von 1963. St. Ingebert 2013, ISBN 978-3-95602-003-2.
  • Rainer Hudemann, Burkhard Jellonnek, Bernd Rauls: Grenz-Fall. Das Saarland zwischen Frankreich und Deutschland 1945–1960. Saarbrücken 1998.
  • Martin Kerkhoff: Großbritannien, die Vereinigten Staaten und die Saarfrage 1945 bis 1954. Stuttgart 1996, ISBN 3-515-07017-6.
  • Johannes Schäfer: Das autonome Saarland. Demokratie im Saarstaat 1945–1957. St. Ingbert 2012, ISBN 978-3-86110-513-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saarprotektorat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zeitpunkt des Inkrafttretens der Verfassung des Saarlandes.
  2. 2) Volksbefragung und Abstimmungskampf. 18. Juli 2014, abgerufen am 1. Januar 2014.
  3. 3) Ergebnisse und politische Folgen der Volksbefragung. 18. Juli 2014, abgerufen am 1. Januar 2014.
  4. Tag X für die Saar rückt näher, ZEIT, April 1959.