Avanti, Avanti

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für den Fernsehsprachkurs, siehe Avanti! Avanti!
Filmdaten
Deutscher Titel Avanti, Avanti
Originaltitel Avanti!
Produktionsland USA, Italien
Originalsprache Englisch, Italienisch
Erscheinungsjahr 1972
Länge 140 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Billy Wilder
Drehbuch I. A. L. Diamond
Billy Wilder
Produktion Billy Wilder
Musik Carlo Rustichelli
Kamera Luigi Kuveiller
Schnitt Ralph E. Winters
Besetzung

Avanti, Avanti ist die freie Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Samuel A. Taylor durch Billy Wilder.

Handlung[Bearbeiten]

Wendell Armbruster, ein US-amerikanischer Industrieller und Familienvater, dargestellt von Jack Lemmon, reist am Wochenende auf die italienische Insel Ischia, weil sein Vater dort bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist. Er muss die sterblichen Überreste umgehend in die Heimat überführen, denn das pompöse Begräbnis des Multimillionärs soll schon kommenden Dienstag stattfinden. Auch der einflussreiche Politiker Henry Kissinger hat seine Teilnahme zugesagt.

Unterwegs begegnet Wendell wiederholt der englischen Verkäuferin Pamela Piggott, die das gleiche Reiseziel hat wie er. Die beiden steigen auf Ischia im selben Hotel ab, und bald erfährt Wendell, dass Pamelas Mutter im selben Auto wie sein Vater ums Leben kam. Entsetzt muss er feststellen, dass sein Vater und Pamelas Mutter ein Verhältnis hatten und seit Jahren während der Sommerferien das Hotelzimmer teilten.

Vor Ort sind eine Fülle von Formalitäten zu erledigen. Wendell wird dabei mit den Tücken der italienischen Bürokratie und einer ihm völlig fremden Lebensart konfrontiert. Trotz der tatkräftigen Unterstützung des Hoteldirektors Carlucci tauchen immer neue Hindernisse auf. Die Winzerfamilie Trotta, in deren Weinberg das verunglückte Auto gestürzt war, fordert einen Ausgleich für die verursachten Schäden. Weil Wendell sich weigert, den geforderten Preis zu bezahlen, entwenden[1] die Trottas die Leichen, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Erst als Wendell nachgibt, werden die Toten wieder in die Leichenhalle zurückgebracht.

Der ungeduldige und arrogante Wendell, der Pamela bisher rüde behandelt hatte – er hatte sie gar Fettarsch genannt – erliegt zunehmend dem Charme der mediterranen Lebensart. Wendells Wandlung führt dazu, dass Pamela und er sich ineinander verlieben. Wie zuvor die Verstorbenen genießen jetzt auch sie die Zweisamkeit unter der südlichen Sonne. Beim Nacktbaden werden sie von dem Hotelangestellten Bruno fotografiert. Bruno, ein ehemaliger amerikanischer Mafioso, der aus den USA ausgewiesen wurde, will Wendell mit den Bildern erpressen, damit dieser ihm die Rückkehr in die USA ermöglicht. Das Problem erledigt sich allerdings von selbst: Bruno wird von seiner schwangeren Verlobten, einem im Hotel arbeitenden sizilianischen Zimmermädchen, in Pamelas Zimmer erschossen, da er sie sitzenlassen wollte.

Weil nach dem Mord eine polizeiliche Untersuchung in ihrem Zimmer stattfindet, wird Pamela ohne ihr Wissen auf Carluccis Veranlassung in Wendells Suite einquartiert. Sie missversteht diese Unterbringung als Ausdruck von Wendells Sympathie für sie und gesteht ihm, während sie ihre Kleidungsstücke bei ihm einräumt, offen ihre Zuneigung. Der überraschte Wendell klärt den Sachverhalt nüchtern auf, worauf Pamela mit großer Enttäuschung reagiert. Schließlich kommen sich die beiden in Wendells Bad doch näher. Wendell bittet mit der Frage „Permesso?“ um die Erlaubnis, sie küssen zu dürfen, die ihm Pamela schließlich mit der Antwort „Avanti!“ erteilt. Sie verbringen den Nachmittag zusammen im Bett.

Wendell hat sich schon darauf eingestellt, dass die Beerdigung verschoben wird und er weitere angenehme Tage auf Ischia verbringen kann, da reist auf Betreiben seiner Frau der einflussreiche, mit den Armbrusters befreundete amerikanische Diplomat J. J. Blodgett aus Paris an. Blodgett will Wendells Vater posthum den Diplomatenstatus verleihen und so alle bürokratischen Hemmnisse umgehen. Die gemeinsame Abreise soll gleich am Nachmittag stattfinden.

Pamela und Wendell nehmen Carluccis Angebot an, die beiden Toten in dessen Familiengrab auf Ischia zu bestatten. Die Leichen von Wendells Vater und Bruno werden vertauscht, bevor der Sarg versiegelt wird. So wird Bruno von dem ahnungslosen Blodgett zum US-Diplomaten ernannt und in den bereitstehenden Helikopter verladen, um in Amerika feierlich beerdigt zu werden. Dadurch geht sein Herzenswunsch – Rückkehr in die USA – in Erfüllung.

Vor Wendells Abreise verspricht Carlucci, ihm und Pamela jedes Jahr – wie zuvor Wendells Vater und Pamelas Mutter – dieselbe Suite im Hotel zu reservieren.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Konfrontation der Werte Amerikas und Europas hat Billy Wilder immer wieder beschäftigt. Deshalb wählte er oft europäische Schauplätze für seine Filme, zum Beispiel bei Eine auswärtige Affäre, Ariane – Liebe am Nachmittag, Eins, Zwei, Drei und Fedora. Vielleicht die schärfsten Konturen des Aufeinanderprallens der verschiedenen Lebensarten besitzt seine Komödie Avanti, Avanti.[2]

Den Rahmen bildet eine süditalienische Inselidylle Anfang der 1970er Jahre, wo Pferdekutschen neben Motorrollern fahren und wo die Kirchenglocken neben Nonnen läuten, die ins Kino gehen, um sich den Film Love Story anzusehen. Die Zutaten sind dann Erpressung, Mord, einige Nacktszenen und ein unter dem Motto irgendwann erzähl ich Dir, wie wir Batista aus Kuba herausbekommen haben zupackender amerikanischer Diplomat und Geheimdienstler, der als deus ex machina die Handlung zum melancholisch-versöhnlichen Abschluss bringt.

Als ein musikalisches Leitmotiv zieht sich die Ballade Senza fine durch den Film, die vom italienischen Liedermacher Gino Paoli komponiert wurde und in den 1960er Jahren ein Riesenhit war. Unter Verwendung weiterer populärer italienischer Lieder entstand so ein musikalisches Arrangement, für das der italienische Filmkomponist Carlo Rustichelli verantwortlich zeichnete. Der Streifen wurde mit weitgehend unbekannten Schauspielern besetzt. Für die Britin Juliet Mills war der Film der Höhepunkt ihrer Karriere.

Der Titel des Films leitet sich von der ersten italienischen Phrase ab, die Wendell von Pamela lernt: Es ist die Antwort auf die Frage Permesso? (‚Darf ich eintreten?‘): Avanti! (‚(Nur) herein!‘). Das zweite Avanti im deutschen Filmtitel wurde vom deutschen Verleih hinzugefügt. Dadurch wird der Sinn verändert zu: ‚Vorwärts, mach schon‘. Im übertragenen Sinn bedeutet Avanti ‚Nur zu!‘, ‚Mach nur!‘, wörtlich ‚vorwärts‘.

Im Gegensatz zu anderen Filmen Wilders wie etwa Eins, Zwei, Drei werden die vielfältig vorhandenen Anspielungen und Gags in einem eher sachten Tempo angebracht. Eine Kernszene zu Wilders Bekenntnis zur Liebe in dem Film ist die Identifizierung der Toten in der Leichenhalle. Der italienische Leichenbeschauer arbeitet die vorzulegenden Dokumente ab. Der Pamela und Wendell dabei abgenommene Schwur kann als Jawort in einer Trauzeremonie interpretiert werden. Im weiteren Verlauf der Szene bilden die beiden Kinder der verstorbenen Verliebten deren Verhalten immer weiter nach, wobei das Hotelpersonal vom Gepäckträger bis zum Barmann den beiden mit Einzelheiten zur Verfügung steht.

Billy Wilder versuchte den Misserfolg des Films in den Staaten zu deuten: „Eine wirklich mutige und dramatische Enthüllung wäre es gewesen, wenn der Sohn herausgefunden hätte, sein verunglückter Vater sei nach Italien gereist, nicht weil er dort eine Freundin hatte, sondern weil er schwul war und nackt mit dem Hotelpagen im Auto gefunden wurde. Das wäre dann ein wirklich mutiger Film geworden. So ist der Film einfach zu bieder, zu brav, zu mild....Damit fällt keinem die Popcorntüte aus der Hand.“ Andererseits zählt er Avanti Avanti, der in Europa durchaus erfolgreich anlief, zu den Filmen, die er selbst wirklich mochte.[3]

Kritiken[Bearbeiten]

  • Lexikon des internationalen Films: Intelligent konstruierte, kultiviert gespielte Komödie der Menschlichkeit. Ein bemerkenswertes Bekenntnis zu Liebe und gegenseitigem Verstehen.[4]
  • Prisma Online: Sympathischer Filmspaß von Billy Wilder, der in Jack Lemmon den idealen Interpreten für seine Amerika-Satiren und einen perfekten Komödianten für seine neurotischen Helden gefunden hat. So auch in diesem Komödienklassiker mit Seitenhieben auf amerikanische und italienische Lebensweisen.
  • Roger Ebert am 1. Januar 1972: „Avanti! Avanti!“ ist kein Film, in dem jede Minute ein Lacher folgt, und er ist auch etwa eine halbe Stunde zu lang. Er leidet auch unter dem Problem, dass das Publikum alles schon einige Minuten vor Jack Lemmon durchschaut hat. Dennoch hat der Film einen gewissen Charme, der zum einen Teil aus den bezaubernden Drehorten herrührt, zum anderen gibt es diese fröhliche Leichtigkeit, die einer Zusammenarbeit von Lemmon und Wilder meistens innewohnt…
Avanti!“ isn’t a laugh-a-minute kind of a movie, and it’s too long by maybe half an hour. It also suffers from the problem that the audience has everything figured out several minutes before Jack Lemmon does. Still, the movie has a certain charm, some of which seeps in along with the locations, and there is in most of the many Wilder/Lemmon collaborations a cheerful insouciance…

Preise[Bearbeiten]

Für seine Darstellung des Wendell Armbruster erhielt Jack Lemmon 1973 den Golden Globe in der Kategorie Bester Schauspieler in einer Komödie. Außerdem hatte der Film fünf Nominierungen für den Golden Globe. Clive Revill erhielt eine Nominierung für den Golden Globe als bester Nebendarsteller.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Verkehrt gepolt. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1981 (online).
  2. Neil Sinysaard, Adrian Turner: Billy Wilders Filme. Berlin Verlag Volker Spiess, 1980, ISBN 3-88435-011-0, S. 109–111.
  3. Billy Wilder: interviews, Conversations with filmmakers series. Hrsg. Robert Horton, Verlag Univ. Press of Mississippi, 2001, ISBN 1-57806-444-9.
  4. Avanti, Avanti im Lexikon des Internationalen Films