Bayerische Oberlandbahn

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Bayerische Oberlandbahn GmbH
Logo der Bayerischen Oberlandbahn
Basisinformationen
Unternehmenssitz Holzkirchen
Webpräsenz www.bayerischeoberlandbahn.de
Bezugsjahr 2012
Eigentümer Veolia Verkehr 100 %
Geschäftsführung

Kai Müller-Eberstein[1]

Verkehrsverbund MVV (München - Holzkirchen)
Mitarbeiter 170
Umsatz EUR 35,8 Mio (2011)dep1
Tochtergesellschaft MoveOn Telematik Service GmbH (50%)[2]
Linien
Eisenbahn 3
Anzahl Fahrzeuge
Lokomotiven 1 Lok V 125
1 Lok V 126
Triebwagen 17 Integral
7 Bombardier Talent[3]
Statistik
Fahrleistung 3,1 Mio. km pro Jahr
Länge Liniennetz
Eisenbahnlinien 120 km
Sonstige Betriebseinrichtungen
Betriebshöfe 1
Sonstige Betriebseinrichtungen 6 Kundencenter

Die Bayerische Oberlandbahn GmbH (BOB, europäischer Fahrzeughaltercode BOBY)[4] ist ein privates Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) des Bahnkonzerns Veolia Verkehr mit Hauptsitz in Holzkirchen und Betriebswerk in Lenggries. Ihre Strecken verbinden die Landeshauptstadt München mit den in den bayerischen Alpen gelegenen Endstationen Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee. Da diese Strecken südlich von Holzkirchen nicht elektrifiziert sind, verkehren im gesamten Netz Diesel-Triebwagen. Seit dem 15. Dezember 2013 betreibt die BOB außerdem unter dem Markennamen Meridian den elektrischen Regionalverkehr im E-Netz Rosenheim zwischen München, Salzburg und Kufstein. Die BOB ist Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).

Bediente Strecken[Bearbeiten]

Die von der Bayerische Oberlandbahn bedienten Strecken südlich von Holzkirchen

Die BOB bedient folgende Bahnstrecken:

Die drei Bahnlinien führen zunächst auf der Strecke der früheren Bayerischen Maximiliansbahn gemeinsam von München Hauptbahnhof in südliche Richtung nach Holzkirchen. Dort zweigt eine der Linien in Richtung Osten ab und führt über Miesbach und Schliersee nach Bayrischzell. Die beiden anderen Linien trennen sich südlich von Holzkirchen in Schaftlach. Eine Linie führt in Richtung Südwesten über Bad Tölz nach Lenggries, die andere zum südöstlich gelegenen Tegernsee. Die Tegernseer Linie nutzt dabei die Strecke der Tegernseebahn, die der Gemeinde Gmund am Tegernsee und der Stadt Tegernsee gehört.

Die meisten Züge bestehen von München bis Holzkirchen aus drei zusammengekuppelten Einheiten. In Holzkirchen wird der Zug ein erstes Mal geflügelt, in Schaftlach ein zweites Mal. Auf der Rückfahrt nach München werden die Triebwagen in Schaftlach und Holzkirchen wieder verbunden. Zwischen München und Holzkirchen gilt in den BOB-Zügen der Tarif des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds.

Entwicklung[Bearbeiten]

Integral am Haltepunkt Geitau

Gegründet wurde die BOB am 31. März 1998. Sie nahm am 29. November 1998 den Betrieb auf. Die Zulassung als EVU erfolgte am 10. März 1998.[2] Die Ausschreibung der Bahnstrecke erfolgte, um mehr Wettbewerb im Schienenverkehr in Bayern zu schaffen. In der Anfangszeit kam die BOB des Öfteren wegen technischer Probleme mit den damals noch sehr unzuverlässigen „Integral“-Zügen in die Schlagzeilen, mittlerweile sind diese Probleme größtenteils behoben. Seit Anfang Juli 2004 sind bei der BOB drei „Talent“-Triebzüge als Verstärker in den Hauptverkehrszeiten im Einsatz.

Die Zahl der täglichen Fahrgäste stieg von 4.500 im ersten Betriebsjahr auf 13.000 im Jahr 2004 an und lag damit um 200 Prozent über den Prognosen.[5]

Die Deutsche Bahn hielt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen ab 1. März 2002 einen Anteil von 50 Prozent an der Gesellschaft. Anfang 2004 gab sie im Rahmen einer Option diese Geschäftsanteile an Connex zurück.[6]

Im Jahr 2012 wurde der weitere Betrieb der Strecken im Oberland für den Zeitraum Dezember 2013 bis Dezember 2024 durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft ausgeschrieben. Nachdem sich zunächst sowohl die BOB als auch die DB Regio um den Vertrag beworben hatten, zog sich die DB im Mai 2012 von der Ausschreibung zurück,[7] weil sie damit das rollende Material übernehmen hätte müssen. Im September 2012 ging der Zuschlag an die BOB, deren Leistungsangebot nach dem neuen Vertrag sowohl im Berufsverkehr als auch zu den Hauptausflugszeiten ausgeweitet wird.

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 bedient die Bayerische Oberlandbahn unter der Marke Meridian zusätzlich die Linien München – Holzkirchen – Rosenheim und München – Rosenheim – Salzburg/Kufstein.[8]

Fahrplan[Bearbeiten]

Integral zwischen Harras und Heimeranplatz

Die Linien werden regelmäßig im Stundentakt (mit zusätzlichen Verstärkerzügen) bedient, haben jedoch seit dem 12. Dezember 2004 eine Symmetriezeit, welche 5–6 Minuten später liegt als auf der Mehrzahl der mitteleuropäischen Strecken üblich, so dass die Umsteigezeiten von anderen Strecken rund 10 bis 12 Minuten länger sind als in der Gegenrichtung.

Service[Bearbeiten]

Die BOB betreibt eigene Fahrkartenautomaten. Auch an den DB-Automaten kann man Fahrkarten für das Streckennetz der BOB erwerben - allerdings zu Preisen, die um mehr als 30% über denen der BOB liegen können.[9] Während die DB-Nahverkehrsfahrkarten auf einen bestimmten Reisetag datiert sind, sind die Einzelfahrausweise der BOB undatiert und müssen zwingend vor Besteigen des Zugs entwertet werden. Zusätzlich werden an BOB-Fahrscheinautomaten auch Tickets verkauft, die sowohl in den Zügen der BOB als auch in den Verkehrsmitteln des MVV-Innenraums gültig sind.

Das Unternehmen gewann in den ersten Jahren verschiedene Auszeichnungen - so kürte etwa 2003 die Stiftung Warentest das Unternehmen zu einer der besten deutschen Bahngesellschaften.[10][11]

Die Bayerische Oberlandbahn liegt jedoch beim Qualitätsranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) seit 2009 durchgehend im negativen Bereich, 2013 lag sie auf Platz 13 von 15 Bahnbetreibern.[12] Die Bayerische Eisenbahngesellschaft bezeichnete die BOB nach dem schlechten Abschneiden im Qualitätsranking 2013 als das „aktuelle Sorgenkind im bayerischen Regionalverkehr.“[13] Als Gründe gelten eine deutliche Verschlechterung der Pünktlichkeit seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013, Probleme mit Fahrkartenautomaten, die zu erhöhten Fahrpreisangaben führten, und ungenügende Kundenkommunikation. Die Pünktlichkeitsprobleme sind darauf zurückzuführen, dass seit Dezember 2013 Talent-Einheiten auf den Linien der BOB fahren, die nicht für schnelles Kuppeln optimiert sind, wie es für die Flügelstrecken erforderlich ist. Die Triebzüge wurden von anderen Eisenbahngesellschaften der Veolia-Gruppe nach Bayern geholt, ohne an die dortigen Verhältnisse angepasst zu sein.[14] Wegen den massiven Problemen fallen erstmals Vertragsstrafen an, die BEG kündigte aber an, dass sie darüber hinaus weitere Sanktionen prüfen werde.[13]

Auslastung[Bearbeiten]

Die Züge sind nicht nur während der Woche zu den Stoßzeiten im Pendler- und Schülerverkehr stark ausgelastet, sondern auch der Ausflugsverkehr in die oberbayerischen Wander- (Busanschlüsse in Lenggries und Tegernsee Richtung Karwendel, Achensee und Rofan) und Skigebiete (Wendelstein, Sudelfeld, Brauneck, Spitzing) am Wochenende ist von großer Bedeutung. Insbesondere im Winter, wenn bei Sonnenuntergang sehr viele Ausflügler zur gleichen Stunde die Rückfahrt antreten, wird die Auslastungsgrenze häufig überschritten.[15] Das eingleisige Streckennetz verfügt über zu wenige Ausweichmöglichkeiten. Einige davon wurden erst Ende des 20. Jahrhunderts beseitigt. Deshalb lässt sich die Beförderungsleistung kaum erhöhen, so dass die Spitzenkapazität heute weit hinter dem Stand der 1960er-Jahre zurückbleibt, als an Winterwochenenden bis zu sechs Sonderzüge morgens nach Bayrischzell und abends zurück nach München fuhren.[16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bayerische Oberlandbahn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kai Müller-Eberstein wechselt von Agilis zu Veolia. eurailpress.de, 14. Mai 2013, abgerufen am 16. Juli 2013.
  2. a b  Karl Arne Richter: Europäische Bahnen '12/'13. DVV Media Group, Hamburg 2012, ISBN 978-3-7771-0437-9, S. 77-78.
  3. Bayerische Oberlandbahn: Der Talent
  4. Verzeichnis der Fahrzeughaltercodes auf der Homepage der Europäischen Eisenbahnagentur
  5. Erfolg mit BOB und Bayernticket. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 57, 2006, ISSN 0174-4917, S. 37.
  6. Meldung BOB wieder ohne DB AG. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 2/2004, ISSN 1421-2811, S. 57.
  7. Tegernseer Stimme: „Besseres Angebot für Zuggäste im Oberland“, 26. September 2012
  8. Bayerische Oberlandbahn: Der Meridian
  9. Beispiel vom November 2012: Von Holzkirchen nach Fischhausen-Neuhaus am BOB-Automaten 5,60 Euro, am DB-Automaten 7,50 Euro.
  10. Stiftung Warentest: Regionalbahnen-Test der Stiftung Warentest In: test 7/2003
  11. Auflistung der Auszeichnungen auf den Internetseiten der BOB
  12. BEG: Qualitätsranking, abgerufen am 30. August 2013
  13. a b Bayerische Eisenbahngesellschaft: BOB im Oberland: BEG fordert stabilen Betrieb und zuverlässige Fahrgastinformation, 2. April 2014
  14. Tegernseer Stimme: Bayerische Oberlandbahn weiter in der Kritik, 3. April 2014
  15. Zum Beispiel Merkur-Online: Chaotische Szenen in der Oberland-Bahn, 26. Oktober 2004
  16. Quelle: Dauerausstellung im Bahnhof Bayrischzell.