Geschichte Griechenlands

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Unter dem Stichwort Geschichte Griechenlands wird hier sowohl die Geschichte des Staatsgebietes des modernen griechischen Staates als auch die der Griechen und der von ihnen besiedelten und beherrschten Gebiete behandelt.

Gegen Ende der Frühen Bronzezeit (ca. 2200–2000 v. Chr.) wanderten auf die Balkanhalbinsel indogermanische Stämme ein, die sich mit den dortigen vorgriechischen, nicht-indogermanischen Einwohnern vermischten. Gleichzeitig erlebte auf Kreta die welthistorisch bedeutende minoische Kultur (ca. 3300–1100 v. Chr.) ihre erste Hochblüte (Altpalastzeit), die u. a. die beeindruckenden Palastbauten von Knossos und Phaistos schuf.

Auf dem Festland entwickelte sich um 1600 v. Chr. die mykenische Kultur, die erste Hochkultur des europäischen Festlands und die früheste Kultur, die Schriftzeugnisse in griechischer Sprache hinterließ. Wichtige Palastzentren der mykenischen Kultur waren u. a. Mykene, Theben, Tiryns und der sogenannte Palast des Nestor bei Pylos. Ca. 1450 v. Chr. eroberten die Festlandsgriechen das minoische Kreta und übernahmen auch die Macht auf den Kykladen, der Dodekanes und weiteren Ägäisinseln sowie über bisher minoisch geprägte Siedlungen an der kleinasiatischen Küste wie Milet. Die Mykener pflegten intensive Kontakte mit den Staaten des östlichen Mittelmeerraums, aber auch mit einigen Regionen im Westen, wie Unteritalien, Sardinien und dem nördliche Adriagebiet. Um bzw. kurz nach 1200 v. Chr. wurden viele mykenische Zentren zerstört. In einigen Landschaften wie Messenien wurden auch fast alle übrigen Siedlungen aufgegeben, was für eine dramatische Abnahme oder eine massive Abwanderung der Bevölkerung spricht. Die Ursachen der einschneidenden Ereignisse um 1200 v. Chr. sind bis heute umstritten, jedoch stehen sie wahrscheinlich in Zusammenhang mit vielen gleichzeitigen Zerstörungen und Umwälzungen in weiten Teilen des Mittelmeerraums, bei denen die sogenannten Seevölker eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen scheinen. Trotz der vielen Zerstörungen, vor allem auf dem griechischen Festland, blieb der Ägäisraum auch nach 1200 v. Chr. noch für ca. 150–200 Jahre kulturell weiterhin mykenisch geprägt.

Die Dorer wanderten von Nordwest-Griechenland auf den Peloponnes ein, später auch nach Kreta und Rhodos. Wann genau die Dorische Wanderung stattfand, ist umstritten, als sehr wahrscheinlich gilt jedoch, dass die Dorer zwischen dem 12. und 10. Jahrhundert v. Chr. massiv nach Süden vordrangen. Die Bewohner des Festlandes, die Hellenen, rüsteten ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. umfangreiche See- und Militärexpeditionen aus und erforschten das Mittelmeer bis an den Atlantik und das Schwarze Meer bis zum Kaukasus. Im ganzen Mittelmeerraum, in Kleinasien und an der nordafrikanischen Küste sowie rund um das Schwarze Meer wurden infolge der Reisen zur Erschließung neuer Märkte zahlreiche griechische Kolonien gegründet.

Während der klassischen Periode (5. Jahrhundert v. Chr.) bestand Griechenland aus Stadtstaaten. Der bedeutendste war Athen, gefolgt von Sparta und Theben. Der Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheitsliebe verhalf den Griechen zum Sieg über die Perser in den Perserkriegen. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. eroberten die Griechen, angeführt von Alexander dem Großen, mit dem Perserreich den größten Teil der damals bekannten Welt und versuchten, ihn zu hellenisieren. Infolge der sich anschließenden Kämpfe zwischen den griechischen Klein- und Mittelmächten untereinander sowie mit und gegen Makedonien kam es zum Eingreifen des Römischen Reiches gegen Philipp V. von Makedonien.

146 v. Chr. fiel Griechenland an das Römische Reich. Damit endete die politische Geschichte des unabhängigen Griechenland für fast zwei Jahrtausende. Doch lebte die griechische Kultur im Rahmen des Römischen Reiches fort und prägte seit dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert zunehmend auch die römische Zivilisation. 330 n. Chr. verlegte Kaiser Konstantin die Hauptstadt des römischen Reiches nach Konstantinopel und begründete damit das oströmische Reich, das später als Byzantinisches Reich bekannt wurde. Byzanz transformierte das Erbe des antiken Griechenland in einen Träger für die neue christliche Zivilisation. Das byzantinische Reich fiel 1453 an die Osmanen, und die Griechen blieben fast 400 Jahre lang unter der osmanischen Herrschaft. Während dieser Zeit bewahrten sie ihre Sprache, Religion und nationale Identität.

Am 25. März 1821 erhoben sich die Griechen gegen die Türken und erkämpften bis 1828 ihre Unabhängigkeit. Da der neue Staat nur einen Teil des Landes umfasste, ging der Kampf weiter. 1864 fielen die Ionischen Inseln an Griechenland, 1881 Teile von Epirus und Thessalien. Kreta, die Ostägäis und Makedonien kamen 1913 hinzu und Westthrakien 1919. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1947 auch die Dodekanes-Inseln an Griechenland übergeben.

Während des Zweiten Weltkrieges griff Italien 1940 Griechenland an. Die griechischen Streitkräfte konnten die Invasionstruppen aufhalten. Schließlich kam im April 1941 Deutschland Italien zu Hilfe (Balkanfeldzug), Italien und Deutschland besetzten Griechenland. Partisanen leisteten Widerstand gegen die Besatzer. Der Befreiung schloss sich ein vierjähriger Bürgerkrieg an, in den britische Truppen offen eingriffen mit dem Ziel, den westlichen Einfluss auf Griechenland zu sichern. Der Bürgerkrieg verursachte weitere Opfer und große Verwüstungen.

1967 putschte sich das Militär an die Macht; die griechische Militärdiktatur bestand bis 1974. Seit der Abschaffung der Monarchie im Jahr 1975 ist Griechenland eine parlamentarische Präsidialdemokratie. Griechenland wurde 1952 Mitglied der NATO und 1981 Mitglied der EWG.

Siedlungsraum[Bearbeiten]

Die südliche Balkan-Halbinsel ist geografisch stark durch schroffe Gebirge gegliedert. Hierdurch wurde die Entwicklung einer Vielzahl eigenständiger Kleinstaaten begünstigt. Verkehrsadern waren die meist nach Osten gerichteten Flussläufe.

Die Ägäis mit ihren Inselbrücken nach Kleinasien und Kreta begünstigte den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch nach Osten. Nach Westen hingegen ist das Land mit Ausnahme des Golfes von Korinth weit weniger geöffnet. Geringe Ausdehnung des zusammenhängend landwirtschaftlich nutzbaren Bodens, Verkarstung des Landes durch frühe Abholzung und Waldbrände, Dürreperioden und Erdbeben behinderten die wirtschaftliche Entfaltung.

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Minoische Kultur[Bearbeiten]

Hauptartikel: Minoische Kultur
Minoische Kultur

Erste Spuren minoischer Siedlungen der Bronzezeit auf Kreta reichen bis etwa 3600 v. Chr. zurück. Kreta lag im Schnittpunkt der Seeverbindungen zwischen Ägypten, Kleinasien und dem heutigen Griechenland. Hieraus mag sich die bevorzugte Besiedlung des Ost- und Mittelteils der Insel erklären. Unter orientalischem Einfluss entwickelte sich hier zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. eine eigene vorgriechische Hochkultur. Ihre Zentren waren die Paläste von Knossos, Phaistos und Malia.

Auf mindestens 50.000 Einwohner schätzt man die Bevölkerung von Knossos. Die ungeschützte Lage der Paläste lässt auf eine ungefährdete Königsherrschaft über ganz Kreta schließen. Eine bedeutende Flotte beherrschte das Meer und sicherte die Insel gegen Angriffe von außen. Die Darstellung von Volksfesten auf den Fresken der Palastwände und die unmittelbare Nähe der Stadt lassen eine politische Mitwirkung von Hofgesellschaft und freier Bevölkerung vermuten. Die hervorragende Rolle von Frauen auf den Gemälden in Verbindung mit der Bedeutung weiblicher Gottheiten dokumentiert eine privilegierte Stellung der Frau. Man schloss sogar auf eine matriarchale Ordnung.

Ausgedehnte Vorratsräume und Werkstätten weisen die Paläste auch als Zentren des Wirtschaftslebens und des Handwerks aus. Bilder über die Ablieferung von Abgaben, Tontafeln mit Aufzeichnungen einer geordneten Buchführung deuten auf eine organisierte Verwaltung. Der Export von Gegenständen des hoch entwickelten kretischen Kunstgewerbes nach Vorderasien, Ägypten, den Inseln der Ägäis, Zypern und Funde babylonischer Waren in den kretischen Palästen bezeugen einen weiträumigen Handelsverkehr.

Die minoische Kultur hatte großen Einfluss auf die Ägäis und Südwest-Kleinasien, bis sie von der mykenischen abgelöst wurde. Für den Untergang der minoischen Kultur galt lange Zeit der Ausbruch des Santorin-Vulkans als mitverantwortlich, dessen Datierung zwischen 1628 und 1520 v. Chr. jedoch umstritten bleibt (siehe Minoische Eruption). Nach der Zerstörung der Paläste um 1450 v. Chr. wurden die mykenische Kultur und Sprache auf Kreta vorherrschend.

Zeitgleich bestand auf den Inseln der südlichen Ägäis die Kykladenkultur und auf dem Festland die Helladische Kultur. Beide bestanden über das Ende der Minoer hinaus und gingen in der späten Bronzezeit in der mykenischen Kultur des Festlands auf.

Mykenische Kultur[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mykenische Kultur
Kulturkreise im 13. Jahrhundert v. Chr.

Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. waren die indoeuropäischen Stämme der Achäer und Ionier auf die südliche Balkanhalbinsel eingewandert [Quellen?]. Dort passten sie sich der bäuerlichen Kultur der ansässigen Bevölkerung an. Nach anderer Auffassung [Quellen?] waren schon vorher protogriechische Stämme, wahrscheinlich Thraker, eingewandert, wofür Indizien in der griechischen Mythologie und in der Namenforschung sprechen.

Löwentor von Mykene

Zu Beginn des Späthelladikums bildete sich unter kretischem Einfluss die erste Hochkultur auf dem Boden des griechischen Mutterlandes heraus, die nach einem ihrer Zentren, Mykene in der Argolis, die mykenische Kultur genannt wird.

Stadtstaaten entstanden um die hochgelegenen Burganlagen aus mächtigen Steinmauern. Diese stehen im schroffen Gegensatz zu den unbefestigten kretischen Palästen, aber auch der umliegenden einheimischen Kultur. Darin einbezogen waren Häuser für Beamte, Gefolge und Leibwache. Unterhalb lag die offene Siedlung der bäuerlichen Bevölkerung. Den Zug zum Monumentalen unterstreichen Bauwerke wie das Schatzhaus des Atreus oder das Löwentor von Mykene. Der König war Stammesführer, der im Einvernehmen mit Rat und Heeresversammlung regierte.

Tontafelarchive in der griechischen Silbenschrift Linear B dokumentieren eine geordnete Verwaltung. Ackerbau und Viehzucht bildeten die Grundlage der Wirtschaft. Daneben existierte ein spezialisiertes Gewerbe. Handel zu Lande wurde durch angelegte Straßen unterstützt. Fernhandelsbeziehungen bestanden vor allem zu den vorderasiatischen Ländern und Ägypten. Damit verbunden waren Raubzüge, deren Erfolge an den Schätzen in den repräsentativen Kuppelgräbern abzulesen sind.

Dorische Wanderung und ionische Kolonisation[Bearbeiten]

Hauptartikel: Dorische Wanderung
Hauptartikel: Griechische Kolonisation

Um 1200 v. Chr. ging, vermutlich von den sog. Seevölkern, eine Welle von Zerstörungen im gesamten östlichen Mittelmeerraum aus. Sie bedrohten Ägypten, das Hethiterreich in Kleinasien brach zusammen, Zypern und Ugarit sowie eine Reihe von Zentren im syrisch-palästinensischen Raum gerieten in die Hände von Feinden bzw. wurden zerstört.

Die mykenischen Staaten verloren dadurch wichtige Handelspartner, was vermutlich die Palastwirtschaft zusammenbrechen ließ. Die meisten bisher bekannten Zentren der mykenischen Kultur auf dem griechischen Festland wurden teils durch Erdbeben, teils durch kriegerische Einwirkungen oder Revolten zerstört. Die Organisation der Palastwirtschaft verschwand. Vermutlich ging die Schriftlichkeit verloren und viele Siedlungen wurden aufgegeben. Andere wurden hingegen weiterbesiedelt und die mykenische Kultur hielt sich noch etwa 150 Jahre.

Möglicherweise begann gegen Ende der Spätmykenischen Zeit (ca. 1050 v. Chr.) die dorische Wanderung. Der neue Volksstamm der Dorer gewann in einem längeren Prozess die Vorherrschaft in der Peloponnes. Gleichzeitig rückten die sogenannten Griechen in die Landschaften Epirus, Akarnanien und Ätolien ein. Die Aioler waren künftig vorwiegend auf Thessalien und Böotien, die Ionier auf Attika und Euböa beschränkt.

An der Kolonisation der kleinasiatischen Westküste beteiligten sich Angehörige aller griechischen Stämme. Ohne auf nennenswerten Widerstand der Einheimischen zu stoßen, gründeten sie bedeutende griechische Städte wie Milet, Ephesos, Smyrna, die zum Teil ältere anatolische Vorläufer hatten. Durch späteren Zuzug aus der Heimat verstärkten die Ionier ihren Anteil, so dass sie in Westkleinasien die Vorherrschaft erlangten.

„Dunkle Jahrhunderte“[Bearbeiten]

Die Zeiten zwischen 1200 v. Chr. und ca. 750 v. Chr. sind mangels Schriftquellen oder archäologischer Funde wenig bis gar nicht erforscht und werden auch als „Dunkle Jahrhunderte“ bezeichnet. Es ist die Zeit zwischen dem Ende der mykenischen Kultur und dem Aufschwung in der archaischen Zeit etwa ab 750 v. Chr.

Antike[Bearbeiten]

Hauptartikel: Antikes Griechenland
Griechische und phönizische Kolonisation

Überblick[Bearbeiten]

In der Zeit des antiken Griechenlands entfaltete sich die griechische Kultur in einer Weise, die für weite Teile des vorderen Orients und ganz Europa bis heute prägenden Einfluss hatte. Sie ist gegliedert in drei Hauptabschnitte:

  • Archaische Zeit (ca. 750–500 v. Chr.), geprägt durch das Entstehen griechischer Poleis am Schwarzen Meer und in weiten Teilen des Mittelmeerraums
  • Griechische Klassik (500–336 v. Chr.), geprägt durch Auseinandersetzungen mit den Persern, später durch Kämpfe der beiden stärksten Mächte Athen und Sparta um die Vorherrschaft
  • Hellenismus (336–146 v. Chr), die Zeit, als sich die griechische Kultur nach den Eroberungen Alexanders des Großen im gesamten Mittelmeerraum und bis weit darüber hinaus ausbreitete

Archaische Zeit[Bearbeiten]

In der archaischen Zeit (ca. 700–500 v. Chr.) kam es zur großen Kolonisation des Mittelmeerraums. Gründe waren neben Überbevölkerung und Sicherung von Handelswegen auch innere Kämpfe in Griechenland. Im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. erlebte die Regierungsform der Tyrannis eine Blüte, so z. B. in Korinth, wo die Kypseliden um 660 v. Chr. an die Macht kamen. Um 550 v. Chr. gründete Sparta den Peloponnesischen Bund und zementierte damit seinen Herrschaftsanspruch.

Griechische Klassik[Bearbeiten]

Peloponnesischer Krieg
Griechenland zur Zeit der Hegemonie Thebens,
371–362 v. Chr.

Der Ionische Aufstand (ca. 500–494 v. Chr.) führte dann zum Konflikt Griechenlands mit dem persischen Großkönig Dareios I., der zeitlich den Beginn der griechischen Klassik markiert. Athen siegte zunächst bei Marathon 490 v. Chr. und nutzte die Zeit für eine massive Aufrüstung. Zehn Jahre später kam es zu einem erneuten Feldzug unter Dareios’ Sohn Xerxes I. Nach der Abwehrschlacht an den Thermopylen kam es bei Salamis zur Entscheidungsschlacht. Die Griechen vernichteten die zahlenmäßig überlegene persische Flotte (480 v. Chr.), ein Jahr später auch das persische Landheer in der Schlacht von Plataiai. Athen gründete 478/477 v. Chr. den Attischen Seebund. Auf den Grundlagen der Reformen Solons und des Kleisthenes von Athen sowie der Seeherrschaft Athens in der Ägäis entwickelte sich Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. die Attische Demokratie mit Perikles als leitendem Staatsmann.

Der Peloponnesische Krieg zwischen Sparta und Athen um die Vorherrschaft in Griechenland endete nach wechselvollem Verlauf mit der Niederlage Athens 404 v. Chr. Sparta konnte aber seine Hegemonie in Griechenland nicht aufrechterhalten und unterlag 371 v. Chr. in der Schlacht von Leuktra vernichtend; es folgte die kurze Zeit der Hegemonie Thebens 371–362 v. Chr. Philipp II. von Makedonien machte ab 359 v. Chr. in langjährigen Kämpfen sein Land zur führenden Militärmacht in Griechenland. Er wurde 336 ermordet.

Hellenismus[Bearbeiten]

Philipps Sohn Alexander setzte dessen ehrgeizige Pläne in die Tat um, besiegte die persischen Armeen und stieß bis nach Indien vor. Es begann das Zeitalter des Hellenismus, in dem die griechischen Städte gegenüber den hellenistischen Großreichen, die sich nach Alexanders Tod 323 v. Chr. bildeten, politisch nur noch eine untergeordnete Rolle spielten. Die griechische Kultur verbreitete sich jedoch bis nach Indien, zumal die Diadochen, die Könige der Nachfolgereiche des Alexanderreiches, sie förderten. Unter den Antigoniden blieb Makedonien die Vormacht im griechischen Mutterland, auch wenn die meisten Poleis nominell weiterhin unabhängig blieben. Die Griechen in Kleinasien lebten im Machtbereich der Ptolemäer, Attaliden und Seleukiden. Besonders die letztgenannten gründeten auch viele neue Poleis in ihrem vorderasiatischen Herrschaftsraum.

Um unter diesen Umständen doch noch außenpolitisch handlungsfähig zu bleiben, schlossen sich viele griechische Poleis zu Bundesstaaten (koina) zusammen. In der Folge der Kämpfe zwischen diesen griechischen Klein- und Mittelmächten untereinander und gegen Makedonien kam es schließlich zum Eingreifen des Römischen Reiches gegen Philipp V. von Makedonien. Im Zweiten Makedonisch-Römischen Krieg (200–197 v. Chr.) wurde Makedonien besiegt, und kurz darauf unterbanden die Römer auch den Versuch des Seleukidenkönigs Antiochos III., die Nachfolge Philipps als Vormacht über Hellas anzutreten. In der Schlacht von Pydna 168 unterlag Makedonien dann endgültig und wurde römische Provinz. 146 v. Chr. erfolgte die Eingliederung der restlichen Teile Griechenlands in das Römische Reich (Provinz Achaea). 133 v. Chr. fiel auch Westkleinasien an Rom (Provinz Asia), 64 v. Chr. machten die Römer den Rest des Seleukidenreiches zur Provinz Syria, und 30 v. Chr. wurde schließlich auch die letzte größere hellenistische Macht, das Ägypten der Ptolemäer, von Rom annektiert. Jedoch konnte sich das hellenistische Staatswesen zu einem kleinen Teil in Gestalt des Griechisch-Baktrischen Königreiches beziehungsweise Indo-Griechischen Königreiches bis kurz vor die Zeitenwende halten. Die unabhängige politische Geschichte des antiken Griechenlands war damit beendet. Fortan lebten fast alle Griechen unter römischer Herrschaft.

Römische Herrschaft[Bearbeiten]

Die griechische Kultur lebte im Römischen Reich fort und prägte zunehmend auch die römische Zivilisation. Bis in die Spätantike war es für die Eliten Roms fast selbstverständlich, neben Latein auch Griechisch zu beherrschen, und die klassische griechische Bildung (paideia) blieb zumindest in der östlichen Reichshälfte auch nach dem Sieg des Christentums noch lange lebendig.

Politisch wurde im Jahr 27 v. Chr. die ganz Griechenland umfassende Provinz Macedonia aufgeteilt, die senatorische Provinz Achaea (griech. Achaia) mit der Hauptstadt Korinth entstand. 15 n. Chr. wurde Achaea unter Kaiser Tiberius zur kaiserlichen Provinz, bis Kaiser Claudius sie im Jahr 44 wieder unter senatorische Kontrolle stellte. Unter Kaiser Vespasian wurde schließlich zudem die kaiserliche Provinz Epirus eingerichtet, die die antike Landschaft Epeiros und das südlich angrenzende Akarnanien umfasste. Vespasian war es auch, der den Erlass Neros, der Hellas die Freiheit geschenkt hatte, wieder zurücknahm.

Der hellenophile Kaiser Hadrian versuchte bei einer Griechenlandreise 125, eine Art Provinzparlament zu gründen, um alle halbautonomen früheren Stadtstaaten in Griechenland und Kleinasien zu vereinen. Dieses „Panhellenion“ genannte Parlament funktionierte allerdings trotz seiner Versuche, die Griechen zur Zusammenarbeit zu bewegen, nicht. Dafür gelang es immer mehr griechischen Aristokraten, in die römische Reichselite aufzusteigen und zum Senator zu werden.

Seit 251 n. Chr. gab es wiederholt Einfälle der Goten im benachbarten Thrakien und in Mösien. 267 wurden mehrere Inseln und Städte wie Korinth, Sparta, Argos, Tegea und selbst Athen durch die germanischen Heruler erobert und verwüstet. Im Jahre 280 v. Chr. marschierte im Rahmen der keltischen Südwanderung eine Armee von etwa 85.000 keltischen Kriegern nach Makedonien und Zentralgriechenland.[1] Ein keltischer Angriff auf das Heiligtum von Delphi konnte verhindert werden. In Thrakien gründeten einige verbliebene Kelten um die Stadt Tylis ein eigenes Reich. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts zerstörten die Goten unter ihrem Anführer Alarich I. weite Bereiche des gesamten Heiligtums von Epidauros. Kaiser Aurelian sicherte die Balkanhalbinsel und Griechenland dadurch, dass er 274 das jenseits der Donau gelegene Dakien den Barbaren als tributpflichtigen Untertanen überließ. Es folgte ein Jahrhundert relativer Ruhe, in denen das antike Hellas eine Nachblüte erlebte.

Europa und Südwest-Asien im 6. Jahrhundert

Bei der Spaltung des Römischen Reiches im Jahr 395 n. Chr. wurde Griechenland dem Oströmischen bzw. Byzantinischen Reich zugeteilt und gehörte fortan zur Diözese Macedonia. Unter Kaiser Justinian (527 bis 565) oder einem seiner Nachfolger wurde das Prokonsulat von Achaia aufgehoben und in vier Strategien (Kommandobereiche) eingeteilt: Hellas, Peloponnes, Nikopolis und die Inseln des Ägäischen Meers. Seit etwa 580 n. Chr. drangen dann slawische Völker in die oströmischen Balkanprovinzen ein und siedelten sich dort schließlich an; diese Vorgänge markierten für Griechenland das Ende der Antike.

Mittelalter[Bearbeiten]

Byzantinisches Reich und slawische Landnahme[Bearbeiten]

Um 630 wurde Griechisch alleinige Amtssprache des Byzantinischen Reiches, das nach der arabischen und slawischen Expansion von einem das Mittelmeer umspannenden Weltreich zu einem im östlichen Mittelmeerraum gelegenen griechisch dominierten Großreich schrumpfte. Obwohl der Schwerpunkt dieses Reiches um die Hauptstadt Konstantinopel am Bosporus und damit außerhalb der heutigen griechischen Grenzen lag, befand sich mit Thessaloniki die zweitwichtigste Stadt des mittel- und spätbyzantinischen Reiches innerhalb der heutigen griechischen Grenzen.

Um 650 n. Chr. wurden große Teile Griechenlands bis zum Peloponnes von eingedrungenen slawischen Stämmen beherrscht und konnten erst in der Folgezeit wieder für das Byzantinische Reich gewonnen werden. Namentlich im Binnenland blieben neben den verbliebenen altgriechischen oder den jüngeren „rhomäischen“ (römischen, d. h. byzantinischen) Stadtgemeinden an der Küste auch diverse slawische Gemeinwesen bestehen. Versuche der Araber im 9. Jahrhundert, sich in Griechenland festzusetzen, scheiterten.

Im 10. Jahrhundert drangen die Bulgaren in Griechenland ein und eroberten 933 Nikopolis. 978 fielen sie verwüstend in Thessalien ein und plünderten Larissa. Nach erfolgreichen Kämpfen mit dem Kaiser Basileios I. (987–989) erschienen die Bulgaren 995 zum zweitenmal in Thessalien und durchzogen dann auch Böotien, Attika und einen Teil des Peloponnes. Beim Rückzug erlitten sie jedoch eine entscheidende Niederlage.

Gegen Ende des 11. Jahrhunderts begannen die sizilianischen Normannen, Griechenland und das Byzantinische Reich zu bedrohen. Unter Robert Guiskard eroberten sie 1081 Durazzo (Dyrrhachium) und Korkyra, 1083 aber wurden sie unter ihm und etwas später unter der Führung seines Sohns Bohemund durch das Heer Alexios’ I. besiegt. Zur selben Zeit wurde Thrakien von den Petschenegen überfallen.

Zeit der Kreuzzüge[Bearbeiten]

Im Jahr 1147 zogen die Ritter des Zweiten Kreuzzuges durch byzantinisches Gebiet, während andererseits Roger II. von Sizilien Korfu eroberte und sowohl Theben als auch Korinth plünderte. Einige Jahrzehnte später, 1197, knüpfte der deutsche König Heinrich VI. an die von seinem Vater Friedrich I. ausgehenden Feindseligkeiten gegenüber dem Byzantinischen Reich an und drohte, in Griechenland einzufallen, um seine Ansprüche auf das kurzzeitig von den Normannen besetzte Gebiet zurückzugewinnen. Dieser Gefahr entledigte sich Alexios III. durch Zahlungen. Die unter anderem zu diesem Zweck von ihm erhobenen Steuern riefen zahlreiche Erhebungen seiner Untertanen hervor, darunter Aufstände in Griechenland einschließlich der Peloponnes. Dessen ungeachtet war das Griechenland des 11. und 12. Jahrhunderts friedlicher und wohlhabender als der andere Hauptteil des Reiches, Anatolien, in dem gegen die Seldschuken gekämpft wurde. Thessaloniki hatte trotz der Plünderung durch die Normannen im Jahr 1185 vermutlich etwa 150.000 Einwohner. Auch Theben war in jener Zeit eine bedeutende Stadt mit ungefähr 30.000 Einwohnern. Athen und Korinth hatten vermutlich immer noch etwa 10.000 Einwohner. Die Städte des griechischen Festlandes führten weiterhin Getreide in die Hauptstadt Konstantinopel aus und trugen so zur Kompensation des durch die Seldschuken verursachten Landverlustes bei.

Wappen des Lateinischen Kaiserreiches
Griechenland und Ägäis nach der Aufteilung durch die Kreuzfahrer des Vierten Kreuzzuges

Als im Jahr 1204 das Heer des Vierten Kreuzzuges Konstantinopel eroberte, teilten die Kreuzfahrer Griechenland unter sich auf. Konstantinopel und Thrakien wurden zum Kern des sogenannten Lateinischen Kaiserreiches, während das eigentliche Griechenland in das Königreich Thessaloniki, das Fürstentum Achäa (Achaea) und das Herzogtum Athen gegliedert wurde.

Die Ägäischen Inseln wurden zu einem Herzogtum unter venezianischer Oberhoheit. Zu diesen Staaten kam als einer der drei unmittelbar dem Byzantinischen Reich nachfolgenden Staaten das Despotat Epirus.

Wappen des Byzantinischen Reichs unter der Kaiserdynastie der Palaiologen
Griechenland und Ägäis im Jahr 1265

Im Jahr 1261 wurde das Byzantinische Reich durch Michael VIII. Palaiologos durch die Wiedergewinnung Konstantinopels wiederhergestellt. Als er 1282 starb, hatte Michael VIII. die Ägäischen Inseln, Thessalien, Epirus und den größten Teil Achaias zurückerobert. Zu Letzterem gehörte auch die Kreuzfahrer-Festung Mystras, welche zum Sitz eines byzantinischen Despotats wurde.

Demgegenüber blieben Athen und die nördliche Peloponnes in der Hand der Kreuzfahrer. Deren Führer Karl von Anjou und sein ihm nachfolgender Sohn erhoben Anspruch auf den Thron des erloschenen Lateinischen Kaiserreiches und bedrohten Epirus und den Rest Griechenlands, waren damit aber nicht erfolgreich. Das Herzogtum Athen war bis 1308 im Besitz der Familie Delaroche und kam dann durch die Heirat Isabellas, der Tochter des letzten Herzogs aus dieser Familie, mit Hugo Graf von Brienne, an Walter V. von Brienne (1308–1311), den Sohn aus dieser Ehe. Sein Nachfolger Walter II. erlag 1311 im Kampf gegen katalanische Söldner, die einen ihrer Führer, Roger Deslaur, zum Herzog einsetzten. Als sich nach dessen Tod 1312 viele Prätendenten erhoben, traten die Grafen von Brienne das Herzogtum an die Könige von Sizilien ab, die es 1386 an den aus einer Florentiner Patrizierfamilie stammenden Nerio Acciaiuoli abtreten mussten, der auch Korinth beherrschte. Bei seinem Tod 1394 übergab Nerio I. das von den Osmanen hart bedrängte Athen den Venezianern, denen es aber sein illegitimer Sohn Antonio bereits 1402 wieder abnahm. Als dieser ohne männliche Nachkommen starb, bemächtigte sich sein Neffe Nerio II. (1435–1453) der Herrschaft über Athen, während Theben und die böotischen Besitzungen des Hauses Acciaiuoli 1435 von den Osmanen besetzt wurden.

Neuzeit[Bearbeiten]

Osmanische Herrschaft[Bearbeiten]

Eroberung Konstantinopels 1453

Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen gehörte der größte Teil des griechischen Sprachraums vierhundert Jahre lang zum Osmanischen Reich.

Im Herzogtum Athen herrschte Nerios Neffe Franco noch als Vasall des Sultans, gab diesem aber durch die Ermordung der Witwe seines Vorgängers Chiara Giorgio einen Vorwand, gegen ihn vorzugehen. Ein türkisches Heer erschien unter Omer Pascha vor Athen und zwang den Herzog zur Kapitulation, worauf das Herzogtum 1456 mit dem Osmanischen Reich vereinigt wurde. 1467 nahmen zwar die Venezianer unter Victor Capello Athen durch einen Überraschungsangriff ein, verloren es aber nach kurzer Zeit wieder an die Osmanen. Im von den Osmanen beherrschten Mittelgriechenland expandierte Mitte des 16. Jahrhunderts die Wirtschaft und die Bevölkerung wuchs, wie osmanische Archivalia bezeugen, sodass, wenn schon nicht von einer „goldenen“, so doch wenigstens von einer „silbernen“ Epoche gesprochen werden kann.[2]

Der Besitz von Morea (des Peloponnes) und einiger griechischer Inseln wechselte hingegen mehrfach zwischen der Republik Venedig und dem Osmanischen Reich. Die meisten Besitzungen im Archipel, namentlich 1470 das wichtige Negroponte (Euböa), gingen für die Venezianer verloren, die im Frieden von Konstantinopel von ihren griechischen Erwerbungen nur wenige Plätze auf Morea behielten. Doch trat ihnen der Sultan noch 1480 die dem Despoten von Arta abgenommenen Inseln Zante und Kephalonia gegen einen jährlichen Tribut ab. Ein zweiter Krieg (1499–1503) entriss den Venezianern auch Lepanto, Koroni, Navarino und Ägina, die sie 1503 im Frieden mit Bayezid II. gegen Handelsbegünstigungen abtraten. Die Insel Rhodos wurde 1522 nach einer Belagerung den Johannitern, der Rest von Morea 1540 und Zypern 1571 den Venezianern entrissen, denen ein 1573 abgeschlossener Friede nur noch einige Festungen an der albanischen Küste, Kreta und die Ionischen Inseln ließ.

Nach einem erneuten Krieg war von 1686 an erstmals die gesamte Morea eine venezianische Provinz (siehe auch Türkenkriege). Die Türken eroberten Morea aber bis 1715 wieder zurück und erhielten es 1718 im Frieden von Passarowitz auch förmlich abgetreten. Griechenland wurde in Paschaliks geteilt und dem Rumeli-Valessi (dem Großrichter von Rumelien) untergeordnet. Die 31 Inseln des Ägäischen Meers wurden dem Kapudan Pascha und anderen türkischen Beamten zur Verwaltung überlassen. Die auch als Phanarioten bezeichnete griechische Oberschicht galt im Osmanischen Reich bis zum griechischen Unabhängigkeitskrieg als besonders loyal und hatte wichtige Posten in Armee und Regierung inne.

Eine russische See-Expedition zur Eroberung Griechenlands unter Fjodor Grigorjewitsch Orlow landete am 28. Februar 1770 bei Mesolongion (damals Missolunghi) und auf den griechischen Inseln. Von den Osmanen angeworbene albanische Verbände eroberten jedoch Missolunghi zurück und schlugen die Russen in Morea. In Navarino musste sich Fjodor Orlow mit dem Überrest seiner Landungstruppen in größter Eile einschiffen. Trotz der Vernichtung der türkischen Flotte durch Alexei Grigorjewitsch Orlow bei Çeşme am 2. Juli 1770 musste Russland im Frieden von Kütschük Kainardschi 1774 auf Griechenland verzichten. Die albanischen Verbände, die sich selbst als die Herren des eroberten Landes ansahen und es verwüsteten, wurden durch Hassan Pascha am 10. Juni 1779 bei Tripolizza fast gänzlich aufgerieben.

Der Machtzerfall des Osmanischen Reiches, der Einfluss der Französischen Revolution und die Entstehung einer neuen Bildungsschicht von Kaufleuten und Fernhändlern führten gegen Ende des 18. Jahrhunderts zur Bildung einer Nationalbewegung in Griechenland, die auch Unterstützung in politischen Kreisen West- und Mitteleuropas fand. Der Dichter Rigas Velestinlis aus Thessalien (als Gründer einer politischen Hetärie) war einer der Wegbereiter der griechischen Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Er wurde am 24. Juni 1798 hingerichtet. Im Jahr 1814 entstand in Odessa eine neue politische Hetärie der Philiker (Φιλική Εταιρεία, Philiki Etaireia), deren Ziel die Unabhängigkeit Griechenlands war und die den Freiheitskampf vorbereitete.

Entstehung der Nation[Bearbeiten]

Griechische Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Wappen Griechenlands nach 1975
Siegel der Provisorischen Regierung
Nationales Emblem (Phönix) um 1830

Am 25. März 1821 begann die Griechische Revolution gegen das Osmanische Reich. Die vom russischen General Fürst Alexander Ypsilantis geführte Erhebung in den Donaufürstentümern endete in einer militärischen Katastrophe. Dagegen waren die Aufständischen in Morea erfolgreich, auch zahlreiche griechische Inseln waren bald in ihrem Besitz. Am 7. April 1821 wurde Athen eingenommen.

Am 15. Dezember 1821 trat eine aus 67 Mitgliedern bestehende Nationalversammlung in Epidauros zusammen; sie verabschiedete im Januar 1822 eine provisorische Verfassung,[3] proklamierte die Unabhängigkeit und setzte eine Regierung ein. Politische Kämpfe führten im März 1823 zum Zusammentreten einer neuen Nationalversammlung in Astros, die die Verfassung modifizierte.

Es folgten wechselhafte Kämpfe, in denen die Griechen von aus Europa herbeigeeilten Philhellenen unterstützt wurden. Am 5. Februar 1825 griff Ibrahim Pascha mit der ägyptischen Flotte auf türkischer Seite in den Konflikt ein und errang auch an Land einige militärische Erfolge. England, Frankreich und Russland intervenierten, der am 6. Juli 1827 geschlossene Vertrag zu London forderte vom Osmanischen Reich die Unabhängigkeit Griechenlands. Der Sieg der vereinigten Flotten Englands, Frankreichs und Russlands in der Schlacht von Navarino am 20. Oktober 1827 war das entscheidende Ereignis, mit dem Griechenland seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangte.

Eine dritte Nationalversammlung war 1826 wieder in Epidauros zusammengekommen, eine vierte aufgrund politischer Differenzen zunächst getrennt in Ägina und Kastri (heute Ermioni), bevor sie sich Anfang April 1827 in Trizina (damals noch Damalas) vereinigte. Die Nationalversammlung in Trizina verabschiedete auf der Grundlage der Verfassung von Epidauros eine endgültige Verfassung für Griechenland[4] und wählte Ioannis Kapodistrias zum Regenten (κυβερνητής) und damit zum ersten Staatsoberhaupt des befreiten Griechenland. Faktisch regierte Kapodistrias weitgehend an der Verfassung vorbei; seine diktatorische Regentschaft wurde von der im Juli 1829 zusammengetretenen weiteren Nationalversammlung in Argos durch Modifikation der Verfassung bestätigt.

Die Unabhängigkeit Griechenlands wurde vor allem durch Großbritannien garantiert. Den Interessen Großbritanniens stand die russlandfreundliche Politik Kapodistrias’ teilweise entgegen. Problematisch für die eher republikanisch gesinnten Griechen war, dass die Großmächte Griechenland nur als Monarchie anerkennen wollten. Die Auseinandersetzungen führten dazu, dass der zunächst als König von Griechenland auserkorene Prinz Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha auf die Krone verzichtete.

Am 9. Oktober 1831 wurde Kapodistrias durch die Familie Mavromichalis ermordet.

König Otto I. von Griechenland
Wappen Griechenlands unter König Otto I.

Die seit September 1831 in Argos tagende neue Nationalversammlung wählte am 17. März 1832 den Prinzen Otto von Bayern, den zweitgeborenen Sohn König Ludwigs I. von Bayern, als König Otto I. (griechisch Όθων) zum König von Griechenland von Gottes Gnaden. Griechenland war Monarchie und sollte es bis 1974 bleiben.

Der erst 17 Jahre alte König traf im Februar 1833 in Nafplio ein, der Hauptstadt des neuen Staates. 1834 wurde die Hauptstadt nach Athen verlegt. Für den minderjährigen König regierte bis zu dessen 20. Geburtstag ein Regentschaftsrat. Danach übernahm Otto selbst die Regierungsgeschäfte, die er nach Art eines absoluten Monarchen ausübte, bis ihm 1843 eine Rebellion von Militär und Volk eine Verfassung abnötigte. 1862 wurde Otto durch einen unblutigen Aufstand gestürzt. Im darauffolgenden Jahr wurde Georg I. aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg zum König gewählt. 1864 wurde eine neue Verfassung verabschiedet,[5] und Großbritannien trat die Ionischen Inseln an Griechenland ab.

„Megali Idea“ und Vergrößerung des Staatsgebiets[Bearbeiten]

Hauptartikel: Megali Idea
Territorialgewinne und -verluste 1823–1947

Der neugegründete Staat umfasste nur einen kleinen Teil des heutigen Staatsgebiets und nur ein Drittel der griechischen Bevölkerung des Osmanischen Reiches. Die Anhänger der „Megali Idea“ (griechisch Μεγάλη Ιδέα, „große Idee“) strebten die Vereinigung aller Teile der mehrheitlich griechisch bewohnten Gebiete an und sahen somit einen großen Teil der Balkanhalbinsel, Thessaloniki, Thrakien, Konstantinopel, Kreta, Rhodos, Zypern und die Ägäischen Inseln als zu befreiende Gebiete an. Die Großgriechische Idee war vom späten 19. bis in das frühe 20. Jahrhundert Grundlage der griechischen Außenpolitik. 1864 trat die Republik der Ionischen Inseln Griechenland bei. 1881 wurde Thessalien an Griechenland angeschlossen, später der südliche Teil Makedoniens und Kreta. Die ehemals osmanischen Gebiete erwiesen sich als sehr rückständig, sodass nach den Rüstungsausgaben des Kriegs hohe Investitionen in die Infrastruktur getätigt werden mussten. Etwa nachdem man Thessalien 1881 angegliedert hatte, wurden bis 1884 die 142 km Thessalische Eisenbahnen gebaut. Der griechische Staat konnte nach einen Preisverfall seiner Exportprodukte aufgrund einer protektionistischen Politik der Importländer nicht mehr seine Kredite bedienen, sodass es 1893 zum Staatsbankrott kam. Der Aufstand der Kreter gegen die osmanischen Besatzer 1896 zwang Griechenland erneut in den Krieg, nach einer Niederlage im Türkisch-Griechische Krieg 1896/1897 musste die Insel freigekauft werden.

Wichtigster Unterstützer der „Großen Idee“ war Premierminister Eleftherios Venizelos, der in den Balkankriegen von 1912–1913 das griechische Territorium tatsächlich auszudehnen vermochte. Ziel war es, weiterhin alle Gebiete mit mehrheitlich griechischer Bevölkerung Griechenland anzugliedern.

Nachdem sich Premierminister Eleftherios Venizelos gegen den deutschfreundlichen Konstantin I. durchgesetzt und diesen ins Exil gezwungen hatte, trat Griechenland 1917 in den Krieg gegen die Mittelmächte und deren Verbündete Bulgarien und das Osmanische Reich ein. Nach dem Sieg der Entente im Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Sèvres schien die Verwirklichung der „Großen Idee“ ein großes Stück näher gerückt zu sein: Der nördliche Teil von Epirus, die Inseln Imbros und Tenedos sowie Westthrakien (einschließlich Adrianopel, heute Edirne) und die damals mehrheitlich griechischsprachigen Regionen des westlichen Kleinasien – aber nicht Konstantinopel – wurden Griechenland zugesprochen.

Kleinasiatische Katastrophe[Bearbeiten]

1919 versuchte man mit Billigung der Siegermächte (Völkerbundsmandat) die türkische Niederlage zu nutzen, um auch Ostthrakien und das damals von Griechen bewohnte Gebiet von Smyrna (heute İzmir) unter griechische Kontrolle zu bringen. Es wurde eine griechische Armee nach Kleinasien entsandt, um das Gebiet von Smyrna zu befrieden. Diese unternahm eine Expedition ins Landesinnere und wurde kurz vor Ankara vernichtend geschlagen. So endete 1922 der Griechisch-Türkische Krieg mit einer verheerenden griechischen Niederlage in der „kleinasiatischen Katastrophe“. Im Vertrag von Lausanne 1923 wurde ein radikaler Bevölkerungsaustausch vereinbart. Ferner wurde festgelegt, dass – abweichend vom Vertrag von Sèvres – Imbros und Tenedos zukünftig ebenso der Türkei angehören sollten wie die Gegend um İzmir (griech. Smyrna) in Kleinasien sowie Ostthrakien; Nordepirus fiel zurück an Albanien.

Im Zuge der einvernehmlichen gewaltsamen Vertreibung der jeweiligen nationalen Minderheiten in Griechenland und in der Türkei verschwand 1923 das seit fast drei Jahrtausenden dort ansässige Griechentum fast vollständig aus Kleinasien. 1,1 Millionen als Griechen geltende Christen, die teilweise der griechischen Sprache nicht mächtig waren, darunter auch viele Armenier, zogen nach Griechenland, im Gegenzug schickte man 380.000 Moslems in die Türkei. Der massenhafte Zustrom der Flüchtlinge änderte die ethnische und soziale Zusammensetzung Griechenlands. Ein Teil der Flüchtlinge konnte in den hinzuerworbenen Gebieten angesiedelt werden. In klösterlichem Besitz befindliche Ländereien wurden aufgelöst, um mit kleineren Landgütern eine Lebensgrundlage für viele zu schaffen. Viele Flüchtlinge lebten jedoch elend in Quartieren am Rande der großen Städte und überschwemmten den Arbeitsmarkt. Wenngleich für den sozialen Wohnungsbau die Mittel fehlten, so wurde doch von der Regierung Venizelos 1928 ein sehr ehrgeiziges Krankenhaus- und Schulbauprogramm begonnen, mit dem tausende neuer Gebäude im Stil der klassischen Moderne errichtet wurden, darunter das Sanatorium Sotiria des Bauhaus-Absolventen Ioannis Despotopoulos. Geleitet wurde das Programm von dem Architekten Patroklos Karantinos.

Die Niederlage Griechenlands und der Bevölkerungsaustausch, nach dem fast alle griechischen Bevölkerungsgruppen innerhalb der Grenzen des griechischen Staates lebten, zerschlugen endgültig die „Große Idee“. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Griechenland 1947 noch die von Griechen bewohnte Inselgruppe des Dodekanes von Italien, im Rahmen von Reparationszahlungen für den Überfall des Diktators Benito Mussolini auf Griechenland.

Venizelos und das nationale Schisma[Bearbeiten]

Parallel dazu verschärften sich die bereits seit 1915 währenden Auseinandersetzungen zwischen Premierminister Eleftherios Venizelos und dem Königshaus und führten zu einer tiefgreifenden Spaltung des Landes in Venizelisten und Anti-Venizelisten, in Anhänger der Republik und Monarchisten, mit äußerst wechselhaftem Verlauf.

Venizelos hatte zeitweise eine eigene Gegenregierung gegen die königliche Regierung mit eigenen Streitkräften gebildet, die den Norden des Landes, Kreta und die ostägäischen Inseln kontrollierte. 1917 hatte er daran mitgewirkt, König Konstantin I. ins Ausland zu vertreiben und den Thron seinem Sohn Alexander zu überlassen. Nach dessen Tod und der überraschenden Abwahl von Venizelos (der daraufhin ins Exil ging) kehrte Konstantin 1920 zurück, musste jedoch 1922 nach der kleinasiatischen Katastrophe nach einem Putsch venizelistischer Offiziere unter Nikolaos Plastiras zu Gunsten seines Sohnes Georg II. abdanken. Der wiederum musste schon Ende 1923 das Land verlassen und 1924 abdanken, nachdem ein Referendum die Abschaffung der Monarchie beschlossen hatte. Venizelos kehrte zu einer letzten Amtszeit von 1928 bis 1933 zurück. Nach einer Wahlniederlage 1933 und dem Fehlschlagen zweier Putschversuche venizelistischer Offiziere begab er sich, nur knapp einem Attentat entronnen, wieder nach Paris ins Exil.

Die Royalisten bekamen wieder die Oberhand und riefen 1935 König Georg II. zurück. Nach instabilen parlamentarischen Mehrheiten wurde 1936 Ioannis Metaxas vom König zum Regierungschef ernannt. Nach der blutigen Niederschlagung von Arbeiterunruhen suspendierte er Parlament und Verfassung und installierte ein autoritäres Regime, das bis 1941 andauerte.

Zweiter Weltkrieg und Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg spielte Griechenland für das Deutsche Reich ursprünglich keine Rolle als Okkupationsziel, das Land war nur als Rohstofflieferant und eventuell zur Sicherung der Südflanke interessant. Griechenland wurde von Deutschland unter der Maßgabe strikter Neutralität deshalb Freiraum gewährt. Das faschistische Italien unter Benito Mussolini hatte bereits Albanien annektiert und sah in Griechenland ein lohnendes Okkupationsziel. Wenngleich Griechenland die Alliierten nicht militärisch unterstützte, so reichten dessen wirtschaftliche Beziehungen aus, um das Land aus deutscher Sicht dem gegnerischen Lager zuzuordnen. Chromlieferungen an Deutschland wurden eingestellt, welches diese besonders für Rüstungsgüter benötigte. Griechische Reeder verpachteten ihre Schiffe an die Alliierten oder übernahmen Transportaufträge. Griechenland nahm eine Garantie Großbritanniens an, der Pakt mit Italien von 1929 wurde nicht erneuert. Das deutsche Reich gestand dem Land keine Handelsbeziehungen mit den Alliierten zu, spätestens ab August 1940 rechnete der deutschen Außenminister Ribbentrop es dem gegnerischen Lager zu. Regierungschef und Diktator Ioannis Metaxas lehnte am 28. Oktober 1940 ein italienisches Ultimatum zur Kapitulation ab und konnte die angreifenden italienischen Truppen schlagen und weit bis hinter die albanische Grenze zurückdrängen. Der Angriff der deutschen Wehrmacht, die am 6. April 1941 den Balkanfeldzug gegen Griechenland und Jugoslawien begann, brach den griechischen Widerstand schnell. Am 18. April 1941 beging der griechische Ministerpräsident Alexandros Koryzis Selbstmord.

Besatzung durch die Achsenmächte[Bearbeiten]

Besatzungszonen in Griechenland, Mai 1941 bis Ende Oktober 1944,
  • Deutsches Reich
  • Italien
  • Bulgarien
Deutsche Soldaten in einem Geschäft

Nach der Kapitulation am 23. April 1941 wurden zunächst provisorische deutsche Besatzungsbehörden eingerichtet. Dadurch konnte die Übernahme aller entscheidenden Positionen in der griechischen Wirtschaft für deutsche Vertreter gesichert werden, bevor große Teile Griechenlands durch Italien und Bulgarien besetzt wurden. Über 70 Prozent Griechenlands, darunter Athen, der Peloponnes sowie die meisten griechischen Inseln, kamen unter italienische Besatzung. Bulgarien besetzte Ostmazedonien, die Inseln Thasos und Samothrake und annektierte einen Landstreifen westlich des Strymon. Trotzdem wurden die Sachwerte auch in diesen Gebieten von deutschen Besatzungstruppen beschlagnahmt und nach Deutschland gebracht; dies betraf sowohl erzeugte Güter wie Seide oder Tabak als auch Maschinen oder Fahrzeuge. Der Abtransport erfolgte beispielsweise in vor Ort erbeuteten 111 Eisenbahnwaggons und zwei erbeuteten Schiffen durch die Speditionsfirma Schenker von Saloniki aus.[6] Deutschland hatte sich vertraglich das Recht zur unbeschränkten Ausbeutung der Bodenschätze und zur Abschöpfung landwirtschaftlicher Produkte von Bulgarien gesichert, ebenso die wirtschaftliche Ausbeutung der italienischen Zone.[6] Waren die geplünderten Sachwerte und wirtschaftlichen Folgen für kein besetztes Land so hoch wie in Griechenland, so fällt auf, dass im Gegensatz dazu so gut wie keine Kulturgüter entwendet wurden. Ursache war, dass die „Kunstschutzabteilung“ u. a. mit Wilhelm Kraiker die Kunstraubabteilung des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg vertreiben konnte.

Einige nicht zusammenhängende, aber strategisch wichtige Positionen wurden auch formell zum deutschen Besatzungsgebiet: Saloniki mit Hinterland, das Gebiet um Athen, ein Gebietsstreifen entlang der türkischen Grenze, einige Stützpunkte in Südgriechenland, die Inseln Limnos, Lesbos und Chios sowie fast ganz Kreta. Eine eigene deutsche Militärverwaltung wurde nicht aufgebaut, die einheimischen Verwaltungen blieben im Amt. Alle nichtmilitärischen Fragen wurden vom „Bevollmächtigten des Reiches für Griechenland“ Günther Altenburg verhandelt, der in Athen amtierte. Die militärischen Kompetenzen erhielten ein „Befehlshaber Saloniki-Ägäis“ und ein „Befehlshaber Süd-Griechenland“, die beide dem „Oberbefehlshaber Südost“ unterstanden.

Anfangs gab es unorganisierte Plünderungen, die als Kriegsbeute gerechtfertigt wurden, weitere Mittel waren die extreme Steigerung des Banknotenumlaufs und die Bezahlung von Soldaten mit diesem Geld. Der Abzug von Wirtschaftsgütern ohne Gegenleistung wurde mehr und mehr systematisiert und gerechtfertigt. Durch die erzwungene Ausfuhr fast der gesamten griechischen Produktion wurde noch eine positive Handelsbilanz zum Deutschen Reich in Höhe von 71 Mio. Reichsmark festgestellt, die dann mit extremen Besatzungskosten (auf Wunsch von Hitler in Aufbaukosten umbenannt) verrechnet wurden. Griechenland hatte von allen besetzten Ländern die höchsten Besatzungskosten zu zahlen. Um diese Zahlung sicherzustellen, wurde die Deutsch-Griechische Warenausgleichsgesellschaft mbH (DEGRIGES) gegründet, die von den exportierten Gütern des Landes zuerst die Besatzungskosten abzog.[7] Die DEGRIGES stellte sowohl die Verbilligung griechischer Waren für Importeure als auch die Abschöpfung eines Großteils der verbliebenen Wertes sicher.

Die Beschlagnahmung und der Abtransport umfassten nicht nur erzeugte Waren, sondern auch die Demontage sämtlicher Fertigungsanlagen. Einem Bericht des Life-Magazins zufolge waren landesweit alle Maschinen und Anlagen in damals bedeutenden Bereichen wie dem Textilsektor und der chemischen Industrie demontiert und nach Deutschland geschafft worden.[8] Als es nichts mehr zu konfiszieren gab, konzentrierte sich die Ausbeutung auf Lebensmittel und Rohstoffe. Vertreter deutscher Firmen konnten sich vor Ort aussuchen, welche Güter sie haben wollten. Besonders die fehlenden Nahrungsmittel führten zu einer Hungerkatastrophe und einer Säuglingssterblichkeit von 80 %. In den Wintern 1941/42 und 1942/43 starben während der Großen Hungersnot 300.000 Menschen vornehmlich in den Ballungsgebieten den Hungertod. Von 300 im Oktober 1944 in Athen untersuchten Kindern waren 290 an Tuberkulose erkrankt.[9]

Im Zeitraum 1942 bis 1943 versuchte man Fremdarbeiter in Griechenland anzuwerben. In Anbetracht des Verhaltens der Besatzungsbehörden fürchteten potentielle Bewerber eine schlechte Behandlung. Von den erwarteten 30.000 bewarben sich gerade mal 12.000.[10] Daher ging man ab 1943 zur Zwangsverpflichtung über.[11]

Der Rückzug der Wehrmacht ging einher mit einer Zerstörung der Infrastruktur. Beispielsweise wurden 1944 alle Brücken über den Kanal von Korinth gesprengt und zwecks Erschwerung eines späteren Wiederaufbaus zusätzlich Lokomotiven und Eisenbahnwaggons der OSE in den Kanal geworfen und Minen platziert.

Folgen und Bewältigung[Bearbeiten]

Neben den höchsten Besatzungskosten pro Kopf erlitt das Land auch „immense Okkupationsverluste an Gut und Leben, höher als in allen anderen nicht-slawischen Territorien“.[12] Forderungen nach Reparationszahlungen an Deutschland, ob durch griechisch-jüdische Verbände oder griechische Regierungen, wurden lange Zeit mit dem Hinweis auf eine spätere „endgültige Regelung der Reparationsfrage zurückgestellt“.[13] Im April 1956 übergab eine Delegation des griechischen Büros für Kriegsverbrechen dem Auswärtigen Amt und dem Bundesjustizministerium 167 Akten über 641 Kriegsverbrecher. Dort stellte man jedoch klar, dass man kein Interesse an einer Aufklärung oder Strafverfolgung habe, sondern lediglich das Material in deutscher Justizhohheit ablagern wolle.[14] 1958 erklärte die damalige Bundesregierung, dass deutsche Leistungen „lediglich einen – auf freiwilliger Basis beruhenden – Beitrag der Heimatstaaten zukommenden Entschädigungsverpflichtungen darstellen“.[15] Mitunter wurden griechische Opferangaben besonders in Bezug auf den Holocaust angezweifelt, da „beispielsweise in Deutschland nur 0,01 % der Bevölkerung (also 8000 Personen) verfolgt worden seien“. Blessin, ein Vertreter des Bundesministeriums für Finanzen, zweifelte gar die Existenz „echter“ Konzentrationslager in Griechenland an.[16] Die DDR bot eine Entschädigung gegen eine Anerkennung als Staat an, was jedoch aufgrund des politischen Hintergrunds ignoriert wurde.[17] Dem griechischen Vizepremier Panagiotis Kanellopoulos wurde „vertraulich“ bedeutet, die Bemühungen Griechenlands auf Assoziierung mit der EWG „nicht durch übermäßige Wiedergutmachungsansprüche zu erschweren“,[18] sodass an Griechenland ab 1960 lediglich die Zahlung von 115 Millionen DM in drei Raten erfolgte.[19]

Widerstand und Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Griechischer Bürgerkrieg
Deutsche Soldaten am Parthenon

Gegen die ab Mitte 1943 erstarkende Partisanenbewegung stellte das LXVIII. Armeekorps der Wehrmacht Sicherheitsbataillone aus der griechischen Bevölkerung auf. Die Besatzungsmacht versuchte, sich mit brutalen Vergeltungsmaßnahmen, mit Plünderungen, Geiselerschießungen und dem Einäschern ganzer Ortschaften durchzusetzen. Zehntausende unschuldige Opfer wurden brutal ermordet. Im Zeitraum vom Juni 1943 bis Juni 1944 töteten die Besatzungstruppen nach eigenen Berichten 20.650 mutmaßliche Partisanen, nahmen weitere 25.728 gefangen und erschossen 4.785 Geiseln. Insgesamt wurden nach Schätzungen etwa 70.000 bis 80.000 Griechen im Partisanenkrieg oder bei Vergeltungsaktionen von deutschen, italienischen und bulgarischen Truppen getötet.[20]

„Juden unerwuenscht“ in Saloniki

Die traditionsreiche sephardische Judengemeinde Salonikis, etwa 60.000, wurde von den Besatzungstruppen in deutsche Vernichtungslager transportiert.[21] Ein Teil rettete sich in den Untergrund oder kämpfte auf Seiten der Partisanen. Die Besatzungszeit endete 1944 mit dem Abzug der deutschen Truppen aus Griechenland. Teile der Insel Kreta blieben noch bis Mai 1945 unter deutscher Besatzung. Nach dem Ende des Krieges wurden Griechenland die Dodekanes-Inseln zugesprochen, die bis dahin italienisches Territorium waren.

Mit der Bildung der griechischen Sicherheitsbataillone entstand ein latenter Bürgerkrieg, der im Herbst 1943 an Stärke zunahm und nach der Befreiung Griechenlands im Oktober 1944 durch die überwiegend kommunistische Widerstandsorganisation EAM bzw. deren militärischen Arm ELAS erstmals mit der Dekemvriana im Dezember 1944 ausbrach. Obwohl die EAM und deren militärischer Arm ELAS in Anbetracht der geringen britischen Truppenstärke von Oktober bis Dezember 1944 die Macht hätten übernehmen können, erfolgte ein solches militärisches Unterfangen von der ELAS nicht. Während der Dekemvriana kämpften die vormals mit den deutschen Besatzungstruppen kollaborierenden Sicherheitsbataillone als Verbündete der britischen Streitkräfte, die auf Geheiß des britischen Premierministers zur Verhinderung einer kommunistischen Machtübernahme militärisch eingriffen.

Die Kämpfe, auch als „zweite Runde des Bürgerkrieges“ bezeichnet, endeten mit dem Abkommen von Varkiza im Februar 1945. Ab Februar 1945 bis März 1946 gewannen konservativ-monarchistische, aber auch rechtsnationalistisch-antikommunistische Kreise zusehends an Einfluss in Regierung, Verwaltung und Sicherheitsorganen. In einigen Teilen Griechenlands entwickelte sich unter Duldung der republikanisch-gemäßigten Kräfte ein sogenannter weißer Terror, der die überwiegend aber nicht ausschließlich kommunistischen Mitglieder der EAM und ELAS zum Ziel hatte. Im März 1946 wurde – entgegen dem Abkommen von Varkiza – zunächst eine Parlamentswahl abgehalten. Das eigentlich vor dieser Wahl geplante Referendum über die Monarchie wurde verschoben.

Die innenpolitischen Spannungen wurden auch durch die Tatsache angeheizt, dass die Kollaborateure der Besatzungsmacht nur in geringem Maße juristisch zur Rechenschaft gezogen wurden. Die Haftdauer unter anderem des Quisling-Ministerpräsidenten Konstantinos Logothetopoulos (1945 zu lebenslänglicher Haft verurteilt, 1951 begnadigt) ist ein Beispiel hierfür.[22] Auch die Mitgliedschaft in den Sicherheitsbataillonen, von der Exil-Regierung in Kairo während der Besatzungszeit noch als Straftat gewertet, wurde von Gerichten als nicht strafwürdig eingestuft, da die Sicherheitsbataillone als Schutz der öffentlichen Ordnung gegen „kriminelle Elemente“ eingestuft wurden.[23]

Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) entschloss sich auch aus diesem Grund zum Boykott der Wahlen, welche in einen Sieg der rechts-konservativen und monarchistischen Parteien mündeten. Dies nahm die KKE zum Anlass, den bewaffneten Kampf zu beginnen, die „dritte“ und „heißeste Phase“ des Griechischen Bürgerkrieges. Diese dauerte bis September 1949. Anfänglich hatten die überwiegend kommunistischen Partisanen der Demokratischen Armee Griechenlands (DSE) mit ihrer Guerillataktik gegen die regulären und irregulären griechischen Truppen erhebliche Erfolge. Die britischen Truppen konnten den bewaffneten Kräften der griechischen Regierung militärisch und finanziell nur sehr begrenzt Hilfe leisten und stellten diese Ende März 1947 vollständig ein. Als neuer Unterstützer in finanzieller und militärischer Hinsicht übernahmen die USA Großbritanniens Rolle in Griechenland im Rahmen der Truman-Doktrin. Zwar entsandten die US-Amerikaner keine Kampftruppen, leisteten aber massive Militärhilfe einschließlich der Entsendung von Militärberatern (General James van Fleet). Die Sowjetunion unter Stalin half der kommunistischen Gegenseite hingegen nicht. In einem Geheimabkommen über die Einflusssphären auf dem Balkan am Rande der Konferenz von Jalta 1945 hatten Churchill und Stalin ein Einflussverhältnis von „90 % West zu 10 % Ost“ für Griechenland vereinbart; dies wurde von vielen griechischen Kommunisten als Verrat empfunden, da man lediglich ein Bauernopfer Stalins gewesen sei.

Die Hilfestellung durch die USA wendete neben dem Wegfall der albanischen und jugoslawischen Unterstützung in den Jahren 1948 und 1949 die militärischen Verhältnisse zugunsten der Regierung. Der Bürgerkrieg forderte etwa 100.000 Menschenleben und bewirkte einen totalen Zusammenbruch der nach dem Krieg verbliebenen Infrastruktur des Landes. Neben dem Verlust an Menschenleben und Infrastruktur wirkten sich auch militärische Taktiken beider Kampfparteien wie die erzwungene Umsiedlung von Dörfern und/oder Bevölkerungsgruppen und die daraus entstehende Flüchtlingsproblematik sehr negativ auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Griechenlands aus. Nach der Niederlage der Volksbefreiungsarmee wurden über 50.000 ihrer Sympathisanten aus dem Land vertrieben und suchten Zuflucht in den Ländern des Ostblocks. Viele von ihnen, darunter mehr als 1.100 Kinder, zogen nach 1949 in die neu gegründete DDR. Erst nach dem Sturz der Militärdiktatur 1974 wurde den Vertriebenen wieder die Einreise nach Griechenland gewährt.

Nach dem Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Frühphase[Bearbeiten]

Der Omonia-Platz in Athen in den frühen 1960er Jahren

Der Bürgerkrieg vergiftete das politische Klima für mehrere Jahrzehnte und führte zu einer nationalen Spaltung in Kommunisten und Antikommunisten. Gleichzeitig wurde wirtschaftlich ein Aufschwung verzeichnet.

Aus den ersten demokratischen Wahlen nach dem Krieg gingen jeweils rechtsgerichtete Parteien als größte Einzelparteien hervor, jedoch gelang es 1950 und 1951 drei bürgerlichen Parteien der Mitte, geführt von Sophoklis Venizelos, Georgios Papandreou und Nikolaos Plastiras, die Mehrheit der Mandate zu erringen und Koalitionsregierungen zu bilden. Unter der Regierung Plastiras trat Griechenland gleichzeitig mit der Türkei am 18. Februar 1952 in die NATO ein. Auf offenen Druck der USA, die die rechte „Griechische Sammlung“ (Ελληνικός Συναγερμός, Ellinikós Synajermós) von Marschall Alexandros Papagos begünstigten, wurde das geltende Verhältniswahlrecht durch ein Mehrheitswahlrecht ersetzt. Als erwünschtes Ergebnis errang Papagos’ „Griechische Sammlung“ bei den Parlamentswahlen 1952 mit 49 % der Stimmen 82 % der Mandate. Damit begann eine Herrschaft rechtsgerichteter Regierungen unter Papagos und Konstantin Karamanlis, die mit Ausnahme von kurzlebigen Übergangsregierungen bis 1963 währte. Innenpolitisch verfolgten sie einen scharf repressiven Kurs, der in erster Linie darauf gerichtet war, mögliche Sympathisanten des Kommunismus unter Kontrolle zu halten. Jedoch machte der wirtschaftliche Wiederaufbau mit Hilfe der USA und der Hilfen von Emigranten Fortschritte – insbesondere der Bausektor nahm einen enormen Aufschwung und veränderte das Gesicht der Städte; die griechische Handelsflotte entwickelte sich zur größten der Welt.

1950 wurde das Xenia-Programm begonnen, das den Anstieg des Tourismus durch Infrastruktur unterstützte. Wenngleich der Tourismus in den folgenden Jahren kein Massenphänomen war, so trug er doch schon erheblich zum Lebensstandard des Landes bei. Das Erdbeben auf Kefalonia und Zakynthos 1953 führte zu sehr großen Sachschäden auf zwei wohlhabenden Inseln.

Unter Konstantinos Karamanlis' Regierung trat am 1. November 1962 ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) in Kraft. Bei den Wahlen 1958 hatte die „Vereinigung der Demokratischen Linken“ (Ενιαία Δημοκρατική Αριστερά, Eniea Dimokratiki Aristera, EDA) im Wesentlichen eine Tarnorganisation für die verbotene Kommunistische Partei (KKE), fast ein Viertel der Wählerstimmen bekommen. Jedoch gelang es Georgios Papandreou, die Parteien der Mitte zur „Zentrumsunion“ (΄Ενωοση Κέντρου, Enosis Kendrou, EK) zusammenzuschweißen und 1961 der EDA den Rang als größte Oppositionspartei abzulaufen. Die Vorwürfe der Oppositionsparteien, Manipulationen und unlauterer Druck der Armee hätten die Wahlergebnisse verfälscht, führten zu politischen Unruhen, die sich insbesondere nach der Ermordung des EDA-Abgeordneten Grigoris Lambrakis im Wahlkampf 1963 zuspitzten. Bei diesen Wahlen verlor, nachdem Karamanlis als Folge der politischen Auseinandersetzungen und wegen eines Zerwürfnisses mit dem Königshaus zurückgetreten war und sich ins Exil begeben hatte, dessen rechte „Nationalradikale Union“ (Eθνίκη Ριζοσπαστική Ένωσις, Ethniki Rizospastiki Enosis, ERE) ihre Mehrheit an die EK und Papandreou konnte eine Regierung bilden. Die Durchführung seines Reformprogramms wurde jedoch bald überschattet von einer neuen Zypernkrise sowie von Verschwörungsverdächtigungen um seinen von ihm als Minister in die Regierung berufenen Sohn Andreas Papandreou (Aspida-Affäre) und von Auseinandersetzungen mit dem jungen König Konstantin II., dem es gelang, Papandreou von der Regierungsmacht mit Hilfe von Überläufern aus der EK (angeführt von Konstantinos Mitsotakis) im Juli 1965 zu verdrängen. Dies verschärfte die politischen Auseinandersetzungen weiter. Sie wurden begleitet von zahlreichen Demonstrationen und gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen der Student Sotiris Petroulas zu Tode kam. Die nachfolgenden rechtsgerichteten Regierungen fanden keine stabile parlamentarische Mehrheit. Die Neuwahlen 1967 sollten einen Weg aus dieser Krise weisen. Überraschend kam jedoch eine Gruppe von Offizieren dem von ihnen befürchteten Wahlsieg Papandreous mit einem Staatsstreich zuvor – bekannt als Putsch der Obristen.

Herrschaft der Obristen 1967–1974[Bearbeiten]

Symbol der Junta

Mit dem „Putsch der Obristen“ vom 21. April 1967 ergriff eine Junta unter Georgios Papadopoulos die Macht und errichtete ein Militärregime. Mit scharfen Repressionen – Massenverhaftungen und Internierung von Oppositionellen, Folter und Bespitzelung durch die Geheimpolizei sowie Pressezensur – gelang es den Militärs, ihr Regime zu installieren und über sieben Jahre aufrechtzuerhalten, obwohl es in der Bevölkerung weitgehend auf Ablehnung stieß und außenpolitisch isoliert war.

Ein dilettantischer Gegenputsch des Königs im Dezember 1967 scheiterte. Der König floh ins Exil und die Junta ersetzte ihn zunächst durch einen Regenten, bis sie 1973 die Monarchie abschaffte. Auch ein versuchtes Attentat auf Papadopoulos 1968 blieb erfolglos.

Im Jahr 1973, als auch die zeitweise erfolgreich vorangetriebene wirtschaftliche Entwicklung stagnierte, mehrten sich jedoch die Anzeichen für den Niedergang des Regimes. Nach einer Studentenrevolte an der juristischen Fakultät in Athen und einer Meuterei bei der Marine wurde im November 1973 ein Studentenaufstand am Polytechnikum in Athen blutig niedergeschlagen. In der Junta ersetzten die vom Chef der Militärpolizei Dimitrios Ioannidis angeführten Hardliner Papadopoulos, der zuvor einen Öffnungsversuch hin zu einer gelenkten Demokratie in die Wege geleitet hatte, durch Phaidon Gizikis. Als Ioannidis im Juli 1974 den Zypernkonflikt anfachte, indem er die Bestrebungen zu einer Vereinigung Zyperns mit Griechenland forcierte und einen Putsch gegen den zypriotischen Präsidenten Erzbischof Makarios III. organisierte, womit er die türkische Invasion auf die Insel provozierte, brach das Regime zusammen.

Demokratisches Griechenland[Bearbeiten]

Griechisches Parlament

Beim Zusammenbruch der Militärdiktatur hatten deren letzte Repräsentanten und Vertreter des alten politischen Establishments Konstantin Karamanlis aus seinem Pariser Exil zurückgerufen und ihm die Macht übergeben. Er bildete eine Regierung der nationalen Einheit und leitete unverzüglich die „politische Wende“ (griechisch  μεταπολίτευση „Metapolitefsi“), die Rückkehr zur Demokratie, ein. Im Herbst 1974 gründete er die liberal-konservative Nea Dimokratia. Am 17. November fanden Wahlen statt, zu denen auch die Kommunistische Partei wieder zugelassen war. Wahlgewinner war Karamanlis mit seiner Partei. Ein Referendum am 8. Dezember 1974 über den politischen Status des Landes führte mit knapp 70 Prozent der Wählerstimmen zu einer Abschaffung der konstitutionellen Monarchie und zu einer neuen Verfassung.[24] Die Offiziere der Junta wurden verhaftet und vor Gericht gestellt.

Die konservative Nea Dimokratia (ND) unter Karamanlis gewann die Wahlen 1974 und 1977 und blieb bis 1981 an der Regierung. Im Jahr 1981 wurde Griechenland Mitglied der EWG. Das wirtschaftliche Wachstum wurde durch die damit verbundenen Subventionen (unter anderem für den landwirtschaftlichen Sektor) gefördert, doch ein gewisser Abstand zu den entwickelteren Staaten der EWG blieb bestehen.

Die Wahlen von 1981 gewann die sozialdemokratische PASOK unter Andreas Papandreou, sie konnte auch die folgenden Wahlen gewinnen. Einer kurzen Allparteienregierung in den 1990er Jahren unter Konstantinos Mitsotakis folgte erneut eine Regierung der PASOK, die bis 2004 regierte.

Der Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren erschwerte den Transitverkehr zwischen Griechenland und Westeuropa. Die Fährlinien nach Italien und der Flugverkehr konnten diese Situation Anfang der 1990er Jahre nur langsam kompensieren. 1992 trat ein Namensstreit mit der ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien auf, da sich der Name mit der griechischen Region Makedonien deckt. Obwohl bis heute keine Einigung erzielt ist, pflegen beide Länder gute wirtschaftliche Beziehungen.

Während des letzten Jugoslawienkriegs widersetzte sich die griechische Bevölkerung mit Kundgebungen gegen dem Angriff der Nato-Staaten auf Serbien. Kirchen und Hilfsorganisationen in Griechenland organisierten Hilfslieferungen für die serbische Bevölkerung. Gleichzeitig stellte die griechische Regierung den Hafen in Thessaloniki den multinationalen Streitkräften zur Verfügung, damit diese effektiver Hilfslieferungen in die serbische Provinz Kosovo leiten konnten.

Der gesundheitlich angeschlagene Andreas Papandreou trat 1996 zurück und wurde durch Kostas Simitis abgelöst, der weitreichende Reformprozesse in Gang setzte, u. a. eine starke Liberalisierung und eine intensive Investitionspolitik. Diese Politik wurde in gemäßigter Weise auch von der von 2004 bis 2009 regierenden konservativen Regierung unter Kostas Karamanlis fortgeführt.

Seit der Jahrtausendwende[Bearbeiten]

Griechenland trat Anfang 2001 der Eurozone bei und vollzog zum Jahreswechsel 2001/2002 die Umstellung von der bisherigen Währung, der Drachme, zum Euro. Die Olympischen Spiele 2004 in Athen und der Gewinn der Fußball-Europameisterschaft durch die griechische Nationalmannschaft fielen in eine Zeit der wirtschaftlichen Prosperität und Euphorie.

Das Land profitierte auch vom ökonomischen Aufschwung der Nachbarstaaten, da dort nach dem Zerfall des Kommunismus sehr viele Investitionen getätigt werden und die bilateralen Beziehungen der Völker frei entfaltet werden können. Der griechische Bankensektor profitiert davon am meisten, und mittlerweile unterhalten die Finanzinstitute über 4000 Auslandsfilialen in den Nachbarländern, aber auch Industriekonzerne sind mit großen Tochtergesellschaften vertreten, darunter Alumil, Mytilineos und Viohalco, der Lebensmittelkonzern Vivartia, die griechische Telekommunikationsgesellschaft OTE usw.

Griechenland, einst ein Auswanderungsland, wurde in den letzten 15 Jahren selbst zu einem Einwanderungsland. 2008 lebten über eine Million Ausländer in dem Land. Mittlerweile kehrten auch viele Griechen aus Westeuropa in ihre Heimat zurück. Allein aus Deutschland, wo einst über 700.000 Griechen lebten, zog bereits etwa die Hälfte zurück.

Die allgemeine Finanzkrise traf Griechenland besonders hart, der ohnehin hohe staatliche Schuldenstand stieg enorm an, gleichzeitig wurden einschneidende Änderungen eingeleitet, die auch zu einer Verarmung von Teilen der Bevölkerung führten (siehe Griechische Staatsschuldenkrise ab 2010).

Literatur[Bearbeiten]

  • John Bintliff: The Complete Archaeology of Greece. From Hunter-Gatherers to the 20th Century A.D., John Wiley & Sons, New York 2012.
  • Vangelis Tourloukis: The Early and Middle Pleistocene Archaeological Record of Greece. Current status and future prospects, Leiden University Press 2010.
  • James Edward Miller: United States and the Making of Modern Greece: History and Power, 1950–1974. The University of North Carolina Press 2009, Auszüge online.
  • Pedro Barceló: Kleine griechische Geschichte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004. ISBN 3-534-17476-3
  • Richard Clogg: A Concise History of Greece. Cambridge 2002.
  • Richard Clogg: Geschichte Griechenlands im 19. und 20. Jahrhundert. Köln 1997. ISBN 3-923889-13-7 (formal falsche ISBN)
  • Ulrich Enderwitz: Reichtum und Religion. Drittes Buch. 2. Bd. Die Polis. Ça ira, Freiburg 1998. ISBN 3-924627-49-5
  • Detlef Lotze: Griechische Geschichte. C.H. Beck, München 62004. ISBN 3-406-45014-8
  • Sibylle von Reden: Auf der Spur der ersten Griechen. DuMont, Köln 1981. ISBN 3-7701-1191-5
  • Pavlos Tzermias: Neugriechische Geschichte – eine Einführung. Francke, Basel 1999. ISBN 3-7720-1792-4
  • Mark Mazower: Inside Hitler’s Greece. The Experience of Occupation, 1941–44. Yale University Press, New Haven CT 1993, 1998. ISBN 0-300-06552-3
  • ders. (Hrsg.): After the war was over. Reconstructing the family, nation and state in Greece, 1943–1960. Princeton University Press, Princeton 2000. ISBN 0-691-05842-3
  • Christopher Montague Woodhouse: The Struggle for Greece, 1941–1949. MacGibbon, Hart-Davis 1976, C. Hurst, London 2002 (Repr.). ISBN 1-85065-487-5
  • Giannis S. Koliopoulos, John S. Koliopoulos. Plundered Loyalties: Axis Occupation and Civil Strife in Greek West. Hurst, London 1999. ISBN 1-85065-381-X
  • Michael Weithmann: Griechenland. Vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart. (Ost- und Südosteuropa. Geschichte der Länder und Völker; Band 1.) Regensburg 1994. ISBN 3-7917-1425-2
  • Franz N. Mehling (Hrsg.): Knaurs Kulturführer in Farbe: Griechenland. Droemersche Verlagsanstalt, München/Zürich 1982. ISBN 3-426-26053-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geschichte Griechenlands – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Griechische Geschichte – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Venceslas Kruta: [493 Les Celtes, histoire et dictionnaire].
  2. Klaus Kreiser: Der osmanische Staat 1300–1922. München 2001. S. 84. ISBN 3-486-53711-3.
  3. Wortlaut der Verfassung von Epidauros 1822
  4. Wortlaut der Verfassung von Troizen 1827
  5. Wortlaut der Verfassung von 1864
  6. a b Martin Seckendorf: Zur Wirtschaftspolitik der deutschen Besatzer in Griechenland 1941–1944. Ausbeutung, die in die Katastrophe mündete. Online abrufbar unter: www.2i.westhost.com/bg/1_7_1.html
  7. Anestis Nessou: Griechenland 1941–1944: Deutsche Besatzungspolitik und Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung – eine Beurteilung nach dem Völkerrecht, 2009, S. 367
  8. "What the Germand did to Greece." LIFE, 27. November 1944
  9. Zur Wirtschaftspolitik der deutschen Besatzer in Griechenland 1941–1944. Abgerufen am 11. Juni 2013.
  10. Local Government in occupied Europe (1939-1945): S. 212
  11. Herkunft und Anzahl ausländischer Zivilarbeiter/innen und Zwangsarbeiter/innen. Abgerufen am 11. Juni 2013.
  12. Hagen Fleischer in: Grenzen der Wiedergutmachung. Die Entschädigung für NS-Verfolgte in West- und Osteuropa 1945–2000, S. 382
  13. Hagen Fleischer in: Grenzen der Wiedergutmachung. Die Entschädigung für NS-Verfolgte in West- und Osteuropa 1945–2000, S. 382, S. 388
  14. Hagen Fleischer in: Grenzen der Wiedergutmachung. Die Entschädigung für NS-Verfolgte in West- und Osteuropa 1945–2000, S. 398
  15. Hagen Fleischer in: Grenzen der Wiedergutmachung. Die Entschädigung für NS-Verfolgte in West- und Osteuropa 1945–2000, S. 402
  16. Hagen Fleischer in: Grenzen der Wiedergutmachung. Die Entschädigung für NS-Verfolgte in West- und Osteuropa 1945–2000, S. 404 f.
  17. Hagen Fleischer in: Grenzen der Wiedergutmachung. Die Entschädigung für NS-Verfolgte in West- und Osteuropa 1945–2000, S. 410
  18. HT 2004: Grenzen und Räume der Wiedergutmachung. Die Entschädigung für NS Verfolgte in West- und Osteuropa. Abgerufen am 11. Juni 2013.
  19. bundesarchiv.de
  20. Deutsches Historisches Museum: LeMO – 1939–45 Partisanenkrieg in Griechenland
  21. Wolfgang Michalka (Hrsg. im Auftrag des MGFA): Der Zweite Weltkrieg. Analysen – Grundzüge – Forschungsbilanz. Weyarn 1997, S. 545. ISBN 3-932131-38-X
  22. Gabriella Etmektsoglou: Criminal states, innocent citizens? Aspects of Greek-German relations during World War II and its aftermath. In: Gerd Bender, Rainer Maria Kiesow, Dieter Simo (Hrsg.): Die andere Seite des Wirtschaftsrechts. Steuerung in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2006, S. 69. ISBN 3-465-04002-3
  23. Mark Mazower: Three Forms of Political Justice. In: Mark Mazower (Hrsg.): After the War was over: Reconstructing the Family, Nation, and State in Greece, 1943–1960. Princeton University Press, Princeton/Oxford 2000, S. 34. ISBN 0-691-05842-3
  24. Christos Katsioulis: Die griechische außenpolitische Identität im Namenskonflikt mit Mazedonien und im Kosovo Krieg. Studien zur Deutschen und Europäischen Außenpolitik, Heft 10/2002, Seite 33 (PDF; 1,4 MB), abgefragt am 24. Dezember 2012