Corps Rhenania Tübingen

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Rhenanias Wappen

Das Corps Rhenania Tübingen ist eine pflichtschlagende und farbentragende Studentenverbindung im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Das Corps vereint Studenten und Alumni der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Couleur und Wahlspruch[Bearbeiten]

Corpshaus
Hauptartikel: Liste Kösener Corps und Couleur

Die Tübinger (Tübser) Rhenanen tragen ein hellblau-weiß-rotes Band mit silberner Perkussion. Dazu wird eine hellblaue Studentenmütze getragen. Das Fuchsband ist blau-rot mit silberner Perkussion. Das Blau der Rhenania Tübingen ist in den Bändern hell, im Tuch von Mütze und Kneipjacke dunkel.[1]

Der Wahlspruch lautet Omnes pro uno et unus pro omnibus! und Concordia firmat fortes! [2]

Von der Aufklärung beeinflusst und durch den Deutschen Idealismus weiterentwickelt, sind in der ersten Constitution die Ziele des Corps verankert:

„Nach unseren Grundsätzen muß es Pflicht sein für jeden Bundesbruder, sich mehr auszubilden in sittlicher und wissenschaftlicher Hinsicht, durch ein charaktervolles Betragen sich würdig zeigen der Verbindung und überhaupt für sie zu thuen und zu unternehmen, was nach Innen und nach Außen für ihre Festigkeit und für ihren Fortbestand zu leisten möglich ist, und den Glanz und die Bedeutung der Verbindung nach seinen Kräften zu heben. Gegenseitige Achtung und Liebe, Zuvorkommenheit gegen Nichtmitglieder werden das Zutrauen der Mitglieder unter sich und anderer zur Verbindung vermehren.“

Einleitung von Rhenanias Constitution

Geschichte[Bearbeiten]

Stiftung[Bearbeiten]

Rhenanias Stifter (1847)

Das Corps Rhenania wurde noch in der Zeit der Demagogenverfolgung mit Verbot der studentischen Verbindungen am 7. Juli 1827 in der altehrwürdigen, von Wilhelm Hauff und Theodor Griesinger besungenen Kneipe „Haagei“ gegenüber der Stiftskirche (Tübingen) insgeheim gestiftet. Stifter waren der frühere Allemanne Friedrich Widmann mit fünf anderen Tübinger Studenten, darunter einem weiteren früheren Allemannen und einem früheren Freiburger Rhenanen. Die erste Constitution ist in einer Fassung des Jahres 1834 überliefert.[3] Deren Ziele entsprechen denjenigen der Tübinger Muttercorps der Rhenania: der Allemannia I [1825–1827] (wörtlich von Widmann übernommen) und der Suevia II [1813–1826] (inhaltlich), die aus der Obersuevia, gestiftet am 17. März 1808 hervorging. Diese wiederum ging aus der Suevia I, gestiftet am 7. Januar 1807, hervor; sie nannte sich nach Stiftung der Obersuevia zur Unterscheidung Niedersuevia. Der Tübinger Rhenane Kaufmann stiftete am 1. Dezember 1829 die Suevia III zur Verstärkung des corpsstudentischen Einflusses; sie bestand bis zum 3. Juli 1830. Rhenania trägt auf einer Silhouette und auf einem Paukbild von 1839 noch rote Studentenmützen im Gegensatz zur 1831 durch Umwandlung der Commentburschenschaft gegründeten Suevia IV, die schwarze Mützen trägt.[4][5]

Der Tübinger SC schloss sich 1857 dem KSCV an.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Nachdem das Corps den Ersten Weltkrieg unter Verlust vieler Corpsbrüder (von 293 Militärangehörigen starben 60) überstanden hatte, reagierten die Mitglieder auf die Gleichschaltungsversuche ab 1933/34 mit der vorübergehenden Suspension des aktiven Betriebs am 10. Oktober 1935. Das Corps mußte sich in der NS-Zeit lediglich äußerlich von zwei Corpsbrüdern von 1934 bis 1936 trennen.

