Wolfgang Sawallisch
Wolfgang Sawallisch (* 26. August 1923 in München) ist ein deutscher Dirigent und Pianist.
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[Bearbeiten] Leben
Nach Abitur, Kriegsdienst und britischer Kriegsgefangenschaft legte Sawallisch 1946 nach nur einem Semester bei Joseph Haas an der Staatlichen Musikhochschule München das Staatsexamen ab. Dirigierunterricht nahm er bei Hans Rosbaud und Igor Markevitch.
Der Aufstieg zum international renommierten Dirigenten orientierte sich an den Maßstäben guter Kapellmeistertradition: Korrepetitor und Kapellmeister am Stadttheater Augsburg 1947–53; 1953-58 Generalmusikdirektor am Theater Aachen; 1958–60 Generalmusikdirektor in Wiesbaden; 1960–64 Generalmusikdirektor in Köln sowie ab 1961 eine Professur für Dirigieren an der Kölner Musikhochschule; 1960–70 Chefdirigent der Wiener Symphoniker sowie zusätzlich 1961–73 hamburgischer Generalmusikdirektor, zugleich Chefdirigent der Hamburger Philharmoniker; 1973–80 Chefdirigent des Orchestre de la Suisse Romande Genf.
Seit seinem internationalen Durchbruch mit den Berliner Philharmonikern beim „Edinburgh Festival“ 1955 wurde Sawallisch von den Eliteorchestern Westeuropas immer wieder zu Gastdirigaten eingeladen. Hinzu kamen Verpflichtungen in Bayreuth (1957–62), Salzburg, Florenz und an der Mailänder Scala. Seit 1969 reiste Sawallisch regelmäßig nach Japan, wo er mit dem NHK Symphony Orchestra Tokio zusammenarbeitete (seit 1967 Ehrendirigent).
1971–92 stand München im Zentrum seines musikalischen Wirkens. Als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper übernahm er 1971 die Nachfolge Joseph Keilberths. 1976/77 leitete er das Haus bis zum Amtsantritt August Everdings auch als Intendant. Die Spannungen mit Everding löste das Kultusministerium 1982 mit der Ernennung des Generalmusikdirektors zum Staatsoperndirektor und Everdings zum Generalintendanten der Bayerischen Staatstheater.
Sawallischs Aufführungen des Gesamtwerks von Richard Wagner (1982/83) und Richard Strauss (1988) fanden internationale Beachtung. Sawallisch hat sich immer wieder auch für die gemäßigte Moderne eingesetzt (Hindemith, Egk, Sutermeister u. a.)
Seine Skepsis gegenüber dem experimentellen Regietheater brachte ihm bei etlichen Kritikern den Ruf eines konservativen Opernchefs ein. Nach zweiundzwanzig Jahren am Nationaltheater München war Sawallisch von 1993 bis 2003 erfolgreicher Musikalischer Leiter des Philadelphia Orchestra. In der Presse der USA rühmte man sein Engagement für moderne amerikanische Musik.
Sawallisch hat sich auch als Pianist einen Namen gemacht. Seit er gemeinsam mit Gerhard Seitz (Violine) 1949 beim Internationalen Musikwettbewerb in Genf im Fach Violine-Klavier einen ersten Preis gewann, konzertierte er regelmäßig auch als Kammermusiker und Liedbegleiter (u. a. von Dietrich Fischer-Dieskau und Elisabeth Schwarzkopf). Eine umfangreiche Diskographie ergänzt sein musikalisches Wirken.
Sawallisch gründete 2003 die Wolfgang Sawallisch-Stiftung, die eine Musikschule beinhaltet. Er lebt in Grassau (Oberbayern).
[Bearbeiten] Zusammenarbeit mit den Wiener Symphonikern
Vom 5. bis 8. März 1957 dirigierte Wolfgang Sawallisch erstmals im Musikverein im Rahmen der „Großen Symphonie“ ein Symphonikerkonzert (mit der französischen Suite nach Rameau von Werner Egk, dem 5. Beethoven-Klavierkonzert mit Friedrich Wührer und der 8. Symphonie von Dvorak). Der große Erfolg dieses Konzerts schuf die Basis für seine Chefdirigentenzeit (1960–70) – erstmals seit Jahrzehnten gab es diese Position wieder. Herbert von Karajan war nie offiziell Chefdirigent, sondern Konzertdirektor der Gesellschaft der Musikfreunde gewesen. Sawallisch fühlte sich, wie in seinen Erinnerungen nachzulesen ist, durch den Mietstatus des Orchesters und die dadurch gegebene Abhängigkeit von den Konzertveranstaltern in seiner Entscheidungskompetenz stark eingeschränkt. Als „Kapellmeister alter Schule“ vermied er es, analog zum „Karajan-Zyklus“ einen „Sawallisch-Zyklus“ zu veranstalten, sondern kreierte den „Symphoniker-Zyklus“ und legte den Schwerpunkt auf zyklische Aufführungen der Werke einzelner Komponisten (Bruckner-Zyklus, Beethoven-Zyklus usw.). Mit ihm nahm das Orchester zahlreiche Platten auf, die wichtigsten Ereignisse waren jedoch die im In- und Ausland stark beachtete und erfolgreiche erste Amerika-Tournee 1964 sowie die Weltreise (Japan-Amerika) 1967 mit Mammut-Repertoire, einer ungewöhnlichen Dichte an Konzerten und täglichen stundenlangen Busfahrten während der sechs Wochen dauernden Tournee. Sawallisch ging das Wagnis ein, die Wiener Symphoniker ausgerechnet mit Bruckners 3. Symphonie, einem in Amerika damals weitgehend unbekannten Werk, in der New Yorker Carnegie Hall zu präsentieren und erntete hymnische Kritiken. 1967 stand im Zentrum der Tournee ein UNO-Konzert mit Henryk Szeryng als Solisten.
Die Wiener Intrigen führten 1970 zu Sawallischs Demission, und nach einer zehnjährigen Pause kehrte er 1980 im Rahmen einer Europa-Tournee als Gastdirigent zurück. Seitdem blieb er einer der ständigen Dirigenten – bis zum 24. Juni 2005, seinem letzten, bereits von schweren gesundheitlichen Problemen überschatteten Konzert in Bad Kissingen, mit Werken von Kodaly, Haydn und Brahms. Die Musiker schätzten Sawallisch wegen seiner musikalischen Kompetenz, klaren Schlagtechnik und werkzentrierten Interpretation, die niemals spektakulär war – dies brachte ihm bei manchen Kritikern den Ruf als bürokratischer Meister des Mittelmaßes ein. Die Wiener Symphoniker spielten insgesamt 165 Produktionen mit ihm ein, wobei die Amerika-Reise mit 34 Konzerten als eine einzige Produktion zählt. Sawallisch war für das Orchester eine der prägenden Dirigentenpersönlichkeiten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
[Bearbeiten] Auszeichnungen und Ehrungen
- 1964 Bayerischer Verdienstorden
- 1978 Deutscher Kritikerpreis
- 1983 Kultureller Ehrenpreis der Landeshauptstadt München
- 1984 Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst
- 1988 Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold
- 1991 DIVA-Award
- 1994 Robert-Schumann-Preis
- 1996 Kommandeur des Ordre des Arts et des Lettres
- 1996 Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik
- 2002 Oberbayerischer Kulturpreis
- 2003 Hans-von-Bülow-Medaille der Berliner Philharmoniker
- Bundesverdienstkreuz I. Klasse
- Großes Bundesverdienstkreuz
- Orden der Aufgehenden Sonne (Japan)
- Ritter der französischen Ehrenlegion
[Bearbeiten] Weblinks
- Werke von und über Wolfgang Sawallisch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Wolfgang Sawallisch-Stiftung
- Musikalische Stationen und wichtige Auszeichnungen von Wolfgang Sawallisch
- Eintrag "Sawallisch, Wolfgang" in Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000008159
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Ferdinand Löwe (1900–1925) | Wilhelm Furtwängler (1927–1930) | Oswald Kabasta (1934–1938) | Hans Weisbach (1939–1944) | Hans Swarowsky (1945–1947) | Herbert von Karajan (1948–1964) | Wolfgang Sawallisch (1960–1970) | Josef Krips (1970–1973) | Carlo Maria Giulini (1973–1976) | Gennadi Roschdestwenski (1980–1982) | Georges Prêtre (1986–1991) | Rafael Frühbeck de Burgos (1991–1996) | Wladimir Fedossejew (1997–2004) | Fabio Luisi (seit 2005)
Georg Eismann, Hans Storck, Annerose Schmidt (1964) | Karl Laux, Lore Fischer (1965) | Daniel Shitomirski, Dieter Zechlin (1966) | Olivier Alain (1967) | Swjatoslaw Richter (1968) | Peter Schreier, Herbert Schulze (1969) | Dmitri Baschkirow, Martin Schoppe (1970) | Günther Leib, Tatjana Nikolajewa (1971) | Ekkehard Otto, Maria Maxakowa (1972) | Emil Gilels, Elisabeth Breul (1973) | Amadeus Webersinke, Nelly Akopjan (1974) | Sara Dolukhanova, Hélène Boschi (1975) | Sigrid Kehl, Elisso Wirsaladse (1976) | Rudolf Kehrer, Herbert Kaliga (1977) | Gertraud Geißler, Hans Joachim Köhler (1978) | Hanne-Lore Kuhse, Frantisek Rauch (1979) | Theo Adam, Miklós Forrai (1980) | Kurt Masur, Halina Czerny-Stefanska (1981) | Mitsuko Shirai, Peter Rösel (1982) | Rudolf Fischer, Eva Fleischer (1983) | Gustáv Papp, Dezső Ránki (1984) | Pawel Lisizian, Jacob Lateiner (1985) | Jörg Demus, Gerd Nauhaus (1986) | Dietrich Fischer-Dieskau (1987) | Albrecht Hofmann (1988) | Pavel Egorov, Bernard Ringeissen (1989) | Hartmut Höll, Günther Müller (1990) | Joan Chissell (1991) | Abegg Trio, Gisela Schäfer (1992) | Jozef De Beenhouwer (1993) | Wolfgang Sawallisch (1994) | Hansheinz Schneeberger, Dieter-Gerhardt Worm (1995) | Nancy B. Reich, Bernhard R. Appel (1996) | Nikolaus Harnoncourt (1997) | Linda Correll Roesner, Olaf Bär (1998) | Altenberg Trio, Ernst Burger (1999) | Olga Loseva, Steven Isserlis (2000) | John Eliot Gardiner (2001) | Alfred Brendel (2002) | Joachim Draheim, Juliane Banse (2003) | Daniel Barenboim (2005) | Margit L. McCorkle, Anton Kuerti (2007) | Reinhard Kapp, Michael Struck (2009)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sawallisch, Wolfgang |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dirigent und Pianist |
| GEBURTSDATUM | 26. August 1923 |
| GEBURTSORT | München |
- Dirigent
- Klassischer Pianist
- Intendant (Bayerische Staatsoper)
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes
- Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst
- Träger des Bayerischen Verdienstordens
- Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik (Großkreuz)
- Träger der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold
- Träger des Ordens der Aufgehenden Sonne
- Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur)
- Mitglied der Ehrenlegion (Ritter)
- Musiker (Aachen)
- Person (München)
- Deutscher
- Geboren 1923
- Mann