Peer Gynt

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Andere Bedeutungen finden sich unter Peer Gynt (Begriffsklärung)

Peer Gynt ist ein 1867 von Henrik Ibsen geschriebenes dramatisches Gedicht.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Peer Gynt entstand auf der Vorlage norwegischer Feenmärchen von Peter Christen Asbjørnsen. Sie waren zwischen 1845 und 1848 unter dem Titel Norske Huldre-Eventyr og Folkesagn erschienen. In seinem Werk setzte sich Ibsen kritisch mit dem romantischen Nationalismus im Norwegen seiner Zeit auseinander. Er schuf es während seines freiwilligen Exils in Italien, vor allem auf Ischia und in Sorrent.

Peer Gynt war ursprünglich nicht für die Bühne geschrieben worden. Einige Jahre nach der Fertigstellung änderte Ibsen jedoch seine Meinung und begann, das bis dahin in der Lesefassung sehr erfolgreiche Gedicht zu einer Bühnenfassung umzuarbeiten, was einige Kürzungen mit sich brachte. Für dieses Vorhaben schuf Edvard Grieg die 26-teilige Schauspielmusik Peer Gynt. Die Uraufführung der Bühnenfassung zusammen mit Griegs Musik fand am 24. Februar 1876 im Christiania Theater in Christiania statt. Aus der Schauspielmusik stellte Grieg 1888 und 1891 seine beiden Peer-Gynt-Suiten zusammen.

Heute besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die nationalromantische Musik Griegs denkbar schlecht zu Ibsens modernem Drama passt,[1]. Grieg hat in Briefen denn auch mehrfach geäußert, dass Ibsens Peer Gynt nie seine Sympathie gewinnen werde. Der dänische Märchendichter Hans Christian Andersen hielt das Werk gar für das Schrecklichste, das er je gelesen hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Harald Sæverud mit der Komposition einer neuen, moderneren Bühnenmusik beauftragt, die 1948 erstmals in Verbindung mit dem Stück erklang. In zeitgenössischen Theaterproduktionen wird sie entweder gar nicht mehr oder nur ironisch verwendet. Die Verfilmung von 2006 benutzt ungeachtet dieser Einigkeit in der Abwertung der Griegschen Komposition diese ganz ohne Ironie und beweist, dass sie sogar zu einer modernen Lesart des Dramas passt.

Übersetzungen ins Deutsche existieren unter anderem von Ludwig Passarge, Christian Morgenstern und Hermann Stock.

Inhaltsangabe[Bearbeiten]

Die Hauptfigur ist der junge Bauernsohn Peer Gynt, der mit Lügengeschichten versucht, der Realität zu entfliehen. So verdrängt er, dass sein Vater, der einst sehr angesehene Jon Gynt, Hof und Habe durch Misswirtschaft und zahlreiche Alkoholeskapaden verloren hat. In Peers Fantasiewelt ist die heruntergekommene Behausung jedoch nach wie vor ein strahlender Palast. Auch seinen eigenen Nichtsnutz verklärt er zu Heldenhaftigkeit. So schildert er seiner Mutter Aase einen halsbrecherischen Ritt auf einem „Bock“ über einen Grat, möglicherweise der Besseggen oberhalb des Gjendesees im norwegischen Gebirge Jotunheimen.

Von seiner Mutter wird Peer überbehütet und glorifiziert, doch soll er immer ihre Version des Lebens teilen. Auf der Suche nach Liebe und Abenteuer findet er sich bald in einer Welt von Trollen und Dämonen wieder. Er entführt Ingrid, die Braut eines anderen. Gleichzeitig verliebt er sich in die aus pietistischem Elternhaus stammende Solvejg, die ihn anfangs nicht erhört, sich ihm später jedoch anschließt.

Nach einem Zeitsprung von etwa 30 Jahren findet sich der inzwischen unter anderem durch Sklavenhandel reich gewordene Peer im vierten Akt in Marokko wieder. Dort wird ihm von Geschäftspartnern sein Schiff mit allen Reichtümern gestohlen. Nach einem Gebet versinkt das Schiff. Peer findet sich mit seiner Armut ab und wendet sich Gott zu. Durch einen Affenangriff wird er in die Wüste getrieben, wo er sich in eine Oase rettet. Von den dort lebenden Jungfrauen erwählt er Anitra, die ihm allerdings die letzten Habseligkeiten stiehlt. Den Tiefpunkt seines Lebens erlebt Peer im Irrenhaus zu Kairo, dem der deutsche Arzt Doktor Begriffenfeldt vorsteht.

Alt und verarmt kehrt Peer Gynt heim, wo er um seine Seele kämpfen muss. In einer berühmten Szene vergleicht sich Peer mit einer Zwiebel, die viele Hüllen, jedoch keinen Kern aufzuweisen hat. In der an einem Pfingstmorgen spielenden Schluss-Szene stellt sich jedoch Solvejg, die ein Leben lang auf die Rückkehr ihres Geliebten gewartet hat, schützend vor ihn und rettet ihn.

Wichtige Inszenierungen[Bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Englert: „Peer Gynt“, in: Ibsens Dramen. Reclam, Stuttgart 2005, [Reclam Interpretationen, RUB 17530], ISBN 3-15-017530-5, S. 7–40.
  • Meinolf Schumacher: „Peer Gynts letzte Nacht. Eschatologische Medialität und Zeitdehnung bei Henrik Ibsen“, in: Figuren der Ordnung. Beiträge zu Theorie und Geschichte literarischer Dispositionsmuster, hrsg. von Susanne Gramatzki und Rüdiger Zymner. Böhlau, Köln u. a. 2009, ISBN 978-3-412-20355-9, S. 147–162.
  • Brigitte Fochler: Der Narziss Peer Gynt. Eine psychologische Betrachtung von Ibsens Gedicht und seine dramaturgische Umsetzung durch die Claus-Peymann-Inszenierung am Wiener Burgtheater. Diplomatica Verlag GmbH, ISBN 978-3-8366-5739-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Uwe Englert, S. 35