Gohrisch

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gohrisch (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gohrisch
Gohrisch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gohrisch hervorgehoben
50.90972222222214.108055555556300Koordinaten: 50° 55′ N, 14° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Königstein/Sächs. Schw.
Höhe: 300 m ü. NHN
Fläche: 34,78 km²
Einwohner: 2016 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01824
Vorwahl: 035021
Kfz-Kennzeichen: PIR, DW, FTL, SEB
Gemeindeschlüssel: 14 6 28 140
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Neue Hauptstraße 116b
01824 Kurort Gohrisch
Webpräsenz: www.gohrisch.de
Bürgermeister: Heiko Eggert (Parteilos)
Lage der Gemeinde Gohrisch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Altenberg (Erzgebirge) Bad Gottleuba-Berggießhübel Bad Schandau Bahretal Bannewitz Dippoldiswalde Dohma Dohna Dorfhain Dürrröhrsdorf-Dittersbach Freital Glashütte Gohrisch Hartmannsdorf-Reichenau Heidenau Hermsdorf Klingenberg Hohnstein Sebnitz Königstein (Sächsische Schweiz) Kreischa Liebstadt Lohmen Müglitztal Neustadt in Sachsen Pirna Klingenberg Rabenau Rathen Rathmannsdorf Reinhardtsdorf-Schöna Rosenthal-Bielatal Dippoldiswalde Sebnitz Sebnitz Stadt Wehlen Struppen Stolpen Tharandt Wilsdruff Sachsen Tschechien Landkreis Bautzen Dresden Landkreis Meißen Landkreis MittelsachsenKarte
Über dieses Bild

Gohrisch ist eine sächsische Gemeinde südwestlich von Königstein bei Pirna. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Königstein/Sächs. Schw. Gohrisch ist staatlich anerkannter Kurort im Freistaat Sachsen (Luftkurort).[2]

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Gohrisch liegt im Elbsandsteingebirge auf einer Hochebene links der Elbe. Der Hauptort Kurort Gohrisch befindet sich 3 km südlich von Bad Schandau. Die isoliert stehenden Tafelberge des Elbsandsteingebirges, der Gohrisch, der Papststein und Kleinhennersdorfer Stein, die Laasensteine, Spitzstein und Katzstein umrahmen die Gemeinde mit ihren Ortsteilen. Die markanten Tafelberge Lilienstein, Pfaffenstein sowie die Festung Königstein befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft.

Ausdehnung des Gemeindegebiets[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet ist 34,78 km² groß. Davon entfallen auf Cunnersdorf 16,59 km², auf Kleinhennersdorf 4,59 km², auf Kurort Gohrisch 4,51 km² und auf Papstdorf 8,73 km². Das Gemeindegebiet bildet zwischen Cunnersdorfer Bach und Krippenbach einen breiten Streifen, der sich von der Elbe bis an die sächsisch-böhmische Grenze erstreckt. Der tiefste Punkt befindet sich im Rietzschengrund auf 135 m ü. NN, der höchste auf 481 m ü. NN.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Nachbargemeinden sind Königstein (Sächsische Schweiz), Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna und Rosenthal-Bielatal.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Gohrisch gehören vier Ortsteile: der Hauptort Kurort Gohrisch, das in einer Talmulde gelegene Dörfchen Cunnersdorf, das 350 m hoch gelegene Papstdorf zu Füßen des Papststeines, und das auf einer Hochebene gelegene Kleinhennersdorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Blick von dem Papststein gen Westen (von links nach rechts) auf den Gohrisch, den Königstein und den Lilienstein. Das sichtbare Dorf ist der Kurort Gohrisch.

Kurort Gohrisch[Bearbeiten]

Das auf einer Hochebene links der Elbe zu Füßen des gleichnamigen Felsens liegende Dorf wurde erstmals 1437 als dorffe Gorusch[3] erwähnt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war es von der Landwirtschaft geprägt und nahm nur eine vergleichsweise bescheidene Entwicklung. 1548 zählte das Dorf 11 ansässige Bauern, 1815 umfasste Gohrisch 20 Häuser mit 93 Einwohnern. Aufgrund der ruhigen, waldreichen und klimatisch ausgeglichenen Lage empfing der Gutsbesitzer Adelbert Hauffe 1869 die ersten Sommerurlauber in seinem Gut. Gohrisch ist damit die älteste Sommerfrische in der Sächsischen Schweiz. Die positive Entwicklung des Tourismus führte zu einem sprunghaften Erhöhung der Einwohnerzahlen und löste eine rege Bautätigkeit aus. Seit 1875 konnte sich der Ort als Höhenluftkurort bezeichnen und 1910 wohnten bereits etwa 700 Menschen hier. 1936 wurde dem Ort das Prädikat Kurort verliehen. Bis heute zählt der Tourismus zu den wirtschaftlichen Standbeinen von Gohrisch. Zu den berühmtesten Gästen zählte Dmitri Schostakowitsch, der in Gohrisch 1960 sein achtes Streichquartett (c-Moll op. 110) komponierte. Gohrisch zählt heute etwa 800 Einwohner.

Blick auf Kleinhennersdorf.

Kleinhennersdorf[Bearbeiten]

Kleinhennersdorf wurde erstmals 1439 als das Wyndische Heynersdorff[4] erwähnt, wobei windisch so viel wie klein bedeutet. Lebensgrundlage der Einwohner des von fränkischen Siedlern angelegten Waldhufendorfes waren bis ins 19. Jahrhundert Landwirtschaft, Viehzucht und Forstwirtschaft. Seit dem 17. Jahrhundert wurde in mehreren Steinbrüchen auch Sandstein abgebaut. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Ort zu einer der Sommerfrischen in der Sächsischen Schweiz. Dabei verlief die örtliche Entwicklung aber bescheiden. 1501 zählte das Dorf erst 6 ansässige Bauern, 1840 waren es etwa 300 Einwohner, 1919 etwa 500 Einwohner. Heute sind es etwa 250 Einwohner. Kleinhennersdorf wurde 1974 nach Papstdorf eingemeindet, erhielt aber 1990 seine Selbständigkeit zurück.[5] Vier Jahre später erfolgte der Zusammenschluss der vier Orte zur Gemeinde Gohrisch. Zum Ort gehört die 1572 angelegte Liethenmühle. Touristischer Anziehungspunkt sind darüber hinaus die Sandsteinhöhlen am Kleinhennersdorfer Stein.

Cunnersdorf bei Königstein[Bearbeiten]

Cunnersdorf: Blick auf das 1607 errichtete Herrenhaus des Forsthofes (Sitz der kurfürstlichen Forstverwaltung für die Sächsische Schweiz)

Im Gemeindeteil Cunnersdorf (1379 zu Böhmen gehörig erwähnt, 1454 sächsisch), bis 1627 Kunradsdorf genannt,[6] entstand im 16. Jahrhundert unter Kurfürst August ein kurfürstlicher Forsthof (wurde 1556 oder 1606 dazu erhoben und gelangte 1872 in den Besitz des Freiherren von Friesen). Das Dorf liegt inmitten ausgedehnter Wälder zwischen 270 und 320 m ü. NN in einer Talmulde des Cunnersdorfer Baches. Noch heute sind einige Dreiseitbauernhöfe mit Sandsteinunterbau und Fachwerkgeschossen zu sehen, zu denen auch der südlich gelegene Forsthof mit Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden und einem Torhaus zählt. Die neoromanische Kirche von 1854/55 besticht durch ihr Altarbild.

Im Ortsteil Viebig rechtsseitig des Cunnersdorfer Baches befindet sich die ehemalige Obermühle. Die Mahl- und Brettmühle ist 1561 urkundlich belegt. Die Brettmühle war das letzte Mal 1955 in Betrieb. Von den ortsansässigen Naturfreunden wurde der Cunnersdorfer Naturlehrpfad angelegt. Er führt nach Süden über das Katzsteinplateau zum 474 m ü. NN hohen Katzfels, wo 1809 die letzte Wildkatze erlegt worden sein soll. Dicht darunter befindet sich der Katzstein (444 m ü. NN). Dazu verfügt der Ortsteil über ein Waldbad mit Breitrutsche, Wasserpilz und Kinderspielplatz. Cunnersdorf zählte 1445 sechs Ansässige, 1609 waren es bereits 33 Ansässige. 1840 wohnten etwa 600 Einwohner im Ort. Dies Zahl ist bis heute etwa gleich geblieben.

Papstdorf[Bearbeiten]

Die Kirche von Papstdorf

Papstdorf wurde erstmals 1371 als Bogansdorff[7] erwähnt. Der heutige Name erschien erstmals 1555 in Form von Babstdorff. Papstdorf war über viele Jahrhunderte ebenso wie Gohrisch, Cunnersdorf und Kleinhennersdorf eine reine Bauerngemeinde. Die Einwohner gingen der Land- und Forstwirtschaft nach. 1501 zählte das Dorf 14 Ansässige, 1601 waren es 22 Ansässige und um 1840 lebten etwa 260 Einwohner hier. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte auch in Papstdorf die touristische Erschließung ein. Auf dem Plateau des Papststeines wurde 1862 eine Gaststätte errichtet, die später um einen hölzernen Aussichtsturm erweitert wurde. 1919 zählte das Dorf bereits über 600 Einwohner. Zu DDR-Zeiten befand sich das Zentrale PionierlagerKlement Gottwald“ im Ort, das vom VEB Verkehrsbetriebe Dresden betrieben wurde.[8]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1974: Kleinhennersdorf (Eingemeindung 1990 aufgehoben)
  • 1994: Cunnersdorf, Kleinhennersdorf, Papstdorf

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 57,6 %
 %
40
30
20
10
0
38,5 %
32,7 %
19,9 %
9,0 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-3,9 %p
-0,3 %p
+0,6 %p
+9,0 %p
-5,3 %p
  • 1994: 2.221 Einwohner, darunter 562 in Cunnersdorf, 278 in Kleinhennersdorf, 793 in Kurort Gohrisch und 588 in Papstdorf.
  • 1998: 2.275 Einwohner
  • 2005: 2.203 Einwohner, davon etwa 800 im Hauptort Kurort Gohrisch
  • 2007: 2.214 Einwohner
  • 2008: 2.169 Einwohner
  • 2009: 2.132 Einwohner
  • 2010: 2.107 Einwohner
  • 2011: 2.114 Einwohner
  • 2012: 2.016 Einwohner
  • 2013: 2.002 Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Gohrisch[Bearbeiten]

  • Denkmal Parkhotel Albrechtshof Gohrisch[9]: Die denkmalgeschützte Gebäudegruppe des 1956/1968 errichteten „Gästehaus des DDR-Ministerrates“ hatte viele in- und ausländische Besucher der DDR-Staatsregierung zu verzeichnen. So komponierte hier der russische Komponist Dimitri Schostakowitsch im Jahre 1960 sein 8. Streichquartett, die einzige Komposition, die er im Ausland erschuf. Heute ist das Gebäudeensemble ein 3-Sterne-Hotel für Wanderer und Urlauber.
  • Denkmal Schostakowitsch-Büste : An der Kreuzung Schandauer-Straße / Papstdorfer Straße hat der in 2009 gegründete Verein Schostakowitsch-Tage in Gohrisch in Erinnerung an die beiden Aufenthalte von Dimitri Schostakowitsch eine Bronze-Büste aufgestellt. Sie erinnert insbesondere an das 1960 hier komponierte 8. Streichquartett, das von Rudolf Barschai interpretiert wurde.

Cunnersdorf[Bearbeiten]

  • Forsthof: Die denkmalgeschützte Gebäudegruppe des um 1600 errichteten Hofes war Sitz der kurfürstlichen Forstverwaltung für die Reviere der Sächsischen Schweiz.
  • Kirche: Die Cunnersdorfer Kirche stammt aus den Jahren 1854/55. Die Ausstattung wurde aus dem Vorgängerbau übernommen und beinhaltet u. a. ein Altarbild von 1666.

Papstdorf[Bearbeiten]

Papstdorf, Wilhelm-Leberecht-Herbrig-Orgel
  • Kirche: Die Kirche wurde 1787 im Stil des Spätbarock errichtet. Sie besitzt eine kulturhistorisch wertvolle zweimanualige mechanische Schleifladenorgel von 1845. Der Erbauer ist Wilhelm Leberecht Herbrig.[10] Ort und Kirche sind eine Station an der Herbig-Orgelstraße.[11]

Internationale Schostakowitsch-Tage[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 2010 werden in Gohrisch die „Internationalen Schostakowitsch-Tage“ veranstaltet, da sich Schostakowitsch im Jahr 1960 und im Jahr 1972 im damaligen Gästehaus des DDR-Ministerrats in Gohrisch zur Kur aufhielt und 1960 am kleinen Teich sein 8.Streichquartett komponierte.

Im Jahre 2011 erhielt der Dirigent Kurt Sanderling den nicht dotierten Internationalen Schostakowitsch-Preis Gohrisch.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Gohrisch lebt in erster Linie von Tourismus und Landwirtschaft. Die Gemeinde und ihre Ortsteile verfügten 2010 über 20 Beherbergungsstätten mit 841 angebotenen Betten, in denen 29.246 Ankünfte und 89.003 Übernachtungen registriert wurden. In der Gemeinde waren 2010 insgesamt 382 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte erfasst, davon entfielen 166 auf den Wirtschaftsbereich Bergbau und verarbeitendes Gewerbe.[12] Einziger Arbeitgeber in diesem Bereich ist die in Cunnersdorf ansässige Landbäckerei Schmidt, die in Dresden und der Sächsischen Schweiz über 20 Filialen betreibt.[13] Von der Gemeindefläche entfallen zwei Drittel (2.315 Hektar) auf Waldflächen und reichlich ein Viertel (981 Hektar) auf Landwirtschaftsflächen. In der Gemeinde waren 2010 sieben Landwirtschaftsbetriebe ansässig.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gohrisch. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 3. Band, Zwickau 1816, S. 246.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gohrisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Gohrisch – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 20. Januar 2014
  3. Gohrisch im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Kleinhennersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  5. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  6. Cunnersdorf b. Königstein im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  7. Papstdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  8. Facebook-Eintrag
  9. [1] Die bewegte Geschichte des Hotel Albrechtshof Gohrisch
  10. Website Kulturwerkstatt Stolpen e. V.
  11. Die Herbrig-Orgelstraße
  12. Statistisches Landesamt Sachsen, Gemeindestatistik Gohrisch 2011
  13. Hohe Steuerlast verprellt Unternehmer, Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom 31. März 2012