Schönhausen (Elbe)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schönhausen (Elbe)
Schönhausen (Elbe)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schönhausen (Elbe) hervorgehoben
52.57861111111112.03972222222234Koordinaten: 52° 35′ N, 12° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Stendal
Verbandsgemeinde: Elbe-Havel-Land
Höhe: 34 m ü. NHN
Fläche: 74 km²
Einwohner: 2184 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner je km²
Postleitzahl: 39524
Vorwahl: 039323
Kfz-Kennzeichen: SDL, HV, OBG
Gemeindeschlüssel: 15 0 90 500
Adresse der Verbandsverwaltung: Fontanestraße 7b
39524 Schönhausen (Elbe)
Webpräsenz: www.schönhausen-elbe.com
Bürgermeister: Alfons Dobkowicz (parteilos)
Lage der Gemeinde Schönhausen (Elbe) im Landkreis Stendal
Aland Aland Altmärkische Höhe Altmärkische Wische Arneburg Bismark (Altmark) Bismark (Altmark) Eichstedt Goldbeck Hassel Havelberg Hohenberg-Krusemark Hohenberg-Krusemark Iden Kamern Klein Schwechten Klietz Osterburg Rochau Sandau (Elbe) Schollene Schönhausen (Elbe) Stendal Stendal Stendal Stendal Seehausen Seehausen Tangerhütte Tangermünde Werben (Elbe) Wust-Fischbeck Zehrental Sachsen-AnhaltKarte
Über dieses Bild

Schönhausen (Elbe) ist eine Gemeinde im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Sie ist Sitz der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land, der weitere fünf Gemeinden angehören.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Schönhausen (Elbe) liegt 70 km nördlich von Magdeburg, auf der östlichen Seite der Elbe, auf halbem Wege zwischen Stendal und Rathenow.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Schönhausen I, Bismarcks Geburtshaus (1958 abgerissen)
Romanische Dorfkirche

Schönhausen wurde am Anfang des 13. Jahrhunderts vom Bischof von Havelberg gegründet. Ältestes Gebäude des Ortes ist die 1212 geweihte romanische Backsteinkirche. Nach der Reformation kam Schönhausen an das Kurfürstentum Brandenburg. Durch den so genannten Permutationsvertrag (einen Gebietstausch) wurde der Ort 1562 Eigentum der Bismarcks. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf 1642 durch die Schweden schwer zerstört. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts bauten die Bismarcks zwei Schlösser: Um 1700 wurde das Schloss I vollendet und ab 1729 entstand das Schloss II. Am 1. April 1815 wurde im Schloss Schönhausen I Otto von Bismarck geboren; seine Familie zog allerdings im folgenden Jahr nach Pommern.

1830 ersteigerte der Magdeburger Kaufmann und spätere Stadtrat Ernst August Gaertner das überschuldete, bis dahin einem anderen Zweig der Familie Bismarck gehörende Schloss Schönhausen II. Der Neubürger Gaertner erwies sich in der Folgezeit als engagierter Förderer Schönhausens, durch Sanierung des Kirchturms mit der Grablege der Bismarcks, sowie Erweiterung des Friedhofs auf eigenem Gelände. Nach dem Tode von Ernst August Gaertners, im Jahr 1862 übernahm sein Sohn August Emil Gaertner, das Gut Schönhausen II. Schließlich wurde es 1885, "von der deutschen Nation" abgekauft und Bismarck zu seinem 70. Geburtstag geschenkt. Das darin dann eingerichtete Bismarck-Museum existierte an diesem Ort bis zum Jahr 1948. Danach wurde das Hauptgebäude in eine Grundschule verwandelt.

Nach dem Tod seines Vaters 1845 übernahm Bismarck das Gut Schönhausen I, zog nach Schönhausen und wurde bald Deichhauptmann der Mittelelbe In Jerichow. Als er 1847 in den Vereinigten Landtag einzog, später 1849 in den Preußischen Landtag, 1851 nach Frankfurt bzw. 1859 nach Petersburg als Gesandter übernahm Ernst August Gaertner von ihm nicht nur das Amt des Deichhauptmanns, sondern auch die Verwaltung des Bismarckschen Gutes. Rittergut und Schloss Schönhausen I wurden 1945 entschädigungslos enteignet. Am 2. August 1958 wurde das Schloss I auf Betreiben der DDR-Führung, die es als Symbol des preußischen Militarismus ansah, gesprengt. Dank des Mutes einer einzelnen Person, die sich weigerte das Haus zu verlassen, blieb ein Seitenflügel, genannt Torhaus, erhalten. Einrichtungsgegenstände des Schlosses wurden Bestand des jetzigen Schönhausener Bismarck-Museums.

Am 16. Oktober 1917 ereignete sich ein schwerer Eisenbahnunfall: Ein Sonderzug mit Kindern und ein Güterzug stießen zusammen. 26 Menschen starben, 16 weitere wurden verletzt.[2]
Am 1. Januar 2010 wurde Hohengöhren eingemeindet.[3]

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[4]
Wahlbeteiligung: 56,4 %
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Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Schönhausen gehören die Ortsteile Hohengöhren (seit 1. Januar 2010), Hohengöhrener Damm und Schönhauser Damm.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde von dem Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet und am 24. April 2006 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Blau ein von drei silbernen Eichenblättern bewinkeltes goldenes Kleeblatt.“[5]

Die Farben der Gemeinde sind – abgeleitet von Hauptmotiv und Schildfarben – Weiß-Blau

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge ist weiß-blau (1:1) gestreift (Längsform: Streifen senkrecht verlaufend, Querform: Streifen waagerecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Partnergemeinde von Schönhausen ist Kirchlinteln in Niedersachsen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bismarckmuseum
Schloss Schönhausen II, erhalten
Schloss Schönhausen II

Das 1998 eingerichtete Bismarck-Museum ist im erhalten gebliebenen Seitenflügel, dem sogenannten Torhaus von Schloss I untergebracht. Einen Eindruck der ehemaligen Pracht der beiden Rittergüter Schönhausens gibt das auch als Ensemble erhaltene Schloss II wieder. Es wird seit 1950 als Schule genutzt. Heute ist hier die Sekundarschule „Otto von Bismarck“ untergebracht.

Bemerkenswert ist auch die 1212 erbaute romanische Kirche aus Backstein mit einem beeindruckenden Westwerk.

Der barocke Park war früher Teil des Rittergutes Schönhausen I. Die darin noch erhaltene Sandsteinstatue des Herkules soll der Überlieferung nach die Verschandelung seines Hinterteils einem in Wut abgegebenen Schrotschuss von Bismarcks nach einer erfolglosen Jagd zu verdanken haben.

Auch Schönhausen II verfügte ehemals über einen eigenen Park; Zeuge dessen ist die an das Anwesen hinten angrenzende Straße „Am Park“; hier wird die ehemalige Größe auch dieses Rittergutes erkennbar, das ebenso wie Schönhausen über etwa 500 ha verfügte.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Der Bahnhof Schönhausen (Elbe) liegt an der Berlin-Lehrter Eisenbahn und wird von der Regionalbahn-Linie RB13 RathenowStendal im Zwei-Stunden-Takt angefahren. Die Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin führt ohne Halt durch den Ort.

Der regionale Busverkehr wird von dem Regionalverkehr Westsachsen unter dem Markennamen stendalbus durchgeführt. Durch den Landesbus 900 sind unter anderem Stendal, Tangermünde, Havelberg und Glöwen direkt erreichbar.

Der Ort liegt an der B 107 Pritzwalk–Havelberg–Genthin.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Ernst August Gaertner (* 1794 in Magdeburg; † 1862 in Schönhausen), liberaler Politiker, Unternehmer, Deichhauptmann an der Mittelelbe und Philanthrop.
  • Otto von Bismarck (* 1815 in Schönhausen; † 1898 in Friedrichsruh), erster Kanzler des Deutschen Reichs, geboren im nicht mehr existierenden Schloss
  • Alwin Belger (* 1891 in Schönhausen; † 1945 in Bremen-Vegesack), Pädagoge und Schriftsteller
  • Otto Fürst von Bismarck (* 1897 in Schönhausen; † 1975 in Friedrichsruh), Politiker, Reichstags- und Bundestagsabgeordneter
  • Annett Louisan (* 1977 in Havelberg), aufgewachsen in Schönhausen, Musikerin

Literatur[Bearbeiten]

  • Brigitte Neumann: Die Bismarcks in der Dorfkirche zu Schönhausen. Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirchengemeinde Schönhausen/Elbe, 1998.
  • Otto von Bismarck-Schönhausen – Auf den Spuren des ersten Reichskanzlers. Gemeinde Schönhausen, 2001.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schönhausen (Elbe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2013 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd. 1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 91.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  4. http://www.stala.sachsen-anhalt.de/wahlen/gw09/erg/gem/gw.15090500.ergtab.frametab.html
  5. Amtsblatt des Landkreis Nr. 9/2006, S. 79 (PDF; 1,0 MB)