Polizei Niedersachsen

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Polizei Niedersachsen
Polizeilogo mit Polizeistern
Staatliche Ebene Land
Stellung der Behörde Polizei
Aufsichtsbehörde(n) Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport
Gründung 1. April 1951 durch SOG
Hauptsitz Hannover
Behördenleitung Landespolizeipräsident Uwe Binias
Anzahl der Bediensteten ca. 23.000
Website www.polizei.niedersachsen.de
Polizeistern

Die Polizei Niedersachsen ist die Landespolizei des deutschen Landes Niedersachsen. Sie untersteht dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Entstehung und Entwicklung der niedersächsischen Landespolizei stellt das Polizeimuseum Niedersachsen in Nienburg/Weser dar.

Gründung[Bearbeiten]

Geburtsstunde der niedersächsischen Landespolizei ist der 1. April 1951 als das Polizeigesetz Niedersächsisches Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (SOG) in Kraft trat. Allerdings reorganisierte die britische Besatzungsmacht bereits unmittelbar nach ihrem Einmarsch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Polizei im Gebiet des heutigen Niedersachsen. Sie wies anfangs eine kommunale Struktur nach britischem Vorbild auf. Das vom Niedersächsischen Landtag 1951 beschlossene Polizeigesetz dagegen schuf eine einheitliche Landespolizei unter zentraler Führung durch das Niedersächsische Innenministerium.

Polizeiaufbau durch die britische Besatzungsmacht[Bearbeiten]

Polizeimuseum Niedersachsen mit Trabbi und Anti-Kernkraft-Demonstration in den 1970er Jahren

Durch die Auflösung der staatlichen Ordnung war unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg auch innerhalb der britischen Besatzungszone die öffentliche Sicherheit nicht mehr gegeben. Das machte sofort nach Kriegsende einen Neuaufbau der Polizei mit nationalsozialistisch unbelastetem Personal notwendig. Die britische Militärregierung schuf eine Einheitspolizei, in der die Kriminalpolizei bis 1951 untergeordneter Teil der Gesamtpolizei war. Am 1. November 1946 wurde durch Verordnung der britischen Militärregierung das Land Niedersachsen ins Leben gerufen.

Trotz polizeilicher Dezentralisierung sah die britische Militärregierung die Notwendigkeit, überregionale Polizeieinrichtungen zur Bekämpfung der schweren Kriminalität zu schaffen. Zentrale Einrichtung ihres Besatzungsbereichs wurde das „Zonal Bureau“ (deutsch: Kriminalpolizeiamt für die Britische Zone) in Hamburg. Ein Ableger für die Gebiete des damals noch nicht bestehenden Niedersachsens (Länder Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe, Hannover) war das Anfang 1946 eingerichtete „Regional Records Bureau“ (deutsch: Kriminalpolizeizentrale) in Hannover, aus dem sich später das Landeskriminalamt Niedersachsen entwickelte.

Schon 1945 wurde gemäß britischer Weisung für die Polizeiausbildung in der Region Hannover, die damals etwa dem heutigen Niedersachsen entsprach, eine Polizeischule in einer Kaserne am Welfenplatz in Hannover eingerichtet. Im Mai 1946 wurde die Polizeischule auf Befehl der britischen Militärregierung nach Hann. Münden verlegt, die nach kurzem die Bezeichnung Landespolizeischule Niedersachsen (LPSN) trug.

1947 wurde die Polizeigewalt im Land Niedersachsen von der britischen Militärregierung an deutsche Stellen übergeben. Die Polizei behielt noch bis 1951, wie von den Briten bereits kurz nach Kriegsende initiiert, ihre kommunale Struktur mit einzelnen Polizeiämtern.

Aufgabenverteilung[Bearbeiten]

Seit ihren Anfängen bestand die Polizei in Niedersachsen, die sich durch Inkrafttreten des Polizeigesetzes von 1951 bildete, aus den beiden Sparten:

Als weitere Sparte kam 1952 durch Runderlass des Niedersächsischen Innenministeriums die Nachrichtenpolizei Niedersachsen hinzu. Die nicht-uniformierte Polizeisparte war für Staatsschutzdelikte und Politisch motivierte Kriminalität zuständig. Ihre Gründung knüpfte inhaltlich an den Polizeibrief der alliierten Militärgouverneure von 1949 zur Überwachung umstürzlerischer Tätigkeiten an. Bei einer Umorganisierung der gesamten Polizei wurde sie 1974 in die Kriminalpolizei integriert.

Die durch Erlass des Niedersächsischen Innenministeriums 1952 festgelegte Aufgabenverteilung wurde im Wesentlichen bis zur Polizeireform von 1994 beibehalten.

  • Die Schutzpolizei war für die verkehrspolizeilichen Aufgaben zuständig. Die uniformierte Polizei war für die Bearbeitung der leichten Kriminalität (einfacher Diebstahl, Betrug, Körperverletzung, Hehlerei, Nötigung) und bei schweren Straftaten für die erste Tatortsicherung zuständig.
  • Die Kriminalpolizei war angewiesen, schwere und die öffentliche Sicherheit beeinträchtigende Straftaten (organisierte Kriminalität, Mord, Totschlag, Sexualverbrechen, Raub, schwerer Diebstahl, Betrug, Wirtschaftsstraftaten, Geiselnahmen, Entführungen, Anschläge, Vermisstenfälle) zu bearbeiten sowie Delikte von Berufsverbrechern. Bei Delikten mit Minderjährigen war die Weibliche Kriminalpolizei zuständig.

Reformen[Bearbeiten]

Die erste größere Polizeireform nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte in Niedersachsen 1974. Anlass war die seit Anfang der 1960er Jahre rasant angestiegene Kriminalität und der ab 1970 aufkommende Terrorismus durch die Rote Armee Fraktion, aber auch durch das Olympia-Attentat von 1972. Auf Vorschlag der Innenministerkonferenz erließ die Bundesregierung 1972 das Programm für die Innere Sicherheit, das 1974 modifiziert wurde. Wesentliche Reformpunkte 1974 in Niedersachsen waren die Einführung von „Rund um die Uhr“-Lagediensten der Polizei sowie Schaffung von örtlichen Kriminaldauerdiensten.[1] In dieser Zeit entstanden auch polizeiliche Spezialeinheiten wie das SEK und das MEK. 1974 wurden die Beschäftigten der Weiblichen Kriminalpolizei in die Kriminalpolizei überführt. 1981 wurden erstmals Frauen bei der Schutzpolizei eingestellt.

Bei der nächsten größeren Polizeireform von 1994 wurden die Sparten Schutz- und Kriminalpolizei zusammengeführt. Bereits 1992 wurde für die Polizeivollzugsbeamten und -beamtinnen die zweigeteilte Laufbahn eingeführt, in der es nur noch den gehobenen und den höheren Dienst gibt.

Die gegenwärtige (2014) Struktur der Polizeiorganisation in Niedersachsen entstand durch eine bedeutende Umorganisierung im Jahre 2004. Dabei wurde die Polizei aus den vier 2004 aufgelösten Bezirksregierungen (Braunschweig, Hannover, Weser-Ems, Lüneburg) herausgenommen. Daraus entstanden die gegenwärtigen Polizeidirektionen in der Fläche, zuvor gab es nur zwei städtische Polizeidirektionen in den Großstädten Braunschweig und Hannover. Hinzu kamen 2004 Göttingen und Osnabrück als weitere Standorte für Polizeidirektionen in der Fläche.

Am 1. Oktober 2007 wurden die Polizeiausbildung sowie die polizeiliche Fortbildung reformiert. Die bis dahin nebeneinander bestehenden Aus- und Fortbildungseinrichtungen „Fakultät Polizei“ an der Niedersächsischen Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Hildesheim sowie das „Bildungsinstitut der Polizei Niedersachsen“ wurden zur Polizeiakademie Niedersachsen zusammengeführt.

Spektakuläre Kriminalfälle[Bearbeiten]

Fahndungsbild der Polizei zum Maskenmann im Fall Dennis

Größere Polizeieinsätze, Katastrophen- und Unglücksfälle[Bearbeiten]

Wasserwerfer der Bereitschaftspolizei Niedersachsen als Löschfahrzeuge bei der Waldbrandkatastrophe 1975 in der Lüneburger Heide

Folgende Ereignisse führten zu umfangreichen Polizeieinsätzen:

Auftrag[Bearbeiten]

Aufgaben[Bearbeiten]

Die Polizei Niedersachsen hat als Exekutivorgan des Landes Niedersachsen im Rahmen des Polizeirechts den Auftrag der Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Als Strafverfolgungsbehörde geht sie gegen ordnungswidrige und strafbare Handlungen vor, ermittelt Täter und analysiert Tatmuster. Eine weitere Aufgabe ist die Gefahrenabwehr im Bereich der inneren Sicherheit, das heißt, die Verhütung oder Unterbindung von rechtswidrigen Handlungen jedweder Art. Im Rahmen der Verkehrsüberwachung regelt sie Verkehrsströme und hat eine tragende Rolle in der Notfallhilfe (Notruf). Ferner sorgt die Polizei in enger Kooperation mit der Judikative und anderen Behörden für die Verbrechensprävention um bereits im Vorfeld mögliche Straftaten zu erkennen und zu verhindern.

Rechtsgrundlagen[Bearbeiten]

Für den Bereich der Gefahrenabwehr ergeben sich die Eingriffsbefugnisse der Polizei aus dem Polizeigesetz des Landes Niedersachsen, dem Niedersächsischen Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (Nds. SOG).

Die Ermächtigung für das Einschreiten zur Strafverfolgung ergibt sich aus der Strafprozessordnung (StPO).

Organisation[Bearbeiten]

Ministerielle Führung[Bearbeiten]

Die niedersächsische Polizei wird durch das Landespräsidium für Polizei, Brand- und Katastrophenschutz (LPPBK) im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport (MI) geführt. Das LPPBK ist eine Abteilung im Niedersächsischen Innenministerium, das aktuell (2009) von einem Präsidenten geleitet wird. Es ist die oberste Führungsstelle, die die Polizeiorganisation, ihr Personal, ihren Haushalt sowie ihre Technik steuert. Auch übt das LPPBK die Dienst- und grundsätzlich auch die Fachaufsicht über die ihm nachgeordneten Polizeibehörden aus.

Polizeiorganisation[Bearbeiten]

In Niedersachsen gibt es rund 500 Polizeidienststellen, wobei an 140 Standorten ein Rund-um-die-Uhr-Schichtbetrieb stattfindet. Es werden rund 23.000 Bedienstete beschäftigt, von denen etwa 18.500 verbeamtet sind. Etwa 6.600 Bedienstete versehen Schichtdienst.

Die dem Niedersächsischen Innenministerium nachgeordneten Polizeibehörden sind:

  • PD Braunschweig
    • Braunschweig
    • Gifhorn
    • Goslar
    • Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel
    • Wolfsburg/Helmstedt
  • PD Göttingen
    • Göttingen
    • Hameln-Pyrmont/Holzminden
    • Hildesheim
    • Nienburg/Schaumburg
    • Northeim/Osterode
  • PD Hannover
    • Burgdorf
    • Garbsen
    • Hannover-Mitte
    • Hannover-Ost
    • Hannover-Süd
    • Hannover-West
  • PD Lüneburg
    • Celle
    • Harburg
    • Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen
    • Rotenburg
    • Heidekreis (ehemals Soltau-Fallingbostel)
    • Stade
  • PD Oldenburg
    • Cuxhaven/Wesermarsch
    • Cloppenburg/Vechta
    • Delmenhorst/Oldenburg-Land
    • Diepholz
    • Oldenburg-Stadt/Ammerland
    • Verden/Osterholz
    • Wilhelmshaven/Friesland
  • PD Osnabrück
    • Aurich/Wittmund
    • Emsland/Grafschaft Bentheim
    • Leer/Emden
    • Osnabrück
Boot der Wasserschutzpolizei Niedersachsen auf dem Mittellandkanal bei Hannover

Die 6 regionalen Polizeidirektionen sind für Flächengebiete zuständig und haben ihren Sitz in der jeweiligen Stadt. Jeder Polizeidirektion ist eine Zentrale Kriminalinspektion (ZKI) nachgeordnet, die in speziellen Kriminalitätsbereichen (Organisierte Kriminalität, Korruption, Banden- und Wirtschaftskriminalität) ermittelt. Den Polizeidirektionen sind 33 Polizeiinspektionen (PI) nachgeordnet. Ihnen nachgeordnet sind landesweit 88 Polizeikommissariate (PK). Unterhalb der Ebene Polizeikommissariat gibt es in Niedersachsen 384 Polizeistationen (PSt). Darüber hinaus gibt es 5 Autobahnpolizeikommissariate (PK BAB).

Eigenständig, aber dem Niedersächsischen Innenministerium unterstellt, ist der Landesbetrieb für Ausstattung und Ausrüstung der Polizei:

Spezialeinheiten[Bearbeiten]

Es gibt folgende Spezialeinheiten:

und besonderen Organisationseinheiten, die nicht ständig bestehen:

Reiter und Hundestaffeln[Bearbeiten]

Niedersachsen gehört zu den wenigen Bundesländern, in denen noch Reiterstaffeln mit berittener Polizei bestehen. Zur Reiter- und Diensthundführerstaffel Braunschweig gehören 20 Pferde, die von 20 Polizeireiterinnen und Polizeireitern betreut sowie geritten werden. Die Reiter- und Diensthundführerstaffel Hannover als deutschlandweit größte ihrer Art.[17] verfügt über 39 Reiter und 32 Pferde.[18]

In den Hundestaffeln gibt es rund 220 Diensthunde mit Diensthundeführer. Gehalten werden die Hunderassen Belgischer Schäferhund (150), Deutscher Schäferhund (40), Holländischer Hütehund (20), Rottweiler (3) und Riesenschnauzer (1). Polizeihunde erhalten zunächst eine Ausbildung als Schutzhund. Bei Eignung folgt eine Spezialausbildung, die für folgende Zweige (Stand 2010) besteht:[19]

Statistik zu Aufklärungsquote und Kriminalitätsbelastung[Bearbeiten]

2012 betrug die Aufklärungsquote bei Straftaten 60,99 %, was einen sehr hohen Wert und einem gegenüber dem Vorjahr geringfügig gefallenen Wert darstellt.[21] 2012 war die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen rückläufig gegenüber dem Jahr 2011, während die Fallzahlen anstiegen. Die Fallzahlen bei der Internetkriminalität mit 4.746 Taten fielen gegenüber dem Vorjahr leicht, sind aber auf einem hohen Niveau. Die Polizei hat sich auf diese Kriminalitätsentwicklung mit der Einrichtung der Zentralstelle Internetkriminalität beim LKA Niedersachsen im Jahre 2009 und polizeiinterner Fortbildung eingerichtet.

Bei den vorsätzlichen Straftaten gegen das Leben (Mord, Totschlag) gab es 2011 insgesamt 385 Fälle (2012: 339), von denen 98 % aufgeklärt werden konnten. Dies war der drittniedrigste Stand seit dem Jahre 2001.

Die Kriminalitätsbelastung stieg 2012 bei 7.041 Straftaten pro 100.000 Einwohner (sogenannte Häufigkeitsziffer) gegenüber dem Vorjahr 2011 mit 6.947 leicht an.

Niedersächsische Kriminaldienstmarke mit Landeswappen Sachsenross
Jahr Fallzahlen aufgeklärt AQ Tatverdächtige
1998 567.871 284.649 50,13 % 201.627
1999 547.902 275.345 50,25 % 199.791
2000 564.469 299.629 53,08 % 210.853
2001 566.896 298.594 52,67 % 209.948
2002 608.467 324.142 53,27 % 224.008
2003 593.616 317.598 53,50 % 229.455
2004 587.252 316.577 53,91 % 225.000
2005 601.557 335.197 55,72 % 236.712
2006 603.597 335.101 55,52 % 234.851
2007 607.075 345.192 56,86 % 239.714
2008 589.967 345.331 58,53 % 237.406
2009 590.233 353.936 59,97 % 242.350
2010 582.547 366.494 62,91 % 233.063
2011 552.257 339.186 61,42 % 223.419
2012 557.219 339.863 60,99 % 220.124

Uniform[Bearbeiten]

Neues, dunkelblaues Hoheitsabzeichen ab 2006 als Ärmelabzeichen

Bis 1976 war die Polizeiuniform blau/grau. Danach wurde die moosgrün und beige Uniform eingeführt, die der Modeschöpfer Heinz Oestergaard 1974 entworfen hatte. 2006 wurde in Niedersachsen damit begonnen, bei Polizeiuniformen auf die europäische Polizeifarbe Blau umzustellen. Die neue, blaue Uniform entspricht im Wesentlichen dem Modell, das vom Designer Luigi Colani und der Modefirma Tom Tailor für die Hamburger Polizei geschaffen wurde. In Niedersachsen wurde die Umstellung auf das Hamburger Uniformmodell Ende 2008 kostenneutral abgeschlossen. Der Uniformwert beläuft sich in der Grundausstattung auf etwa 400 Euro. Die Beschaffung erfolgt für den gesamten Nordverbund (Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen) zentral über das Logistik Zentrum Niedersachsen.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Fahrzeuge[Bearbeiten]

  • 4.200 Fahrzeuge, darunter Funkstreifenwagen und Motorräder, mit Fahrleistung von insgesamt etwa 90 Millionen Kilometer pro Jahr

Die Polizei Niedersachsen nutzt als Dienstfahrzeuge überwiegend Fahrzeuge der Marke Audi, Mercedes-Benz, und Volkswagen. Vereinzelt kommen auch Fahrzeuge anderer Hersteller wie zum Beispiel Škoda zum Einsatz. Einige Fahrzeuge wurden zu Erprobungsversuchen auch mit Erdgasantrieb beschafft. Aktuelle Streifenwagen sind Audi A6, Mercedes-Benz E-Klasse, VW Passat und VW Touran. Die Bereitschaftspolizei nutzt hauptsächlich die vom Bund gestellten Fahrzeuge, hierunter fallen Fahrzeuge der Marken BMW, Fiat, Ford, Mercedes-Benz und Volkswagen, vereinzelt auch Fahrzeuge der Marke Opel.

Ab 2009 wird der Fuhrpark für 23 Mill. Euro mit 1000 neuen Fahrzeugen verjüngt. Dazu zählen auch viele Großraumfunkstreifenwagen des Typs VW-Bus T 5. Sie sollen multifunktional als Streifenwagen, mobile Polizeistation oder zum Transport von Einsatzkräften genutzt werden. Außerdem werden 30 Fahrzeuge des Typs VW-Bus T 5 mit verbesserter Tatorttechnik angeschafft, mit denen die 30 Fachkommissariate für Kriminaltechnik in Niedersachsen ausgestattet werden.[22]

Farbgebung[Bearbeiten]

Im Zuge der Farbumstellung werden neue Streifenwagen und Einsatzfahrzeuge künftig in der Farbgebung blau-silber sowie blau-weiß beschafft. Die ersten blau-silbernen Streifenwagen wurden Anfang 2005 der Polizei übergeben.

Boote und Hubschrauber[Bearbeiten]

Polizeihubschrauber Dauphin SA 360 "D-HOPQ" in alter grün-weißer Farbgebung

Die Wasserschutzpolizei Niedersachsen betreibt 46 Einsatzboote. Zur Hubschrauberstaffel an den Standorten Hannover und Rastede gehören nach zwei Abstürzen 2007 und 2010 noch vier Hubschrauber (D-HPNA, D-HPNC, D-HOPE und D-HOPQ).

Waffen und andere Ausrüstung[Bearbeiten]

Die Bewaffnung mit Handgranaten und Maschinengewehren wurde 1979 abgeschafft. 2009 berichteten die Medien, dass das Land Niedersachsen in den letzten Jahren etwa 13.000 Polizeipistolen ausgemustert hat, die danach in den legalen Waffenhandel gelangt seien. Die Kritik an dieser Praxis kam von den Eltern der Opfer des Amoklaufs von Winnenden.[23]

Einsatzkommunikationsmittel[Bearbeiten]

Elektronische Arbeitsmittel[Bearbeiten]

Sondereinsatzmittel[Bearbeiten]

2008 gab das Niedersächsische Innenministerium bekannt,[24] dass in seinem Bereich Polizei-Drohnen in der Ausführung als Micro-Drohnen getestet werden. Mögliche Anlässe zum Einsatz eines fliegenden Auges könnten Luftaufklärung, Beweissicherung, Dokumentation, Einsätze gegen bewaffnete Straftäter, aber vor allem Katastrophenereignisse sein. Bei den Protesten gegen die Castor-Transporte zum Zwischenlager Gorleben 2010 kam diese Drohne erstmals zum Einsatz.[25]

Pferde und Diensthunde[Bearbeiten]

Bei der niedersächsischen Polizei stehen 51 Polizeipferde bei der berittenen Polizei und rund 220 Diensthunde im Dienst.

Symbole[Bearbeiten]

Schild für Polizeidienststelle mit Polizeistern

Die Polizei Niedersachsen nutzt als Teil der Landesverwaltung das weiße Niedersachsenross auf rotem Grund als Hoheitszeichen. Das Symbol wird im Rahmen des Corporate Design auf Uniformen, Briefpapier und Internetauftritten verwendet, häufig in Verbindung mit dem Polizeistern.

Nachwuchs und Einstellungen[Bearbeiten]

Niedersachsen stellt jährlich etwa 500 Bewerber in den Polizeidienst ein. Bei Schulabgängern werden Abiturienten wie auch Fachoberschüler übernommen. Realschüler können sich durch den zweijährigen Besuch einer Fachoberschule qualifizieren. Es werden auch Bewerber mit Migrationshintergrund eingestellt, die die Sprache einer hier lebenden Bevölkerungsgruppe sprechen.

Gewerkschaftliche Interessensvertretungen[Bearbeiten]

Vertreter für die Belange der Polizeibeschäftigten sind hauptsächlich die Gewerkschaften:

Sonstiges[Bearbeiten]

Polizeipuppe Koslowski der Polizeipuppenbühne in Hannover

In der niedersächsischen Polizei gibt es ein Mentoringprogramm für weibliche Mitarbeiter. Es soll den beruflichen Aufstieg von Frauen fördern und den Anteil von weiblichen Führungskräften erhöhen.[26]

Der pensionierte Polizeibeamte Klaus Krumfuß (CDU) ist seit 1998 Mitglied des Niedersächsischen Landtages, der Polizeibeamte Johann-Heinrich Ahlers (CDU) seit 2003. Die Polizeibeamtin Kirsten Lühmann (SPD) ist seit 2009 Bundestagsabgeordnete.

In Ostfriesland mit Sitz in Aurich,[27] Osnabrück[28] und Hannover bestehen Polizeipuppenbühnen. Sie treten in Grundschulen und Kindergärten mit Stücken zur Verkehrs- und Kriminalprävention auf.

Im Juli 2010 wurde mit der testweisen Abrichtung in Kärnten gezüchteter Truthahngeier zur Suche nach Leichen begonnen.[29]

Internetwache[Bearbeiten]

Die Polizei Niedersachsen betreibt eine Internetwache, wo Onlineanzeigen erstattet werden können. Das polizeiinterne Intranetangebot wird in erster Linie durch das Informationssystem Intranet (ISI) dargestellt. In diesem System haben alle Angehörigen der Polizei die Möglichkeit, Beiträge intern zu veröffentlichen.

Facebook-Fahndung[Bearbeiten]

Seit Juni 2012 nutzt das Landeskriminalamt Niedersachsen das soziale Netzwerk Facebook für Fahndungsaufrufe, die die Behörde zentral für die niedersächsische Polizei einstellt.[30] Die Nutzung von Facebook für polizeiliche Zwecke erfolgte 2011 landesweit erstmals durch die Polizeidirektion Hannover, wurde aber aus Datenschutzgründen abgebrochen.[31]

Mitarbeiterzeitung[Bearbeiten]

Das Niedersächsische Innenministerium gab ab 1985 die Mitarbeiterzeitung Polizei-Extrablatt für die Polizeibediensteten in einer Auflage von 5.000 Exemplaren heraus.[32] 2007 wurde auf Farbdruck umgestellt und das Magazin erhielt den Namen „proPolizei“. Es wird als gedruckte Broschüre verteilt und ist auch im polizeiinternen Intranet eingestellt.

Spürwildschwein Luise[Bearbeiten]

Wildschwein Luise mit ihrem Führer und Ausbilder
Hauptartikel: Luise (Wildschwein)

Zwischen 1985 und 1987 stand das Wildschwein Luise im Dienst der Polizei Niedersachsen. Ein Polizeihundeführer aus Hildesheim bildete das Tier analog zu Diensthunden zum Aufspüren von Rauschgift und Sprengstoff aus. Anfangs wollte das Niedersächsische Innenministerium keine Kosten für Unterkunft und Verpflegung übernehmen und verbannte Luise aus polizeilichen Liegenschaften. Erst auf Intervention von Ministerpräsident Ernst Albrecht wurde das Schwein offiziell als polizeiliches Einsatzmittel unter der Bezeichnung Spürwildschwein (SWS) übernommen.[33] Die Sucherfolge bei zahlreichen Fernsehauftritten und öffentlichen Vorführungen in Deutschland machten Luise zum Sympathieträger für die niedersächsische Polizei. Der Pressewirbel um Luise ging rund um die Welt, 1986 erfolgte ein Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde als erstes Spürwildschwein im Polizeidienst. Im selben Jahr erklärte der Bund der Steuerzahler Luise zum Sparschwein des Jahres. 1987 ging Luise gemeinsam mit ihrem Führer in den Ruhestand.

Mediale Rezeption[Bearbeiten]

In der Fernsehserie Tatort des NDR löst Kriminalhauptkommissarin Charlotte Lindholm (Darstellerin Maria Furtwängler) fiktive Mordfälle in Niedersachsen. Seit 2002 wurden bis heute (November 2009) 15 Sendungen ausgestrahlt. Ausgehend von ihrer Dienststelle in Hannover, wird sie im gesamten Land Niedersachsen tätig, überwiegend in Kleinstädten und Dörfern, wo sie mit örtlichen Polizeibeamten zusammenarbeitet. Die überregionale Ermittlungstätigkeit ermöglicht ein dramaturgischer Kniff, nach dem die Kriminalhauptkommissarin für das Landeskriminalamt Niedersachsen tätig ist. Absicht des NDR ist dabei offensichtlich, Land und Leute des Flächenlandes Niedersachsen den Zuschauern näher zu bringen. Zu öffentlichen Diskussionen führten die Tatort-Folgen Wem Ehre gebührt 2007 und 2009 Das Gespenst.[34]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Wehrhahn (Red.): Niedersachsen und seine Polizei: Herausgegeben vom Niedersächsischen Ministerium des Innern. Polizei-Technik-Verkehr-Verlagsgesellschaft, Wiesbaden 1979.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Police of Lower Saxony – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Niedersachsen und seine Polizei, Hrsg: Niedersächsisches Innenministerium, Juli 1979
  2. Uwe Day: Sadismus ohne Grenzen. In: Dem Verbrechen auf der Spur. Die spektakulärsten Kriminalfälle Niedersachsens. Schlütersche, Hannover 2006.
  3. Andreas Barnickel: Die Terroristin. In: Dem Verbrechen auf der Spur. Die spektakulärsten Kriminalfälle Niedersachsens. Schlütersche, Hannover 2006.
  4. Zeitungsartikel vom 2. Februar 2008 zum 30. Jahrestag des Prozessbeginns
  5. Uwe Day: Mord aus Habgier. In: Dem Verbrechen auf der Spur. Die spektakulärsten Kriminalfälle Niedersachsens. Schlütersche, Hannover 2006.
  6. Kathrin Pagendarm: Der Heidemörder. In: Dem Verbrechen auf der Spur. Die spektakulärsten Kriminalfälle Niedersachsens. Schlütersche, Hannover 2006.
  7. Guide Pauling: Die Stimme des Mörders. In: Dem Verbrechen auf der Spur. Die spektakulärsten Kriminalfälle Niedersachsens. Schlütersche, Hannover 2006.
  8. Melanie Thieltges: Der Pferderipper. In: Dem Verbrechen auf der Spur. Die spektakulärsten Kriminalfälle Niedersachsens. Schlütersche, Hannover 2006.
  9. ^Wolfgang Wortmann: Der Kindermörder. In: Dem Verbrechen auf der Spur. Die spektakulärsten Kriminalfälle Niedersachsens. Schlütersche, Hannover 2006.
  10. Kathrin Pagendarm: Das Ringen um die Wahrheit. In: Dem Verbrechen auf der Spur. Die spektakulärsten Kriminalfälle Niedersachsens. Schlütersche, Hannover 2006.
  11. Der Serienmörder von nebenan. In: Spiegel Online, 15. April 2011
  12. Mutmaßlicher Mörder von Dennis festgenommen – zehn Jahre jagte die Polizei ein Phantom auf Wikinews
  13. Polizeipressestelle zum Castortransport 2011
  14. Kerstin Staben: Ein Mörder auf Freigang. In: Dem Verbrechen auf der Spur. Die spektakulärsten Kriminalfälle Niedersachsens. Schlütersche, Hannover 2006.
  15. haz.de
  16. Polizei-Extrablatt 1/2005 (PDF)
  17. Neue Presse vom 8. Juli 2010: Reiterstaffel hilft bei Demos, Festival, Castor-Transporten.
  18. Reiterstaffel Braunschweig
  19. proPolizei Mai/Juni 2010
  20. Ein Besuch beim Training der Mantrailer-Hunde. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 29. Dezember 2010
  21. Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport vom 11. Februar 2013
  22. Rundblick Nordreport vom 15. September 2009
  23. Niedersachsen verkauft 13.000 Polizeipistolen. In: Hamburger Abendblatt
  24. Polizei und Feuerwehr testen ferngesteuerte Mini-Drohne
  25. ndr-online: Innenministerium verteidigt Drohnen-Einsatz
  26. Mentoring in der Niedersächsischen Landespolizei
  27. Pädagogische Polizeipuppenbühne Ostfriesland (PDF)
  28. Präventionsteam Polizei Osnabrück
  29. Polizei testet in Niedersachsen Geier zur Leichensuche. In: Neue Presse, 14. Juli 2010
  30. LKA sucht Freunde bei Facebook in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 18. Juni 2012
  31. Polizei soll Facebook nicht mehr nutzen in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 27. März 2012
  32. proPOLIZEI löst Polizei-Extrablatt ab
  33.  Schwein gehabt. In: Der Spiegel. Nr. 27, 1985 (online).
  34. „Das Gespenst“ vergrätzt Geheimdienst In: Spiegel Online