Josef Bögle

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Sepp Bögle signiert sein neues Buch "Begegnungen"

Josef „Sepp“ Bögle (* 1950 in Luttingen) ist ein deutscher Aktionskünstler (Steinskulpturen) und Buchautor. Die Stuttgarter Zeitung bezeichnete ihn als „Faktotum“ der Stadt Radolfzell und „Diogenes vom Bodensee“, wegen seiner philosophischen Ambitionen.[1]

Leben[Bearbeiten]

Josef Bögle wurde 1950 als Arbeitersohn von Erwin Bögle und der Hausfrau Viktoria Bögle geboren. Er wuchs zusammen mit seinen drei Brüdern und drei Schwestern in Luttingen auf.

Als Aussteiger auf Zeit sammelte er bereits im Alter von Anfang 20 erste Erfahrungen, als er mit dem Rucksack und dem Fahrrad Griechenland und Indien bereiste. Bögle erlernte in Bad Säckingen den Beruf des Industriekaufmanns. Mit 23 kündigte er seine dortige Beschäftigung und unternahm eine mehr als einjährige Tour durch Asien. Zurück in Deutschland absolvierte er ab 1973 in Gundelfingen bei Freiburg eine zweite Ausbildung als Koch, um mehr von der Welt zu sehen. In den 1970er-Jahren hatten ihn Abenteuerreisen nach Indien und in die Türkei geführt. Drei Monate arbeitete er auf Bali, bis er seine Frau, eine Japanerin, in Singapur kennenlernte. In den 1980er-Jahren heirateten die beiden in Dogern und bezogen dort eine Wohnung.

Dritte Station Bögels war die Arbeit als gutverdienender Handelsreisender für Kochtöpfe im Direktvertrieb einer renommierten Kochtopf-Marke. Er kaufte ein Wohnhaus in Meßkirch und zog zwei Kinder, einen Sohn (* 1975) und eine Tochter, groß. Anzug und Krawatte, Haus, großes Auto und Pilotenschein symbolisierten nach außen Erfolg und Wohlstand. Das Innenleben blieb nach eigener Aussage Bögles aber weitgehend auf der Strecke. Die Ehe scheiterte, das Einfamilienhaus wurde verkauft.

Wegen seiner Tochter zog er nach Radolfzell am Bodensee und bezog mit ihr gemeinsam eine Wohnung. Als diese zum Studieren (Japanologie, wie ihr älterer Bruder) nach München ging, kam es zum endgültigen Wechsel zu seinem heutigen Künstlerleben. Bögle reduzierte sein Hab und Gut bis auf zwei Koffer. Seine offizielle Postadresse lautet seit 1997: Sepp Bögle, An der Mole, letzter Baum, D-78315 Radolfzell. Von April bis Oktober bewohnt er ein möbliertes Zimmer im Radolfzeller Hotel Adler und ist er an der Mole des Yachthafens anzutreffen[2], in der kalten Jahreszeit, von Oktober bis April, ist er auf der Kanaren-Insel Lanzarote zu finden, wo er eine Ferienwohnung nutzt.

Steinkunst[Bearbeiten]

Seit 1997 balanciert Bögle - mit zotteligem Bart und ausgeblichenem Haar, einem Landstreicher gleichend[3] - Flusssteine ohne Kleber und ohne Dübel an der mit Platanen gesäumten Hafenmole von Radolfzell aufeinander. Dabei entstehen jeden Tag aufs Neue beeindruckende Steinskulpturen aus bis zu fünf Steinen unterschiedlicher Größe und Gewicht. Die am Ufer beliebig von Bögle gesammelten Steine türmt er aufeinander, sie berühren sich dabei an der kleinstmöglichen Fläche und werden allein durch die Schwerkraft in der Balance gehalten. Jeden Abend baut er sie wieder ab, um sie am nächsten Tag erneut aufzubauen.

„Die Skulpturen sind ein Sinnbild für das Leben selbst, seine Schönheit und sein Gefahren.“

Wolfgang Messner: Sepp Bögle, Steine- und Lebenskünstler aus Radolfzell. Der Diogenes vom Bodensee hat für jeden eine Weisheit parat

Vom Verkauf der Passepartouts der höchst fragilen Kunstwerke bestreitet der ehemalige Geschäftsmann seinen Lebensunterhalt und seinen Flug nach Lanzarote. Dort baut er zwei bis drei Stunden täglich Steintürme am Strand vor einem Fünf-Sterne-Hotel. Es gibt immer Menschen, die ihm auch ohne finanziellen Vorteil helfen: Wenn er einen Arzt braucht, dann geht er zu einem Freund, der ihn auch ohne Versicherung behandelt. Das Essen bekommt er in seiner Stamm-Wirtschaft billiger. Tantiemen aus dem Buchverkauf bringen ihm ein weiteres Zubrot ein.

Große Resonanz wurde ihm zuteil als die Frankfurter Allgemeine Zeitung über ihn berichtete. Im Rahmen der ZDF-Sendung „Mensch und Umwelt“ war Sepp Bögle am 1. Dezember 2002 im TV zu Gast. Es folgte ein Auftritt im Südwest-Fernsehen am 14. Oktober 2005 als Talkshow-Gast im SWR-Nachtcafé mit Wieland Backes (Thema: In der Mitte des Lebens, eine Aufzeichnung vom 29. September 2005 im Schloss Favorite in Ludwigsburg). Franz Xaver Gernstl vom Bayerischen Rundfunk widmete ihm ein Porträt in seiner „Deutschlandreise“ in der Folge „Von Basel bis zum Bodensee“, ausgestrahlt am 28. September 2008.

Bisher hat Bögle drei Bücher publiziert, das erste trug den Titel „Ruf der Steine“ (unter dem Pseudonym Peter Steiner, mit englischer, spanischer und französischer Übersetzung). Das Zweite trägt den Titel „einfach-sein“. Sein neues Buch “Begegnungen” stellte er Mitte Juli 2010 vor.

Neben Bögle gibt es am Bodensee zwei weitere Vertreter der Steinkunst: Der Künstler Axel Reinhard Böhme, der sich seit 1996 auf Land Art und Balance-Kunst spezialisiert hat, und Volker Paul, der nach eigener Aussage bereits seit 1997 in Überlingen dem Hobby der Steinkunst frönt[4] und diese bei entsprechenden Witterungsverhältnissen täglich ab circa 15 Uhr auf der Halbinsel Mettnau im Freibadgelände oder im Überlinger Stadtgarten zeigt. Trotzdem betrachten sich Volker Paul und Sepp Bögle nicht als Konkurrenten, jeder hat für sich seine Nische gefunden.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Beck: Lebenskünstler Josef Bögle. Von Steinen und vom Leben. In: Lotto-Zeitschrift-Bayern vom 2. März 2004
  • Hans Gasser: Außer Bodenseesteinen bringt Sepp Bögle so manchen Ratsuchenden in Balance - Portrait eines Lebenskünstlers. Das Leben als Müßiggang. In: Südkurier vom 7. Juli 2004
  • Roland Gerard: Steinestapler Sepp Bögle zu Gast im SWR-Nachtcafé. Der Lebenskünstler aus Luttlingen. In: Südkurier vom Oktober 2005
  • Andrea Jagode: Sepp, der »Molenstar«. Steinkünstler beim SWR3 »Nachtcafe«. In: Wochenblatt 2005
  • Wolfgang Messner: Sepp Bögle, Steine- und Lebenskünstler aus Radolfzell. Der Diogenes vom Bodensee hat für jeden eine Weisheit parat. In: Stuttgarter Zeitung vom 1. August 2005

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Nach Wolfgang Messner
  2. Karola Kuhn: Schlange mit schlapper Zunge. In: Südkurier vom 12. August 2003
  3. Anmerkung der SZ: Bögle trinkt keinen Tropfen Alkohol und raucht nicht einmal
  4. Gerald Jarausch: Steinkunst im TV. In: Südkurier vom 3. Februar 2007
  5. Physik als Zauberstunde. In: Südkurier vom 14. Mai 2003