Kreis Borken

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Kreises Borken Deutschlandkarte, Position des Kreises Borken hervorgehoben51.85156.8424Koordinaten: 51° 51′ N, 6° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Landschaftsverband: Westfalen-Lippe
Verwaltungssitz: Borken
Fläche: 1.420,98 km²
Einwohner: 363.819 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 256 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: BOR, AH, BOH
Kreisschlüssel: 05 5 54
Kreisgliederung: 17 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Burloer Straße 93
46325 Borken
Webpräsenz: www.kreis-borken.de
Landrat: Kai Zwicker (CDU)
Lage des Kreises Borken in Nordrhein-Westfalen
Niederlande Belgien Niedersachsen Rheinland-Pfalz Hessen Essen Wuppertal Solingen Remscheid Hagen Ennepe-Ruhr-Kreis Bochum Dortmund Herne Gelsenkirchen Bottrop Oberhausen Mülheim an der Ruhr Duisburg Kreis Mettmann Düsseldorf Rhein-Kreis Neuss Kreis Heinsberg Mönchengladbach Krefeld Kreis Viersen Kreis Wesel Kreis Kleve Rhein-Erft-Kreis Kreis Düren Rheinisch-Bergischer Kreis Oberbergischer Kreis Kreis Recklinghausen Kreis Borken Kreis Unna Märkischer Kreis Kreis Olpe Hamm Kreis Soest Kreis Coesfeld Kreis Steinfurt Kreis Warendorf Leverkusen Köln Städteregion Aachen Bonn Rhein-Sieg-Kreis Städteregion Aachen Kreis Euskirchen Münster Kreis Siegen-Wittgenstein Hochsauerlandkreis Kreis Paderborn Kreis Gütersloh Kreis Höxter Kreis Lippe Kreis Herford Kreis Minden-Lübbecke BielefeldKarte
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Der Kreis Borken liegt im Westmünsterland im Nordwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Er gehört zum Regierungsbezirk Münster und ist Mitglied im Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Sitz des Kreises ist die Stadt Borken. Größte Stadt im Kreis Borken ist Bocholt.

Geographie[Bearbeiten]

Räumliche Lage[Bearbeiten]

Der Kreis Borken im Westmünsterland hat im Westen eine 108 Kilometer lange Grenze zu den Niederlanden. Die Nähe zu wichtigen Wirtschaftsregionen in Deutschland und den Niederlanden sind Vorteile, die konsequent genutzt werden. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 57 km, die maximale West-Ost-Ausdehnung beträgt 61 km. Die höchste Erhebung ist ein Schöppinger Berg genannter Ausläufer der Baumberge mit 154 m über NN. Mit 14 m über NN ist die Niederung der Issel bei Anholt der niedrigste Punkt im Kreisgebiet. 42,8 % der Fläche des Kreises Borken (608,4 km²) sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, 48,4 km² sind Naturschutzgebiet.[2]

Kreisangehörige Gemeinden[Bearbeiten]

Der Kreis Borken gliedert sich in 17 kreisangehörige Gemeinden, von denen drei Mittlere kreisangehörige Städte und eine Große kreisangehörige Stadt sind. Für ihre örtlichen Angelegenheiten sind die Gemeinden grundsätzlich selbst zuständig, während der Kreis für kleinere Kommunen örtliche und ansonsten überörtliche Aufgaben übernimmt.

Städte Gemeinden
  1. Ahaus, Mittlere kreisangehörige Stadt (38.578)
  2. Bocholt, Große kreisangehörige Stadt (71.080)
  3. Borken, Mittlere kreisangehörige Stadt (41.455)
  4. Gescher (16.889)
  5. Gronau (Westf.), Mittlere kreisangehörige Stadt (45.590)
  6. Isselburg (10.819)
  7. Rhede (19.052)
  8. Stadtlohn (20.069)
  9. Velen (12.987)
  10. Vreden (22.395)
  1. Heek (8459)
  2. Heiden (8050)
  3. Legden (6936)
  4. Raesfeld (11.102)
  5. Reken (14.320)
  6. Schöppingen (7136)
  7. Südlohn (8902)
Kreis Borken Nordrhein-Westfalen Kreis Kleve Kreis Wesel Kreis Coesfeld Kreis Coesfeld Niedersachsen Kreis Steinfurt Niederlande Raesfeld Heiden Rhede Bocholt Borken Reken Velen Stadtlohn Heek Ahaus Gescher Legden Schöppingen Gronau Vreden Südlohn IsselburgMunicipalities in BOR.svg
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Stand: 31. Dezember 2012[3]

Nachbarkreise bzw. -provinzen[Bearbeiten]

Der Kreis Borken grenzt im Norden an den niedersächsischen Landkreis Grafschaft Bentheim (2 km), im Nordosten an den Kreis Steinfurt (33 km), im Osten an den Kreis Coesfeld (51 km), im Südosten an den Kreis Recklinghausen (29 km), im Südwesten an den Kreis Wesel (45 km), im Westen an den Kreis Kleve (10 km) und im Nordwesten über 108 km an die niederländischen Provinzen Gelderland und Overijssel.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Altkreis Borken im Jahr 1847

Vorläufer des Kreises Borken waren die historischen Verwaltungs- und Gerichtsbezirke (Ämter) Ahaus, Bocholt und Horstmar im Fürstbistum Münster sowie die Herrschaften Anholt, Gemen und Werth. Nach der Säkularisierung des Fürstbistums Münster im Reichsdeputationshauptschluss fiel das Gebiet 1803 an das neu gebildete Fürstentum Salm, bevor es zur Durchsetzung der Kontinentalsperre 1811 in das französische Kaiserreich eingegliedert wurde. Nach dem Abzug der französischen Truppen 1813 und dem Wiener Kongress 1815 wurde das Gebiet Teil der preußischen Provinz Westfalen. 1816 erfolgte, bezogen auf das heutige Kreisgebiet, die Verwaltungsgliederung in die Landkreise Borken und Ahaus im Regierungsbezirk Münster.

Nach seiner Gründung im Jahre 1816 war der Kreis bis 1843 in die acht Bürgermeistereien Anholt, Bocholt, Borken, Dingden, Heiden, Liedern, Ramsdorf und Rhede eingeteilt.[4] Mit der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden in den Jahren 1843 und 1844 die Bürgermeistereien in Ämter überführt.[5] Der Kreis war danach zunächst neben drei amtsfreien Städten in die folgenden Ämter und Gemeinden gegliedert:[6][7]

Amt Gemeinden
amtsfrei Anholt, Bocholt und Borken
Dingden Dingden
Gemen Stadt Gemen und Kirchspiel Gemen
Heiden Heiden
Liedern Barlo, Biemenhorst, Hemden, Herzebocholt, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork, Stenern und Suderwick
Marbeck Grütlohn, Homer, Hoxfeld, Marbeck, Rhedebrügge, Westenborken und Wirthe
Raesfeld Raesfeld
Ramsdorf Stadt Ramsdorf und Kirchspiel Ramsdorf
Reken Groß Reken, Hülsten und Klein Reken
Rhede Altrhede, Büngern, Krechting, Krommert, Rhede und Vardingholt
Velen Nordvelen, Velen und Waldvelen
Werth Werth
Weseke Weseke

Die Stadt Bocholt schied 1923 aus dem Kreis Borken aus und wurde kreisfreie Stadt. Das Amt Dingden wurde 1934 aufgehoben. Zum 1. April 1937 wurden die Ämter Gemen und Weseke zum Amt Gemen-Weseke, die Ämter Liedern und Werth zum Amt Liedern-Werth sowie die Ämter Velen und Ramsdorf zum Amt Velen-Ramsdorf vereinigt. Zum 1. April 1938 wurden die Ämter Heiden und Reken zum Amt Heiden-Reken sowie die Ämter Marbeck und Raesfeld zum Amt Marbeck-Raesfeld vereinigt.[8]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das heutige Kreisgebiet Teil der Britischen Besatzungszone sowie 1946 Teil des neugebildeten Landes Nordrhein-Westfalen. Mitte der 1960er Jahre besaß der Kreis Borken die folgende Einteilung:

Amt Gemeinden
amtsfrei Anholt, Dingden und Borken
Gemen-Weseke Stadt Gemen, Kirchspiel Gemen und Weseke
Heiden-Reken Groß Reken, Heiden, Hülsten und Klein Reken
Liedern-Werth Barlo, Biemenhorst, Hemden, Herzebocholt, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork, Stenern, Suderwick und Werth
Marbeck-Raesfeld Grütlohn, Homer, Hoxfeld, Marbeck, Raesfeld, Rhedebrügge, Westenborken und Wirthe
Rhede Altrhede, Büngern, Krechting, Krommert, Rhede und Vardingholt
Velen-Ramsdorf Nordvelen, Stadt Ramsdorf, Kirchspiel Ramsdorf, Velen und Waldvelen

Im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975 wurden die bisherigen Kreise Ahaus und Borken, die kreisfreie Stadt Bocholt, die kreisangehörige Stadt Isselburg (vormals Kreis Rees) sowie die Gemeinden Erle (vormals Kreis Recklinghausen) und Gescher (vormals Kreis Coesfeld) zum heutigen Kreis Borken zusammengeschlossen. Die bis dahin zum Landkreis Borken gehörige Gemeinde Dingden wurde der neugebildeten Gemeinde Hamminkeln im Kreis Wesel angeschlossen.

Das Wappen des Kreises Borken zeigt drei Säulen. Das alte territorialgeschichtliche Wappen vom 10. Mai 1955 verlor durch die Kreisneugründung seine Funktion. Deshalb wurde 1975 ein Wettbewerb veranstaltet, dessen Resultat allerdings wenig Anklang fand. So wurde der Heraldiker Waldemar Mallek damit beauftragt, einen alten Entwurf von ihm zu überarbeiten. Das heutige Wappen, bestehend aus drei Säulen oder Mauerankern, symbolisiert die Altkreise Ahaus und Borken, sowie die ehemals kreisfreie Stadt Bocholt.

Politik[Bearbeiten]

Kreistag[Bearbeiten]

Im Kreistag von Borken sind seit den Wahlen von 2009 Vertreter von fünf Parteien und zwei Wählergruppen vertreten. Die CDU hat die Hälfte der Mandate inne.

Kreistag für den Kreis Borken: Wähleranteil und Mandate seit 1994
Wahlperiode
CDU
SPD
FDP
Bündnis 90/Die Grünen
Unabhängige Wählergemeinschaft Kreis Borken
Die Linke
Stadtpartei fl Tag
XII: 1994–1999 51,1 33 31,5 20 2,7 7,0 4 7,7 4 64
XIII: 1999–2004 59,1 35 25,1 15 2,9 2 4,9 3 8,0 5 60
XIV: 2004–2009 55,2 33 21,7 13 6,0 4
3
7,3 4 9,8 6 -
1
60
XV: 2009–2014 49,5 30 21,9 13 8,8 5 8,2 5 8,2 5 2,5 1 0,9 1 60
Quellen: Die Landeswahlleiterin, e.a.

Kultur[Bearbeiten]

Das Kreismuseum Borken befindet sich in Vreden und trägt den Namen Hamaland-Museum. Es ist das größte kulturgeschichtliche Museum im westlichen Münsterland. Die Dauerausstellung zeigt: Die Geschichte der Region, Kirchengeschichte, Natur und Handwerk, Kunsthandwerk und Hauswirtschaft. Das herausragende Ausstellungsstück ist die Sixtus-Kasel, ein sakrales Gewand aus dem 7. Jahrhundert. Die Kasel zählt zu den ältesten erhaltenen Textilien Deutschlands. Das Hamaland-Museum zeigt jährlich mindestens vier Sonderausstellungen und bietet ein umfangreiches museumspädagogisches Programm an. Von April bis Oktober kann auch eine aus zehn Gebäuden bestehende historische Hofanlage besichtigt werden, die sich im etwa 200 m entfernten Stadtpark von Vreden. befindet.

Im Jahre 2005 war der Kreis Borken Standort und Ausrichter der Skulptur Biennale Münsterland.

Verkehr[Bearbeiten]

Luftverkehr[Bearbeiten]

Die nächstgelegenen Verkehrsflughäfen sind Airport Weeze, Dortmund Airport, Flughafen Düsseldorf International und Münster-Osnabrück International Airport in Greven.

Privat- und Geschäftsflieger können den Flugplatz Stadtlohn-Vreden nutzen. Segelfliegern steht darüber hinaus der Flugplatz in Borken-Hoxfeld zur Verfügung.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Der Kreis Borken wird von fünf Eisenbahnstrecken erschlossen:

Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der DB Regio NRW GmbH und der NordWestBahn.

Straßen[Bearbeiten]

Der Kreis Borken wird von zwei Bundesautobahnen und sechs Bundesstraßen erschlossen:

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten]

Aufgrund der Änderung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung 2012 und einer Entscheidung des Kreistages 2012 können Fahrzeughalter im Kreis Borken seit dem 1. Februar 2013 unabhängig von ihrem Wohnort ein BOR-, AH- oder BOH-Kennzeichen auswählen.[9]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Websaal im Textilmuseum Bocholt

Großen Einfluss auf die Industrialisierung im heutigen Kreisgebiet hatte die Textilindustrie mit großen Spinnereien, Webereien und Nähereien. Das Textilmuseum in Bocholt erinnert hieran.

Heute prägen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe die Wirtschaft im ländlichen Westmünsterland. Ein großes Potenzial bietet die zentrale Lage zwischen dem niederländischen Achterhoek, dem westfälischen Münster und dem Ruhrgebiet. Dadurch haben verschiedene Logistikunternehmen den Standort für sich entdeckt. In den Städten Ahaus, Stadtlohn und Vreden haben die Grafische und Druckindustrie nennenswerte Bedeutung.

Auch internationale Firmen sind vor Ort anzutreffen. In Bocholt betreibt Gigaset Communications ein Werk zur Herstellung schnurloser Telefone und die Flender AG (heute Teil des Siemens-Konzerns) ist Weltmarktführer von Antriebstechnik. Im Bereich Möbelherstellung und Vertrieb ist die in Stadtlohn ansässige Firma Hülsta zu erwähnen.

Die größte zusammenhängende Industriefläche Nordrhein-Westfalens ist der Industriepark Bocholt mit mehr als 200 Betrieben und über 6.000 Beschäftigten.

Bildung[Bearbeiten]

In Bocholt befindet sich eine Abteilung der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen. In dem modernen Campusgebäude an der Münsterstraße sind folgende Studiengänge zu finden: Informationstechnik, International Management, Mechatronik, Wirtschaft sowie Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik. Ab dem Wintersemester 2010/11 wird zudem das Studienfach Bionik angeboten.

In Heek-Nienborg gibt es noch die Landesmusikakademie Nordrhein-Westfalen als landeszentrale Einrichtung für die musikalische Aus-, Fort- und Weiterbildung. Mit Kursen, Lehrgängen, Tagungen, Konzerten und Projekten wendet sie sich an Laienmusiker, Musikpädagogen aus allen Bereichen, Nachwuchsmusiker und Interessierte.

Medien[Bearbeiten]

  • Hörfunk: Für den Kreis Borken sendet Radio WMW (Westmünsterlandwelle) im Privatradioverbund von Radio NRW. Gesendet wird aus Borken.
  • Fernsehen: Der Regionalsender „wm.tv“ sendet Regionales aus den Kreisen Borken-Recklinghausen-Steinfurt-Coesfeld. Gesendet wird aus Bocholt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2. a b Kreis Borken (Hrsg.): Zahlen und Fakten 2006. Borken, 2005
  3. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013.
  4.  Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.): Westfalenlexikon 1832-1835. In: Nachdrucke zur westfälischen Archivpflege. 3, Münster 1978, S. 211 (Nachdruck des Originals von 1834).
  5. Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB)
  6. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Münster 1843. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  7. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Münster 1844. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  8.  Wolfgang Leesch: Verwaltung in Westfalen 1815–1945. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. 38, Aschendorff, Münster 1992, ISBN 3-402-06845-1.
  9. "Wiedereinführung der Alt-Kennzeichen AH und BOH", Kreis Borken

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kreis Borken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien