Klietz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Klietz
Klietz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Klietz hervorgehoben
52.667512.06611111111132Koordinaten: 52° 40′ N, 12° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Stendal
Verbandsgemeinde: Elbe-Havel-Land
Höhe: 32 m ü. NHN
Fläche: 66,46 km²
Einwohner: 1575 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 24 Einwohner je km²
Postleitzahl: 39524
Vorwahl: 039327
Kfz-Kennzeichen: SDL, HV, OBG
Gemeindeschlüssel: 15 0 90 310
Adresse der Verbandsverwaltung: Fontanestraße 6
39524 Schönhausen (Elbe)
Webpräsenz: www.elbe-havel-land.de
Bürgermeister: Jürgen Masch (WG)
Lage der Gemeinde Klietz im Landkreis Stendal
Aland Aland Altmärkische Höhe Altmärkische Wische Arneburg Bismark (Altmark) Bismark (Altmark) Eichstedt Goldbeck Hassel Havelberg Hohenberg-Krusemark Hohenberg-Krusemark Iden Kamern Klein Schwechten Klietz Osterburg Rochau Sandau (Elbe) Schollene Schönhausen (Elbe) Stendal Stendal Stendal Stendal Seehausen Seehausen Tangerhütte Tangermünde Werben (Elbe) Wust-Fischbeck Zehrental Sachsen-AnhaltKarte
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Klietz ist eine Gemeinde im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Sie gehört der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land an, die ihren Verwaltungssitz in der Gemeinde Schönhausen (Elbe) hat.

Geografie[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet von Klietz liegt am Nordwestrand des Landes Schollene, einem waldreichen Endmoränenbogen, der sich zwischen den hier parallel verlaufenden Flüssen Elbe und Havel auf einer Länge von 30 km erstreckt. Zwischen Klietz und der Elbe, die die westliche Gemeindegrenze bildet, liegen die ausgedehnten, von zahlreichen Gräben durchzogenen Elbauen; an der gegenüberliegenden Elbseite liegt die Kleinstadt Arneburg. Teile der Klietzer Heide und der Ferchelschen Heide östlich und südöstlich von Klietz werden seit Jahrzehnten als Truppenübungsplatz genutzt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Klietz mit den Siedlungen Altdorf, Friedenssiedlung und Seesiedlung gehören die Ortsteile Neuermark-Lübars und Scharlibbe.

Geschichte[Bearbeiten]

Klietz taucht erstmals 1144 in einer Urkunde auf. Der Ortsname kommt aus dem Slawischen, aus dieser Zeit sind Reste eines Burgwalls erhalten.

Die Gemeinde Klietz ist Schulstandort, es gibt zahlreiche Geschäfte, eine Kindertagesstätte, ein Ärztehaus sowie mehrere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.

In der Nähe befindet sich der 9.150 Hektar große Truppenübungsplatz Klietz. Von 1934 bis 1945 produzierte die WASAG mit dem Einsatz hunderter verschleppter Zwangsarbeiter auf dem Gelände Sprengstoffe für das Militär. Das Unternehmen wurde nach Kriegsende von der Sowjetunion demontiert. Ab 1948 wurden Unterkünfte für die Kasernierte Volkspolizei der DDR gebaut. 1956 kam der Truppenübungsplatz zur Nationalen Volksarmee, die ein Ausbildungszentrum für Artillerieeinheiten errichtete. Zuletzt waren hier die Raketenabteilung 19 sowie einige Ausbildungseinrichtungen des AZ-19 der NVA der DDR stationiert. Ab 1990 erfolgte die Übernahme des Standortes durch die Bundeswehr.

Im Zuge der Gebietsreform in Sachsen-Anhalt wurde am 1. Januar 2010 Neuermark-Lübars nach Klietz eingemeindet.[2]

Gedenkstätte[Bearbeiten]

  • Grabstätten und Gedenkkreuze auf dem Ortsfriedhof für zehn namentlich bekannte Personen aus von Deutschland besetzten Ländern, die verschleppt und hier Opfer von Zwangsarbeit wurden

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei den Gemeinderatswahlen am 7. Juni 2009 gab es folgende Ergebnisse:

Der Gemeinderat gibt seit 1999 unter dem Titel "Klietzer Rathausanzeiger" ein Informations- und Mitteilungsblatt heraus.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold ein springender roter Hirsch mit zehnendigem Geweih und schwarzen Hufen über einem grünen Dreiberg.“

Klietz führte bereits im Jahr 1781 ein Gemeindesiegel. Es war ein Bildsiegel (kein Wappensiegel!), das einen springenden Hirsch im Siegelbild zeigte.

Im Jahre 1946 gab es seitens der Gemeinde Einspruch gegen ein vom Landkreis geliefertes Siegel, das 2 Hellebarden beinhaltete. Der damalige Bürgermeister bat darum, das alte Gemeindesiegel mit dem Hirsch weiterführen zu dürfen und schreibt: "Bei der erstmalig i.J. 1908 durchgeführten Überprüfung der Gemeindesiegel des Kreises Jerichow II wurde festgestellt, daß folgende 14 Gemeinden den Hirsch im Wappen*) führten: Briest, Garz, Groß Wulkow, Kabelitz, Kamern, Klein Wulkow, Klietz, Kulhausen, Molkenberg, Redekin, Reesen, Rehberg, Scharteucke, Warnau. Bei den vorgenannten Orten war das verwendete Wappenbild*) nicht mehr das charakteristische Kennzeichen einer bestimmten Gemeinde und hatte seinen Sinn als unterscheidendes und gemeinde-eigenes Symbol verloren. Die vor einigen Jahren im landrätl. Auftrage erfolgte Durchsicht der archivarischen Bestände des Staatsarchivs Magdeburg ergab, daß im Jahre 1691 von den Orten des Kreises Jerichow II nur die Gemeinde Garz den Hirsch und Wappen*) führte. Die anderen genannten Orte, die früher ihr besonderes Wappen führten, haben im 19. Jahrh. eigenmächtig und unberechtigt ihr Wappen*) mit ‘fremden Federn’ geschmückt." (* Anmerkung: Der damalige Klietzer Bürgermeister benutzt in seinem Schreiben fälschlich das Wort "Wappen"; richtig muss es Siegel bzw. Bildsiegel heißen, denn die erwähnten Dörfer besaßen keine rechtmäßig verliehenen Wappen.)

In der Chronik der Gemeinde Klietz (Schulchronik) findet sich zudem der Hinweis auf die Weihe der Schulfahne am 1. Juni 1957 mit dem Bild des über eine mit Heidekraut bewachsene Lichtung im Wald springenden Hirsches.

Es war bereits Beschluss der Gemeindevertretung Klietz vom 28. November 1991 die Symbolik des springenden Hirsches in das Ortswappen aufzunehmen. Diesem Wunsch wurde 1996 entsprochen, indem Tinkturen, Hirsch und Schildfuß heraldisch korrigiert wurden. Das Wappen wurde vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet und der Hirsch dabei so gezeichnet, wie er in Siegeln und Bildern überliefert war.[4]

Historisches Wappenbild[Bearbeiten]

Die ehemaligen Gemeinden Klietz und Scharlibbe führten in Ihrem Gemeindesiegel schon einmal ein wappenähnliches Siegelbild. Dieses wurde im Zeitraum nach dem Zweiten Weltkrieg bis ca. der Einführung der Bezirke und Kreise in der DDR (1945–1952) benutzt. Eine weitere Quelle ist das Kreisheimatmuseum in Genthin.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche im Ortsteil Scharlibbe
  • Bockwindmühle
  • Hofmuseum Läufer
  • Naturlehrpfad um den Klietzer See
  • Werkssiedlungen der ehem. Sprengstoff-Fabrik: Seesiedlung (1934–1936) und Friedenssiedlung (1940–1943)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde Klietz liegt an der Bundesstraße 107 von Havelberg nach Genthin, durch weitere Landstraßen ist Klietz mit dem brandenburgischen Rathenow verbunden. Die Bahnstrecke Schönhausen–Sandau wurde 1997 eingestellt. Damit befindet sich der nächste Bahnanschluss im neun Kilometer entfernten Schönhausen (Elbe) (Lehrter Bahn). Es verkehren Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus.

Religionen[Bearbeiten]

In Klietz befindet sich eine evangelische Kirche, sie gehört zum Pfarrbereich Sandau.

1950 wurde die katholische Kuratie Klietz gegründet. 1952 begann der Bau der Kirche Maria Rosenkranz für die heimatvertriebenen Katholiken die sich ab 1945 in der Gegend von Klietz niedergelassen hatten. 1953 wurde sie eingeweiht, und 1955 um einen freistehenden Glockenturm bereichert.[5] Heute findet der nächstgelegene katholische Gottesdienst im 14 km entfernten Sandau statt.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  3. Rathausanzeiger
  4. Jörg Mantzsch: Das Wappen der Gemeinde Klietz, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, Hinterlegt beim Regierungspräsidium Magdeburg 1996 (Gutachten: Landeshauptarchiv Magdeburg)
  5. http://www.klietz.com/seiten_klietz.com/visitenkarten/kirche_kath.htm

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klietz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien