Alt Tucheband

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Alt Tucheband führt kein Wappen
Alt Tucheband
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Alt Tucheband hervorgehoben
52.53333333333314.51666666666711Koordinaten: 52° 32′ N, 14° 31′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Märkisch-Oderland
Amt: Golzow
Höhe: 11 m ü. NHN
Fläche: 30,59 km²
Einwohner: 811 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 27 Einwohner je km²
Postleitzahl: 15328
Vorwahl: 033472
Kfz-Kennzeichen: MOL, FRW, SEE, SRB
Gemeindeschlüssel: 12 0 64 009
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Seelower Straße 14
15328 Golzow
Webpräsenz: Alt Tucheband
Bürgermeister: Detlef Baar (WG GAT)
Lage der Gemeinde Alt Tucheband im Landkreis Märkisch-Oderland
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Über dieses Bild

Alt Tucheband ist eine Gemeinde im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Amt Golzow.

Geografie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Ortsteile sind die ehemaligen Gemeinden Alt Tucheband, Hathenow und Rathstock sowie die bewohnten Gemeindeteile Neu Tucheband und Hackenow.

Geschichte[Bearbeiten]

14. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Alt Tucheband wird erstmals in einer auf den 9. Mai 1336 datierten Urkunde erwähnt. Der Magistrat von Frankfurt (Oder) tauscht Reitwein und den See Piscenige gegen das halbe Dorf Alt Tucheband und das halbe Dorf Maatzinova mit dem Markgraf von Brandenburg Ludwig I..[2] 1355 werden Henning und Otto von Haken als Besitzer der Ortschaft genannt, die anschließend von 1401 bis 1456 im Besitz des Bischofs von Lebus verblieb. Im Jahr 1456 erwarb die Familie von Schapelow, die von 1405 bis 1450 im Besitz von Hathenow war, bis dieses an den Johanniterorden ging, den Ort Tucheband.

Im Jahr 1601 lässt sich in Tucheband der Hexenprozess gegen Gertrud Paul nachweisen.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) und vor allem die Pestepidemie in den Jahren 1634 bis 1636, die in Tucheband und Umgebung ungefähr 12.000 Menschen das Leben kostete, brachten dem Ort schweren Schaden.

1663 wird das Gut Tucheband von Max von Schlieben gekauft und kommt durch die Heirat seiner Tochter in den Besitz der Grafen von Kamenke, bis es 1797 durch Verkauf an von Bornstaedt, Erb- und Gerichtsherrn auf Ehrenberg fällt.

Im Jahr 1787 schließt der Bau der kürzesten Ost-West-Verbindung durch Preußen, die von Kleve nach Königsberg ging, Tucheband an die Heer- und Handelsstraße an.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

1800 brennt der Ort inklusive der Kirche bei einer Feuerkatastrophe fast vollständig nieder. 1814 erwirbt Kommissionsrat Gilbert, der durch die Freigabe von Land zur Erbpacht das spätere Neu Tucheband begründete, das Gut. 1820 kauft der Syndikus und spätere Bürgermeister von Berlin, Ludwig Wilhelm Rehfeld, das Gut, das letztmals 1896 den Besitzer wechselt, als es von der Familie Schmelzer erworben wird.

Im Verlauf der Napoleonischen Kriege war Tucheband mehrfach von Einquartierungen und der damit verbundenen jeweiligen Plünderung des Dorfes betroffen. Der damalige Pfarrer Fleischfresser berichtet, dass im Vorlauf der Erstürmung der Küstriner Festung nicht nur das gesamten Kircheninventar, sondern auch sämtliche Leitern gestohlen wurden.

Der langsame wirtschaftliche Aufschwung ermöglichte den Wiederaufbau der Kirche als neogotischen Bachsteinbau erst im Jahr 1862. 1864 wurden eine Ziegelei, eine Brennerei, eine Sirup- und Stärke- sowie eine Zuckerfabrik errichtet. 1911 wurde die Oderbruchbahn gebaut.

In den Jahren 1928 und 1929 erfolgte der Zusammenschluss des Gutes Hackenow mit Alt Tucheband. Beim Angriff auf die Seelower Höhen wurde der Ort nach der Evakuierung am 5. Februar 1945 fast vollständig zerstört. Die Kirche bleibt Ruine, 1996 wird der Platz rund um die Ruine neu gestaltet.

Der Bruch des Oderdammes am 22. März 1947 ließ das Hochwasser bis auf rund 100 m vor das Ortsschild steigen, richtete aber an den Gebäuden keinen Schaden an.

Bau des Schweinestalls für die LPG Befreite Erde

Bei der Bodenreform von 1945 werden über 650 ha Land an Kleinpächter, Umsiedler, Landarme und Landarbeiter verteilt, 1946 wurde ein Ortsverband der VdbG gegründet und 1952 die LPG Befreite Erde. 1955 wurde ein Wasserwerk zur Trinkwasserversorgung der umliegenden Orte errichtet.

Gemeindeneugliederung[Bearbeiten]

1991 schloss sich Alt Tucheband zur Verwaltungsgemeinschaft Golzow, beziehungsweise ab 1992 dem Amt Golzow an.
Mit Wirkung vom 31. Dezember 2001 schlossen sich die Gemeinden Hathenow, Rathstock und Alt Tucheband im Rahmen der Gemeindegebietsreform des Landes Brandenburg freiwillig zur heutigen Gemeinde Alt Tucheband[3] im Amt Golzow gehörend zusammen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung seit 1875.
Blaue Linie: Bevölkerungsentwicklung des Gebietes in den heutigen Grenzen.
Gepunktete Linie: Normierte Bevölkerungsentwicklung des Landes Brandenburg.
Alt Tucheband:
Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen (2013)
Jahr Einwohner
1875 2 864
1890 2 408
1910 1 784
1925 2 078
1933 1 886
1939 1 794
1946 1 553
1950 2 014
1964 1 472
1971 1 441
Jahr Einwohner
1981 1 175
1985 1 155
1989 1 097
1990 1 092
1991 1 073
1992 1 072
1993 1 055
1994 1 031
1995 1 030
1996 1 050
Jahr Einwohner
1997 1 053
1998 1 048
1999 1 049
2000 1 053
2001 1 015
2002 1 011
2003 1 015
2004 1 027
2005 1 026
2006 973
Jahr Einwohner
2007 936
2008 927
2009 914
2010 886
2011 846
2012 811

Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[4].

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung besteht aus 10 Gemeindevertretern.

  • Pro Zukunft - Wählergruppe Märkisch-Oderland: 1 Sitz
  • Wählergruppe Brandschutzgruppe Alt Tucheband: 3 Sitze
  • Wählergruppe Großgemeinde Alt Tucheband: 5 Sitze
  • Einzelwahlvorschlag Pichi: 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)[5]

Wappen[Bearbeiten]

  • Die Gemeinde führt weder Wappen noch Flagge.
  • Der Ortsteil Alt Tucheband führt das Wappen und die Flagge der ehemaligen Gemeinde Alt Tucheband als Ortsteilsymbole weiter. Das Wappen wurde am 17. Juni 1999 genehmigt.

Blasonierung: „In Blau ein verbreiterter schrägrechter goldener Wellenbalken, belegt mit drei vierblättrigen grünen Kleeblättern.“[6]

  • Der Ortsteil Hathenow führt als Ortsteilsymbol ein Wappen mit folgender Beschreibung: Drei goldene Ähren in rot und ein goldener Stern in blau geteilt durch zwei silberne Wellenlinien.
  • Der Ortsteil Rathstock führt das Wappen der ehemaligen Gemeinde Rathstock als Ortsteilsymbol weiter. Das Wappen hat folgende Beschreibung: „In Silber über blauem Schildfuß´ zwei rote Pfähle überdeckt von einem blauen Balken.

Wappen der Ortsteile[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Landhaus an der alten Heer- und Handelsstraße; geschlossen

Museen[Bearbeiten]

  • Heimatstube Rathstock, Ausstellung über das Land Lebus, den Ursprung und die Entwicklung der Gemeinde Rathstock.

Belegangaben[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Zentral- und Landesbibliothek Berlin-Sammlung Duncker: Reitwein (pdf, 225 kByte)
  3. Bildung der neuen Gemeinde Alt Tucheband Bekanntmachung des Ministeriums des Innern Vom 17. Oktober 2001. Amtsblatt für Brandenburg Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 12. Jahrgang, 2001, Nummer 46, Potsdam, den 14. November 2001, S.779 PDF
  4. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  5. http://amt-golzow.de/politik/mitglieder.php?gremium=1473
  6. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alt Tucheband – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien