Corps Suevia Freiburg

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Corps Suevia Freiburg
Wappen des Corps Suevia Freiburg
Universität
Gestiftet
21. Juni 1815 in Freiburg
Dachverband
Freiburger SC (Gründungsmitglied)
Wahlspruch
Virtute constanti fulget salus.
Farben
Band Corps Suevia Freiburg.png
Fuchsenfarben
Fuchsenband Corps Suevia Freiburg.png
Zirkel
   Zirkel Corps Suevia Freiburg.jpg
Adresse
Lessingstraße 14
Freiburg im Breisgau
Homepage

Das Corps Suevia Freiburg ist eine pflichtschlagende und farbentragende Studentenverbindung im Freiburger Senioren-Convent. Das Corps vereint Studenten und Alumni der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und ist Mitglied des Kösener Senioren-Convents-Verbandes (KSCV), dem ältesten Dachverband deutscher Studentenverbindungen. Die Corpsmitglieder werden Freiburger Schwaben genannt.

Couleur[Bearbeiten]

Suevia führte nach der Stiftung zunächst die Farben Schwarz-Blau-Gelb und änderte sie 1818 in die heutige Reihenfolge Schwarz-Gelb-[Hell]Blau (von unten gelesen) mit goldener Perkussion. Schwarz und Gelb gehen auf die Farben des schwäbischen Reichskreises zurück. Der Ursprung des Blau ist ungeklärt.[1] Das Fuchsenband ist Schwarz-Gelb (von unten gelesen), ebenfalls mit goldener Perkussion. Die Kneipjacken sind schwarz mit gelben Verschnürungen. Hierzu wird eine gelbe Tellermütze getragen.

Die Freiburger Schwaben werden im Jargon scherzhaft als "Eierschwaben“ bezeichnet, was wohl auf die gelben Mützen zurückzuführen ist.

Wappen[Bearbeiten]

Wappenschild der Suevia

Der Wappenschild ist ein klassisches, viergeteiltes Studentenwappen.

Es zeigt im oberen, heraldisch rechten Feld in Rot auf Blau einen nach rechts schreitenden Zähringer Löwen, ein Hinweis auf das Geschlecht der Herzöge von Zähringen, die auch Gründer der Stadt Freiburg waren.

Im oberen, heraldisch linken Feld ist zuerst der Zirkel mit den Buchstaben V, C, F und S zu sehen. Dies steht zum einen für den Wahlspruch Virtute constanti fulget salus![2] als auch für den Zirkelspruch Vivat circulus fratrum sueviae![3] Darunter befindet sich eine römische Dreizehn, die auf die dreizehn Stifter der Suevia hinweist. Flankiert wird die Ziffer von einem J für den Stifter Nicolaus Jaeger und einem D für den Wiederbegründer Albert Daur, der 1847 als Inaktiver der Heidelberger Schwaben die Suevia rekonstituierte. Ganz unten steht das Stiftungsdatum in römischen Ziffern.

Im unteren, heraldisch rechten Feld befinden sich zwei gekreuzte Korbschläger. Die Buchstaben G U N, die für den Waffenspruch Gladius ultor noster![4] stehen, werden von einem Eichenlaubkranz umschlungen. Dieser Spruch existiert neben dem klassischen Feldgeschrei Suevia sei's Panier, welcher meist über dem Wappen zu sehen ist.

Im unteren, heraldisch linken Feld sind die von unten zu lesenden Corpsfarben, Schwarz-Gelb-Blau, dargestellt.

Geschichte[Bearbeiten]

Giebelrelief am Verbindungshaus mit dem Corpswappen

Das Corps Suevia wurde am 21. Juni 1815 von dreizehn Studenten der Universität Freiburg im Gasthaus zur Stadt Wien gestiftet, welches seinerzeit noch vor den Toren der Stadt lag und sich heute im Stadtteil Herdern befindet. Damit ist die Suevia nach der Rhenania die zweitälteste Verbindung der Universität Freiburg.

1818 erfolgte eine vorübergehende Vereinigung mit dem Corps Rhenania, die im Frühjahr 1820 wieder gelöst wurde. Suevia garantierte mit Rhenania und Helvetia im Januar 1821 den revidierten SC-Comment. Als sich Helvetia auflöste (1822), stifteten Schwaben und Rhenanen am 8. Juli 1824 das Corps Alemannia Freiburg. In den 1830er und 40er Jahren musste das Corps mehrfach suspendieren, wurde aber 1847 endgültig rekonstituiert. Suevia und Rhenania bildeten wieder einen gemeinsamen Senioren-Convent (SC) und übernahmen den Heidelberger SC-Comment. Seit 1857 gehört Suevia über den Freiburger SC dem Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) an. Das Corps hat innerhalb des KSCV keine Kreiszugehörigkeit. Inoffiziell wird Suevia als mausgrau bezeichnet, was sich aus den befreundeten Corps im Schwarzen Kreis herleitet.

1890 spielte das Corps eine entscheidende Rolle im Duell Vering-Salomon, welches im Kaiserreich zu einer heftigen, öffentlichen Diskussion über das Duellwesen führte. Suevia gewährte damals dem jüdischen Studenten Eduard Salomon Waffenschutz. Salomon war zuvor von dem Freiburger Rhenanen Carl Vering zum Pistolenduell aufgefordert worden und wurde beim Schusswechsel von diesem tödlich verletzt. In der Folge wurde der Freiburger Schwabe Wilhelm Keßler für seine Beteiligung als Salomons Sekundant von der Universität relegiert.

Suevia war 1930 präsidierendes Vorortcorps und stellte mit Kurt Kleinschmidt den Vorsitzenden des ordentlichen Kösener Kongresses (oKC).

Corpshaus[Bearbeiten]

Erstes Corpshaus[Bearbeiten]

Im Jahre 1886 wurde eine Kommission aus Alten Herren zu Vorarbeiten respektive Bau eines corpseigenen Hauses ernannt. Im Sommer 1888 erfolgte die Gründung einer Aktiengesellschaft zum Zweck des Baues oder Erwerbs eines Corpshauses. Diese Gesellschaft erwarb das Haus des damals in Freiburg bekannten Malers Emil Lugo in der Lessingstraße, der damaligen Schillerstraße. Für den Erwerb und den Ausbau wurden 40.000 Goldmark zusammengebracht. Damit hatte Suevia mit der Einweihung des Corpshauses im Jahre 1888 das erste Verbindungshaus in Freiburg (Rhenania folgte 1892 und Hasso-Borussia 1898).

Neues Corpshaus 1910[Bearbeiten]

Zeichnung des Corpshauses von 1912

Das alte Haus erfüllte nur wenige Jahre seinen Zweck. Es zeigte sich bald, dass es zu klein geworden war. So tauchte der Plan auf, ein größeres Haus zu beschaffen. Das Haus wurde abgerissen und das unmittelbar angrenzende Nachbarhaus musste erworben werden, um den Bauplatz zu vergrößern.

Für die Planung des neuen Corpshauses konnte Prof. Hermann Billing aus Karlsruhe gewonnen werden[5], der als Planer und Architekt des Freiburger Universitätsneubaus bekannt war. Am 21. Juni 1909 erfolgte die Grundsteinlegung und ein Jahr später fand 1910 im Rahmen des 95. Stiftungsfestes die Einweihung statt. Der Baustil stellt eine schlichte Form des Jugendstils dar. Die Gesamtkosten des Neubaus betrugen zusätzlich zum Erwerb des Nachbarhauses 85.000 Goldmark, zu denen noch 10.000 Goldmark für die neue Inneneinrichtungen kamen. Stiftungen aus dem Kreis der Alten Herren waren damals sehr reichhaltig. Insbesondere ist hier die Vertäfelung des unteren Salons mit Arvenholz zu nennen, das eigens aus den Hochalpen hierfür zugerichtet wurde.

Dieses Haus wurde über Jahrzehnte seinen Aufgaben gerecht.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Bis 1939 stand es unter der Verwaltung der Corpsmitglieder. Am 1. März 1939 wurde das Haus durch eine SS-Standarte geräumt und bei Kriegsbeginn von der Wehrmacht belegt. Ab 1941 stand es wieder dem Corpsbetrieb zur Verfügung, der unter dem Deckmantel der Kameradschaft Schwabenland geführt wurde. Während des Krieges musste das Corpshaus nur unbedeutende Schäden an den Fenstern und am Dach erleiden.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Corpshaus in der Lessingstraße (47° 59′ 26″ N, 7° 50′ 33″ O47.9906137.842459), früher der Standort des Wohnhauses des Malers Emil Lugo
Detail des Corpshauses mit dem Stadtwappen Freiburgs

Dank des Einsatzes der Alten Herren wurde eine Erfassung durch das Wohnungsamt nach Kriegsende verhindert, wodurch eine Zuweisung für andere Zwecke vermieden werden konnte.

Das Erdgeschoss wurde im Juli 1945 zunächst an eine ausgebombte Wirtin vermietet, deren Vertrag später von der Riegeler Brauerei übernommen wurde. In die beiden oberen Stockwerke zog die aus Karlsruhe nach Freiburg verlegte Oberpostdirektion ein, bis sie 1951 wieder verlegt wurde.

Trotz der Rekonstitution am 1. Dezember 1949 konnte das Haus wegen der damaligen Finanznot nicht vollständig übernommen werden.

Der erste Stock wurde deshalb 1951 an den ADAC vermietet. Die Mieterlöse ermöglichten aber die Übernahme des zweiten Stockwerks mit vier Aktivenzimmern. Auch wurde der Pachtvertrag mit der Riegeler Brauerei beendet. Auf Anregung des ADAC wurde im Winter 1951/52 der große Kneipraum, der bis dahin ein durch zwei Stockwerke gehendes Tonnengewölbe hatte, durch eine Zwischendecke in Höhe des zweiten Obergeschosses umgestaltet. Dadurch vergrößerte sich die Fläche des zweiten Stocks um ein Drittel.

Die Inneneinrichtung wurde vervollständigt, die Corpshausbewirtschaftung mit einem Corpsdiener wurde wieder sichergestellt und zusätzliche Aktivenzimmer wurden eingerichtet, sodass im Wintersemester 1954/55 das renovierte Corpshaus mit Ausnahme des ersten Stockwerks an die Aktiven übergeben werden konnte. Die Altherrenschaft hatte für diese gesamte Aktion für damalige Verhältnisse den beachtlichen Betrag von 40.000 DM gespendet.

Im Juli 1957 verließ dann auch der ADAC das Corpshaus, sodass es nunmehr völlig der eigenen Benutzung wieder zur Verfügung stand.

Neueste Entwicklung[Bearbeiten]

In den 1980er und 1990er Jahren erfolgten umfangreiche Sanierungen, bei denen die Elektrizität und die Heizungsanlage sowie Fenster und Dach erneuert wurden. Zudem wurde für das Corpsdiener-Ehepaar eine Einliegerwohnung geschaffen. 1985 wurde das Schwabenhaus unter Denkmalschutz gestellt, was zur Beachtung der Denkmalpflege bei weiteren Sanierungen verpflichtet.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Silhouette eines unbekannten Freiburger Schwaben (um 1840)

Es ist abgesehen von den Universitätsstädten Jena, Halle und Leipzig sehr ungewöhnlich die Verbindungsfarben von unten zu lesen. Außerhalb dieser Städte tut dies nur das Corps Suevia Heidelberg und das Corps Suevia Freiburg.

Neben dem jährlichen Feierlichen Corpsburschen-Convent (FCC), der zum Stiftungsfest tagt, besitzt das Corps die seltene Institution der Corpskommission (CK), die zweimal jährlich zusammentritt, wichtige Entscheidungen als auch Anträge vorbereitet und dem FCC Empfehlungen ausspricht.

Im Gegensatz zu den anderen SC-Corps, deren Corpsarchive während des Zweiten Weltkrieges zum Teil massiv gelitten haben, kann sich Suevia auf einen umfangreichen Bestand stützen, der bis 1815 zurückreicht. Diesen Archivbestand hat sie in exemplarischer Weise aufgearbeitet.[6]

Anders als die meisten Corps hat Suevia keine Farbenstrophe, die gewöhnlich auf die Melodie von So pünktlich zur Sekunde[7] gesungen wird. Wie viele andere Corps auch besitzen die Freiburger Schwaben jedoch ein eigenes Farbenlied,[8] das auf die Melodie des Liedes von Ernst Moritz Arndt Sind wir vereint zur guten Stunde[9] gesungen wird. Das Farbenlied umfasst sechs Strophen und wurde 1897 von einem Corpsbruder eigens für Suevia gedichtet. Auf auswärtigen Kneipen singen die Schwaben nur die erste Strophe. Diese lautet

Wo sich des Schwarzwalds Bergesriesen recken,
wo Rebenlaub den Hang umkränzt,
wo machtvoll sich des Münsters Formen strecken,
hat uns ein goldner Mai geglänzt.
Wer je mit Stolz sich nannte einen Schwaben,
wer je geschwärmt in Freiburgs schönem Gau,
/: dem sind auf immerdar ins Herz gegraben
die teuren Farben Schwarz-Gelb-Blau. :/[10]

Trivia[Bearbeiten]

Mit seinem Corpsbruder Dr. Hans-Joachim Polthier (* 7. Juli 1906) kann die Suevia nicht nur den ältesten lebenden Verbindungsstudenten, sondern auch den zweitältesten lebenden Deutschen überhaupt vorweisen. Polthier wurde im Wintersemester 1925 aktiv[11] und ist zurzeit 108 Jahre alt.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

In alphabetischer Reihenfolge

Träger der Klinggräff-Medaille[Bearbeiten]

Mit der Klinggräff-Medaille des Stiftervereins Alter Corpsstudenten wurde ausgezeichnet:

  • Jan M. Olaf (1993)
  • Alexander S. C. Schuster (2014)

Verhältnisse[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kösener Kreise
Kartell
Corps Hasso-Nassovia Marburg
Befreundete
Corps Rhenania Heidelberg
Corps Suevia München
Corps Saxonia Leipzig
Corps Brunsviga Göttingen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aribert Schwenke: Über die Herkunft der unterschiedlichen Farben unserer Schwabencorps. Einst und Jetzt,Bd. 34 (1989), S. 128-133
  2. dt. "Durch standhafte Ehrhaftigkeit erstrahlt das Leben!"
  3. dt. "Es lebe der Kreis der Schwabenbrüder!"
  4. dt. "Das Schwert, unser Rächer!"
  5. Die Feier der Grundsteinlegung zum Neubau des Corpshauses für "Suevia" zu Freiburg i. Br.. In: Academische Monatshefte 26 (1909/10), S. 95
  6. Günther Nitschke: Archiv-Verzeichnis des Corps Suevia zu Freiburg i. Br.. Einst und Jetzt, Bd. 16 (1971), S. 210–224
  7. So pünktlich zur Sekunde, Text und Melodie
  8. Text des Farbenliedes auf der Homepage
  9. Sind wir vereint zur guten Stunde, Text und Melodie.
  10. Liederheft des Corps Suevia zu Freiburg zum 195. Stiftungsfest, Freiburg 2010, S. 18-19.
  11. Klaus Rüther: Mitgliederliste des Corps Suevia zu Freiburg im Breisgau 1815 – 2010. Freiburg, 2010, Seite 159. (Admittiert 6.11.1925, recepiert 5.11.1926)

Literatur[Bearbeiten]

  • Beil, Walter: 150 Jahre Corps Suevia Freiburg im Breisgau. Solingen 1965.
  • Büdingen, Wolfgang: Der Freiburger Senioren-Convent im Geschehen der Zeit und des studentischen Lebens an der Alberto-Ludoviciana. Frankfurt am Main 1931.
  • Fischer, Hans; Becker, Gerhard: Mitgliederliste des Corps Suevia zu Freiburg im Breisgau 1815 – 1955. Solingen, Boll, 1955.
  • Nitschke, Günter: Doppelbänderleute und auswärtige Beziehungen des Corps Suevia zu Freiburg im Breisgau 1815 – 1955. Freiburg 1960.
  • Rüther, Klaus; Schmidt, Joachim-Kurt: Mitgliederliste des Corps Suevia zu Freiburg im Breisgau 1815 – 2010. Freiburg, 2010.
  • Siebert, Albert: Corps Suevia zu Freiburg im Breisgau in der Zeit seines 100jährigen Bestehens. 1815–1915. Karlsruhe 1915.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Corps Suevia Freiburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien