Bundesautobahn 31

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Bundesautobahn 31 in Deutschland
Bundesautobahn 31
 European Road 22 number DE.svg
Karte
Verlauf der A 31
Basisdaten
Betreiber: Bundesrepublik Deutschland
Straßenbeginn: Emden
(53° 22′ N, 7° 10′ O53.364808757.1721451)
Straßenende: Bottrop
(51° 33′ N, 6° 56′ O51.554736076.92593306)
Gesamtlänge: 240 km

Bundesland:

Ausbauzustand: vierstreifig
Zumeist wenig befahren: Die A 31 bei Twist
Zumeist wenig befahren: Die A 31 bei Twist

Die Bundesautobahn 31 (Abkürzung: BAB 31) – Kurzform: Autobahn 31 (Abkürzung: A 31) – , alternativ auch Emslandautobahn und (Ost-)Friesenspieß genannt, beginnt in Emden an der Nordseeküste und führt über Lingen bis zum Autobahndreieck Bottrop mit der Bundesautobahn 2 im Ruhrgebiet.

Linienführung[Bearbeiten]

Abfahrt Emden-West, der Beginn der A 31

Südlich vom Beginn der Autobahn in Emden, zwischen den Stadtteilen Larrelt und Constantia gelegen, binden die ostfriesischen Autobahndreiecke Leer die A 28 und Bunde über die kurze A 280 die niederländische Autobahn 7 an. Dazwischen passiert die A 31 den Emstunnel. Der Abschnitt zwischen den beiden Dreiecken ist im Netz der Europastraßen ein Teilstück der E 22.

Nahe der niederländischen Grenze quert sie nun das Emsland. An der Anschlussstelle Meppen kreuzt die A 31 die E 233 auf der Trasse der autobahnähnlichen Bundesstraße 402, welche in westlicher Richtung in die niederländische A37 übergeht. Das einzige Autobahnkreuz Schüttorf der A 31 verknüpft sie weiter südlich mit der A 30. Etwa zehn Kilometer danach tritt sie von Niedersachsen nach Nordrhein-Westfalen über und verläuft über das westliche Münsterland. Schließlich endet sie am Autobahndreieck Bottrop im Ruhrgebiet an der A 2, unweit deren Übergang in die A 3. Sowohl eine nördliche als auch eine südliche Verlängerung wurde verworfen.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Der Emstunnel
Autobahnkapelle „St. Antonius“
Autobahnkapelle „Jesus – Brot des Lebens“

Die Autobahn ist durchgehend vierstreifig ausgeführt. Der Abschnitt vom Beginn an der AS Emden-West bis Emden-Ost wird der einzige Abschnitt auf der gesamten Autobahn 31 ohne Standstreifen bleiben. Ansonsten fehlen diese nur noch zwischen der AS Riepe und Neermoor, wo deren Anlage durch die Verbreiterung einer Brücke vorbereitet wurde. Das notwendige Planfeststellungsverfahren wurde am 22. März 2012 eingeleitet. Der daran anschließende Bau wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen.[1]

Beim Autobahndreieck Leer geht der südliche Ast der A 31 nahtlos in die A 28 nach Oldenburg und Bremen bis zur A 1 über. Zum Verbleiben auf der A 31 muss in beiden Richtungen das Dreieck durchfahren werden (TOTSO).

Zwischen den Anschlussstellen Leer West und Jemgum unterquert die A 31 in dem 945 Meter langen Emstunnel die hier schiffbare Ems. Er ist nach dem Hamburger Neuen Elbtunnel die zweite Unterquerung im deutschen Mündungsbereich eines Flusses, dessen Überbrückung wegen der großen Höhe der Hochseeschiffe schwierig ist.

Der niedersächsische Teil der A 31 ist in der Regel eine der am wenigsten befahrenen Autobahnteilstrecken Deutschlands. Insbesondere nachts ist dort häufig kilometerweit kein Fahrzeug unterwegs.[2] In den Ferienzeiten und zu verlängerten Wochenenden (z. B. Christi Himmelfahrt) stellt sich die Situation umgekehrt dar. Dann bewirken die Urlauberströme – insbesondere aus Nordrhein-Westfalen – nach Ostfriesland und zurück einen stärker verdichteten Verkehr, gelegentlich sogar Staus.

Die Trasse verläuft durch weitläufig unbewohntes Gebiet. Das und die Nähe zur Autobahn macht das Umfeld zu einem bevorzugten Standort für zumeist mächtige Windkraftanlagen. Über zweihundert Anlagen sind von der Autobahn direkt einsehbar.

Auf dem Parkplatz Heseper Moor zwischen den Anschlussstellen Twist (22) und Geeste (23) steht in Fahrtrichtung Süden die Autobahnkapelle „Jesus – Brot des Lebens“ und an der Abfahrt Gescher/Coesfeld (33) befindet sich die Autobahnkapelle St. Antonius.

Geschichte[Bearbeiten]

A 31-Planung; blau: heutiger Autobahnausbau, orange: geplant im Jahr 1976

1966 wurde die A 31 zum ersten Mal, zunächst als A 113, in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Zwischen 1975 und 2004 wurde sie unter finanzieller Mithilfe der anliegenden Regionen gebaut.

Verworfene Planung von Bottrop bis Bad Neuenahr[Bearbeiten]

Nach dem 1971 verabschiedeten Bedarfsplan des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen von 1971 bis 1985[3] sollte die A 113 von Norddeich bis zum Ruhrgebiet und von dort als weitere Nord-Süd-Achse bis zur A 61 bei Bad Neuenahr-Ahrweiler verlaufen. Zwischen Bottrop und Bad Neuenahr-Ahrweiler war die Trasse der A 31 wie folgt geplant:[4]

Dieser etwa 100 km lange Abschnitt war wie folgt in den Bedarfsplan aufgenommen:

  • zwischen dem Kreuz bei Bottrop (A 2) und dem Kreuz mit der A 56 bei Hennef als sechsstreifiger Neubau in der Dringlichkeitsstufe I
  • zwischen dem Kreuz bei Hennef und dem Kreuz mit der A 3 bei Bad Honnef als vierstreifiger Neubau in der Dringlichkeitsstufe II
  • zwischen dem Kreuz bei Bad Honnef-Himberg und Himberg als vierstreifiger Neubau in der Dringlichkeitsstufe I
  • zwischen Himberg und dem Kreuz mit der Bundesstraße 9 bei Remagen als vierstreifiger Neubau in der Dringlichkeitsstufe II * zwischen dem Kreuz bei Remagen und Bad Neuenahr-Ahrweiler (A 61) als vierstreifiger Neubau in Dringlichkeitsstufe I
A-31-Mahnmal, gusseiserne Tafel
A-31-Mahnmal mit Rastplatz. Auch die Eiche wurde von der Aktionsgemeinschaft gepflanzt.

Ende 1973 erfolgte die öffentliche Auslegung der Pläne für den ersten Abschnitt im Hexbachtal im Mülheimer Norden. Mit dem Bau sollte unmittelbar nach Beendigung der Offenlegung begonnen werden.

Doch am letzten Tag der Einwendungsfrist stoppten ca. 300 Mülheimer Bürger mit ihren Unterschriften zu einem Alternativvorschlag das Projekt zunächst. Sie hatten vorgeschlagen, die Trasse aus dem empfindlichen Tal (Grenze zwischen Essen und Mülheim) heraus auf Mülheimer Gebiet zu verlagern. Einen solchen Vorschlag hatte auch der Ruhrsiedlungsverband gemacht. Als die Pläne für das nach Süden anschließende Teilstück im Raum Mülheim-Heißen öffentlich ausgelegt wurden, hatten sich bereits längs der Trasse von Bottrop bis Overath (südöstlich von Bergisch Gladbach) zahlreiche Bürgerinitiativen gebildet, die sich zur Aktionsgemeinschaft A 113 zusammenschlossen. Diese hatte das Ziel, die A 113 komplett zu verhindern, da sie viele Naherholungsgebiete durchschneiden („aufspießen“) und entwerten würde. Das war der Grund für einen Essener Architekten, die Trasse „Ostfriesenspieß“ zu nennen.

Im Rahmen der zweiten Offenlegung kamen über 16.000 Unterschriften gegen den Bau zusammen. Sie bekamen insbesondere dadurch großes Gewicht, dass Fachleute Fehler in den Verkehrsprognosen aufzeigten und das Fehlen der erforderlichen ökologischen und raumplanerischen Gutachten bemängelten. Die Auseinandersetzung mit den Planern (Landschaftsverbände) und anderen Befürwortern (ADAC, IHK, Bauwirtschaft) dauerte etwa acht Jahre und wurde in alle relevanten Behörden und politischen Gremien bis in den Bundestag hineingetragen. Dieser beschloss 1976 zunächst die Rückstufung des südlichen Teils der inzwischen in A 31 umbenannten Autobahn mit dem Gesetz zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 [5]. Demnach war der Abschnitt zwischen Bottrop und Hennef in der Dringlichkeitsstufe Ib sowie die Strecke Hennef bis Bad Neuenahr in den weiteren Bedarf eingeordnet. Lediglich die Ortsumgehung (OU) Hennef im Zuge der Bundesstraße 8 erhielt noch die höchste Priorität. Bei Bad Neuenahr befanden sich die Anschlüsse an die A 61 bereits im Bau. Erst mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 [6] wurde 1980 die gesamte Verbindung zwischen Bottrop und Bad Neuenahr gestrichen. Übrig blieben daher nur die bereits fertiggestellten Teile bei Bad Neuenahr-Ahrweiler mit den neuen Bezeichnungen als A 571 und A 573 sowie als Planungen die OU Hennef (B 8, vierstreifig, vordringlicher Bedarf) und die Verbindung Bad Neuenahr-Ahrweiler (A 571) - Remagen - Bad Honnef (A 3) als vierstreifige Bundesstraße 266. Auch das Dritte Gesetz zur Änderung des Fernstraßenausbaugesetzes von 1986 [7] brachte keine Wiederaufnahme der Strecke in den Bedarfsplan. Vielmehr wurde auch der Abschnitt zwischen Remagen und Bad Honnef (A 3) gestrichen. Im Vierten Gesetz zur Änderung des Fernstraßenausbaugesetzes von 1993[8] sah zusätzlich zum Abschnitt Bad Neuenahr-Ahrweiler - Remagen noch die einbahnige Rheinquerung bis Linz vor. Der Bundesverkehrswegeplan 2003 enthielt im Zuge der B 266 den Abschnitt Bad Neuenahr (A 573) bis Bad Neuenahr-Ost (vierstreifig, 1,8 km, vordringlicher Bedarf), die Ahrquerung (vierstreifig, 1,6 km, 1. Fahrbahn im vordringlichen Bedarf) bei Ehlingen, die OU Bad Bodendorf (vierstreifig, 1,9 km, weiterer Bedarf) und die Strecke Remagen - Linz am Rhein (zweistreifig, 3 km, weiterer Bedarf). Von all diesen Vorhaben ist lediglich der Abschnitt bei Bad Neuenahr im Bau. Die Ahrquerung durchschneidet ein FFH-Gebiet und wurde deshalb nicht mehr für den Bundesverkehrswegeplan 2015 durch die Landesregierung von Rheinland-Pfalz angemeldet.[9] Die A 31 wurde auch in den Bundesverkehrswegeplan 2003 nicht eingestellt.

In Mülheim errichtete die - entsprechend umbenannte - Aktionsgemeinschaft A 31 auf der geplanten Trasse ein Mahnmal, das für die Spaziergänger heute ein beliebter Rastplatz ist.

Verworfene Planung zwischen Norddeich und Riepe[Bearbeiten]

Der Bedarfsplan des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985[10] von 1971 sah vor, dass zwischen Norddeich und Leer die vierstreifige Bundesstraße 70 errichtet und bei Leer an die A 113 angeknüpft werden sollte. Dabei war der Abschnitt Norddeich - Norden - Georgsheil der Dringlichkeitsstufe II, die sich daran anschließende Strecke bis Leer der Dringlichkeitsstufe I zugeordnet. Mit der Neustrukturierung des Netzes der Bundesautobahnen war die Führung der A 31 von Norddeich bis nach Bad Neuenahr durchgängig geplant.[11] 1976 brachte das Gesetz zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 [12] die Änderung, dass zwischen Riepe und dem heutigen Dreieck Leer die Trasse der Bundesstraße 530 für die A 31 genutzt werden sollte. Zwischen Georgsheil und Riepe war die A 31 weiterhin in der Dringlichkeitsstufe Ia enthalten, während die Teilstrecke Norddeich - Georgsheil nur noch im weiteren Bedarf eingeordnet war. 1980 kam mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 [13] das Aus für die Nordvariante der A 31 zwischen Norddeich und Riepe. Stattdessen wurde die Strecke nach Emden vollständig als A 31 gewidmet. Zwischen Georgsheil und Riepe war in Dringlichkeitsstufe II der Bau einer Bundesstraße vorgesehen, die südlich des Ems-Jade-Kanals vierstreifig zur Ausführung kommen sollte. Zudem war weiterhin die OU Norden im Zuge der B 70 geplant, die sogar die Dringlichkeitsstufe I erhielt. Die zuletzt genannte Strecke blieb auch nach dem Dritten Gesetz zur Änderung des Fernstraßenausbaugesetzes von 1986[14] im vordringlichen Bedarf enthalten, während die Linie Georgsheil - Riepe gestrichen wurde. Auch im Vierten Gesetz zur Änderung des Fernstraßenausbaugesetzes von 1993 [15] war die OU Norden enthalten. Die Strecke Georgsheil - Riepe wurde nicht wieder aufgenommen, stattdessen war eine Strecke von Riepe nach Aurich (wieder) vorgesehen, die jedoch nicht mehr auf der ursprünglichen Trasse der A 31 lag. 2009 wurde die OU Norden, die auch im Bundesverkehrswegeplan 2003 enthalten war, fertiggestellt. Für den Neubau der B 210 zwischen Riepe (A 31) und Aurich einschließlich Ortsumgehung Aurich ist seit 2012 die Linie bestimmt.[16]

Planänderung zwischen Leer und Haren (Ems)[Bearbeiten]

Die ursprüngliche Planung zur späteren A 31 sah vor, zwischen Norddeich, Leer und Haren (Ems) eine direkte Linie zu schaffen. Aus dem Bedarfsplan des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985[17] ist deshalb eine Trassenführung mit Querung der Ems nördlich Jemgum, westlich Leer und Weener enthalten.[18] In der ersten Hälfte der 1970er Jahre bestand eine Trassenplanung, nach der im Raum Veenhusen an die bereits fertiggestellte Bundesstraße 72a (später als B 530 umgewidmet) angeknüpft und Leer östlich umgangen werden sollte (westlich Leer-Logabirum und Nortmoor). Nach Querung der Flüsse Jümme und Leda war der weitere Verlauf der Autobahn zwischen Westrhauderfehn und Ostrhauderfehn, durch das Klostermoor sowie östlich und südlich um Papenburg projektiert. Die Trasse sollte sodann nördlich Dörpen (mit Querung der Ems) und Dersum angelegt werden, um schließlich das Bourtanger Moor auf einer westlicher gelegenen Linie als der heute realisierten A 31 zu durchqueren (westlich Neusustrum und Haren (Ems)-Altenberge). Erst bei der Anschlussstelle Wesuwe traf der damalige Trassenentwurf auf die heutige A 31.[19]

In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre wurde diese Planung verworfen und stattdessen die im Wesentlichen heute realisierte Trassenvariante entwickelt.[20][21] Die neue Streckenführung sah zwischen Bunde und Leer nunmehr eine gemeinsame Trasse mit der A 22 vor. Dadurch verkürzten sich die insgesamt zu errichtenden Autobahnstrecken und es fielen mehrere größere Brückenbauwerke fort (Querung der Ems bei Dörpen, der Jümme und Leda bei Leer). Während im Raum Bunde noch vorgesehen war, die A 22 zwischen der Grenze zu den Niederlanden, Leer und Westerstede durchzubinden, so dass die Trasse von der Grenze nördlich um Bunde nach Bunderhee verlaufen sollte. Dort sollte die A 31 nach Bottrop abzweigen. Ende der 1970er Jahre wurde dann auch hier die heute realisierte Variante aufgegriffen.[22]

Neubaufortschritt[Bearbeiten]

Das Teilstück zwischen Neermoor und Riepe in Ostfriesland ist die seit 1976 existierende Urzelle der A 31. 1984 begann dann der Bau des Emstunnels sowie ausgehend von der A 2 beim Autobahndreieck Bottrop der Ausbau der A 31 in Nordrhein Westfalen, der 1989 bis Heek fertiggestellt war. Die Eröffnung des Emstunnels im gleichen Jahr war die Initialzündung für den weiteren Ausbau der A 31 und auch der sich bei Leer anschließenden A 28, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht bis zu dieser Stelle vorgerückt war. Die beiden Äste wuchsen so bis 1995 kontinuierlich aufeinander zu. Eine beschilderte Lückentrasse wurde eingerichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt war nun auch die A 28 beim Autobahndreieck Leer an die A 31 angeschlossen. Auf niedersächsischer Seite führte die A 31 jetzt bis Twist und in Nordrhein-Westfalen bis Ochtrup-Nord. Im Vorfeld hatte sich aber schon abgezeichnet, dass im Rahmen des Aufbaus Ost die Mittel für den Ausbau der westdeutschen Autobahnen erheblich gestreckt wurden. So wurde innerhalb der nächsten acht Jahre lediglich das Teilstück Twist–Geeste eröffnet.

Modellprojekt Lückenschluss[Bearbeiten]

Nach und nach zeichnete sich ab, dass der Bund den Endausbau bis 2015 verschoben hatte. Dass die Bauarbeiten bereits am 19. Dezember 2004 abgeschlossen werden konnten und die Autobahn seitdem in ihrer gesamten Länge befahrbar ist, wurde durch ein in Deutschland bisher einmaliges Finanzierungsmodell ermöglicht, bei dem sich Privatleute, Firmen, Gemeinden, Landkreise und die Niederlande an den Kosten beteiligten.[23] Im Wesentlichen ging es darum, dem Bund die Zinsen für die vorgezogene Fertigstellung des ca. 500 Mio. DM teuren Lückenschlusses[24] (Geeste–Ochtrup-Nord) zu ersetzen. Von den dazu benötigten 135 Mio. DM wurden 21 Mio. DM von der Wirtschaft und 114 Mio. DM von den umliegenden Städten, Landkreisen und Gemeinden der A 31 sowie den Niederlanden aufgebracht. Der Nachbarstaat sieht die A 31 vor allem als eine schnelle Verbindung zwischen den grenznahen Räumen Groningen und Enschede/Hengelo, da eine entsprechende Nord-Süd-Verbindung auf niederländischer Seite nicht existiert.

Geistige Väter dieses bemerkenswerten Modellprojektes waren der Industrielle Rolf Trauernicht[25] aus Großefehn im Landkreis Aurich, der auch eine private Spende von 250.000 DM einbrachte, und der Oberkreisdirektor, später Landrat, des Landkreises Emsland, Hermann Bröring. Ein Gutachten[26] des Instituts für Verkehrswissenschaft der Universität Münster war in einer Kosten-Nutzen-Analyse zu dem Ergebnis gekommen, dass der Nutzen durch den Lückenschluss mehr als acht Mal über den Kosten liegen würde. Scharfe Kritik an dieser Finanzierung kam von den örtlichen Grünen. Landkreise, „über denen der Pleitegeier kreise“, sollten sich nicht zu derart hohen Ausgaben hinreißen lassen.

Nach Unterzeichnung des entsprechenden Vertrages zwischen Bund, Land und Region im März 2001 wurde zunächst mit dem Zieldatum Ende 2005 weitergebaut. Eine nochmalige sukzessive Verkürzung um ein Jahr war durch schnellen Baufortschritt möglich, da der Neubau auch ein „Herzensanliegen“ der ausführenden heimischen Unternehmen sowie der beteiligten Planer und Beamten war. Auch die wegweisenden Ausgleichsmaßnahmen fanden die überwiegende Zustimmung der Naturschutzverbände. Fast jede Neueröffnung eines Teilstückes wurde mit einem großen Volksfest gefeiert. Insgesamt dürfte kaum ein Autobahnneubau so viel Zustimmung und Forcierung von regionaler Seite erfahren haben wie dieser.

Am nördlichen Ende der A 31 in Emden fehlte seit 1981 nur noch die Nordwestumgehung der Stadt. Fast zehn Jahre nahm dieses nur vier Kilometer lange Endstück (Emden-West – Emden-Mitte) in Anspruch. Jahrelang musste der aufgefahrene Sand liegen bleiben, um den nordseenahen, weichen Marschboden genügend zu verdichten. Eine weitere Verzögerung ergab sich, als ein zu hoch beladener Lkw die Schalung der frisch betonierten Brücke über die B 210 an der Anschlussstelle Emden-Mitte rammte. Dennoch konnte auch dieses Teilstück zusammen mit dem Lückenschluss 2004 komplettiert werden.

Freigabe der Teilabschnitte[Bearbeiten]

  • ca. 1965: AS Neermoor – AS Veenhusen (2 km, zunächst als B 72a, später als B 530 gewidmet, Fertigstellung des Ausbaus zur Bundesautobahn: 1994)
  • 1973: AS Riepe – AS Neermoor (10,1 km, als B 530 gewidmet)
  • 1976/77: AS Emden-Ost – AS Riepe (7 km, als B 530 gewidmet)
  • 1981: AS Emden-Mitte – AS Emden-Ost (3,5 km)
  • 1982: AS Borken – AS Reken (7,1 km)
  • 1984: AS Schermbeck – AS Kirchhellen-Nord (8,5 km)
  • 1985: AS Legden/Ahaus – AS Gescher/Coesfeld (12,9 km)
  • 1986: AS Gescher/Coesfeld – AS Borken (9,6 km)
  • 1987: AS Kirchhellen-Nord – AK Bottrop (8,5 km)
  • 1988: AS Legden/Ahaus – AS Heek (7,6 km)
  • 1989: AS Leer-West – AS Weener (11,3 km)
  • 1990: AS Weener – AS Dörpen (23,7 km)
  • 1990: L 510 bei Gronau/Ochtrup – AS Heek (10,0 km)
  • 1990: AS Reken – AS Schermbeck (11,2 km)
  • 1991: AD Leer – AS Leer-West (6,7 km)
  • 1992: AS Dörpen – AS Lathen (12,4 km)
  • 1993: AS Lathen – AS Haren (Ems)
  • 1994: AS Haren (Ems) – AS Twist (17,0 km)
  • 1995: AS Emden-West – AS Pewsum (3,0 km, zunächst einbahnig auf der Trasse einer bereits 1970/71 fertiggestellten Nordwestumgehung von Emden, 2. Fahrbahn: 1999)
  • 1995: AS Veenhusen – AD Leer (3,7 km)
  • 1995: AS Ochtrup-Nord – L 510 bei Gronau/Ochtrup (5,9 km)
  • 1998: AS Twist – AS Geeste (9,0 km)
  • 2002: AS Geeste – AS Wietmarschen (5,5 km)
  • 2003: AS Wietmarschen – AS Lingen (7,3 km)
  • 2004: AS Pewsum – AS Emden-Mitte (1,7 km auf der Trasse einer bereits 1970/71 fertiggestellten einbahnigen Nordwestumgehung von Emden)
  • 2004: AS Schüttorf-Ost – AS Ochtrup-Nord (10,7 km)
  • 2004: AS Emsbüren – AS Schüttorf-Ost (4,3 km)
  • 2004: AS Lingen – AS Emsbüren (13,7 km)

Zwischen den AS Emden-Ost und Riepe wurde im Oktober 2010 die Grunderneuerung mit Errichtung von Standstreifen abgeschlossen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der volkstümliche Name Ostfriesenspieß wurde durch den damaligen Bundesinnenminister Rudolf Seiters, der im anliegenden Papenburg wohnt, in Ansprachen zu Teilstückfreigaben zum ersten Male einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Benennung der Anschlussstelle Lingen ging ein Streit voraus. Die Stadt Nordhorn bestand auf dem Namen Lingen/Nordhorn. Entschieden wurde der Streit durch eine neuere Vorschrift, nach der die nächstliegende Stadt oder Gemeinde namensgebend ist. Nordhorn unterlag um wenige Meter. Dieselbe Vorschrift verhilft der Kleinstadt Schüttorf zu unverhofftem Ruhm. Nach ihr ist das zentrale Autobahnkreuz A 30/A 31 sowie jeweils eine Anschlussstelle dieser beiden Autobahnen benannt.

Zwischen den Anschlussstellen Dorsten-West und Schermbeck ist im Parkplatz Holsterhausen eine unbeschilderte Anschlussstelle angelegt, und zwar in Richtung Emden als Ausfahrt und in Richtung Bottrop als Auffahrt. In Dorsten wird diese Ausfahrt im Volksmund Hürlandausfahrt genannt – in Anspielung auf die früher in unmittelbarer Nähe wohnende ehemalige Verteidigungsstaatssekretärin Agnes Hürland-Büning. Die Anspielung geht auf das Gerücht zurück, dass die versteckte Ausfahrt als Abkürzung für Hürland-Bünings Weg zum Ministerium in Bonn errichtet wurde.

Detaillierte Ausfahrtliste[Bearbeiten]

Kreis/Stadt # Ausfahrt km Ausgeschilderte Ziele Bemerkungen
EMD 1 Emden-West 240,6
  • Emden-West
Autobahn beginnt an einer Ampelkreuzung
2 Pewsum 238,2
  • Pewsum
  • Emden-Conrebbersweg
3 Emden-Mitte 236,3
  • Emden-Mitte
  • Aurich
  • Norddeich
  • RWB Industriegebiet.svg Nord Symbol: Flug B210
4 Emden-Wolthusen 233,4
  • Emden
  • -Wolthusen
  • -Uphusen
5 Emden-Ost 232,6
  • Emden-Ost
  • RWB Industriegebiet.svg Ost
planfreier Knotenpunkt in Form einer Trompete
LER 6 Riepe 225,4
  • Riepe
  • Oldersum
  • Aurich Pfeil unten.svg
7 Neermoor 215,3
  • Neermoor
  • Timmel
  • Warsingsfehn Pfeil unten.svg
Dass die B70 angeschlossen ist, ist nicht ausgeschildert.
8 Veenhusen 213,2
  • Veenhusen
  • Hesel Pfeil unten.svg
  • Warsingsfehn Pfeil oben.svg
planfreier Knotenpunkt in Form einer Trompete
9 Autobahndreieck Leer 209,4 A28
  • Oldenburg
  • Leer-Ost
Die A 31 bildet im Dreieck nicht die durchgehende Fahrbahn; um auf ihr zu bleiben, muss in beiden Richtung auf die Abfahrt gefahren werden (TOTSO).
A31
  • Meppen Pfeil unten.svg
  • Groningen Pfeil unten.svg
  • Leer-Nord Pfeil unten.svg
A31
  • Norddeich Pfeil oben.svg
  • Emden Pfeil oben.svg
  • Veenhusen Pfeil oben.svg
10 Leer-Nord 206,9
  • Leer-Nord
  • Neermoor B70
11 Leer-West 202,2
  • Leer-West
  • -Hafen
  • Oldersum
12 Jemgum 201,3
  • Jemgum
  • Bingum
13 Weener 191,4
  • Weener
  • Bunde B436
14 Autobahndreieck Bunde 189,5 A280 E22
  • Groningen
  • Bunde-West
15 Papenburg 186,7
  • Papenburg
  • Stapelmoor
  • Wymeer
EL 16 Rhede (Ems) 178,2
  • Rhede (Ems)
  • Aschendorf
  • Bellingwolde (NL)
17 Dörpen 169,3
  • Dörpen
  • Heede
  • Bourtange (NL) B401
18 Lathen 156,7
  • Lathen
  • Sögel
  • Niederlangen
  • Neusustrum
19 Haren (Ems) 149,2
  • Haren (Ems)
  • Stadtskanaal (NL)
  • Rütenbrock
  • Dankern B408
20 Wesuwe 142,5
  • Wesuwe
  • Hebelermeer
21 Meppen-Nord 138,4 B402 E233
  • Meppen-Nord
  • Haselünne
Planfreie Anschlussstelle in Kleeblattform
B402 E233
  • Emmen (NL) RWB-RWBA Autobahn.svg
  • Schöninghsdorf
22 Twist 132,3
  • Twist
  • Coevorden (NL)
  • Meppen-West
23 Geeste 123,1
  • Geeste
  • Dalum
  • Emlichheim Pfeil unten.svg
NOH 24 Wietmarschen 118,1
  • Wietmarschen
  • Neuenhaus
  • Uelsen
  • Lohne Pfeil unten.svg
  • Emlichheim Pfeil oben.svg
25 Lingen 111,0
  • Lingen
  • Nordhorn
  • Lohne B213
EL 26 Emsbüren 95,8
  • Emsbüren
  • Schüttorf-Nord Pfeil unten.svg
27 Autobahnkreuz Schüttorf 94,1 A30
  • Osnabrück
  • Rheine
  • Salzbergen Pfeil unten.svg
A30
  • Amsterdam
  • Schüttorf-Nord Pfeil oben.svg
NOH 28 Schüttorf-Ost 92,2
  • Schüttorf-Ost
  • Bad Bentheim Pfeil unten.svg
  • Salzbergen Pfeil oben.svg
ST 29 Ochtrup-Nord 81,1
  • Ochtrup-Nord
  • Bad Bentheim B403 Pfeil oben.svg
30 Gronau/Ochtrup 73,8 B54
  • Ochtrup
  • Steinfurt
Planfreie Anschlussstelle in Kleeblattform
B54
  • Gronau
  • Enschede
BOR 31 Heek 65,3
  • Heek
  • Metelen
  • Schöppingen
  • Ahaus-Nord Pfeil unten.svg B70
32 Legden/Ahaus 57,5
  • Legden
  • Ahaus
  • Vreden
  • Stadtlohn Pfeil unten.svg
  • Rosendahl B474
33 Gescher/Coesfeld 44,8
  • Gescher
  • Coesfeld
  • Winterswijk
  • Südlohn Pfeil unten.svg
  • Stadtlohn Pfeil oben.svg B525
Abfahrt zur Autobahnkapelle St. Antonius
34 Borken 35,1 B67
  • Dülmen
Planfreie Anschlussstelle in Kleeblattform
B67
  • Borken
  • Bocholt
  • Rhede Pfeil unten.svg
  • Velen Pfeil oben.svg
35 Reken 29,6
  • Reken
  • Heiden
RE 36 Lembeck 23,6
  • Lembeck
  • Rhade
  • Raesfeld
37 Schermbeck 16,8
  • Schermbeck
  • Wesel
  • Haltern
  • Wulfen B58
38 Dorsten-West 11,3
  • Dorsten
  • Hünxe
  • Gahlen
BOT 39 Kirchhellen-Nord 8,5
  • Kirchhellen-Nord B225
40 Kirchhellen 6,1
  • Kirchhellen
  • Gladb.-Zweckel
  • Feldhausen
RE 41 Gladbeck 3,6
  • Gladbeck
BOT 42 Autobahndreieck Bottrop 0,0 A2
  • Hannover
  • Dortmund
Der Fixpunkt (0,0 km) liegt am Beginn der Rampe Oberhausen – Emden
A2
  • Düsseldorf
  • Köln
  • Oberhausen
  • Bottrop

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bundesautobahn 31 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.strassenbau.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=21073&article_id=104887&_psmand=135
  2. http://www.rp-online.de/public/article/auto/verkehr/521812/Die-fast-vergessene-Autobahn.html
  3. Bundesgesetzblatt Jg. 1971, Teil I, S. 873.
  4. Der Große Shell-Atlas, Mairs Geographischer Verlag, Neuausgabe 1977/78, Stuttgart 1977/78, Bl. 32, 42, 208–211.
  5. Bundesgesetzblatt Jg. 1976, Teil I, S. 2093
  6. Bundesgesetzblatt Jg. 1980, Teil I, S. 1614
  7. Bundesgesetzblatt Jg. 1986, Teil I, S. 537
  8. Bundesgesetzblatt Jg. 1993, Teil I, S. 1877
  9. Konrad Gasper: Der Pressespiegel zum Stand der Ortsumgehung B266 Lohrsdorf - Bad Bodendorf. Heimat- und Förderverein Lohrsdorf/Green e.V., abgerufen am 25. Oktober 2013 (Internetbeitrag).
  10. Bundesgesetzblatt 1971, Teil I, S. 873
  11. Struktur und Numerierung der Bundesautobahnen. Vorgesehenes Gesamtnetz. Bundesminister für Verkehr Abt. Straßenbau, 15. Juni 1974, abgerufen am 18. September 2013 (Kartenausschnitt).
  12. Bundesgesetzblatt Jg. 1976, Teil I, S. 2093
  13. Bundesgesetzblatt Jg. 1980, Teil I, S. 1614
  14. Bundesgesetzblatt Jg. 1986, Teil I, S. 537
  15. Bundesgesetzblatt Jg. 1993, Teil I, S. 1877
  16. [1]
  17. Bundesgesetzblatt 1971, Teil I, S. 873
  18. Bauleistungen auf Bundesfernstraßen im Jahre 1972. Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985. Anlage zum Straßenbaubericht 1972. Bundesminister für Verkehr Abt. Straßenbau, abgerufen am 31. März 2013 (Kartenausschnitt).
  19. Der Große Shell-Atlas, Neuausgabe 1971/72, Mairs Geographischer Verlag, Stuttgart 1971/72, Bl. 12 und 22
  20. Netz der Bundesautobahnen und Bundesstraßen. Stand 1. Januar 1976. Bundesminister für Verkehr Abt. Straßenbau, abgerufen am 31. März 2013 (Kartenausschnitt).
  21. Der Große Shell Atlas, Neuausgabe 1977/78, Mairs Geographischer Verlag, Stuttgart 1977/78, Bl. 12 und 22
  22. Der Große Shell-Atlas, Neuausgabe 1979/80, Mairs Geographischer Verlag, Stuttgart 1979/80, Bl. 12 und 22
  23. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15876121.html (12. April 2010)
  24. http://app.strassenbau.niedersachsen.de/SBA-OS/A31/default.htm
  25. http://www.stern.de/auto/autowelt/verkehr-der-lueckenfueller-73520.html
  26. wiwi.uni-muenster.de: Kurzgutachten, gesehen 26. August 2012.