Johann Nepomuk von Tschiderer

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Johann Tschiderer, Lithographie von F. Dewerth, 1858

Johann Nepomuk von Tschiderer zu Gleifheim (* 15. April 1777 in Bozen; † 3. Dezember 1860 in Trient) war von 1835 bis zu seinem Tod Bischof von Trient und wurde durch Papst Johannes Paul II. 1995 seliggesprochen.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten]

Von Tschiderer wurde als fünfter von sieben Söhnen der Eheleute Joachim von Tschiderer zu Gleifheim und der Katharina von Giovanelli von Gerstburg und Hörtenberg in Bozen geboren, wo sein Geburtshaus noch heute besteht (s. auch Ansitz Gerstburg und Ansitz Hörtenberg). Ein Verwandter mütterlicherseits ist Ignaz von Giovanelli zu Gerstburg und Hörtenberg. Nach Heilung von Stummheit besuchte er das Bozner Franziskanergymnasium. 1783 übersiedelte die Familie nach Innsbruck. Dort studierte er seit 1795 Theologie und wurde am 27. Juli 1800 in Trient zum Priester geweiht.

Wirken in Pfarrei und Hochschule[Bearbeiten]

Nach einem Aufenthalt in Rom wirkte er zunächst als Kooperator in Unterinn/Ritten und in Ulten. Schon in dieser Zeit wurde von Tschiderer als „Almosengeber Gottes“ bezeichnet. 1807 wurde er als Professor für Moral- und Pastoraltheologie nach Trient berufen. 1810 wurde er Pfarrer im Sarntal, von 1819 bis 1826 war er Dekan und Schulinspektor von Tirol-Meran. Als Schulinspektor gründete er im Sarntal fünf Außenschulen; in Bozen regte er ein Schülerheim an, aus dem später das Johanneum hervorging. In dieser Zeit machte er, meist anonym, z. B. den Gefängnisinsassen, Arbeitslosen und anderen Bedürftigen sowie Kranken Geschenke, für die er eigene Wertgegenstände verkauft hatte.

Wirken im Bistum Brixen[Bearbeiten]

Von Tschiderer wurde nun in das Domkapitel berufen und am 26. Dezember 1827 vom Trienter Bischof Franz Xaver Luschin zum Provikar für den deutschsprachigen Anteil des Bistums Trient berufen. Bernhard Galura, Bischof von Brixen, ernannte ihn 1831 zum Generalvikar und am 24. Februar 1832 zum Weihbischof für Vorarlberg. Die Weihe zum Titularbischof von Heliopolis in Augustamnica erfolgte am 20. Mai 1832 in Innsbruck. In dieser Zeit setzte er sich besonders für die sogenannten Schwabenkinder ein: Tiroler Bauernkinder, die als Saisonarbeiter nach Schwaben geschickt wurden.

Fürstbischof von Trient[Bearbeiten]

Domplatz mit der Kathedrale San Vigilio und dem Neptunbrunnen

Als Bischof Luschin 1834 nach Lemberg transferiert wurde, wurde von Tschiderer durch Kaiser Franz I. zu dessen Nachfolger als Bischof von Trient nominiert und von Papst Gregor XVI. als solcher ernannt. Am 3. Mai 1835 nahm er das Fürstbistum feierlich in Besitz. Der unpolitische von Tschiderer konzentrierte sich ganz auf die geistlichen Aufgaben in seiner zweisprachigen Diözese, die im politischen Spannungsfeld zwischen Österreich und Italien lag. Da ihm die Priesterausbildung ein zentrales Anliegen war, machte er sich als Gegner der Josephinischen Reformen sogleich daran, jene Professoren am Priesterseminar, die josephinischem Gedankengut anhingen, durch Männer seines Vertrauens zu ersetzen. Qualifizierte Geistliche schickte er zur weiteren Ausbildung in das Frintaneum nach Wien oder ins Germanicum nach Rom. Er führte jährliche Exerzitienkurse für den Klerus ein, zu dem er ein herzliches Verhältnis pflegte. Auch trat er für die Glaubenseinheit Tirols ein. Hervorgehoben wird sein Einsatz für die Priesterausbildung. Er gründete Konvikte in Borgo und Bozen sowie das Johanneum. Der Hebung der Seelsorge dienten auch die regelmäßige Visitation seines Bistums sowie die Förderung der Orden (Jesuiten, Redemptoristen, Priestergemeinschaft des Deutscher Ordens, Herz-Jesu-Schwestern u. a.). Er beschloß mit der Gemeinde von Kaltern, an der Sakristei der Kirche der Tertiarschwestern einen Anbau zu errichten, der als Zimmer für die von Pilgern aufgesuchte Mystikerin Maria von Mörl diente.

Nach längerer Krankheit starb Tschiderer am 3. Dezember 1860 in Trient im Rufe der Heiligkeit.

Würdigung[Bearbeiten]

Fürst dem Titel nach, führte er, gegen den Rat von Bekannten, ein Leben ohne äußeren Pomp, in Einfachheit und Aszese. Reparaturen in der fürstbischöflichen Wohnung führte er selbst durch. Der abgetragene Talar, der im Johanneum aufbewahrt wird, bezeugt seine Bescheidenheit heute noch. Das Heim für Taubstumme in Trient geht auf seine Initiative und finanzielle Förderung zurück. Von seiner sozialen Aufgeschlossenheit zeugt, dass er schon in seiner Zeit im Sarntal Frauen und Mädchen im Klöppeln unterrichten und als Bischof in Rovereto ein Heim für Arbeiterinnen errichten ließ. Seine Menschenfreundlichkeit und Volksnähe brachten ihm Sympathien bei der Bevölkerung. Um deren Bildung zu fördern, schaffte er aus eigenen Mitteln religiöse Literatur an. Von Tschiderer war auch kunstsinnig: Für viele Kirchen und Klöster stiftete er Kreuze, Statuen, Meßgewänder, Kelche und Monstranzen oder förderte Künstler.

Vom damaligen Bürgermeister von Trient, Graf Benedikt von Giovanelli, ist z. B. der Ausspruch überliefert: „Wenn es Heilige gibt, dann ist Fürstbischof Tschiderer einer, und zwar ein solcher, der die Tugend liebenswert macht.“ Ein Nachfolger im Bischofsamt, Benedikt Freiherr von Riccabona, leitete 1873 den 122 Jahre dauernden Seligsprechungsprozess ein, zu dem der deutsche Jesuit und Historiker an der päpstlichen Universität Gregoriana, Josef Grisar, 1936 das Gutachten erstattet hatte. Den Weg für die Seligsprechung machte die Anerkennung der 1992 erfolgten wunderbaren Heilung des 15-jährigen Attilo Lanzinger aus Lavis frei, nachdem seine Familie für den Sterbenden eine Novene zu Bischof Tschiderer gebetet hatte. Am 30. April 1995 wurde von Tschiderer durch Papst Johannes Paul II. in Trient unter Anteilnahme von 100.000 Menschen seliggesprochen.

Literatur[Bearbeiten]


Vorgänger Amt Nachfolger
Bernhard Galura Generalvikar von Feldkirch
18321834
Georg Prünster
Franz Xavier Luschin Bischof von Trient
18351860
Benedikt von Riccabona