Edi Finger

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Dieser Artikel behandelt Edi Finger senior. Er ist der Vater von Edi Finger junior.

Eduard „Edi“ Finger sen. (* 29. Jänner 1924 in Klagenfurt; † 12. April 1989 in Maria Enzersdorf) war ein österreichischer Sportjournalist.

Leben[Bearbeiten]

Die ersten Jahre[Bearbeiten]

Edi Fingers Schulabschluss – dem Elektrotechnik-Absolventen der Höheren Technische Lehranstalt Finger wurde später die Standesbezeichnung Ingenieur verliehen[1][2] – fiel mitten in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Statt an die Universität gehen zu können, wurde er an die Front eingezogen. Erste journalistische Versuche startete er in Klagenfurt mit Sportberichten in der von Roman Ritter 1945 gegründeten Kärntner Illustrierten.[3][4] In dieser Zeit war er auch bei den Roten Falken engagiert.[4] Im Jahr 1946 gewann Finger einen Sportreporter-Wettbewerb bei der Sendergruppe Alpenland (→ Besetztes Nachkriegsösterreich, Britische Zone), damit begann seine 42-jährige Sportreporterkarriere. Er übersiedelte als hauptberuflicher Reporter in die Hauptstadt Wien.

Der Sportreporter Finger[Bearbeiten]

Am 15. April 1956 machte Finger die erste Fernseh-Liveübertragung von einem Fußballspiel, als Brasilien in Wien die Gastgeber mit 3:2 besiegte. Finger berichtete von diesem Ereignis, dass er "tiefgeduckt auf dem grünen Rasen hockte", um nur ja nicht "der Kamera in die Quere zu kommen."[5]

Für den ORF präsentierte die Livesendung „Sport am Montag“ und wurde erster Fernsehsportchef. 1976 emotionalisierte er mit seiner Live-Reportage von Franz Klammers Olympiasieg im Abfahrtslauf in Innsbruck. Im selben Jahr durfte er erstmals ein Fußballländerspiel in Florenz kommentieren. Seine Liebe blieb jedoch, trotz des zunehmenden Fernsehens, der Rundfunk. Bis 1987 war er Sportchef beim ORF-Hörfunk und wurde zur Radio-Legende. Er kommentierte „was ihm vors Mikrofon kam“ (Ö1, 2003). Darunter Boxkämpfe und Radrennen, vor allem jedoch Fußballspiele,[6] aber auch Boxkämpfe und Eishockeymeisterschaften. Wo immer ein vom Radio übertragenes Sportereignis in Österreich stattfand, war Edi Finger am Mikrofon. Zum weiteren Repertoire seiner Sportreportagen gehörten auch die Formel-1-Rennen.[7][8]

Wann immer ein Fußballspiel gleichzeitig im Radio und im Fernsehen übertragen wurde, schalteten viele Österreicher den Fernseher ein, den Ton jedoch aus – Edi Finger kommentierte aus den Radiolautsprechern, so auch am 21. Juni 1978 in Córdoba.[6]

Córdoba 1978[Bearbeiten]

Berühmtheit erlangte Finger sen. mit seiner Radioreportage des Weltmeisterschaftsspiels Córdoba 1978 zwischen Deutschland und Österreich (2:3) im Stadion „Chateau Carreras“ in Córdoba, Argentinien. Zunächst hatte er, so Kai Schächtele in der Financial Times Deutschland (2008), keine Lust, dieses Spiel zu kommentieren. Deutschland hätte allenfalls mit einem 5:0-Sieg ins Finale kommen können („Fünf Tore gegen Österreich, warum sollte uns das nicht gelingen?“, so Hermann Neuberger, der damalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, vor dem Spiel). Für das österreichische Team ging es nurmehr um die Ehre. Deshalb entschloss sich Finger, den Tag in Buenos Aires zu verbleiben. Am Tag vor dem Match entschied er sich doch noch, nach Córdoba zu reisen. „‚Der Papa hatte oft einen siebten Sinn‘, sagt sein Sohn heute. ‚Er hat manchmal Dinge im Unterbewusstsein vorhergesehen, die dann wirklich passiert sind.‘“ (Edi Finger jun., 2008).[6]

Mit seiner Reportage, insbesondere mit seinem mit sich überschlagender Stimme ausgerufenen „Tooor, Tooor, Tooor, […] I wer’ narrisch!“ beim Siegestor der Österreicher durch Hans Krankl, wurde der bekannte Reporter am nächsten Tag zum Star, sein Ausruf bekam Kultstatus. Seine Biografie wurde ein ausverkaufter Bestseller, die Langspielplatte „Edi Finger Live – Fussball WM 78“[9] wurde mehr als 50 000 Mal verkauft. „I wer’ narrisch“ tönt als Klingelton aus Handys, der Satz findet sich auf T-Shirts, Schlüsselanhängern und Tassen und Werbeleute bedienen sich des Ausrufs ebenfalls. Der Name Edi Finger ist in Österreich zur Marke geworden im Rang von Sachertorte und Mozartkugel, kaum ein Kind, das „I wer’ narrisch“ nicht kennt. Beginnend ab ein paar Wochen vor der Europameisterschaft 2008 wurde eine gleichlautende CD verkauft, an der Edi Finger jun. entscheidend mitgewirkt hat.[6]

Ein Auszug aus der Reportage:

„Da kommt Krankl […] in den Strafraum – Schuss … Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer’ narrisch! Krankl schießt ein – 3:2 für Österreich! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals; der Kollege Rippel, der Diplom-Ingenieur Posch – wir busseln uns ab. 3:2 für Österreich durch ein großartiges Tor unseres Krankl. Er hat olles überspielt, meine Damen und Herren. Und warten’s noch ein bisserl, warten’s no a bisserl; dann können wir uns vielleicht ein Vierterl genehmigen. […] Jetzt hammas gschlagn! […] Noch einmal Deutschland am Ball. Eine Möglichkeit für Abramczik. Und!? Daneeeeben! Also der Abraaaamczik – obbusseln möcht’ i den Abramczik dafür. Jetzt hat er uns gehooolfn. Allein vor dem Tor stehend. Der braaave Abramczik hot daneben gschossn. Der Orme wird si’ ärgern. […] Und jetzt ist auuus! Ende! Schluss! Vorbei! Aus! Deutschland geschlagen!“

Ein paar Meter von Finger entfernt kommentierte der deutsche Reporter Armin Hauffe das Spiel. Er beendete seine Übertragung mit[6]

„Deutschland unterliegt Österreich mit zwei zu drei. Es war ein schwaches Länderspiel hier aus Córdoba. Tja.“

Edi Finger hatte schon weiland im süddeutschen Bereich einen gewissen Bekanntheitsgrad und viele bevorzugten es, die deutsche Fernsehberichterstattung mit der Radioreportage des ORF zu untermalen – und sei es nur darum um der oft als schal angesehenen deutschen Kommentatorenriege zu entgehen. Dies führte schließlich dazu, dass die Feuilleton-Redaktion der Münchener Boulevardzeitung tz Finger eine "tz-Rose" für seine Reportage verlieh.

Das letzte Jahrzehnt[Bearbeiten]

Edi Fingers leidenschaftliche und emotionale Berichterstattungen, die mehr als einmal mit ihm durchgingen, forderten ihren Tribut. Wenige Monate nach „Córdoba“ erlitt er im Jahr 1979 einen ersten Herzinfarkt. Daraufhin nahm er sich zurück und machte im Radio keine Liveberichte mehr. Acht Jahre später, nachdem er einen Zieleinlauf beim Wien-Marathon kommentiert hatte, folgte der zweite Herzinfarkt. Den dritten, am 12. April 1989, überlebte er nicht. 65-jährig fiel Edi Finger daheim in Maria Enzersdorf tot um.[6]

Mit Heribert Meisel zählte Edi Finger sen. in den 1950er und 1960er Jahren zu den zwei beliebtesten österreichischen Fußballreportern. (Ö1, 2003.)

Familie[Bearbeiten]

Edi Finger sen. war verheiratet (Ehefrau geboren um 1930[6]). Gemeinsam hatten sie zwei Kinder: Der Sohn Edi Finger junior wurde wie der Vater Sportjournalist, Sportreporter und -kommentator beim ORF. Die um sieben Jahre jüngere Tochter Elisabeth „Sissy“ Finger ist Regisseurin und führt jeden Abend ab 19 Uhr bei den Wiener Lokalnachrichten im ORF Regie. Beide Kinder hat „Baba“, wie sie den Vater nannten, schon frühzeitig immer wieder ins Wiener Rundfunkhaus mitgenommen. Edi jun. war bereits als Zweijähriger im Studio auf dem Schoß des Vaters sitzend im ORF bekannt. Sissy saß ebenfalls bei Reportagen immer neben dem Vater, später half sie ihm, wenn er etwas nicht genau gesehen hatte, wie zum Beispiel welcher Radfahrer als erster über die Ziellinie gefahren ist. Edi Finger sen. legte großen Wert darauf, dass die ganze Familie zu den Übertragungen mitkam.[6] Auch zur Reportage der Formel-1-Rennen war die Tochter Sissy regelmäßig dabei, wie diese sich anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung über Jochen Rindt im September 2010 erinnerte.[7]

Ehrung[Bearbeiten]

Im Oktober 2006 wurde im Wiener Gemeinderatsausschuss für Kultur die Benennung einer Straße in einem Stadtentwicklungsgebiet in Wien-Stammersdorf (im 21. Bezirk) nach Edi Finger beschlossen.[10] Mit Eröffnung der Wohnsiedlung am Orasteig wurde die Edi-Finger-Straße Realität.[11] Der Umkehrplatz am südlichen Ende der als Sackgasse angelegten Straße bekam den Namen Cordobaplatz.[12]

Werk[Bearbeiten]

  • Fussball-WM: 82 Spanien. Mit Peter Stützer und Siegmar Heintz, Lauf,Cos 1982, ISBN 3-923406-03-7

Weblinks[Bearbeiten]

Als Quellen, wenn nicht anders als Einzelnachweis angegeben:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DNB-Eintrag zu Edi Finger sen.
  2. FAZ.net: 25 Jahre nach Cordoba: Als Hans Krankl Edi Finger ganz „narrisch“ machte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 141, 21. Juni 2003. Abgerufen am 3. September 2010.
  3. Geschichte der österreichischen Bundesländer seit 1945. Band 6/2. Helmut Rumpler (Hrsg.), Ulfried Burz: Kärnten: Von der deutschen Grenzmark zum österreichischen Bundesland. Böhlau, Wien 1998, ISBN 978-3-205-98792-5, S. 320 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. a b Gertrud Piesch-Köchl: Kleine Geschichten vom kleinen Haus. Klagenfurt, Hagenstraße 4. Wien 1993, S. 25.
  5. Gerhard Urbanek: Österreichs Deutschland-Komplex, LIT Verlag, Münster, 2012, S. 219.
  6. a b c d e f g h Kai Schächtele: Ein Land wird narrisch. Die 88. Minute von Córdoba markierte 1978 das Siegtor Österreichs über Deutschland – und machte einen Radiokommentator unsterblich. Von Edi Fingers Ruhm zehren seine Nachkommen noch heute. In: Financial Times Deutschland, 6.  Juni 2008. Online (PDF) auf Weltreporter.net. Abgerufen am 3. September 2010.
  7. a b ORF 2, Bundesländersendung „Wien heute“ am 2. September 2010. Ausstellung zu Ehren von Jochen Rindt. „Vor 40 Jahren starb Jochen Rindt beim Training für den Formel 1 Grand Prix in Monza. Die erste große Fotoausstellung zu Ehren des österreichischen Sporthelden zeigt die Galerie Westlicht in Wien-Neubau.“ wien.orf.at. Abgerufen am 3. September 2010.
  8. Fotobuch auf der Website von Edi Finger jun. Abgerufen am 3. September 2010.
  9. Edi Finger – Live Fussball WM 78. Polydor, 2440 205. Vinyl, LP, Album. Austria 1978. Eintrag auf Discogs. Abgerufen am 3. September 2010.
  10. wien.gv.at: Eine Straße für Edi Finger. Straßenbenennung nach der Sportreporter-Legende. In: Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 23. Oktober 2006. Abgerufen am 2. September 2010.
  11. wien.gv.at: Aviso-10.6.: (…) Nachbarschaftliche Selbstverwaltung im Wohnhof Orasteig. In: Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 8. Juni 2009. Abgerufen am 3. September 2010.
  12. derStandard.at: Córdoba in Wien, 18. September 2009. (Der Standard, Printausgabe, 19./20. September 2009.) Abgerufen am 3. September 2010.