Pierre Mauroy

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Pierre Mauroy (2007)

Pierre Mauroy [pjɛʁ mo'ʁwa] (* 5. Juli 1928 in Cartignies, Département Nord; † 7. Juni 2013 in Clamart) war ein französischer sozialistischer Politiker der Parti socialiste (PS) . Er war fast 30 Jahre lang Bürgermeister von Lille und gleichzeitig von 1981 bis 1984 Ministerpräsident.

Leben[Bearbeiten]

Mauroy wurde als Sohn eines französisch-flämischen Lehrers geboren. Er besuchte das Gymnasium in Cambrai und später die Berufsschule in Cachan. Ab 1952 war Mauroy als Berufsschullehrer in Colombes bei Paris tätig.

Er engagierte sich schon sehr früh, nämlich 1944, in der alten sozialistischen Partei Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO) und war bereits von 1949 bis 1958 Generalsekretär der Sozialistischen Jugend. 1955 wurde er Generalsekretär der Berufsschullehrergewerkschaft. 1961 wurde er Generalsekretär der Nordföderation der SFIO. Mit der Gründung des PS, bei der die SFIO, die Fédération de la Gauche Démocrate et Socialiste und die Parti radical socialiste 1971 vereinigt wurden, wurde er Koordinationssekretär in deren Nationalbüro. Schritt für Schritt stieg er dann die Leiter der verantwortlichen Posten weiter hinauf. Auf Vorschlag von Augustin Laurent erreichte er die zweite Position auf der Wahlliste der sozialistischen Partei bei den Kommunalwahlen 1971 in Lille. Augustin Laurent wurde wiedergewählt, trat zwei Jahre später, am 8. Januar 1973, zurück und Mauroy wurde sein Nachfolger. Am 11. März 1973 wurde er außerdem zum Abgeordneten des Départements Nord in der Nationalversammlung gewählt. Bereits ein Jahr später wurde er zum Präsidenten des Regionalrats der Region Nord-Pas-de-Calais gewählt.

Als wichtige Stütze von François Mitterrand bei der Schaffung der Linken Koalition 1981, als überzeugter Europäer und entschiedener Gegner der Zentralisierung Frankreichs wurde er nach der Wahl von François Mitterrand zum Staatspräsidenten von ihm am 21. Mai 1981 zum Premierminister ernannt. Die erste Koalitionsregierung Mauroys, die nach der gewonnenen Wahl zur Nationalversammlung gebildet wurde, schloss vier Minister der kommunistischen Partei (PCF) ein. In Erfüllung der Wahlversprechen des Präsidenten präsentierte Mauroy ein soziales Sofortprogramm und erste Schritte eines ambitionierten Reformprogramms: Einführung der 39-Stunden-Woche, fünf Wochen bezahlten Jahresurlaub, Einstellung zusätzlicher Beamter, Dezentralisierung der Verwaltung, Verstaatlichung von Großunternehmen (wie Bull Computer, Rhône-Poulenc, Dassault, Sacilor, Usinor und Thomson) und Banken (Crédit Lyonnais, Compagnie financière de Suez), Vermögenssteuererhöhungen, Erhöhung der Einkommen, Abschaffung verschiedener Sicherheitsgesetze, Rente mit 60 Jahren, Abschaffung der Todesstrafe, Reform der Medien, Schwangerschaftsabbruch (gegen den Rat des Präsidenten).

Wie auch in Westdeutschland und Großbritannien infolge der Ölkrise stiegen in Frankreich die Inflationsrate und die Arbeitslosigkeit. Dazu kam eine Währungskrise, die Mauroy bereits ein Jahr später zwang, Sparmaßnahmen als „Politik der Strenge“ (politique de l'austérité) zu ergreifen, um die finanziellen und wirtschaftlichen Probleme zu überwinden, personifiziert durch den Finanzminister Jacques Delors. Die Indexierung der Einkommen in Relation zum Preisniveau wurde aufgegeben, die private Berufsausbildung wurde zurückgestellt. Das wurde von den Wählern der Linken abgelehnt. Die kommunistischen Minister schieden dann 1983 nach zunehmenden Auseinandersetzungen aus der Regierung aus. Am 22. März 1983 beauftragte Mitterrand erneut Mauroy mit der Regierungsbildung seiner dritten Regierung. Zwei Wochen später, am 6. April 1983, kündigte Mauroy in seiner Regierungserklärung Notverordnungen zur Durchsetzung eines drastischen Spar- und Restriktionsprogramms ein. Insbesondere die kommunistische Gewerkschaft CGT organisierte daraufhin landesweite Streiks. Am 18. Juli 1984 entschied der Staatspräsident, Mauroy durch Laurent Fabius als Ministerpräsidenten zu ersetzen.

Mauroy kehrte daraufhin in den Norden zurück, wo er großes politisches Gewicht besaß. 1988 wurde er Vorsitzender (Erster Sekretär) der PS. Er gab diesen Posten 1992 auf, als er zum Senator gewählt wurde. Vom 17. September 1992 bis 1999 war Mauroy Nachfolger Willy Brandts als Präsident der Sozialistischen Internationale. 2001 wurde Jacques Delors' Tochter Martine Aubry seine Nachfolgerin als Bürgermeisterin von Lille. Sie war bis dahin seine „rechte Hand“ gewesen.

Am 7. Juni 2013 starb Mauroy im Militärkrankenhaus Percy in Clamart.[1] Bereits 14 Tage später benannte die Metropolregion Lille das Grand Stade Lille Métropole in Villeneuve-d’Ascq in Stade Pierre-Mauroy um.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pierre Mauroy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pierre Mauroy, ancien premier ministre, est mort. In: Le Monde vom 7. Juni 2013 (französisch). Abgerufen am 7. Juni 2013.
  2. France Football vom 25. Juni 2013, S. 11