Augustdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Augustdorf
Augustdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Augustdorf hervorgehoben
51.8997222222228.7330555555556179Koordinaten: 51° 54′ N, 8° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Detmold
Kreis: Lippe
Höhe: 179 m ü. NHN
Fläche: 42,18 km²
Einwohner: 9547 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 226 Einwohner je km²
Postleitzahl: 32832
Vorwahl: 05237
Kfz-Kennzeichen: LIP
Gemeindeschlüssel: 05 7 66 004
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Pivitsheider Straße 16
32832 Augustdorf
Webpräsenz: www.augustdorf.de
Bürgermeister: Andreas Wulf (CDU)
Lage der Gemeinde Augustdorf im Kreis Lippe
Niedersachsen Bielefeld Kreis Gütersloh Kreis Herford Kreis Minden-Lübbecke Kreis Paderborn Kreis Höxter Augustdorf Bad Salzuflen Barntrup Blomberg Detmold Dörentrup Extertal Horn-Bad Meinberg Kalletal Lage (Lippe) Lemgo Leopoldshöhe Lügde Oerlinghausen Schieder-Schwalenberg Schlangen (Gemeinde)Karte
Über dieses Bild

Augustdorf ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Kreis Lippe. Sie ist durch eine der größten Bundeswehr-Kasernen Deutschlands sowie durch einen Truppenübungsplatz bekannt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Augustdorf liegt etwa zehn Kilometer südwestlich von Detmold, am Rand der Senne und am Fuße des Teutoburger Waldes. Die Sennegemeinde grenzt im Westen an den Kreis Gütersloh (Stadtgebiet Schloß Holte-Stukenbrock). Von Detmold aus überwindet man den Teutoburger Wald über die Dörenschlucht mit dem markanten Kalksteinbruch.

Geologie[Bearbeiten]

Geothermische Karte von Augustdorf

Augustdorf liegt in der Senne, dessen Boden aus sandigen Schmelzwasserablagerungen des Sanders des Inlandeises mit Resten von Geschiebemergel besteht. Durch Wind sind Einzeldünen und Dünenfelder entstanden. Der weitere Untergrund besteht aus Festgestein. Die westlich geneigten Gesteine stammen aus dem jüngeren Erdmittelalter, die im Nordosten an die Oberfläche treten. Die Gesteinsvorkommen sind Tonmergel-, Kalkmergel-, Mergelkalk und Kalksteine aus der Oberen Kreide und Sandsteine der Unteren Kreide. Darunter schichten sich flach lagernder oder gefalteter Buntsandstein aus dem frühen Erdmittelalter und Devon, Karbon sowie Zechstein aus dem Erdaltertum.

Das Gemeindegebiet eignet sich weitestgehend gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpe. Lediglich vereinzelte Standorte so wie die Gebiete im Südwesten sind nicht geeignet (vgl. dazu die nebenstehende Karte).[2]

Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets[Bearbeiten]

Die als „Große Landgemeinde“ klassifizierte Gemeinde erstreckt sich über eine Fläche von 42,18 km². Das Gemeindegebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West Richtung von etwa 10 km und in Nord-Süd Richtung von 8 km.

Fläche
nach Nutzungsart[3]
Landwirt-
schafts-
fläche
Wald-
fläche
Gebäude-,
Frei- und
Betriebsfläche
Verkehrs-
fläche
Wasser-
fläche
Sport- und
Grünfläche
sonstige
Nutzung
Fläche in km² 10,24 20,81 4,54 1,77 0,09 0,23 4,51
Anteil an Gesamtfläche 24,28 % 49,34 % 10,76 % 4,20 % 0,21 % 0,55 % 10,69 %

Der vergleichsweise hohe Anteil an Gebäude-, Frei- und Betriebsflächen sowie Flächen sonstiger Nutzung ergibt sich aus der Nutzung großer Teile der Senne als Truppenübungsplatz. Insgesamt werden rund 60 % des Gemeindegebietes militärisch genutzt.[4]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind, beginnend im Nordwesten, Oerlinghausen, Lage im Norden, Detmold im Nordosten, Osten und Südosten, Schlangen im Süden (alle im Kreis Lippe), so wie Schloß Holte-Stukenbrock im Südwesten und Westen (Kreis Gütersloh).

Geschichte[Bearbeiten]

1775 ist das Gründungsjahr der Gemeinde Augustdorf. Am 11. Dezember 1775 unterzeichnete Graf Simon August zur Lippe einen Meierbrief, der August Simon Struß berechtigte, am Dören ein Kolonat und einen Krug anzulegen. Im Jahre 1779 wurde der Anbauplan für die neue Ansiedlung am Dören beschlossen, jedoch ging die Besiedlung zunächst langsam voran. 1780 standen nur vier strohgedeckte Hütten in der Ansiedlung. 1789 erhielt die Ansiedlung am Dören den Namen „Augustdorf“ – zur Erinnerung an den 1782 gestorbenen Grafen.

1890 legte sich die Militärverwaltung des Deutschen Reichs auf die Senne südlich von Augustdorf als Standort eines Truppenübungsplatzes fest, der 1892 in Betrieb genommen wurde und zunächst etwa 50 km² umfasste. Dabei wurden hauptsächlich unbesiedelte Flächen zum Sperrgebiet.

In der Senne

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs steht der Platz unter britischer Verwaltung. Heute wird er sowohl von der britischen Armee (Standort Paderborn-Sennelager) als auch von der Bundeswehr in Augustdorf und anderen Truppen der NATO genutzt und zählt deshalb zu den ausländischen Militärbasen in Deutschland. Nicht nur durch die Bundeswehr hat sich Augustdorf mit den Jahrzehnten zu einer modernen Großgemeinde entwickelt.

Durch die Sperrung oder geringe Nutzung weiter Teile des Militärgebiets hat sich dort im Laufe der Jahrzehnte eine vielfältige Flora und Fauna erhalten, die in dieser Form einzigartig ist. Zur Erhaltung dieses Biotops soll das Gebiet des Truppenübungsplatzes deshalb nach Einstellung der militärischen Nutzung zum Nationalpark Senne-Egge erklärt werden. Ein Termin dafür steht jedoch noch nicht fest.

Am 11. März 1991 wurde das Furlbachtal durch den Landschaftsplan Senne zu einem Naturschutzgebiet erklärt, an dem die Gemeinde Augustdorf mit 84 von 205 ha einen großen Anteil hat.

In Augustdorf ist in der GFM-Rommel-Kaserne die Panzerbrigade 21 „Lipperland Brigade“ mit ca. 4.500 Soldaten stationiert. Sie war der 7. Panzerdivision (Düsseldorf) unterstellt und wechselte im Juni 2006, im Rahmen der Transformation der Bundeswehr, zur 1. Panzerdivision (Hannover).

Die Jugendsiedlung Heidehaus, in Trägerschaft des paritätischen Wohlfahrtsverbandes liegt im westlichen Gemeindegebiet mitten im Wald und ist eine Heimeinrichtung mit Bildungs- und Ausbildungsangeboten für Jugendliche. Zunächst wurde das Heidehaus nach dem Krieg für vertriebene, heimatlose Jugendliche errichtet. Im Jahr 2007 feiert die Jugendsiedlung ihren 60. Geburtstag.

Religionen[Bearbeiten]

Alte Dorfkirche

Nach Gründung des Ortes 1775 gehörte die neugeschaffene Siedlung kirchlich zur evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Stapelage. Die Siedler mussten zum Kirchgang den Weg bis zur Stapelager Kirche auf sich nehmen. Auch die ersten Bestattungen fanden in Stapelage statt. Ein erster Schritt zu einer eigenen Kirchengemeinde geschah durch die Schenkung eines Grundstücks der Augustdorfer Bauernschaft, um an dieser Stelle einen Friedhof zu errichten. Die Trauergottesdienste fanden zu diesen Zeiten noch in den jeweiligen Trauerhäusern statt. Im Jahr 1800 wurde auf dem Gelände des Friedhofes eine einfache Fachwerkkapelle gebaut. Dieses Datum gilt als Gründungsdatum der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Augustdorf. Schon nach wenigen Jahrzehnten wurde es nötig, die Kapelle durch einen neuen Bau zu ersetzen. Durch den Domänenbaurat Merckel, der in Lippe weitere Kirche in Schlangen, Leopoldshöhe, Bega und Almena errichtet hatte, wurde 1875 die jetzige „Alte Dorfkirche“ gebaut.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Augustdorf ein rein evangelisches Dorf reformierter Prägung. Zunächst brachten nach dem Krieg Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten katholische Einflüsse nach Augustdorf. Durch die neugegründete Bundeswehr kamen weitere Menschen anderer Konfessionen ins Dorf. Menschen aus anderen Ländern, die in Augustdorf ihre Arbeit und später ihre Heimat gefunden hatten, brachten fremde Religionen ins Sennedorf. Der letzte größere Zuzug kam durch die Menschen aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion, die meist baptistischen oder mennonitischen Glaubens sind. So gibt es heute neben der evangelisch-reformierten Kirche (Alte Dorfkirche) auch zwei Militärkirchen (evangelischer und katholischer Konfession). Neben den Gotteshäusern der großen Kirchen gibt es auch Bethäuser und Versammlungsorte baptistischer, mennonitischer und anderer freikirchlicher Gemeinden sowie eine Moschee der islamischen Glaubensgruppen.

Ein Indiz für die heutige Verteilung der Religionen kann die konfessionelle Zugehörigkeit der Schüler in Augustdorf sein. Demnach gaben im Schuljahr 2006/2007 42,4 % der Schüler evangelisch, 8 % katholisch und 12,1 % islamisch als Religionszugehörigkeit an. 33,2 % gaben eine andere Religionszugehörigkeit und 4,3 % keine Konfession an.[5]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Zugänge (grün) und Abgänge (rot) zur ehemaligen Gemeinde Augustdorf. Jetzige Gemeinde Augustdorf entspricht in etwa den grauen und grünen Gebieten. Später kamen noch Teile von Hörste im Norden zu Augustdorf. Der alte Gebietsstand entspricht den roten und grauen Gebieten. Anmerkung: Das Kerngebiet von Pivitsheide VL lag nördlich von Augustdorf.

Es gab in der Diskussion über die Neugliederung der Gemeinden in Nordrhein-Westfalen zunächst Überlegungen, Augustdorf nach Lage oder Detmold einzugemeinden oder auch mit Stukenbrock zu vereinigen. Als am 11. November 1969 das Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden verabschiedet wurde, war aber klar: Augustdorf bleibt eine eigenständige Gemeinde. Der Truppenübungsplatz, der Teutoburger Wald und die Kreis- und Konfessionsgrenze waren Hürden, die einer Eingemeindung entgegenstanden. Gebietsteile von Hörste und Pivitsheide, Vogtei Lage kamen am 1. Januar 1970 zu Augustdorf.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

War bis Mitte der 1990er Jahre noch ein Wachstum auf 12.000 bis 15.000 Einwohner prognostiziert, nimmt die Einwohnerzahl seit 2002 von Jahr zu Jahr leicht ab. Laut Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik des Landes NRW wohnten am 31. Dezember 2007 in Augustdorf 9721 Menschen. Die Soldaten der GFM-Rommel-Kaserne werden in dieser Statistik jedoch nicht erfasst.

Politik[Bearbeiten]

Augustdorf gehört zum Landtagswahlkreis Lippe III (99), in dem bei der Landtagswahl 2010 Dennis Maelzer (SPD) als Direktkandidat gewählt wurde. Auf Bundesebene gehört Augustdorf zum Bundestagswahlkreis Höxter – Lippe II (137), in dem 2013 Christian Haase (CDU) als Direktkandidat gewählt wurde.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Augustdorf setzt sich derzeit aus 26 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Hinzu kommt der Bürgermeister als Ratsvorsitzender. Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1975:

[7][8][9] 2014 2009 2004 1999 1994 1989 1984 1979 1975
Partei Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  %
CDU 12 44,07 12 41,73 14 53,83 12 44,86 11 40,19 9 31,59 10 37,23 12 44,05 13 47,01
SPD 8 32,27 9 29,65 7 26,41 9 34,54 13 45,35 11 40,29 16 56,77 13 49,58 12 45,47
FWG1 5 18,31 7 22,15 4 16,94 3 13,07 3 12,19 5 17,34
FDP 1 4,86 2 6,47 1 2,81 1 2,96 0 2,28 0 3,95 1 6,00 2 6,37 2 7,52
Grüne 1 4,57 2 6,84
Gesamt2 26 100 30 100 26 100 26 100 27 100 27 100 27 100 27 100 27 100
Wahlbeteiligung 44,23 55,68 59,58 57,39 81,60 68,61 72,18 73,60 85,17

1Freie Wählergemeinschaft
2ohne Berücksichtigung von Rundungsdifferenzen

Bürgermeister[Bearbeiten]

Amtierender hauptamtlicher Bürgermeister seit 2004 ist Dr. Andreas J. Wulf (CDU). Er konnte 71 % der abgegebenen Stimmen erzielen und trat damit die Nachfolge von Peter Hufendiek (CDU) an, der nicht erneut kandidierte. 2009 wurde Wulf mit 52,43 % wiedergewählt.

  • 1946 Heinrich Kanne
  • 1946 Hermann Strate
  • 1946–1948 Adolf Böger
  • 1948–1952 August Büker
  • 1952–1954 Heinrich Wiebusch
  • 1954–1969 Adolf Rott
  • 1969–1975 Willi Erfkamp
  • 1975–1994 Kurt Wistinghausen (SPD)
  • 1994–1998 Heinrich Wieking (CDU)
  • 1998–2004 Peter Hufendiek (CDU)
  • seit 2004 Dr. Andreas J. Wulf (CDU)

Wappen[Bearbeiten]

Wappen der Gemeinde Augustdorf

Mit Urkunde vom 25. Oktober 1951 bekam die Gemeinde Augustdorf das Recht, ein Wappen zu führen.

Blasonierung: Unter einem roten Schildhaupt, darin fünf fächerförmig gestellte goldene Ähren, in goldenem Feld zwei abwärtsgewandte schräggekreuzte Plaggenhauen mit roten Stielen, in den Winkeln oben eine rote fünfblättrige Rose mit goldenen Butzen und goldenen Blättern und unten ein roter Bienenkorb.

Die auf dem Wappen verwendeten Symbole deuten auf die Geschichte der Gemeinde. Auf den trockenen Sandböden der Senne konnte lediglich Roggen angebaut werden, der durch die Ähren symbolisiert wird. Als Dünger dienten Heideplaggen, die auch als Einstreu für die Viehställe genutzt wurden. Die Plaggen wurden mit den Plaggenhauen abgeschlagen. Die fünfblättrige Rose ist das Zeichen für das Land Lippe. Der Bienenkorb verweist auf die Bienenhaltung in den früheren Jahrhunderten in der Senne. Das Heidekraut bot genügend Nahrung und viele Imker brachten ihre Völker über den Teutoburger Wald in die Senne.[10]

Am 19. März 1968 verlieh der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen der Gemeinde die Führung von Banner und Flagge.

Banner: Rot-Gold 1:1 längsgestreift mit dem Gemeindewappen oberhalb der Mitte
Flagge: Rot-Gold 1:1 längsgestreift mit dem von der Mitte nach vorn verschobenen Gemeindewappen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wappen

Am 3. November 1990 wurde in Wanzleben (Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt) eine Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Bereits zu DDR-Zeiten bemühte sich Augustdorf um eine Partnerschaft. Da 1937 der Truppenübungsplatz in Augustdorf erweitert wurde, fanden viele Bewohner des Ortsteils Haustenbeck eine neue Heimat im Wanzlebener Ortsteil Blumenberg. Ziel der Partnerschaft ist, die Begegnung von Bürgerinnen und Bürgern und den Gruppen und Vereinen der Gemeinden zu fördern.

Internes Verbandsabzeichen Panzerartilleriebataillon 215 (PzArtBtl 215) der Bundeswehr

Seit dem 20. August 1999 ist die Gemeinde Augustdorf Pate des Panzerartilleriebataillon 215, welches in Augustdorf stationiert ist. Erklärtes Ziel ist das Miteinander der Bürger und Soldaten zu fördern.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Die Gemeinde Augustdorf hat kein Theater, jedoch bietet der Kulturkreis Augustdorf e. V. Kabarett, Comedy, Konzertabende, Lesungen und eine jährliche Varietèveranstaltung mit internationalen Künstlern an. Aufführungen können auch in der Witexhalle durchgeführt werden.

Museen[Bearbeiten]

Der Heimatverein Augustdorf führt im Keller der Grundschule in der Senne ein kleines Heimatmuseum, das ein- bis zweimal im Jahr geöffnet ist. Darüber hinaus gibt es innerhalb des Kasernengeländes eine Sammlung zur Militärgeschichte, die nach Anmeldung zu besichtigen ist.

Musik[Bearbeiten]

Seit über 35 Jahren ist die Tanz- und Trachtengruppe Augustdorf e. V. mit Volkstänzen aus Augustdorf und Lippe international unterwegs. Weitere musikalische Betätigungen bietet die Chorgemeinschaft Erika, der Posaunenchor der ev.-ref. Kirchengemeinde sowie der Heimatverein mit seiner Musikkapelle.

Bauwerke[Bearbeiten]

Jagdschloss Lopshorn, um 1900

Die evangelisch-reformierte Dorfkirche ist der Nachfolgebau einer Fachwerkkapelle aus dem Jahr 1800. Die Kirche entstand 1875 nach Plänen des Architekten und fürstlich lippischen Baubeamten Ferdinand Ludwig August Merckel, der auch die Kirchen in Leopoldshöhe, Almena, Bega und Schlangen entwarf. Die „Alte Dorfkirche“ ist ein schlichter Bruchstein-Saalbau mit dreiachsigem Langhaus, erhöhtem Querhaus und Rechteck-Chor, sie steht unter Denkmalschutz. Zum Kirchenjubiläum wurde sie in Zusammenarbeit mit der behördlichen Denkmalpflege im Winter 1999/2000 von Grund auf renoviert. Die Innenraumgestaltung erfolgte auf Grundlage alter Fotografien und historischer Befunde durch Auszubildende der Restauratoren-Fachschule Akademie Schloss Raesfeld e.V.[11]

Für örtliche und regionale Veranstaltungen steht die Witexhalle am Inselweg als multifunktionale Sport- und Veranstaltungshalle zur Verfügung. Sie bietet rund 800 Tribünenplätze, ein großzügiges Foyer und eine angemessene Infrastruktur für die verschiedensten Veranstaltungen. Insgesamt finden während einer Veranstaltung bis zu 1200 Personen Platz in der Halle.

In den Jahren 1937 bis 1939 sind 40 Wohngebäude der Erweiterung des Truppenübungsplatzes zum Opfer gefallen. Darunter auch die von den Bodelschwinghschen Anstalten gebauten Höfe Wagnerhof, Sigmarshof und der Heimathof. Die letzten Gebäude wurden für den Truppenübungsplatz 1963 geräumt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel das Jagdschloss Lopshorn der lippischen Fürsten einem Brandanschlag von Kriegsgefangenen zum Opfer. Die Ruine ist heute fast nicht mehr zu sehen und befindet sich auf der Schießbahn A.

Die katholische Garnisonkirche Maria, Königin des Friedens an der Pivitsheider Straße wurde 1959/1960 als erste katholische Garnisonkirche in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut und steht seit 2013 unter Denkmalschutz. Ihr Baukörper erinnert an ein abgespanntes Zelt. Sie steht direkt neben dem Kasernenzaun und ist dadurch auch ein Identifikationspunkt der zivilen Bevölkerung mit der Bundeswehr, wie es in der Begründung des Denkmalwerts heißt.[12]

Parks[Bearbeiten]

Einen Park im klassischen Sinne gibt es in Augustdorf unterhalb des Jugendzentrums an der Pivitsheider Straße.

Zahlreiche Wanderwege beginnen in Augustdorf und führen durch die Heidelandschaft der Senne. Schulklassen und Gruppenreisende können die Angebote der GNS Senne (Gesellschaft für Naturschutz Senne) nutzen, die in Augustdorf ein Umweltbildungszentrum betreiben. Die GNS bietet Wanderungen und Aktivitäten rund um die Senne und Naturschutz an.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Der Furlbach im Naturschutzgebiet Furlbachtal

In Augustdorf sind drei Naturschutzgebiete ausgewiesen. Das größte unter Ihnen wird unter der Schlüsselnummer LIP-066 als Östlicher Teutoburger Wald geführt. Es hat eine Größe von 2.323,4736 ha. Deutlich kleiner ist das Ölbachtal mit Augustdorfer Dünenfeld (LIP-002). Es hat eine Größe von 168,4737 ha. Die Schluchten und Moore am oberen Furlbach (LIP-018) erstrecken sich über eine Fläche von 92,9690 ha und reichen bis in den Kreis Gütersloh.

Sport[Bearbeiten]

Die HSG Augustdorf/Hövelhof, welche von 2002 bis 2007 in der 2. Handball-Bundesliga Nord spielte, spielt seit der Saison 2009/2010 Handball in der Oberliga. Am Ende der Spielzeit 2013/14 stieg die HSG in die Verbandsliga ab. Aktuell spielt der Verein wieder in der Oberliga.

Der FCE Augustdorf 46/77 spielte in der Serie 2008/2009 nach einem insolvenzbedingten Zwangsabstieg Fußball in der Kreisliga A Detmold im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen. Der Verein trug die Heimspiele seiner Senioren- und Jugendmannschaften auf dem Heidesportplatz (Kunstrasen) und dem Sportplatz Am Schlingsbruch (Naturrasen) aus. Am 3. Februar 2009 wurde der Nachfolgeverein FC Augustdorf gegründet, der alle sportrechtlichen und spieltechnischen Verpflichtungen des FCE Augustdorf 46/77 übernommen hat und den Spielbetrieb mit allen Mannschaften fortsetzt. In der Serie 2013/2014 spielte der FC Augustdorf mit der 1. Mannschaft nach einem geglückten Aufstieg in der Landesliga. Die Klasse konnte jedoch nicht gehalten werden, so dass der Verein in der Saison 2014/2015 wieder in der Bezirksliga spielt. Der SC Augustdorf e.V.(gegründet 2010) nimmt mit einer Herrenmannschaft nach einem Aufstieg 2012/2013 ab der Saison 2013/2014 am Spielbetrieb der Kreisliga A im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen Kreis Detmold teil.

Die TuSG Augustdorf bietet vom Tennis, Breitensport, Lung Chuan Fa Kempo 18 verschiedene Sportmöglichkeiten. Eine DLRG Ortsgruppe Augustdorf ermöglicht Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen donnerstags abends im Hallenbad der GFM-Rommel-Kaserne schwimmen zu lernen und (Rettungs-) Schwimmabzeichen abzulegen. Ferner ist der RSV Schwalbe Augustdorf im Kunstradfahren national bekannt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jährlich findet das Osterfeuer der Freiwilligen Feuerwehr auf dem Schlingsbruch statt. Am ersten Sonntag im September organisiert der RSV Schwalbe Augustdorf ein Volksradfahren. Die Herbstkirmes ist am zweiten Oktoberwochenende. Am zweiten Wochenende im Dezember ist in Augustdorf ein Weihnachtsmarkt.

Das feste Jahresprogramm wird durch ein Varieté des Kulturkreises in der Witexhalle ergänzt.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Teller mit lippischem Pickert

Unter Lippischem Pickert versteht man kleine Kuchen aus Hefe, Mehl und Kartoffeln, die mit Korinthen und Rosinen in der Bratpfanne gebacken werden. Der Pickert wird warm gegessen und mit gesalzener Butter, Rübenkraut, Marmelade oder Leberwurst bestrichen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Von Augustdorf sind es in südwestlicher Richtung ca. 9 km bis zur A 33, die Bielefeld und Paderborn verbindet. Über die Landesstraße 758 besteht eine Verbindung nach Detmold und Schloß Holte-Stukenbrock. Über Schloß Holte-Stukenbrock gelangt man auch zur Autobahnauffahrt 22 der A 33 Schloß Holte-Stukenbrock mit Anschluss an die A 2 (Hannover–Dortmund).

Rathaus und zentrale Bushaltestelle.

An den ÖPNV ist Augustdorf im Stundentakt über die Buslinie 390 (Stukenbrock-Detmold) angeschlossen. Darüber hinaus besteht über die Buslinie 84 Anschluss an den Bahnhof in Schloß Holte.

Als weitere Unterstützung der ÖPNV ist in Augustdorf ein Carsharingunternehmen tätig. Mitglieder können sich stundenweise oder tageweise Fahrzeuge teilen, die vorerst auf dem Gelände der Firma Ingenhaag an der Pivitsheider Straße stationiert sind.

Der Radweg R1 führt durch Augustdorf. Dieser Radweg führt, von Frankreich kommend, bis nach Russland. Innerhalb von Deutschland wird er auch als D-Route3 bezeichnet. Eine Infotafel für Radwanderer die auf dieser Route reisen befindet sich am Rathaus. Auch ein Streckenabschnitt des 2006 eröffneten Senne-Radweges führt durch Augustdorf.

Der nächste Flughafen ist der Flughafen Paderborn-Lippstadt, etwa 40 Kilometer südlich von Augustdorf gelegen.

Medien[Bearbeiten]

In Augustdorf erscheinen die Tageszeitung Lippische Landes-Zeitung und die Wochenzeitungen Lippische Neueste Nachrichten und Lippe aktuell. Die betreuende Lokalredaktion hat ihren Sitz in Detmold. Darüber hinaus erschien bis zum Dezember 2009 einmal im Monat der „Anzeiger“ als Infomagazin. Die Inhalte wurden teilweise in das „STADTJOURNAL SHS"(Schloß Holte-Stukenbrock) integriert.

Das im April 2010 gestartete, monatliche Magazin Sennekurier erscheint inzwischen nicht mehr. Nachfolger ist der zweimonatlich erscheinende Der Augustdorfer

Augustdorf gehört zum Berichtsgebiet des Regionalstudios Bielefeld des WDR und von Radio Lippe, das es in der Berichterstattung als Lokalradio mit abdeckt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Alte Schule, heute HOT Funkenflug

Im Untergeschoss des Bürgerzentrums unterhält die Gemeinde eine Bücherei mit etwa 10.000 Medien. Zur Ausstattung gehört auch ein Internetzugang, der den Besuchern zur Verfügung steht. Das Angebot wird durch die Zusammenarbeit mit den Büchereien der Nachbarkommunen und der Lippischen Landesbibliothek ergänzt.

Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde ist Trägerin des HOT Funkenflug. In dem Haus der offenen Tür wird offene Jugendarbeit praktiziert.

Seit 1964 gibt es in Augustdorf das Freibad am Inselweg mit einem 341 m² großen Nichtschwimmerbecken und einem 994 m² großen Schwimmerbecken mit 50-Meter-Bahnen. Darüber hinaus gibt es einen 3-Meter-Sprungturm. Das Freibad ist von Anfang Juni bis Ende August geöffnet.

Am Freizeitgelände Schlingsbruch kann ein Grillplatz, der in Verantwortung des FC Augustdorf e.V. steht, angemietet werden.

Die Gemeindewerke Augustdorf sind für die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung in der Gemeinde zuständig. Zusätzlich sind sie in der Gewässerunterhaltung tätig. Die Wasserversorgung ist ein Eigenbetrieb; die Abwasserbeseitigung eine Eigenbetrieb-ähnliche Einrichtung.

Bildung[Bearbeiten]

Allgemeinbildende Schulen[Bearbeiten]

Die Gemeinde bietet neben fünf Kindergärten und Kindertageseinrichtungen die Schulformen Grundschule, Hauptschule und Realschule an. Dies sind im Einzelnen die Grundschulen Auf der Insel (am Inselweg) und In der Senne, die Erich Kästner-Hauptschule und die Realschule Augustdorf. Im Jahr 2007 wurden an den allgemeinbildenden Schulen der Gemeinde mit 95 Lehrkräften insgesamt 1.300 Schüler unterrichtet, davon 42,3 % an den Grundschulen, 24,8 % an der Hauptschule und 32,9 % an der Realschule.[3]

Berufsausbildung[Bearbeiten]

Die Jugendhilfeeinrichtung des Vereins Jugendsiedlung Heidehaus e.V.[13] ermöglicht auch Jugendlichen außerhalb der Einrichtung eine Berufsausbildung.

Erwachsenenbildung[Bearbeiten]

Für die Erwachsenenbildung ist die Volkshochschule (VHS) Lippe West zuständig. Darüber hinaus ist das Umweltbildungszentrum der GNS Senne im Ort ansässig.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In der Gemeinde Augustdorf gibt es etwa 550 Gewerbebetriebe; Wirtschaftsschwerpunkte sind Maschinenbau, Metallverarbeitung und -veredelung, die Glasproduktion sowie die Kunststoff- und Holzverarbeitung. Das Industriegebiet liegt im Westen der Gemeinde und erstreckt sich über 69 ha.

Die Albert Freise GmbH unterhält eine Sortier- und Kompostieranlage für Abfallentsorgung und Recycling. Sie betreut über 900 Absetzmulden in Lippe. Die Ferrum Edelstahlhärterei GmbH existiert seit 1975 und ist laut eigenen Angaben Vorreiter in der modernen Werkzeugbehandlung. Seit 1980 existiert Teuto Glas. Mit 170 Mitarbeitern werden im Zweischichtbetrieb auf sechs Fertigungsstraßen vorrangig Isolierverglasungen hergestellt. Windmöller Flooring Products GmbH (vormals Witex) stellt seit 1978 Hartbodenbeläge in Augustdorf her. 1991 wurde die Produktpalette um Laminatböden ergänzt. W.S. Holzfertigung GmbH ist ein Zulieferbetrieb für Sonderteile in der Küchen-, Bad- und Büromöbelbranche. Gegründet wurde das Unternehmen 1987; 1990 konnte das 15.000 m² große Betriebsgelände bezogen werden. Die Fertigungshallen, in denen 50 Mitarbeiter tätig sind, sind 9.500 m² groß. Die INGENHAAG Autovermietung GmbH ist mit rund 150 Pkw, Transportern und Lkw in 4 Stationen eine der größten mittelständischen Autovermietungen im Raum Ostwestfalen. Zusätzlich betreibt die Firma einen Abschleppdienst.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lippischer Heimatbund: Augustdorf 1775–1975, Mai 1975
  • Lippischer Heimatbund: Augustdorf 1975–2000, Juni 2000
  • Lippischer Heimatbund: 200 Jahre evangelische Kirche in Augustdorf. Soziale Wirklichkeit und diakonischer Auftrag einer lippischen Gemeinde, September 2000
  • Topp + Müller: Lopshorn. Eine Chronik. Werte der Tradition. Bausteine für die Zukunft, 19. August 2004

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augustdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. Geologischer Dienst NRW: Erdwärme nutzen – Geothermiestudie liefert Planungsgrundlage (PDF; 369 kB)
  3. a b Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Kommunalprofil Augustdorf
  4. augustdorf.de: Truppenübungsplatz, Zugriff am 7. Januar 2011
  5. Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik: Schüler an allgemein bildenden Schulen in NRW nach der Religionszugehörigkeit
  6.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 104.
  7. Landesdatenbank NRW; Wahlergebnisse zum Gemeindecode 05766004
  8. Landesbetrieb Information und Technik NRW: Kommunalwahlen
  9. Augustdorf (LIP) Stadt-/Gemeindeergebnis Stand: 14. September 1999 (Version vom 19. August 2009 im Internet Archive)
  10. Wappen, Banner und Flagge
  11. Burkhard Meier: 200 Jahre evangelische Kirche in Augustdorf. Soziale Wirklichkeit und diakonischer Auftrag einer lippischen Gemeinde. (= Beiträge zur Geschichte der Diakonie in Lippe, Band 4.) Lippischer Heimatbund, Detmold 2000, ISBN 3-92631181-9.
  12. Sven Koch: Augustdorfer Garnisonkirche wird unter Denkmalschutz gestellt. Erste staatlich finanzierte Militärkirche. In: Neue Westfälische vom 18. April 2013. (online)
  13. Jugendsiedlung Heidehaus e.V.