Das aktive Corps lebte vom Wintersemester 1937 bis zum WS 1944/45 in der von Rhenania mitgegründeten SC-Kameradschaft „Theodor Körner“ auf dem Frankenhaus fort. Die Altherrenschaft bestand aus 280 Franken 299 Rhenanen und 220 Schwaben. Die Kameradschaft hatte zuletzt insgesamt 97 Mitglieder. Ein Band in den Farben grün-blau-rot ist erhalten. Die Kameradschaft beteiligte sich 1944 an der Reconstitution des Kösener SC auf der Rudelsburg. 1943 erfolgte die Umwandlung des Altherrenverbands der Rhenania in die Altherrenschaft Friedrich Schiller; die Errichtung einer eigenen Kameradschaft Friedrich Schiller wurde bis Kriegsende zurückgestellt.[6][7]

Siehe auch: SC-Kameradschaften

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Am 3. Mai 1949 reconstituierte Rhenania als erstes Tübinger Corps auf einer Wiese am Österberg. Das Corpshaus war von 1945 bis 1956 von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Genutzt wurde es zunächst als Sitz des französischen Gouverneurs, des späteren Landeskommissars, ab Mitte/Ende 1952 als Maison de France und Gästehaus / Offizierkasino der französischen Garnison. Deshalb tagten die Corpsburschen in Tübinger Kneipen, ab dem Sommersemester 1953 in einer zweckbestimmt erbauten Baracke in der Stadt.[8][9][10]

Im Januar 1950 gehörte Rhenania Tübingen zu den 22 Corps, die sich in der Interessengemeinschaft zusammenschlossen und die Rekonstitution des KSCV vorbereiteten. 1959 war Rhenania präsidierendes Vorortcorps. [11][12]

Corpshaus[Bearbeiten]

Rhenanenhaus (Emil Klein, 1892)
Hauptartikel: Korporationshaus

Das erste Korporationshaus, das in Deutschland architektonisch als solches erbaut wurde, war das 1886 fertiggestellte Haus des Corps Rhenania Tübingen. Ab WS 1882/83 erfolgten Planungen, Grundstückskauf und Bau durch die Aktiven des Corps unter Führung des 1880 recipierten Hermann Siegeneger, dessen Asche in der Westfront des Hauses beigesetzt ist. Bis dato waren Verbindungen und auch das Corps Rhenania in Gaststätten zusammengekommen und unterlagen damit dem Gutdünken der Wirte. Insofern stellt die räumliche Emanzipation ein Novum dar. Das Rhenanenhaus liegt im Grünen über der Stadt Tübingen auf dem Österberg. Der erste Teil des Hauses wurde bereits 1886 für die Tübinger Rhenanen erbaut und erfuhr 1912 einen Anbau, der den steigenden Mitgliederzahlen Rechnung trug. Dieser letzte Bauabschnitt bestimmt das Gesicht des Corpshauses bis heute.[13][14]

Auswärtige Beziehungen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Verhältnisvertrag und Kösener Kreise

Auf Betreiben von Ernst von Richter kam Rhenania Tübingen 1880/81 in den blauen Kreis. Mit Rhenania Freiburg, Teutonia Marburg und Rheno-Guestphalia bildet sie das sogenannte Eiserne Kartell. Es war früher als „Kohlekartell“ bekannt; denn viele Mitglieder der „Rhenania Dortmund“ kamen aus dem Ruhrgebiet und strebten in den Bergbau. In Tübingen studierten sie Mineralogie, Geologie, Physik und Chemie. Als Inaktive wechselten sie an die Bergakademien und Technischen Hochschulen, um Montanwissenschaften zu studieren. Bevorzugt wurde die TH Clausthal. Heute hat das Corps noch acht solche Alte Herren. In den Jahren nach der sog. Wiedervereinigung brach der Convent der Rhenania mehrere alte Verhältnisse mit blauen Corps.

Kartelle
Corps Rhenania Freiburg
Corps Teutonia Marburg
Corps Rheno-Guestphalia
Corps Marchia Berlin
Befreundete Corps
Corps Austria Frankfurt am Main
Corps Hannovera Göttingen

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Friedrich A. N. Widmann
Vier Tübser Rhenanen aus Siebenbürgen (1860) [15]
Göttinger Gedenktafel für Franz Wieacker am Michaelishaus

In alphabetischer Reihenfolge

Träger der Klinggräff-Medaille[Bearbeiten]

Mit der Klinggräff-Medaille des Stiftervereins Alter Corpsstudenten wurde ausgezeichnet:

  • Roman Klein (2011)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rainer Assmann: Das Blau der Rhenania zu Tübingen, in: Deutsche Corpszeitung 4/1989, S.18; Corpszeitung der Rhenania zu Tübingen 1988, S. 63
  2. dt. „Alle für einen und einer für alle“; „Einigkeit stärkt die Kräfte“
  3. Rainer Assmann: Constitutionen der Corps III. Einst und Jetzt, Sonderheft 1988, S. 153–158
  4. Rainer Assmann: Quellen zur Geschichte des SC Tübingen, II.: Die Constitutionen der Suevia II, Allemannia I, Rhenania, Suevia III, 1813–1850. 1981, 41 Seiten. Schriftenreihe des Archivs des Corps Rhenania zu Tübingen, Nr. 4. In der Zusammenfassung 5. Aufl. Tübinger Rhenanen 2002, S. 12 f.; zu den Farben, S. 30, 477, 480
  5. Rainer Assmann. Der SC zu Tübingen – 170 Jahre Corps an der Universität Tübingen, in: Werner Kratsch: Das Verbindungswesen in Tübingen, Eine Dokumentation im Jahre des Universitätsjubiläums 1977, 1. Aufl. 1977, [3. Aufl. 7.–10. Tausend 1978] 168 Seiten, 16 Abb., S. 120–140, Tabelle S. 130
  6. Rainer Assmann: Die Suspensionszeit des Tübinger SC im Dritten Reich und während der Besatzungszeit (Zur Geschichte der Tübinger SC-Kameradschaft Theodor Körner). Einst und Jetzt, Bd. 21 (1976), S. 153–172
  7. Kameradschaftsliste der Tübinger SC-Kameradschaft Theodor Körner (WS 1937 bis WS 1944/45). Einst und Jetzt, Bd. 21 (1976), S. 173–184
  8. Karl Jürgens: Geschichte des Korps Rhenania zu Tübingen, 1908
  9. F. X. Frey (1927)
  10. E. Bauer (1936)
  11. Rainer Assmann (Gesamtredaktion), Ernst Napp und Ingo Nordmeyer, 5. Aufl. Tübinger Rhenanen 2002, dort S. 400 407 ein ausführliches Literaturverzeichnis
  12. Schriftenreihe Archiv Corps Rhenania zu Tübingen, 1978 ff
  13. Rainer Assmann: 100 Jahre Corpshaus Rhenania Tübingen. Zur auch architektonischen Planung und Durchführung der Corpshausidee. Einst und Jetzt, Bd. 29 (1984), S. 133-148
  14. Rainer Assmann. Zur Inneneinrichtung eines Corpshauses. Einst und Jetzt, Bd. 32 (1987), S. 276-279
  15. Ferdinand Metz (Mühlbach), Rudolf Schmidt (Schäßburg), Samuel Theil (Mediasch), Karl Hinz (Deutsch-Kreuz)

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Assmann (Gesamtredaktion), Ernst Napp und Ingo Nordmeyer: Tübinger Rhenanen, 5. Auflage. 2002, mit ausführlichem Literaturverzeichnis.
  • Erich Bauer: Die Tübinger Rhenanen, 1. Aufl. 1936.
  • Franz Xaver Frey: Das Rhenanenhaus in Tübingen. Academische Monatshefte 29 (1912/13), S. 202–206.
  • Franz Xaver Frey: Geschichte des Korps Rhenania zu Tübingen, 1927
  • Ulrich C. Kleyser: „Ältestes aufbewahrt mit Treue – freundlich aufgefasstes Neue“ – Zur Geschichte des Rhenanenhauses, in: Wilhelm G. Neusel (Hg.): Kleine Burgen, große Villen – Tübinger Verbindungshäuser im Porträt. Tübingen 2009, S. 188–197, ISBN 978-3-924123-70-3.
  • Alfred Maurice de Zayas: A Fulbrighter joins a German fencing fraternity, in: Arthur Power Dudden, Russell Rowe Dynes (Ed.): The Fulbright Experience, 1946–1986. New Brunswick, S. 59-69, ISBN 0-88738-141-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rhenania Tübingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien