Saarländisches Staatstheater

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Blick vom Schloss
Frontansicht
Staatstheater bei Nacht
Spielstätte Alte Feuerwache

Das Saarländische Staatstheater zeigt im Staatstheater und in der Alten Feuerwache (seit 1982) Stücke aus den Bereichen Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater und Konzerte sowie – seit der Spielzeit 2006/07 in der neuen „sparte4“ – auch Kleinkunst, Performances und experimentelles Theater.

Das Gebäude[Bearbeiten]

Das Staatstheater in Saarbrücken wurde 1937 und 1938 nach Entwürfen von Paul Otto August Baumgarten im neoklassizistischen Stil erbaut. Offiziell wurde es dem Saarland für das Abstimmungsergebnis im Jahr 1935, mit dem die Saarländer sich für eine Angliederung an das Deutsche Reich entschieden hatten, von der damaligen nationalsozialistischen Regierung „geschenkt“, wobei dann doch ein Großteil von der Stadt Saarbrücken finanziert werden musste. Das Gebäude sollte nach dem Willen der Machthaber an der Grenze des Deutschen Reiches als „Bollwerk“ gegen Frankreich dienen.

Das Gebäude brannte infolge von Brandanschlägen und Bombardierung im Zweiten Weltkrieg mehrfach aus, wurde aber jedes Mal wieder restauriert. Aufgrund der Nähe zur Saar kam es außerdem zu Wasserschäden durch Überschwemmungen. Das Staatstheater verfügt über 875 Plätze (510 Plätze im Parkett, 185 Plätze im 1. Rang, 180 Plätze im 2. Rang).

Geschichte[Bearbeiten]

Das Saarländische Staatstheater wurde 1938 von Adolf Hitler als „Gautheater Saarpfalz“ (auch „Westgautheater“ oder „Grenzlandtheater Saarbrücken“ genannt) mit Der Oper Der fliegende Holländer von Richard Wagner eröffnet. Nach seiner Zerstörung 1942 wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg unter französischer Besatzung wieder aufgebaut und nahm als Stadttheater Saarbrücken wieder seinen Spielbetrieb auf. Nach der endgültigen Rückgliederung des Saarlandes zur Bundesrepublik 1959 blühte es unter seinem damaligen Intendanten Hermann Wedekind auf. Wedekind zeigte in seiner Amtszeit (1960–1975) unter dem Motto „Kunst kennt keine Grenzen“ Stücke ausländischer Künstler, vor allem aus Frankreich und Georgien. Aus einer „Georgischen Woche“ an dem 1971 zum Staatstheater beförderten Haus entstand die Städtepartnerschaft zwischen Tiflis und Saarbrücken.

1988 übernahm das Land die gesamte Trägerschaft, und Martin Peleikis, Generalintendant seit 1975, wurde Gründungsintendant der geplanten Staatstheater GmbH. Ein Jahr später, 1989, wurde die Rechtsform des Staatstheaters in „Saarländisches Staatstheater GmbH“ geändert und das Saarländische Landestheater von der Staatstheater GmbH übernommen. Von 1991 bis 2006 war der Schweizer Schauspieler und Regisseur Kurt-Josef Schildknecht Generalintendant wie auch Geschäftsführer des Saarländischen Staatstheaters, das unter seiner Leitung in die Riege der bedeutenden deutschsprachigen Häuser aufschließen konnte. 2006 verließ er das Theater nach einem langanhaltenden Streit mit dem damaligen saarländischen Kultusminister Jürgen Schreier um Etatkürzungen.

Seine Nachfolge übernahm ab der Saison 2006/07 Dagmar Schlingmann, deren Vertrag bis 2019 läuft. In der Spielzeit 2006/07 kam unter Dagmar Schlingmann noch eine vierte Sparte (zu Schauspiel, Musiktheater, Ballett) hinzu, nämlich die „sparte4“, die ihren Aufführungsort in der Eisenbahnstraße gefunden hat. Zu ihrem Repertoire gehören unter anderem Performanceinstallationen, experimentelle Theaterstücke, Lesungen sowie Konzerte alternativer Musiker. Die künstlerische Leitung der „sparte4“ obliegt dem Regisseur Christoph Diem.

Ebenfalls seit der Spielzeit 2006/07 gibt es am Saarländischen Staatstheater einen Jugendclub (U21) unter der Leitung von Jörg Wesemüller. Hier können interessierte Jugendliche im Alter von 12 bis 21 unter professioneller Betreuung kostenlos Theater spielen. Am Ende jeden Jahres stehen dann vier Aufführungen in der Alten Feuerwache auf dem Spielplan.

Opern unterstützt am Saarländischen Staatstheater das Saarländische Staatsorchester, dem im Laufe seiner Geschichte Dirigenten wie Siegfried Köhler, Christof Prick, Jiří Kout, Jun Märkl, Laurent Wagner und Toshiyuki Kamioka vorstanden; neuer Generaldirektor seit der Spielzeit 2014/15 ist Nicholas Milton. Seit der Spielzeit 2012/13 ist Brigitte Heusinger Operndirektorin, die Berthold Schneider (2006–2012) in dieser Funktion nachfolgte. Mit der Spielzeit 2014/15 ist Stijn Celis Ballettdirektor am Saarländischen Staatstheater; er ist Nachfolger von Marguerite Donlon, die diese Position zwischen 2001 und 2013 besetzte.

Literatur[Bearbeiten]

  • 100 Jahre Saarländisches Staatsorchester, hrsg. v. Saarländischen Staatstheater. Saarbrücken: Conte, 2012
  • Grenzenlos. 75 Jahre Saarländisches Staatstheater, hrsg. v. Dagmar Schlingmann, Harald Müller. Berlin: Theater der Zeit, 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Staatstheater Saarbrücken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.2308333333336.9959722222222Koordinaten: 49° 13′ 51″ N, 6° 59′ 45″ O