Reinhard Lakomy

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Reinhard Lakomy (2009)

Reinhard Lakomy (* 19. Januar 1946 in Magdeburg; † 23. März 2013 in Berlin[1]) war ein deutscher Komponist, Pianist, Sänger und Liedermacher. Seine musikalische Bandbreite reichte von Schlagern über Jazz und elektronische Musik bis zu Hörspielen und Musicals für Kinder. Lakomy gehörte in der Deutschen Demokratischen Republik neben den Puhdys zu den Künstlern mit den meisten offiziellen Veröffentlichungen. Zu seinen bekanntesten Werken gehört das Kinder-Hörspielmusical Der Traumzauberbaum, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau Monika Ehrhardt produzierte.

Werdegang[Bearbeiten]

Seine musikalische Ausbildung erhielt Lakomy in der DDR an der Georg-Philipp-Telemann-Musikschule in Magdeburg, wo er bei Dieter Nathow das Klavierspielen und die Grundlagen der Kompositionslehre erlernte. Danach wechselte er an die Musikhochschule Dresden. Um 1966 wurde er Mitglied des Lenz-Sextetts, aus dem wenig später das Fischer-Quartett hervorging. Daneben schrieb Lakomy Schlager für Thomas Lück und Andreas Holm. Nach dem Ableisten des Wehrdienstes in der NVA verließ Lakomy das Fischer-Quartett und arbeitete in verschiedenen musikalischen Richtungen, so u. a. mit einem Mädchenchor. Bereits während dieser Zeit nahm Lakomy die Schlager Es war doch nicht das erste Mal und Heute bin ich allein auf, die 1972 als Single erschienen. Sie brachten ihm neben ersten kommerziellen Erfolgen auch die Kritik von Musikerkollegen ein, die ihm vorwarfen, seine Jazz-Wurzeln verlassen zu haben.

Lakomy mit seiner Ehefrau Monika und Tochter (1987)

Zur gleichen Zeit gründete er das Lakomy-Ensemble, mit dem er seine eigenen Lieder interpretieren konnte. Er arbeitete mit dem Liedtexter Fred Gertz zusammen, seine langjährige Gesangspartnerin war Angelika Mann, genannt „die Lütte“. Im Jahr 1976 gewannen Hauff & Henkler als erste deutschsprachige Künstler mit seiner Komposition Als ich dich heute wiedersah den internationalen Chanson-Grand-Prix von Paris. Nach der Veröffentlichung von vier Langspielplatten zog sich Lakomy 1977 aus dem aktiven Musikgeschäft zurück, weil ihm die Aufmerksamkeit um seine Person unangenehm war. Er begründete dies damit, dass die Leute seine Musik hören und „nicht den Macher umschwirren“ sollten.

Reinhard Lakomy (1982)

Ab 1978 widmete sich Lakomy gemeinsam mit seiner Frau Monika Ehrhardt der Produktion von Kinderliedern und Hörspielmusicals. Das bekannteste Werk des Paares ist der Traumzauberbaum. Zwischen 1980 und 1991 komponierte und spielte Lakomy außerdem elektronische Instrumentalmusik; als Einflussgeber nannte er Bands wie Tangerine Dream. Das erste Elektronikalbum Das geheime Leben erschien 1982 bei Amiga und erhielt eine vernichtende Kritik in der DDR-Musikzeitschrift Melodie und Rhythmus. Trotzdem konnte Lakomy rund 100.000 Exemplare in der DDR verkaufen. 1983 erschien die zweite LP Der Traum von Asgard und 1991 das dritte Album Aer. Drei weitere, bis dahin noch nicht veröffentlichte Titel (Nanga Parbat, Manege und Ein gotischer Fall), erschienen 1991 auf dem Sampler Looking East – East Germany. Weiterhin komponierte Lakomy seit den 1970er Jahren Filmmusiken und Soundtracks zu Fernsehserien wie Polizeiruf 110.

Im Jahr 1993 veröffentlichte er sein Album Die 6-Uhr-13-Bahn, das im Buschfunk-Vertrieb erschien. Mit diesem Album zeigte Lakomy seine Sicht auf die Zeit nach der Wende. Kritiker warfen ihm vor, mit dieser Veröffentlichung DDR-Nostalgie zu verbreiten. Lakomy entgegnete, dass er keine Sehnsucht nach dem realen Staat DDR habe, und nannte diesen einen „Unterdrückungsstaat mit seinen unfähigen Wirtschaftsfunktionären, die nur den Westen nachmachen wollten“.[2]

Bei einem seiner West-Besuche zu DDR-Zeiten, als Vertreter der DEMUSA und Mitkonstrukteur eines auf Basis des Z80 an der TU Ilmenau im Bereich „Leistungselektronik“ entwickelten DDR-Synthesizers, traf er auf der Frankfurter Musikmesse 1982 auf den Journalisten und Hörfunkmoderator Rainer W. Sauer, der ihn kurz darauf in seiner Sendung Sounds vom Synthesizer beim Hessischen Rundfunk vorstellte. 1999 trafen sich die beiden in Jena wieder, und Sauer produzierte mit Lakomy für Radio Jena zwei Radiospecials (Im Gespräch mit Reinhard Lakomy 2000 und Es war doch nicht das letzte Mal 2001), in denen der Wahl-Berliner über sein Leben erzählte. Unter dem Titel Es war doch nicht das letzte Mal … Erinnerungen ist im Jahre 2000 auch seine Autobiografie erschienen.

Im Jahr 2006 schrieb er für das Planetarium Jena das Familienmusical Unendlich und Eins. Er war weiterhin mit seinen musikalischen Programmen im Land unterwegs.

Am 7. März 2013 gab seine Frau Monika Ehrhardt, mit der er eine Tochter hatte, bekannt, dass Reinhard Lakomy an einem im Februar 2013 diagnostizierten[3] fortgeschrittenen Bronchialkarzinom erkrankt sei,[4] jedoch eine Chemotherapie und damit lebensverlängernde Behandlungsmaßnahmen ablehne.[5] „Wenn man auf ein so reiches Leben zurückblicken kann, wird das Fest nicht schöner, nur weil es länger dauert“ – einer seiner Lieblingssprüche.[4] Lakomy starb am 23. März 2013 im Alter von 67 Jahren in seinem Haus in Berlin an der Krebserkrankung.[1] Am 3. April 2013 wurde der Pianist und Sänger auf dem Friedhof in Berlin-Blankenburg beerdigt.[6]

Politik[Bearbeiten]

Lakomy gehörte zu den Künstlern, die 1976 öffentlich gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann protestierten.[7]

Bei der Bundestagswahl 2009 rief Lakomy öffentlich zur Wahl der Partei Die Linke auf.[8]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Am 26. Mai 1997 erhielt die Förderschule für geistig Behinderte in Halberstadt den Namen Reinhard-Lakomy-Schule. Auch die Grundschule im Cottbusser Stadtteil Groß Gaglow ist nach ihm benannt.

Diskografie[Bearbeiten]

Singles, EPs[Bearbeiten]

  • Mädchen, mir kommt’s verdächtig vor | Es war doch nicht das erste Mal (1972, Amiga)
  • Und ich geh’ in den Tag | Wenn du gehst (1973, Amiga)
  • Du könntest mein Mädchen sein | Autofahren (1973, Amiga)
  • Mir doch egal | Ein irrer Typ (1975, Amiga)
  • Klavierstunde | Manchmal find’ ich keinen Schlaf (1975, Amiga)
  • Es war doch nicht das erste Mal (EP, 1983, Amiga)

Alben[Bearbeiten]

als Lakomy-Ensemble

  • Reinhard Lakomy (1973, Amiga)
  • Lacky und seine Geschichten (1974, Amiga)
  • Lackys Dritte (1975, Amiga)
  • daß kein Reif ... (1976, Amiga)
  • Die großen Erfolge (Best of, 1977, Amiga)

Kinderlieder

Elektronische Musik

Sonstige

Filmmusik (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Autobiografie
  •  Reinhard Lakomy: Es war doch nicht das letzte Mal... Erinnerungen. Verlag Neues Leben. Berlin 2000, ISBN 3-360-00923-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reinhard Lakomy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b dpa: Reinhard Lakomy ist tot – Sänger und Komponist starb an Lungenkrebs. Abgerufen am 23. März 2013
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatInterview: Die 6.13 Uhr-Bahn. In: Berliner Zeitung. BuschFunk, abgerufen am 5. April 2010.
  3. Bastian Pauly: „Jetzt bin ich halt dran“: Reinhard Lakomy ist unheilbar krank; Märkische Allgemeine, 7. März 2013
  4. a b Cornelia Schmalenbach: Krebs-Drama. Der todkranke Reinhard Lakomy: Warum ich keine Chemo will; Berliner Kurier, 6. März 2013; abgerufen am 7. März 2013.
  5. Liedermacher Reinhard Lakomy hat Lungenkrebs im Endstadium; dpa-Meldung in der Leipziger Volkszeitung vom 7. März 2013; abgerufen am 23. März 2013
  6. Trauerfeier Reinhard Lakomy In Lackys Studio zieht ein Kindergarten
  7. Roland Berbig: In Sachen Biermann: Protokolle, Berichte und Briefe zu den Folgen einer Ausbürgerung. Ch. Links Verlag, Berlin 1994, ISBN 978-3-86153-070-1, S. 372 f.
  8. Von Lakomy unterschriebener Aufruf zur Wahl der Linken, abgerufen am 7. Oktober 2012 (Archivversion von 2009)