Issime

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Issime
Wappen
Issime (Italien)
Issime
Staat: Italien
Region: Aostatal
Koordinaten: 45° 41′ N, 7° 51′ O45.6833333333337.85956Koordinaten: 45° 41′ 0″ N, 7° 51′ 0″ O
Höhe: 956 m s.l.m.
Fläche: 35 km²
Einwohner: 439 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 13 Einw./km²
Postleitzahl: 11020
Vorwahl: 0125
ISTAT-Nummer: 007036
Volksbezeichnung: Issimesi (it.)
Issimois (frz.)
Eischemeyra (Töitschu)
Schutzpatron: Jakobus der Ältere
Website: Gemeindeverwaltung Eischeme

Issime (walserdeutsch Eischeme) ist eine Gemeinde mit 439 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) im Aostatal im Norden Italiens. Die Bevölkerung spricht bzw. sprach wie im mittelbar benachbarten Gressoney traditionell Walserdeutsch, doch sind die beiden Dialekte derart unterschiedlich, dass sich deren Sprecher gegenseitig nicht ohne weiteres verstehen.

Lage von Issime im Aostatal

Die Gemeinde gehört dem Gemeindeverband Comunità Montana Walser Alta Valle del Lys (dt. Walsergemeinschaft Oberlystal, frz. Communauté de montagne Walser Haute vallée du Lys) an und liegt im Lystal am Fluss Lys, welcher in Pont-Saint-Martin in die ebenfalls durch Issime fließende Dora Baltea. Issime besteht aus den Ortsteilen (auf Französisch und auf Töitschu) Grand Praz (Gran Proa), Crest (Krecht), Chincheré (Tschentschiri), Bioley (Biouley), Seingles (Zéngji), Seingles Dessus (Z’uabra Zéngji), Plane (Pioani), Ribola (Ribulu), Vecchaus (Vetschus), Riccourt (Rickurt), Riccourt Dessus (Z’uabra Rickurt), Rollie (Rolji), Crose (Kruasi), Riva (Réivu), Preit (Preite), Tontinel (Tuntelentsch), Fontaineclaire (Funtrunkieeru), Chef-lieu (Duarf ou Hauptort), Grand Champ (Gran Tschamp), Cugna (Künju), Nicche (Nicke), Zan (San), Ceresole (Di Zinnisili), Praz (Proa), Proasch (Proasch), Champriond (Tschendriun), Stein (Stein) und Riccard (Rickard).

Issime ist das am südlichsten gelegene Dorf des historischen alemannischen (westoberdeutschen) Sprachraums und von diesem durch den Nachbarort Gaby getrennt.

Sprachen und Dialekte[Bearbeiten]

Das höchstalemannische Töitschu hat seine Ursprünge bei den Walliser Siedlern – den sog. Walsern –, die um 1300 nach Süden auswanderten. Verglichen mit dem Dialekt von Gressoney hat das Issimedeutsch einerseits viele Altertümlichkeiten erhalten, wurde aber auch von den anderen in der Region gesprochenen Sprachen (hauptsächlich Frankoprovenzalisch, in jüngerer Zeit auch Italienisch) beeinflusst. Es weist zahlreiche Besonderheiten wie etwa Monophthongierung mittelhochdeutscher Diphthonge (etwa mhd. chuo > iss. Chuu ‚Kuh‘) und Diphthongierung mittelhochdeutscher Monophthonge (etwa mhd. hûs > iss. Hous ‚Haus‘) auf, womit es sich nicht nur vom Gressoneydeutschen, sondern überhaupt vom Hoch- und Höchstalemannischen abhebt; überdies ist das Töitschu die einzige südwalserische Mundart, welche die mittelhochdeutschen gerundeten Vokale nicht entrundet hat (etwa iss. hübsch ‚hübsch‘, nicht wie sonst bei den Südwalsern hibsch).

Unterrichtssprachen in der Schule sind Italienisch und Französisch, so dass die deutsche Mundart nach wie vor einem starken Assimilationsdruck ausgesetzt ist.[2] Nur sehr wenige Kinder beherrschen noch den walserdeutschen Dialekt.[3] Im Schuljahr 2008/2009 wurde an den Schulen in Issime und dem benachbarten Gressoney erstmals das Fach Deutsch eingeführt, wozu zwei Deutschlehrerinnen eingestellt wurden.[4]

Gegenwärtig werden zahlreiche Versuche unternommen, den rückläufigen Dialekt zu erhalten. So nimmt sich die Associazione Augusta der Förderung des Walserdeutschen an, und vom Centro Studi e Cultura Walser wurde ein italienisch-issimedeutsches / issimedeutsch-italienisches Wörterbuch verfasst.

Eine Umfrage der Stiftung Émile Chanoux[5] aus dem Jahr 2001 ergab, dass Italienisch für 61,33 %, die traditionelle Volkssprache Töitschu für 22,33 % der Bevölkerung Muttersprache ist.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Walser Kulturzentrum – Centro Studi e Cultura Walser della Valle d'Aosta (Hg.): D'Eischemtöitschu. Vocabolario Italiano-Töitschu. Gressoney St-Jean 1988. / Vocabolario Töitschu-Italiano. ebd. 1998.
  • Peter Zürrer: Sprachinseldialekte. Walserdeutsch im Aostatal. Aarau 1999 (= Reihe Sprachlandschaften 23).
  • Peter Zürrer: Sprachkontakt in Walser Dialekten. Gressoney und Issime im Aostatal (Italien). Stuttgart 2009 (= ZDL-Beiheft 137).
  • Renato Perinetto: Eischemer's Büjie. San Valentino 1981. [Deklination.]
  • Imelda Ronco, Michele Musso: Eischemgseiti. Les dictions van a voart. Aosta 2007.
  • Walsergemeinschaft Greschoney-Eischeme: Fiori e piante nella lingua Walser. Blljümi un bauma in Éischemtöitschu. Meie òn Bouma òf Greschòneytitsch. Dizionario illustrato, realizzato dal Commune di Issime. St-Christophe 2010.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. Isabel Zollna: Das Deutsche im Sprachenkontakt – Französisch und Provenzalisch/Deutsch. In: Werner Besch, Oskar Reichmann, Stefan Sonderegger: Sprachgeschichte: ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache. S. 3192–3202. Aostatal, S. 3196.
  3. Nicola Vicquery: Oberes Lystal – eine Walsergemeinschaft im rasanten Sprachwandel. In: Walsersprache. Progetto Interreg III B. 2. Studienzusammenkunft in Brig, 9.–10. Juni 2006. S. 125–135. (PDF; 1,6 MB) S. 131.
  4. Nicola Vicquery (16. Oktober 2009): Gressoney und Issime. Jahresbericht (September 2008–September 2009). Unternehmungen zum Erhalt bzw. zur Förderung der Sprache. Walser Regionen – Aosta
  5. Émile Chanoux (* 9. Januar 1906, Rovenaud bei Valsavarenche; † 18. Mai 1944, Aosta), Notar und antifaschistischer Politiker, Mitglied der Resistenza, verstarb in nazifaschistischer Kerkerhaft.
  6. Fondation Émile Chanoux, Sondage Linguistique, Résultats Vallée d'Aoste: Die Zahlen basieren auf der Auswertung von 7.500 Fragebögen. Die Erhebung fand im September 2001 statt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Issime – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien