André Giraud

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André Giraud (* 3. April 1925 in Bordeaux; † 27. Juli 1997 in Levallois-Perret) war ein französischer Politiker sowie ein hoher Funktionär, Verwaltungsbeamter und Manager. Er war Mitglied der Parti républicain (eine Partei, welche zwischen 1977 bis 1997 bestand) und der UDF.

Leben [Bearbeiten]

André Giraud absolvierte die Eliteschule École polytechnique (1944–1948 oder 1949) und wurde nach Abschluss seines Studiums in das Corps des mines aufgenommen (Titel: Ingénieur du corps des mines), eine Art interministerielle technische Arbeitsgruppe. Bis 1978 durchlief er eine Karriere in hohen Ministeriumsämtern und in nationalen Unternehmen, vor allem in der Ölindustrie und in der Atomindustrie, die in Frankreich in den 1970er Jahren aus dem militärischen Komplex entstand, der die atomare Aufrüstung Frankreichs (Force de frappe) realisiert hatte. Er trug maßgeblich dazu bei, dass die französische Atomwirtschaft sehr staatsnah war[1] (und bis heute ist).

Er wurde

  • 1958–1964 Directeur général adjoint de l’Institut français du pétrole (dieses heißt seit 2010 IFP Énergies nouvelles),
  • 1964–1969 Directeur des carburants im französischen Industrieministerium,
  • 1965–1971 Vizepräsident von Renault,
  • 1970–1978 Administrateur général délégué du gouvernement auprès du Commissariat à l’énergie atomique (C.E.A.), Administrateur de l’Électricité de France (EDF) und
  • 1976–1978 Präsident der Cogema (Compagnie générale des matières nucléaires, heute Areva bzw. Areva NP)
  • 1986–1988 Verteidigungsminister

Der massive Zubau neuer Kernkraftwerke in Frankreich war nicht (wie vielfach angenommen) eine Reaktion auf die Ölkrise 1973/74. Nach de Gaulles Rücktritt (1969) hatte das französische Atomkommissariat (C.E.A.) etwa 3000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Diese waren unterbeschäftigt, nachdem die Force de frappe fertig bewaffnet war. Es war das Bestreben de Gaulles und vieler anderer französischer Politiker, von den Vereinigten Staaten möglichst unabhängig und autark zu sein. Deshalb wollte man die Abhängigkeit vom Erdöl minimieren. Seit der Sueskrise (1956), der Sperrung des Sueskanals nach dem Sechstagekrieg (1967–1975) sowie der Dekolonisation Afrikas (ab 1961) war diese Abhängigkeit in das allgemeinde Bewusstsein gerückt.

1971 wurde André Giraud Leiter des Atomkommissariat. In dieser Funktion veröffentlichte er im März 1971 folgenden resoluten Plan:

  • In den Jahren von 1971 bis 1975 sollten vier oder fünf (statt bisher vorgesehen nur zwei) neue Atomkraftwerke (mit jeweils mehreren Kernreaktoren) mit einer Gesamtleistung von 8000 Megawatt gebaut werden;

Die folgenden Baubeginne zeigen die Schnelligkeit der Expansion der französischen Kernenergie auf: Bugey II am 1. November 1972, Bugey III am 1. September 1973, Bugey IV am 1. Juni 1974, Bugey V am 1. Juli 1974. Diese vier Druckwasserreaktoren hatten eine Nettoleistung von 3580 MW (910 + 910 + 880 + 880 MW). Die Bauzeiten waren allerdings deutlich länger als erwartet (Fertigstellung zwischen Mai 1978 und Juli 1979). 1980 gingen sieben französische AKWs in Betrieb, 1981 acht, 1982 zwei, 1983 vier, 1984 sechs, 1985 vier und 1986 sechs.

1988 zog Giraud sich aus der Politik zurück; er blieb ein gefragter Experte und gründete 1991 das Beratungsunternehmen Compagnie générale d’innovation et de développement (Cogidev).

Giraud starb am 27. Juli in Levallois-Perret bei Paris an Krebs.[2]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b zeit.de vom 23. April 1971: Das Erbe de Gaulles wird liquidiert
  2. spiegel.de 1997: Nachruf