Sebnitz

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Sebnitz. Zum gleichnamigen Fluss siehe Sebnitz (Fluss).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Sebnitz
Sebnitz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Sebnitz hervorgehoben
50.96666666666714.283333333333379Koordinaten: 50° 58′ N, 14° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Höhe: 379 m ü. NHN
Fläche: 88,12 km²
Einwohner: 9992 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 113 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 01851–01855
Vorwahlen: 035971, 035974, 035022
Kfz-Kennzeichen: PIR, DW, FTL, SEB
Gemeindeschlüssel: 14 6 28 360
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kirchstraße 5
01855 Sebnitz
Webpräsenz: www.sebnitz.de
Oberbürgermeister: Mike Ruckh (CDU)
Lage der Stadt Sebnitz im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Altenberg (Erzgebirge) Bad Gottleuba-Berggießhübel Bad Schandau Bahretal Bannewitz Dippoldiswalde Dohma Dohna Dorfhain Dürrröhrsdorf-Dittersbach Freital Glashütte Gohrisch Hartmannsdorf-Reichenau Heidenau Hermsdorf Klingenberg Hohnstein Sebnitz Königstein (Sächsische Schweiz) Kreischa Liebstadt Lohmen Müglitztal Neustadt in Sachsen Pirna Klingenberg Rabenau Rathen Rathmannsdorf Reinhardtsdorf-Schöna Rosenthal-Bielatal Dippoldiswalde Sebnitz Sebnitz Stadt Wehlen Struppen Stolpen Tharandt Wilsdruff Sachsen Tschechien Landkreis Bautzen Dresden Landkreis Meißen Landkreis MittelsachsenKarte
Über dieses Bild

Sebnitz ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Sie ist ein staatlich anerkannter Erholungsort in Ostsachsen am Rande des Nationalparks Sächsische Schweiz. Sebnitz wird auch Stadt der Kunstblumen oder Stadt der Seidenblumen genannt.

Geografie[Bearbeiten]

Gemarkungen der Stadt Sebnitz

Die Stadt Sebnitz liegt im Tal des Flusses Sebnitz und dessen Seitentälern zwischen 250 und 460 m über NN zwischen der Sächsischen Schweiz und dem Lausitzer Bergland. Naturräumlich liegt das Stadtgebiet im Westlausitzer Hügel- und Bergland, grenzt aber unmittelbar an den Naturraum Oberlausitzer Bergland. Da der Naturraum Sächsische Schweiz ebenfalls sehr nah liegt, ist die Landschaft um die Stadt abwechslungsreich. Hausberg von Sebnitz ist der schon in Tschechien liegende Berg Tanzplan (Tanečnice). Östlich von Sebnitz liegt Dolní Poustevna im Schluckenauer Zipfel.

Ortsteile sind Sebnitz, Altendorf, Lichtenhain, Mittelndorf, Ottendorf, Saupsdorf (alle ab 1. Oktober 2012 von Kirnitzschtal eingemeindet), Schönbach (ab 1. Dezember 1935 eingemeindet), Hofhainersdorf (ab 1. Januar 1920 eingemeindet), Amtshainersdorf (1. Juli 1950), Hertigswalde (1. Juli 1950) und Hinterhermsdorf (1. Oktober 1998). Der Ortsteil Hinterhermsdorf liegt oberhalb des Kirnitzschtales etwa fünf Kilometer südöstlich des Hauptortes.

Winterlicher Blick auf Sebnitz mit katholischer Kirche

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Sebnitz ist eine Gründung deutscher Bauern aus Franken. Der Name leitet sich wahrscheinlich von Sebenica (=Finkenwaldbach) ab. Der älteste urkundliche Beleg für den Bach erfolgte in der Oberlausitzer Grenzurkunde von 1223/1241, in dem die Besitzverhältnisse des Königreiches Böhmen und des Bistums Meißen festgeschrieben wurden. Als Mittelpunkt der Marktsiedlung entstand zwischen Ende des 12. Jahrhunderts und Anfang des 13. Jahrhunderts der rechteckige Marktplatz der Siedlung, die 1451 erstmals als Städtlein (stetlin) bezeichnet wird.

Entwicklung zur Kunstblumenstadt[Bearbeiten]

Das auf der Marktmitte 1714/15 erbaute Rathaus wurde 1854 durch Brand zerstört. Das daneben befindliche schuppenartige Häuschen, die Fleischbänke (Verkaufsstände der Fleischer) wurden 1804 durch Hochwasser zerstört. Sebnitz war eine Ackerbürgerstadt, d. h. Handwerk, Handel und Landwirtschaft waren die Existenzgrundlage der Bürger. Unter den Handwerken war die Leinenweberei das wichtigste. Die Weber arbeiteten seit dem 16. Jahrhundert zumeist im Auftrage von Verlegern (Fakturisten). Sie exportierten in viele Länder der Erde. Mit dem Niedergang der Handweberei, insbesondere verursacht durch die Industrialisierung dieses Industriezweiges in England, gewann durch den Einfluss deutschböhmischer Blumenmacher die Herstellung künstlicher Blumen stark an Bedeutung. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Stadt 4000 Einwohner und 375 Häuser, 1881 waren es 6354 Einwohner und im Jahr 1900 8648 Einwohner. Am 15. September 1854 vernichtete ein großer Stadtbrand den gesamten Stadtkern und das althergebrachte mittelalterliche Stadtbild. Insgesamt fielen den Flammen 72 Wohnhäuser, 42 Scheunen und Hintergebäude, das Rathaus und die Schule zum Opfer.

Zentrum deutscher Kunstblumenherstellung[Bearbeiten]

Sebnitz wurde um 1900 das Zentrum deutscher Kunstblumenherstellung. Es gab zu dieser Zeit über 200 kleinere und größere Blumenfabriken mit fest angestellten Arbeiterinnen und Arbeitern und darüber hinaus Tausende von Heimarbeitern. Am 17. März 1894 wurde von Heimatforscher Alfred Meiche in der Lokalzeitung Grenzblatt vorgeschlagen, ein Heimatmuseum einzurichten. Im Frühjahr 1908 nahm sich der Gewerbeverein der Sache an und erste Exponate wurden in der Stadtschule an der Kirche untergebracht. Im Jahr 1909 erfolgte der Aufbau einer Ausstellung und am 23. Mai 1909 wurde das Stadtmuseum Sebnitz eröffnet, welches 1930 neue Räumlichkeiten erhielt. Am 11. Mai 1945 wurde Bürgermeister Steudner seines Amtes enthoben und neuer Bürgermeister wurde der Arzt Muder.

Staatswappen der DDR aus Sebnitzer Kunstblumen
Lage des Kernortes in der Stadt

Ende des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

Am 30. September 1945 hatte Sebnitz vorübergehend durch die Aufnahme vieler Heimatvertriebener und Flüchtlinge 14.500 Einwohner. Am 12. November 1945 wurde Karl Seewald neuer Bürgermeister. Am 1. Juni 1946 hatte Sebnitz 13.203 Einwohner und 1304 Wohnhäuser und 183 Betriebe. Am 16. Februar 1948 besuchten 1847 Kinder in 47 Klassen mit 35 Lehrern die Grundschule. An der neu gegründeten Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung wurde am 12. Juli 1948 zum ersten Mal das Abitur abgelegt. Zu DDR-Zeiten war der VEB Kunstblume Sebnitz einer der größten Arbeitgeber in der Region. Außerdem war der VEB Hebezeugwerk Sebnitz in der Stadt ansässig, der 1950 das Gelände der ehemaligen Papierfabrik Sebnitz übernahm und dort Kräne fertigte.

Nach der Wende[Bearbeiten]

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Einführung der Marktwirtschaft in den neuen Bundesländern mussten jedoch viele Industriebetriebe schließen. Heute wird nur noch in geringem Maße und vor allem in Schauwerkstätten geblümelt, wie der regionale Ausdruck für das Herstellen von Kunstblumen in Heimarbeit genannt wird. Im Januar 2002 wurde Hinterhermsdorf auf der Grünen Woche in Berlin mit der Goldmedaille im 20. Bundeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft ausgezeichnet. Im Jahr 2003 richtete Sebnitz den Tag der Sachsen aus.[2] Im August 2008 wurden die ehemaligen Grenzabfertigungsanlagen zum benachbarten Dolní Poustevna/Niedereinsiedel beseitigt.

Veränderungen in der Organisationsstruktur seit 1952[Bearbeiten]

Im Jahr 1952 wurde Sebnitz Kreisstadt des Kreises Sebnitz. Diesen Status verlor Sebnitz im Zuge einer Gebietsreform 1994. Im Jahr 1995 wurde Sebnitz Große Kreisstadt. Die Nachbargemeinde Kirnitzschtal wurde am 1. Oktober 2012 nach Sebnitz eingemeindet. Durch die Eingliederung bekam die Exklave Hinterhermsdorf, die am 1. Oktober 1998 eingemeindet wurde, wieder direkten Anschluss an das Stadtgebiet.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1772 1.648 (285 Häuser)
1832 2.843
1871 5.216 (377 Wohngebäude)
1892 8.476 (549 Wohngebäude)
1900 8.649 (626 Wohngebäude)
1905 9.743
Jahr Einwohnerzahl
1914 12.000
1918 08.906
1990 11.705
1998 10.203
1999 10.063
2000 09.882
Jahr Einwohnerzahl
2001 9.670
2002 9.496
2003 9.304
2004 9.159
2007 8.837
2008 8.701
Jahr Einwohnerzahl
2009 8.568
2010 8.439
2011 8.292

(1444–1871: Meiche 1927 / 1892–1918: Schober 1988 / 1990–2004: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen)

Medienskandal im November 2000[Bearbeiten]

Im November 2000 geriet Sebnitz bundesweit in die Schlagzeilen.[3] Angeregt durch ein Gutachten von Christian Pfeiffer hatte die Bild-Zeitung berichtet, dass der sechsjährige Joseph Kantelberg-Abdullah am 13. Juni 1997 in einem Sebnitzer Freibad von rassistischen Jugendlichen ertränkt worden sei. Der Ablauf konnte nie zufriedenstellend geklärt werden.[4] Die eigentliche Todesursache des Jungen war ein Herzinfarkt beim Schwimmen mit anschließendem Ertrinken, ausgelöst durch einen angeborenen, von der Mutter bei den Ermittlungen jedoch verschwiegenen Herzfehler[5], wie der Spiegel im Januar 2001 meldete. Die Vorgänge um den Tod des Jungen führten zu einer monatelangen bundesweiten intensiven Berichterstattung.[6] Auch Volker Schlöndorff interessierte sich für den vermeintlichen Stoff.[7] Noch kurz vor der Aufdeckung der wahren Todesursache verabschiedete der Stadtrat einen 66-Punkte-Katalog (Wie weiter in Sebnitz?), in dem die Stadt Forderungen in Gesamthöhe von 34 Millionen Mark zusammenfasste. Das Dokument forderte von der Landesregierung neben präventiven Jugendprojekten unter anderem eine Sanierung der Bahnstrecke nach Bad Schandau (20 Millionen Mark), eine Wetterstation (20.000 Mark) und Pressereisen für Chefredakteure zum Dialog mit Sebnitzer Jugendlichen (50.000 Mark).[8]

Hochwasser 2010[Bearbeiten]

Am 6. August 2010 begannen starke Regenfälle über dem Gebiet von Sebnitz, woraufhin der gleichnamige Fluss der Stadt stark anstieg, infolgedessen den Markt überschwemmte und fast unbegehbar machte. Zudem liefen mehrere Keller voll und Straßen wurden überschwemmt. Binnen Tagen ging das Wasser wieder zurück und zeigte das Ausmaß der Schäden. Der Markt war größtenteils stark beschädigt worden. Die Wiederaufnahme des Unterrichts an Sebnitzer Schulen war ursprünglich für den 9. August geplant, musste jedoch aufgrund der Unbegehbarkeit des Marktes und der Schulwege auf den 11. August verschoben werden.

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 51,4 %
 %
50
40
30
20
10
0
49,9 %
13,1 %
12,8 %
10,4 %
6,9 %
6,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+0,4 %p
-0,1 %p
+1,2 %p
-4,4 %p
+1,5 %p
+1,5 %p

Nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 waren die 18 Sitze im Sebnitzer Stadtrat wie folgt verteilt:

  • CDU 49,9 % - 10 Sitze
  • NPD 13,1 % - 2 Sitze
  • FWG 12,8 % - 2 Sitze
  • Die Linke 10,4 % - 2 Sitze
  • SPD 6,9 % - 1 Sitz
  • FDP 6,9 % - 1 Sitz

Partnerstädte und Partnerschaften[Bearbeiten]

Sebnitz unterhält internationale Beziehungen zu Bruntál (Freudenthal) in der Tschechischen Republik und zu Cascina in Italien sowie zur rheinland-pfälzischen Stadt Montabaur. Außerdem bestehen enge partnerschaftliche Beziehungen zwischen der ev.-luth. Kirchgemeinde Sebnitz und Hinterhermsdorf-Saupsdorf und der evangelischen Kirchengemeinde Weißenburg in Bayern.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Das Wappen der Großen Kreisstadt Sebnitz zeigt einen in blau, auf grünem Dreiberg nach rechts schreitenden goldenen Hirsch.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Gedenktafel am Haus Hertigswalde 120 an Carl Bantzer (1857–1941), der an der Dresdner Kunstakademie lehrte und 1899 mit Studenten in Hertigswalde und Umgebung Freilichtmalerei betrieb.
  • Gedenktafel am Hause Albert-Kunze-Weg 9 an Albert Kunze (1877–1949), Maler, Lithograph und Reklamezeichner, der in diesem Hause bis zu seinem Tode wohnte.
  • Gedenktafel am Haus Nr. 49 des Ortsteiles Hertigswalde an die 600 KZ-Häftlinge eines Todesmarsches aus einem Außenlager des KZ Sachsenhausen, die im April 1945 von SS-Männern durch den Ort getrieben und von denen einige zu Tode misshandelt wurden
  • Ehrenmal aus dem Jahre 1950 in der Bahnhofstraße für die Opfer des Faschismus
  • Gedenktafel an der Grundschule Schandauer Straße 26 zur Erinnerung an den Todesmarsch von KZ-Häftlingen vom Außenlager Schwarzheide des KZ Sachsenhausen, die im April 1945 durch den Ort getrieben wurden
  • Stadtorientierungstafeln von 1997 an den Wohnhäusern jüdischer Einwohner, die während der NS-Herrschaft der Shoa zum Opfer fielen: Lange Straße 1, Lange Straße 11 und Markt 15
  • Gedenkstein im Gelände des ehemaligen Kindergartens Burggässchen 10, der zu DDR-Zeiten seinen Namen trug, zur Erinnerung an den Widerstandskämpfer Arthur Hartmann, der 1940 an den Folgen der Zuchthaushaft starb
  • Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der Martin-May-Straße 19 zur Erinnerung an den kommunistischen Widerstandskämpfer Martin May, der in einem Berliner Außenlager des KZ Sachsenhausen 1944 ums Leben kam
  • Gedenktafel am Haus Dr.-Petzold-Straße 12 zur Erinnerung an den kommunistischen Spanienkämpfer Alfred Möbius, der 1945 ums Leben kam. Die Tafel wurde nach 1990 entfernt und wird von den Hausbewohnern verwahrt
  • Ein Gedenkstein auf dem Friedhof des Ortsteiles Saupsdorf erinnert an 14 KZ-Häftlinge, vorwiegend Tschechen und Juden eines Todesmarsches aus dem KZ-Außenlager Schwarzheide, die von SS-Männern im Frühjahr 1945 ermordet wurden.
  • Ein Gedenkstein vor der Gemeindeverwaltung des Ortsteiles Saupsdorf erinnert gleichfalls an diese Häftlinge.
  • Eine Gedenktafel an der Mordstelle in der Hinterhermsdorfer Straße des Ortsteils Saupsdorf erinnert an sieben Ermordete, davon zwei mit Namen unbekannte
  • Eine Gedenktafel an der Gnauckmühle erinnert an fünf namentlich genannte Häftlinge und an einen unbekannten Franzosen.
  • Eine Gedenktafel am Taufstein von 1637 erinnert im Sebnitzer Wald an die schwere Kriegsnot im Dreißigjährigen Krieg.
  • Eine Gedenktafel am Peststein unweit des Waldstadions erinnert an Maria Wunderlich, die hier in einer für sie errichteten Hütte gehaust haben und auch gestorben sein soll.

Bauwerke[Bearbeiten]

Evangelische Kirche
Katholische Kirche

Die evangelische Kirche Peter und Paul ist das älteste Baudenkmal der Stadt. Der Chor ist aus dem 15. Jahrhundert, das Schiff und die Innenausstattung aus dem 17. Jahrhundert.

Die katholische Kirche Kreuzerhöhung wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Neugotik errichtet.

Das Stadtbild wird von nach dem Stadtbrand von 1854 errichteten Bürgerhäusern und Produktionsgebäuden aus der Gründerzeit geprägt. Das bauliche Ensemble des im spätklassizistischen Stil wiedererrichteten Marktplatzes mit der Nachbildung der kursächsischen Postdistanzsäule steht unter Denkmalschutz. Die ursprünglich zahlreich vorhandenen Umgebinde- und Fachwerkhäuser sind nur noch im Randbereich der Innenstadt erhalten.

Der im Zuge der Sebnitztalbahn errichtete Viadukt (1874/75) war der deutschlandweit erste im Bogen (Radius 224 Meter) und im Gefälle (Neigung 1:50) errichtete Viadukt. Er ist 150 Meter lang und 21 Meter hoch. Seine ursprünglich zehn Steinbögen wurden Ende der 1980er Jahre bei einer Generalsanierung durch neun Betonpfeiler ersetzt.

Theater und Klangkörper[Bearbeiten]

In Sebnitz gibt es das Amateurtheater Theatre Libre. Bekannte Klangkörper sind der Bergsteigerchor Sebnitz, das Jugendblasorchester Sebnitz e.V. die Sachsenländer Blasmusikanten e. V.

Museen[Bearbeiten]

Im Stadtgebiet existieren das Kunstblumen- und Heimatmuseum „Prof. Alfred Meiche in einem 1731 erbauten Bürgerhaus, das Afrikahaus und das Haus Deutsche Kunstblume Sebnitz.

Sport[Bearbeiten]

Wichtige Sportvereine in Sebnitz sind unter anderem der Handball-Club Sachsen Neustadt-Sebnitz, der BSV 68 (BürgerSportVerein 68), der in die Sektionen Fußball, Tennis, Tischtennis und Radball unterteilt ist, der BSG Sebnitz mit Boxen, Faustball und Schach sowie der Sportverein Grenzwinkel Sebnitz.

Sportstätten[Bearbeiten]

Naherholungsgebiet Forellenschänke

Seit den 1970er Jahren gibt es am Ortsanfang von Sebnitz (aus Richtung Neustadt kommend) das Modellflugzentrum, in dem jährlich im Juni der Internationale Sächsische Schweiz Cup der Fesselmodellflieger stattfindet. Des Weiteren existiert das Sparkassen - Waldstadion des BSV 68 Sebnitz mit einem Fassungsvermögen von etwa 3000 Personen und einem Kunstrasen- sowie einem Rasenspielfeld. Seit 1996 ist in der Stadt das Sport- und Freizeitzentrum Soli Vital beheimatet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Regelmäßig finden die Konzertreihe in der Evangelisch-Lutherischen Stadtkirche Sebnitz, das Blumen- und Musikfest, das Weifbergfest in Hinterhermsdorf und das Zwinger Plaza Open Air Fest statt.

Sehenswürdigkeiten und Natur[Bearbeiten]

Im Urzeitpark Sebnitz

Sehenswerte Orte sind der Urzeitpark Sebnitz mit 400 Plastiken urgeschichtlicher Säugetiere und Kleinlebewesen, das Modelleisenbahnmuseum der Fa. Tillig, das Westernvillage und der 36,9 Meter hohe Holz-Aussichtsturm auf dem Weifberg.

Zu den Naturschätzen gehört vor allem die Kirnitzschklamm bei Hinterhermsdorf mit der Kahnfahrt auf der Oberen Schleuse. Am Nordhang des im benachbarten Tschechien liegenden, knapp 600 Meter hohen Tanečnice (deutsch Tanzplan) liegt das Naturschutzgebiet Heilige Hallen.

Bemerkenswertes[Bearbeiten]

Bismarck-Denkmal von Victor Seifert, 1903

Sebnitz ist der größte staatlich anerkannte Erholungsort (Titel seit 1997) in Sachsen. In der Stadt wurde die mit 3,7 m Höhe größte Seidenrose der Welt hergestellt, ihre Blüte hat einen Durchmesser von 1,5 m und wiegt 10 kg. Ebenfalls entstand hier Anfang des 19. Jahrhunderts eine weltweit einmalige Volkskunst, das Sebnitzer Schattenspiel.

Im Jahr 2002 wurde der Ortsteil Hinterhermsdorf mit dem Titel Schönster Ort Deutschlands ausgezeichnet und belegte im europaweiten Vergleich den zweiten Platz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Als einer der ersten wichtigen Verkehrswege für Sebnitz wurde 1877 die Sebnitztalbahn von Bad Schandau über den Bahnhof Sebnitz (Sachs) nach Bautzen eröffnet. 1905 folgte die Linie Rumburk–Šluknov–Dolní Poustevna–Sebnitz durch die Böhmische Nordbahn. Deren Betrieb wurde nach Kriegsende 1945 zwischen Sebnitz und Dolní Poustevna eingestellt. Nach dem Wiederaufbau der 600 Meter langen Verbindung erfolgte am 5. Juli 2014 die offizielle Wiederaufnahme des Personenverkehrs[9] mit der Linie U28 (Děčín – Bad Schandau – Sebnitz – Rumburk). Die Bahnlinie SB 71 von Neustadt in Sachsen nach Sebnitz verkehrt heute im Zweistundentakt.

Seit 2003 betreibt die Oberelbische Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS) neben dem regulären öffentlichen Personennahverkehr auch einen historischen Bus, die Rose von Sebnitz.

Seit 1995 besteht ein Straßengrenzübergang nach Dolní Poustevna. Mit der Eröffnung der Bundesautobahn 17 von Dresden nach Prag bekam Sebnitz einen besseren Anschluss an das Schnellstraßennetz in Deutschland.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In der Stadt ansässige größere Unternehmen und Betriebe sind die Robert Bosch Elektrowerkzeuge GmbH Sebnitz mit etwa 450 Beschäftigten,[10] die Tillig Modellbahnen mit etwa 180 Mitarbeitern, die Sebnitzer Fensterbau GmbH mit etwa 110 Beschäftigten und die WEA Wärme- und Energieanlagenbau GmbH mit etwa 80 Angestellten.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

In Sebnitz gibt es zwei Grundschulen, eine in der Schandauer Straße und eine in der Rosenstraße. Zudem befindet sich in Sebnitz das Goethe-Gymnasium Sebnitz und die Oberschule Am Knöchel.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 1866 Vizebürgermeister Johann August Herrmann
  • 1876 Advokat Helmut Geyer
  • 1896 Ernst Friedrich Louis Oehmischen
  • 1888 Buchbindermeister Emil August Schubert
  • 1901 Bürgermeister Emil Otto Blume
  • 1904 Sanitätsrat Oskar Theodor Petzold
  • 1946 Heimatforscher Alfred Meiche
  • 1979 Antifaschist Hugo Knobloch[11]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Bergmann (Hrsg.): Was war wann in Sebnitz? Zeittafel und Faktensammlung zur Chronik der Stadt Sebnitz von der Besiedlung bis 2003. Sebnitz 2004 (seither jährliche Ergänzungen).
  • Wilhelm Leberecht Götzinger: Geschichte und Beschreibung des Chursächsischen Amts Hohnstein mit Lohmen, insbesondere der unter dieses Amt gehörigen Stadt Sebniz. Freiberg 1786 (Reprint Sebnitz 1987) (Digitalisat).
  • Rainer B. Jogschies: Emotainment. Journalismus am Scheideweg. Der Fall Sebnitz und die Folgen. (= Journalismus, Bd. 1) Lit Verlag, Münster, Hamburg, London 2001, ISBN 3-8258-5450-7.
  • Zwischen Sebnitz, Hinterhermsdorf und den Zschirnsteinen (= Werte der deutschen Heimat. Band 2). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1959.
  • Alfred Meiche: Das Flurbild von Sebnitz. Crimmitschau 1925.
  • Alfred Meiche: Historisch-Topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927. (Digitalisat)
  • Alfred Meiche: Sebnitzer Feuerchronik. Sebnitz 1894 (Digitalisat)
  • Fr. Ohnesorge: Name, Alter und Ursprung der Stadt Sebnitz. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte. 7 (1886), S. 118–130.
  • Peter Rölke (Hrsg.): Wander & Bergführer Sächsische Schweiz. Bd. 3: Am Rande der Sächsischen Schweiz. Dresden 2004.
  • Manfred Schober: Faktensammlung zur Geschichte von Sebnitz in den Jahren 1891–1918. In: Heimatmuseum Sebnitz (Hrsg.): Die Stadt und der Kreis Sebnitz in Vergangenheit und Gegenwart. Beiträge zur Heimatgeschichte Heft 5, Sebnitz 1988, S. 10–27.
  • Manfred Schober: Die Sebnitzer Kunstblume – Die Geschichte eines Handwerkes im Zeichen der Mode. Dresden/Basel 1994.
  • Manfred Schober: Aus der Geschichte einer sächsischen Stadt an der Grenze zwischen Elbsandstein und Oberlausitzer Bergland. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2003.
  • Bernd Strunz u. a. : Hertigswalde. Von Hertewiggisswalde zum Ortsteil von Sebnitz 1446–2001. Sebnitz 2001
  • Richard Steche: Sebnitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 1. Heft: Amtshauptmannschaft Pirna. C. C. Meinhold, Dresden 1882, S. 81.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sebnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Sebnitz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Sebnitz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Manfred Schober: Sebnitz. Aus der Geschichte einer sächsischen Stadt an der Grenze zwischen Elbsandstein und Oberlausitzer Bergland. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2003, S. 9–18.
  3. MDR Figaro: Sebnitz, eine Stadt unter Verdacht
  4. Joseph Kantelberg-Abdulla: "Die Geschichte der Mutter stimmt nicht". In: Der Tagesspiegel, 29. November 2000, abgerufen am 31. Juli 2012.
  5. Sebnitz: Joseph starb an Herzversagen. In: Der Spiegel, 24. Januar 2001.
  6. Eine medien-kritische Fallanalyse der Berichterstattung rügte vor allem die handwerklichen Fehler der Journalisten und den Kampagnencharakter. Siehe dazu: Rainer Jogschies: Emotainment. Journalismus am Scheideweg. Der Fall Sebnitz und die Folgen. Lit Verlag, 2001.
  7. Ullrich Fichtner: Ein plötzlicher Kindstod. In: Die Zeit, 49/2000.
  8.  Sven Röbel, Andreas Wassermann: Wen ich will. In: Der Spiegel. Nr. 6, 2001, S. 73 (5. Februar 2001, online).
  9. Anja Weber: Einsteigen und die Türen schließen Meldung auf sz-online.de am 7. Juli 2014.
  10. Noch mehr Power bei Bosch, Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom 25. Juli 2014
  11. Broschüre 750 Jahre Sebnitz 1991