Elsa Brändström

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Das Schwarzweißfoto zeigt Elsa Brändström im Alter von 18 Jahren. Sie steht lächelnd neben einem Baumstamm in einem Wald, trägt ein langärmeliges, weißes Kleid mit hochgeschlossenem Kragen und einem dunklen Gürtel mit dekorativer Schließe und hat die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Die vermutlich langen Haare hat sie hochgesteckt.
Elsa Brändström (1906)

Elsa Brändström (* 26. März 1888 in Sankt Petersburg; † 4. März 1948 in Cambridge, Massachusetts) war eine schwedische Philanthropin, die als „Engel von Sibirien“ in den russischen Gefangenenlagern des Ersten Weltkrieges bekannt wurde.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Elsa Brändström war die Tochter des schwedischen Militärattachés in Russland, Pehr Edvard Brändström (1850–1921), und seiner Frau Anna Wilhelmina Eschelsson (1855–1913). Sie besuchte das Lehrerinnenseminar in Stockholm und kehrte 1908 zu ihren Eltern nach Sankt Petersburg zurück. 1913 starb ihre Mutter.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

An einer beigefarbenen, senkrechten Gebäudewand ist ein trapezförmiger Sandsteinsockel befestigt, der das Emblem des Roten Kreuzes als Relief zeigt. Darauf steht, ebenfalls aus Sandstein, in Lebensgröße eine schlanke Frauengestalt in einem bodenlangen Gewand in aufrechter Haltung. Sie hat die rechte Hand zum Gruß erhoben, in der Linken hält sie eine Schale.
Skulptur zum Gedenken an Elsa Brändström in Krems an der Donau.
Die Gedenktafel würdigt Elsa Brändström als „Engel der österr. Kriegsgefangenen in Sibirien 1914–1920“.

Elsa Brändström erlebte den Beginn des Ersten Weltkriegs in St. Petersburg und meldete sich freiwillig als Krankenschwester bei der russischen Armee.

1915 reiste Elsa Brändström für das Schwedische Rote Kreuz nach Sibirien, um dort für die deutschen Kriegsgefangenen in russischem Gewahrsam eine medizinische Grundversorgung einzurichten. Beim ersten Besuch eines sibirischen Lagers mit ihrer Helferin Ethel von Heidenstam traf sie auf desolate Zustände in völlig überfüllten Baracken. In den Holzschuppen grassierte Flecktyphus; es mangelte an Betten, Decken, Wasser und Waschmöglichkeiten. Typhus, Erfrierungen, Hunger oder Durchfall führten zu einer Sterblichkeitsquote von bis zu 80 %. Brändström und Heidenstam setzten sich bei den russischen Behörden erfolgreich für eine bessere Betreuung der Kriegsgefangenen ein und organisierten Hilfe über das Deutsche, Schwedische und Österreichische Rote Kreuz. Die Maßnahmen zeigten Erfolg: Im Lager Krasnojarsk sank die Sterblichkeit im Lauf der Zeit auf 18 %.[1]

Nach ihrer Rückkehr nach St. Petersburg half sie beim Aufbau einer schwedischen Hilfsorganisation. Ihre Arbeit wurde durch den Ausbruch der Oktoberrevolution von 1917 erheblich behindert. 1918 wurde ihr die Arbeitserlaubnis entzogen, sie reiste jedoch trotzdem zwischen 1919 und 1920 mehrmals nach Sibirien. Nach einer Verhaftung in Omsk kehrte sie nach Schweden zurück und organisierte von dort aus Geldsammlungen für die Kriegsgefangenen.

Friedenszeit[Bearbeiten]

Das Schwarzweißfoto zeigt ein Brustbild Elsa Brändströms im Alter von 41 Jahren. Sie trägt eine graue Schwesterntracht mit weißem Kragen und weißem Umschlag an der Haube, von der eine Stoffbahn über den Rücken fällt, und lächelt.
Elsa Brändström 1929
Die ganz in Rot gehaltene Briefmarke zeigt ein Portrait Elsa Brändströms in Schwesterntracht.
Briefmarke (1951) der Serie Helfer der Menschheit

1922 erschien ihr Buch Unter Kriegsgefangenen in Rußland und Sibirien 1914–1920. Von nun an kümmerte sie sich im Arbeitssanatorium für ehemalige kriegsgefangene Deutsche in Bad Marienborn (Landkreis Bautzen) um deutsche Heimkehrer, die Kinder von verstorbenen Kriegsgefangenen und um Kinder von traumatisierten Kriegsgefangenen. Sie erwarb die Schreibermühle bei Lychen (Uckermark) und gründete dort ein Heim für Kinder.

1923 unternahm sie auf eigene Kosten eine sechsmonatige Vortragsreise in die USA, um 100.000 US-Dollar für ein Kinderheim zu sammeln, das sie noch im selben Jahr in Mittweida im Schloss Neusorge für 200 Kinder einrichtete und sieben Jahre lang betrieb.[2] 1925 folgte eine Vortragsreise durch Schweden. 1927 wurde ihr von der Universität Tübingen die Ehrendoktorwürde verliehen.

1929 reiste sie in die 1922 gegründete Sowjetunion, um Ansiedlungsmöglichkeiten für ehemalige Kriegsgefangene in Sibirien zu schaffen, musste das Vorhaben aber aufgeben, da private Initiativen im Sowjetsystem nicht gewollt waren. Noch im selben Jahr heiratete sie in Schmeckwitz-Marienborn den Pädagogik-Professor Robert Ulich und zog mit ihm nach Dresden. 1931 verkaufte sie die Schreibermühle und übergab das Heim Neusorge an den Leipziger Fürsorgeverein. Sie gründete die Elsa-Brändström-Werbegemeinschaft der Frauen (Fonds für Studiengelder ehemaliger Kinder aus Neusorge). Am 3. Januar 1932 kam ihre Tochter in Dresden zur Welt.

1933 nahm Robert Ulich eine Professur an der Harvard University an und die Familie übersiedelte in die USA, wo sich Elsa Brändström-Ulich um Flüchtlingshilfe für ankommende Deutsche und Österreicher kümmerte. 1939 eröffnet sie den „Window-Shop“, ein Restaurant als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Flüchtlinge in Cambridge (Massachusetts), einem Vorort von Boston, Sitz der Harvard University. Diese Einrichtung wurde 1948 zu ihren Ehren in „Elsa Brandstrom Ulich Assistance Fund“[3] umbenannt.[4]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Gegen Kriegsende begann sie mit einer Hilfsaktion für notleidende Kinder in Deutschland, woraus schließlich die Organisationen CARE International (Cooperative for American Relief in Europe) und CRALOG (Council of Relief Agencies Licensed for Operation in Germany) entstanden. 1945 unternahm sie eine letzte Vortragsreise durch Europa für den Save the Children Fund.

Ihre letzte geplante Reise (nach Deutschland) konnte sie wegen ihrer Krankheit nicht mehr antreten. Elsa Brändström starb 1948 in Cambridge an Knochenkrebs. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Nordfriedhof von Solna außerhalb von Stockholm.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Auf einer Wiese ein mannshoher, quaderförmiger, sich nach oben hin leicht verjüngender Grabstein aus grauem Granit. Auf seiner sehr unebenen und rauhen Vorderseite sind die Lebensdaten der Mitglieder der Familie Brändström eingraviert, der Text ist schwarz eingefärbt. Davor ein nur handtuchgroßes, geharktes Beet ohne Bewuchs mit einer im Boden steckenden, kleinen Laterne.
Grab in Schweden
Im Hintergrund eine Wand des Schlossgebäudes aus grobem Bruchstein, ein in roten Sandstein gefasstes Fenster ist halb verhängt durch die zur Feier der Eröffnung davor angebrachte schwedische Flagge (gelbes Kreuz auf blauem Grund). Das Denkmal ist durch den davor stehenden Botschafter halb verdeckt. Auf einem etwa hüfthohen, ockerfarbenen Sandsteinsockel mit rotbrauner Beschriftung ist eine kreisförmige, bronzefarbene Metallskulptur angebracht. Sie zeigt ein Portrait der lächelnden Elsa Brändström von der Seite, eingebettet in eine Struktur aus stilisierten Ästen und Zweigen. Der Botschafter steht vor einem Mikrofon und verliest eine Rede.
Botschafter bei der Einweihung des Brändström-Denkmals vor Schloss Neusorge
In einer Parklandschaft unter Bögen aus Bruchstein ein Podest aus grauen Steinplatten. Darauf eine Skulptur aus Bronze, die stark mit Patina (Grünspan) belegt ist. Sie zeigt auf einer Liege einen offenbar verletzten Soldaten mit Helm und Uniform bekleidet. Neben ihm steht, leicht zu ihm herabgebeugt, eine Krankenschwester in ihrer Schwesterntracht. Sie hält in ihrer Rechten die Hand des Verletzten, der seinen linken Arm dazu mit Mühe angehoben hat.
Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs in Wurzen, die Sanitäterin ist vermutlich Brändström
  • Die Sanitäterin auf dem Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges in Wurzen stellt vermutlich Brändström dar[10]

Filme[Bearbeiten]

  • Elsa Brändström: Stationen eines ungewöhnlichen Lebens, Fernsehfilm (D),[11] 1970/1971, Erstausstrahlung: 26. März 1971, ZDF. Regie: Fritz Umgelter, Drehbuch: Hans Wiese. Darsteller: Renate Zillessen (als Elsa Brandström), Hans Epskamp (als General Brandström), Heidi Leupolt-Kröll (als Ethel von Heidenstam), Alexis von Hagemeister (als Carl Gerhard von Heidenstam), Günter Mack (als Alfred Knox), Volkert Kraeft (als Jan Lundberg), Sigfrit Steiner, Alf Marholm (als Professor Ulrich), Gisela Hoeter, Berta Drews.
  • Elsa Brändström – Der Engel von Sibirien, Teil der Serie Geschichte Mitteldeutschlands,[12] Erstausstrahlung: 17. August 2014

Werke[Bearbeiten]

  • 1921 Bland Krigsfångar i Ryssland och Sibirien 1914–1920. 1922 auf deutsch von Margarete Klante: Unter Kriegsgefangenen in Rußland und Sibirien – 1914–1920
  • Hanna Lieker-Wentzlau (Hg.), Elsa Brändström, Margarete Klante u. a.: Elsa Brändström – Dank. Das Ehrenbuch nordischer und deutscher Schwesternhilfe für die Kriegsgefangenen in Sibirien, Heliand (sieben Auflagen von 1932 bis 1942)

Gedenktag[Bearbeiten]

4. März im Evangelischen Namenkalender.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elsa Björkman-Goldschmidt: Elsa Brändström. 1933 (schwedisch)
  • Elsa Björkman-Goldschmidt: Elsa Brändström. En biografi. 1969 (schwedisch)
Elsa Björkman-Goldschmidt war eine Jugend- und Schulfreundin von Elsa Brändström, die eine lebenslange Freundschaft verband. Sie war gleichfalls in der Kriegsgefangenbetreuung aktiv. Das erste Buch sollte auf Deutsch erscheinen, was aus politischen Gründen nicht mehr möglich war.
  • Norgard Kohlhagen: Elsa Brändström. Die Frau, die man Engel nannte. Eine Biographie. 1992, ISBN 3-7918-1983-6.
  • Dietmar Kruczek: Eine Frau zwischen den Fronten. Das Leben der Elsa Brändström. Aussaat, 2000, ISBN 3-7615-5158-4.
  • Magdalena Padberg: Das Leben der Elsa Brändström. Ein Hilfswerk in drei Erdteilen. Herder, Freiburg 1989, ISBN 3-451-08641-7.
  • Heinz Vonhoff: Elsa Brändström. Ein Leben für Gefangene, Verfolgte und Hilflose. Claudius, München 1982, ISBN 3-583-31003-9.
  • Gerhard Zimmermann: Liebe hat Augen, Hände und Füße: Elsa Brändström – Maximilian KolbeMutter TeresaFriedrich von BodelschwinghElly Heuss-KnappAlbert Schweitzer. ISBN 3-7673-7142-1.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Brandstrom, Elsa. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 729–731.
  • Magdalene von Walsleben (Freifrau von Steinaecker): Die deutsche Schwester in Sibirien: Aufzeichnungen von einer Reise durch die sibirischen Gefangenenlager vom Ural bis Wladiwostok, Furche, Berlin (1919) [14] Werkansicht
  • Alexander von Schlieben: Heldinnen vom Roten Kreuz: Lazaretterzählungen, Ellersiek (1916)
  • Ludwig Detter: Eine Deutsche Heldin: Erlebnisse Einer Roten Kreuz Schwester – Nach Aufzeichnungen von Hertha Immensee, P. List (1916) ISBN 978-1168579317
  • Ilse Franke: Deutsche Treue: Kriegslieder einer deutschen Frau – Unsern deutschen und österreichischen Helden gewidmet Hesse & Becker, 1915 Werkansicht
  • Rudolf Voemel: Deutsche Frauen, deutsche Treue! Ein Wort des Trostes an unsere deutschen Frauen und Jungfrauen, Verlag des Westdeutschen Jünglingsbundes (1914) Werkansicht

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Elsa Brändström – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der „Engel von Sibirien“ gab Hitler einen Korb auf welt.de, 25. März 2013
  2. P. Löschke: Elsa Brändström zum 125. Geburtstag (PDF; 186 kB)
  3. Eleanor Roosevelt: My Day. 7. August 1959
  4. A Finding Aid, Window Shop Records, Cambridge MA 1939–1992
  5. In den Zeitungen Halles wurde betont, dass diese Ehrung als „Ausdruck der Dankbarkeit für die den deutschen Kriegsgefangenen in Rußland alle die Jahre hindurch erwiesene unvergeßliche Fürsorge und für die von ihr unter den größten Mühen und Gefahren mit unerschrockener Einsetzung des Lebens durchgeführte helfende Tätigkeit im Dienste besonders auch der deutschen akademischen Jugend“ vollzogen worden ist.
  6. In: Das Tagebuch 1880-1937, Band 8, Seite 735
  7. Historische Vorläufer moderner Organisationen
  8. The Nomination Database for the Nobel Prize in Peace, 1901-1956
  9. Der Königliche Seraphinenorden (sv. Kungliga Serafimerorden), auch Das blaue Band (Det blå bandet) genannt, ist seit 1748 der Hausorden und der höchste Verdienstorden des Königreiches Schweden. Zum Orden gehört auch die äußerst seltene goldene Seraphinenmedaille. Sie zeigt das Brustbild Friedrichs I., hängt an einer Krone und goldenen Kettchen und wurde an Personen verliehen, die außerordentliche Verdienste in der Armen- und Krankenpflege erworben hatten. Im ganzen 20. Jahrhundert wurde sie zweimal verliehen, u.a. an Elsa Brändström.
  10. LVZ vom 28. April 2010
  11. Übersicht der Besetzung auf www.imdb.com
  12. MDR-Seite zum Film
  13. Elsa Brändström im ökumenischen Heiligenlexikon
  14. Magdalene Philippine Caroline Auguste Erika Wilhelmine Freifrau von Steinaecker (geborene von Walsleben; 1880–?)