George A. Akerlof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Akerlof)
Wechseln zu: Navigation, Suche
George A. Akerlof (2007)

George Arthur Akerlof (* 17. Juni 1940 in New Haven, Connecticut) ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Träger des Wirtschaftsnobelpreises 2001. Akerlof lehrt als Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of California, Berkeley.

Leben[Bearbeiten]

Akerlof studierte in Yale und promovierte am Massachusetts Institute of Technology. Nach Stationen als Professor in Indien und der London School of Economics verbrachte er den größten Teil seiner Laufbahn an der University of California in Berkeley, wo er heute noch lehrt. Er ist mit der Ökonomin Janet Yellen verheiratet, die während der Präsidentschaft Bill Clintons eine Zeit lang dem Stab der Wirtschaftsberater vorsaß und seit Februar 2014 Chefin des Federal Reserve Board ist.

Akerlof gilt als Kritiker der Effizienzmarkthypothese. In seinem berühmtesten Aufsatz The Market for Lemons untersuchte er die Mechanismen des Gebrauchtwagenmarkts und zeigte, dass freie Märkte nicht funktionieren, wenn Käufer und Verkäufer ungleichen Zugang zu Information haben. Da unvollständig informierte Kaufinteressenten nicht zwischen minderwertigen und höherwertigen Angeboten unterscheiden können, sind sie nicht bereit, angemessene Preise für die besseren Autos zu zahlen. Deren Besitzer zögern daher, sie anzubieten.

In dem im Jahr 2000 veröffentlichten Aufsatz Economics and Identity[1] und späteren Arbeiten führte Akerlof zusammen mit der amerikanischen Ökonomin Rachel Kranton soziale Identität in die formale ökonomische Analyse ein. Unter Einbezug von Sozialpsychologie und vielen anderen Gebieten außerhalb der Ökonomik argumentieren Akerlof und Kranton, dass Präferenzen nicht nur aufgrund üblicher Entscheidungsvariablen wie Einkommen und Preis gebildet werden. Sie richten sich auch nach sozialen Normen, wie sich Menschen verhalten sollten. Die Normen wiederum, denen jemand folgt, sind durch seine sozialen Identität mitbestimmt.

2001 erhielt er zusammen mit Joseph E. Stiglitz und Michael Spence den Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel für ihre Arbeiten über das Verhältnis von Information und Märkten, insbesondere der adversen Selektion.

Akerlof gehört zu den schärfsten Kritikern der Politik von US-Präsident George W. Bush. Im Jahr 2003 unterzeichnete er zusammen mit anderen Nobelpreisträgern zwei öffentliche Protestnoten gegen die amerikanische Regierungspolitik. Eine richtete sich gegen geplante Steuersenkungen, die andere gegen einen unilateralen Präventivkrieg im Irak. In einem Interview mit dem Spiegel im Juli 2003 sagte er: Ich denke, dass diese Regierung die schlimmste in der mehr als 200-jährigen Geschichte der USA ist. Sie hat nicht nur in der Außen- und Wirtschafts-, sondern auch in der Sozial- und Umweltpolitik außerordentlich unverantwortlich gehandelt. Das ist keine normale Politik mehr. Für die Bevölkerung ist die Zeit gekommen, zivilen Ungehorsam zu leisten.

Im Januar 2007 plädierte er in einer Ansprache an die American Economic Association für eine Rehabilitierung des Keynesianismus und kritisierte die Neoklassik, weil diese gesellschaftliche Normen in ihren Nutzenfunktionen vernachlässige.[2]

Er ist Mitbegründer des Ende Oktober 2009 gegründeten Institute for New Economic Thinking (INET) um neue Denkansätze für die Volkswirtschaftslehre zu entwickeln [3].

Schriften[Bearbeiten]

Monografien

  • mit Rachel E. Kranton: Identity Economics: How Our Identities Shape Our Work, Wages, and Well-Being, Princeton University Press, Princeton, New Jersey, 2010, ISBN 978-0-691-14648-5.
    • deutsch: Identity Economics: Warum wir ganz anders ticken, als die meisten Ökonomen denken. Carl Hanser Verlag, München 2011. ISBN 978-3-446-42696-2.
  • mit Robert J. Shiller: Animal Spirits. How human psychology drives the economy, and why it matters for global capitalism. Princeton University Press, Princeton, New Jersey, 2009, ISBN 978-0-691-14233-3.
  • Explorations in pragmatic economics. Oxford 2005, ISBN 0-19-925391-9.
  • An economic theorist's book of tales. Cambridge 1984, ISBN 0-521-26323-9.

Herausgeberschaften

Aufsätze

  • The Market for 'Lemons': Quality Uncertainty and the Market Mechanism. In: The Quarterly Journal of Economics. Band 84, Nr. 3, August 1970, S. 488–500.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  George A Akerlof, Rachel E Kranton: Economics and Identity. In: Quarterly Journal of Economics. 115, Nr. 3, 2000, S. 715-753, doi:10.1162/003355300554881 (PDF).
  2.  George A. Akerlof: The Missing Motivation in Macroeconomics. In: American Economic Review. 97, Nr. 1, März 2007, S. 5-36, doi:10.1257/aer.97.1.5 (PDF).
  3. Millionen-Angriff auf etablierte VWL; Handelsblatt, 3.November 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: George Akerlof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien