Sonderwagen

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Dieser Artikel behandelt die gepanzerten Fahrzeuge der Polizei. Für weitere Bedeutungen siehe Sonderwagen (Begriffsklärung).
Sonderwagen 4 der Polizei im Einsatz bei einer Demonstration in Leipzig

Als Sonderwagen werden die gepanzerten Radfahrzeuge der deutschen Polizei bezeichnet. Umgangssprachlich werden diese Fahrzeuge auch als Panzerwagen, Polizeipanzer oder Räumpanzer bezeichnet.

Während der Weimarer Republik wurden sie bei den bürgerkriegsartigen Straßenkämpfen eingesetzt. Die heutigen Sonderwagen werden in erster Linie von den Bereitschaftspolizeien der Länder und von der Bundespolizei verwendet und kommen bei Demonstrationen, Katastrophen und Amoklagen zum Einsatz. Neben einer leichten Panzerung verfügen sie über die Möglichkeit, ein Maschinengewehr sowie Zusatzgeräte wie Räumschilde anzubringen.

Zu den Aufgaben eines Sonderwagen-Trupps gehören: Geschütztes Heranführen von Polizeibeamten z. B. beim Einsatz gegen bewaffnete und gewalttätige Störer, Schutz gefährdeter Personen und Sachen, geschütztes Retten von Verletzten, Einrichten und Verstärken von Absperrungen, Überwinden und Beseitigen von Hindernissen, Einsatz im Objekt- und Raumschutz und bei Katastrophen auch in strahlendem, verseuchtem oder vergiftetem Gelände und Sicherung beim Auffinden und beim Transport explosiver und sonstiger gefährlicher Stoffe.

Andere Sonderwagen auf Basis von geländegängigen PKW erscheinen weniger militärisch und sind unauffälliger.

Geschichte[Bearbeiten]

Weimarer Republik[Bearbeiten]

Daimler DZVR 21

Wegen der politisch unruhigen Situation in der Weimarer Republik verfügten die Schutzpolizeien über Panzerwagen, die sowohl für den Straßenkampf als auch für Fahrten über Land geeignet waren. Der Friedensvertrag von Versailles verbot Deutschland den Besitz von Panzern; für die innere Sicherheit wurden jedoch 150 Schutzpolizei-Sonderwagen zugestanden. Diese wurden teilweise aus den Beständen des Heeres übernommen, teilweise von den Firmen Daimler, Benz und Erhard neu gebaut.

Sonderwagen M 8 Greyhound[Bearbeiten]

M8 Greyhound

In der Anfangszeit des Bundesgrenzschutz und der Bereitschaftspolizeien wurden umgebaute und überholte Spähpanzer des US-amerikanischen Typs M8 Greyhound aus dem Zweiten Weltkrieg unter der Bezeichnung „Geschützter Sonderwagen M8“ (SW M8) verwendet.

Sonderwagen 1 und Sonderwagen 2 (Mowag)[Bearbeiten]

Sonderwagen 1 des Bundesgrenzschutzes (1961)

Die Mowag-Sonderwagen wurden ab 1963 beim Bundesgrenzschutz und den Bereitschaftspolizeien der Länder eingeführt. Das Fahrzeug (4×4) wurde von Mowag in der Schweiz als „Mowag MR 8“ entwickelt und von Büssing und Henschel in Deutschland gebaut. Beim Bundesgrenzschutz wurde der SW 1 auch als Kfz 91 bezeichnet.

Der Sonderwagen 1 verfügte über keine eigene Bewaffnung. Der Sonderwagen 2 war ähnlich dem Sonderwagen 1, hatte jedoch einen Drehturm mit Bewaffnung: Maschinenkanone 20 mm im SW 2a, Maschinengewehr MG 1/2 im SW 2b.

Sonderwagen 3 (Saladin)[Bearbeiten]

1966 wurden beim Bundesgrenzschutz auch 80 schwerer bewaffnete Spähpanzer des britischen Typs Saladin eingeführt, allerdings 1974 wieder außer Dienst gestellt [1]. Die Hauptbewaffnung war eine 76-mm-Kanone. Der Verbleib dieser Panzer ist unklar.

Sonderwagen 3 (Mercedes)[Bearbeiten]

Der Sonderwagen 3 ist eine gepanzerte Version der Mercedes-Benz G-Klasse, die teilweise noch heute im Einsatz ist.

Sonderwagen UR 416[Bearbeiten]

Vor der Einführung des Sonderwagens 4 wurden von einigen Polizeien ab 1966 einzelne Exemplare des UR-416 beschafft. Der UR 416 ist ein gepanzertes Fahrzeug auf Basis des Unimog, gebaut von Thyssen.

Sonderwagen 4 (TM-170)[Bearbeiten]

Sonderwagen 4 der niedersächsischen Polizei

Als Ersatz für die älteren Sonderwagen 1 und 2 wurde ab 1984 der Thyssen-Maschinenbau (jetzt Rheinmetall Landsysteme) „TM-170“ als Sonderwagen 4 (SW 4) eingeführt.

Der TM-170 ist ein Panzerwagen auf dem Fahrgestell des Unimog mit einem Motor von Mercedes-Benz.

Technische Daten
Länge 6,27 m
Höhe 3,02 m
Breite 2,41 m
Leistung 124 kw (168 PS)
Höchstgeschwindigkeit 96 km/h
zulässiges Gesamtgewicht 11.200 kg
Sitzplätze 9
Bewaffnung G8 / MP5

Die Bewaffnung erfolgt über den sogenannten Mehrzweckaufsatz (MZA) mit einer Zielvorrichtung im Fahrzeuginnenraum. Der MZA lässt sich auch für einen Scheinwerfersatz nutzen. Ebenso lassen sich der Räumschild und die Scheibenverschläge aus dem Innern des Fahrzeugs bedienen. Diese gibt es in Stahl- und Plexiglasausführung zum Schutz des Panzerglases. Der ABC-Schutz des SW4 erfolgt durch Erzeugen eines Überdrucks im Innenraum. Weiterhin verfügt der SW4 über eine Einrohrwurfanlage für Reizstoff- und Nebelwurfkörper. Teilweise verfügen sie über eine Tarnlichtanlage.

1995/1996 wurden 121 Sonderwagen 4 vom Bundesgrenzschutz an die Bundeswehr abgegeben, die sie ursprünglich unter dem Namen Hermelin einsetzen wollte, dann allerdings nicht verwendete, sondern nach Mazedonien verkaufte. Andere Länder, die den TM-170 verwenden, sind Luxemburg, Spanien, Island, Österreich, Kuwait, Indonesien, Südkorea und demnächst der Irak.

Der TM-170 wurde auch von dem privaten Geldtransportunternehmen Heros verwendet.

Bei der Bundespolizei wird der Sonderwagen 4 derzeit nur noch an bestimmten Flughäfen z. B. Frankfurt, Köln, Düsseldorf, München und Stuttgart und bei einigen Unterstützungseinheiten eingesetzt. Es wird kein Ersatz mehr beschafft. Nicht mehr fahrtaugliche SW 4 werden als Ersatzteillager ausgeschlachtet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jochen Breitenbach: Polizei-Sonderwagen - Geschichte und Einsatz. Ernst J. Dohany Verlag, Groß-Umstadt 1990. ISBN 3-924434-05-0.
  • Klaus-Fr. Dönecke & Dirk Lemcke: Polizei-Fahrzeuge gestern und heute - ein historischer Abriß mit Fotos. Verlag Deutsche Polizeiliteratur, Hilden/Rheinland 1989. ISBN 3-8011-0198-3.
  • Frank Schwede: Deutsche Polizeifahrzeuge 1945 bis heute. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2000. ISBN 3-613-02080-7.
  • Frank Schwede: Fahrzeuge des Bundesgrenzschutzes. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2003. ISBN 3-613-02334-2.
  • F.M. von Senger und Etterlin: Taschenbuch der Panzer. 4. Auflage. J.F. Lehmanns Verlag, München 1969.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Jürgen Schmidt: Wir tragen den Adler des Bundes am Rock - Chronik des Bundesgrenzschutzes 1951 – 1971 Fiedler-Verlag, Coburg 1995 ISBN 3-923434-17-0