Corps Bavaria München

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Wappen von Bavaria München

Das Corps Bavaria München ist eine pflichtschlagende und farbentragende Studentenverbindung im Münchner Senioren-Convent (MSC). Sie ist eines der drei letzten Lebenscorps im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Das Corps vereint Studenten und Alumni der Ludwig-Maximilians-Universität, der Technischen Universität München und der Universität der Bundeswehr München. Die Corpsmitglieder werden Münchner Bayern genannt.

Lebensbund[Bearbeiten]

Bavaria hat die Farben weiß-hellblau-weiß mit goldener Perkussion. Dazu wird eine kleine weiße Studentenmütze im (Biedermeierformat) getragen. Das Fuchsband ist weiß-hellblau mit goldener Perkussion.

Der Wahlspruch lautet Concordia fortes, virtute beati. Der Wappenspruch ist Circulus fratrum vivat Bavariae!.

Bavaria zählt zu den Lebenscorps, die nicht in Verhältnisverträgen stehen, keinem der Kösener Kreise angehören und keine Doppelmitgliedschaften erlauben. Als sich ab 1860 immer mehr bayerische Lebenscorps zu Waffencorps wandelten, blieb allein Bavaria dem alten Grundsatz treu. Seit seiner Stiftung hat das Corps über 2.000 Mitglieder rezipiert.[1] Nach der Gesamtmitgliederzahl ist Bavaria München das zweitstärkste Corps mit zurzeit 230 Mitgliedern.

Geschichte[Bearbeiten]

Landshut[Bearbeiten]

Gestiftet wurde das Corps Bavaria am 30. November 1806 an der Universität Landshut.[2] In jenem Wintersemester hatte das Corps nicht nur einen Senior, sondern auch einen Consenior. Das zeigt, dass Ehrenangelegenheiten über den Corpsburschen-Convent geregelt wurden – ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu den Nationes und den Studentenorden.

Gründungssenior der Bavaria im Wintersemester 1806 war Joseph von Armansperg.[3] Als Finanzminister des Königreiches Bayern garantierte er 20 Jahre später die Übersiedelung der Universität nach München. 1832 wurde Armansperg Regentschaftsratsvorsitzender für den minderjährigen Otto (Griechenland). Von 1835 bis 1837 bekleidete er das Amt des griechischen Staatskanzlers.

Zu den Gründungsburschen gehörte auch Carl Joseph Anton Mittermaier, später einer der größten Rechtsgelehrten des 19. Jahrhunderts in Deutschland und 1848 Präsident des Vorparlaments in der Frankfurter Nationalversammlung. Ignaz Perner verhinderte 1815/16, dass das durch Maximilian von Montgelas zeitweilig verbotene Corps den aktiven Betrieb einstellte.

München[Bearbeiten]

Im Juli 1848 vertrat der Senior Anton Frhr. v. Lobkowitz das Corps bei der Gründung des KSCV, dem er mit den anderen Corps des Münchner SC 1862 endgültig beitrat.

Im 19. Jahrhundert waren sehr viele (katholische) Adelige und über 100 Priester bei Bavaria.[1] Als bayerisches Landescorps stellte sie den Wittelsbachern viele Vertraute. Ein Beispiel ist Emil von Schauß, der den bayerischen Hausschatz hütete und die Finanzen Bayerns kontrollierte. Er leitete von 1893 bis 1895 den Verband Alter Corpsstudenten.

1860 trat das Corps mit dem MSC dem Kösener Senioren-Convents-Verband bei. Bavaria war 1897 und 1920 präsidierendes Vorortcorps und stellte die Vorsitzenden des oKC.

Bayerns Adel blieb im Kulturkampf katholisch und zog sich vom corpsstudentischen Leben zurück. Dafür wurde Bavaria für ihre vielen bedeutenden Mediziner bekannt.[1]

Siehe auch: Vororte des KSCV

1933–1945[Bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Bavaria als eines der ersten Corps verboten; denn die Altherrenschaft namens des AHV-Vorsitzenden Franz Ruhwandl weigerte sich, die Zusammenarbeit der Aktiven mit dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund zu billigen. Das Corps wurde bei der Gestapo denunziert und im Mai 1935 verboten.[4] Daraufhin flog Karl Gebhardt im Juli 1935 mit dem Privatflugzeug von Rudolf Heß nach München und erwirkte mit einem neuen AH-Vorstand einen NS-konformen Kurs. Der aktive Betrieb wurde im selben Jahr geschlossen, das Corpshaus unter Zwang verkauft.[5] Auch alle anderen Corps waren inzwischen durch das NS-Regime verboten worden. Aus den Reihen des Corps Bavaria zählt Eduard Brücklmeier zu den 16 Corpsstudenten, die im Kampf gegen das NS-Regime ihr Leben verloren.[6]

Siehe auch: SC-Kameradschaften

Seit 1945[Bearbeiten]

Unter dem AHV Ruhwandl nahm das Corps Bavaria durch den Senior Otmar Schleich den aktiven Betrieb am 13. Juli 1947 wieder auf. Im Sommersemester 1951 wurde unter SC-Senior Hans-Georg Curtze der Münchner Senioren-Convent offiziell gegründet; bereits 1944 hatten sich zwei Münchner Corps auf dessen Gründung verständigt. Es handelt sich hier um den einzigen SC, in dem Weinheimer und Kösener Corps gleichberechtigt vertreten sind. Im Jahre 2006 feierte das Corps sein 200. Stiftungsfest mit einem Kommers im Hofbräukeller und einem Tanzball mit 830 Gästen im Hotel Bayerischer Hof. Ihrer verstorbenen Corpsbrüder gedachten die Münchner Bayern beim Requiem (Mozart) in St. Peter.

Corpshäuser[Bearbeiten]

1905 wurde ein Corpshaus am Platzl (München) bezogen. 1931 wechselten die Münchner Bayern in die Villa des Malers Wilhelm Kaulbach nahe der Universität. 1964 konnte ein neues Corpshaus in Alt-Bogenhausen bezogen werden. Die 1912 erbaute Jugendstilvilla wurde seither mehrmals erweitert.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Ferdinand Kurz (1869–1926), Bavarias großer Corpshistoriker

In alphabetischer Reihenfolge

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Peter Gering, Sebastian Sigler: Gesamtliste des Corps Bavaria. München 2006
  2. S. Sigler: „Vivat der 30te November 1806“, in ders. (2006), S. 3 ff., S. 40, S. 46
  3. Kösener Korps-Listen 1910, 170, 1
  4. Rosco Weber, Wolfgang Wippermann: Die deutschen Corps im Dritten Reich. SH-Verlag 1998, ISBN 3-89498-033-8, S. 171 f.
  5. Rosco G. S. Weber, Wolfgang Wippermann: Die deutschen Corps im Dritten Reich. SH-Verlag 1998, ISBN 3-89498-033-8, S. 171 f.
  6. Hans Parr: Corps Bavaria im Dritten Reich, in S. Sigler (2006), S. 93 f.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ferdinand Kurz: Das Corps Bavaria zu Landshut und München. München 1910.
  • Max Weigl: Gedenkbuch des Corps Bavaria an der Universität München zur Feier seines Jubilaeums in Landshut 1867, Wolf & Sohn, 1868
  • Sebastian Sigler: Freundschaft und Toleranz. 200 Jahre Corps Bavaria zu Landshut und München. Akademischer Verlag, München 2006, ISBN 3-932965-86-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Corps Bavaria München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien