Gaienhofen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gaienhofen
Gaienhofen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gaienhofen hervorgehoben
47.6830555555568.9822222222222425Koordinaten: 47° 41′ N, 8° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Konstanz
Höhe: 425 m ü. NHN
Fläche: 12,55 km²
Einwohner: 3207 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 256 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78343
Vorwahl: 07735
Kfz-Kennzeichen: KN
Gemeindeschlüssel: 08 3 35 025
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Im Kohlgarten 1
78343 Gaienhofen
Webpräsenz: www.gaienhofen.de
Bürgermeister: Uwe Eisch (CDU)
Lage der Gemeinde Gaienhofen im Landkreis Konstanz
Bodensee Bodenseekreis Landkreis Waldshut Schwarzwald-Baar-Kreis Landkreis Tuttlingen Landkreis Sigmaringen Aach (Hegau) Allensbach Bodman-Ludwigshafen Büsingen am Hochrhein Stockach Eigeltingen Engen Gaienhofen Gailingen am Hochrhein Gottmadingen Hilzingen Hohenfels (bei Stockach) Konstanz Mainau Moos (am Bodensee) Mühlhausen-Ehingen Mühlingen Öhningen Orsingen-Nenzingen Radolfzell am Bodensee Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Rielasingen-Worblingen Singen (Hohentwiel) Steißlingen Stockach Tengen Volkertshausen SchweizKarte
Über dieses Bild
Gaienhofen von der Schweiz aus gesehen
Kirche St. Johann der Täufer und Veit in Horn (2013)
Gaienhofen um 1900
Hornstaadhaus, Nachbau nach Funden einer Pfahlbausiedlung bei Hornstaad, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes

Gaienhofen ist eine Gemeinde am Bodensee im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Gaienhofen liegt auf der Süd- und Ostseite der Halbinsel Höri am Untersee gegenüber der Schweizer Gemeinde Steckborn und der (deutschen) Insel Reichenau.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Südwesten an Öhningen, im Nordwesten an Moos. Den Rest der Gemeindegrenze bildet das Ufer des Untersees.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Gaienhofen mit den seit 1974 eingemeindeten, ehemals selbstständigen Gemeinden Gundholzen, Hemmenhofen und Horn gehören acht Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.[2]

Der Verwaltungssitz befindet sich im Ortsteil Gaienhofen, ebenso der Sitz des Gemeindeverwaltungsverband Höri, dem die Gemeinden Gaienhofen, Moos und Öhningen angehören.

Öhningen (alt) Zur Gemeinde Gaienhofen in den Grenzen von 1973 gehören das Dorf Gaienhofen und das Gehöft Honisheim, ebenso die abgegangene Ortschaft Stöckenhof.

(Zum alten Wappen siehe auch → Liste der Wappen mit dem Emblem der Pfalzgrafen von Tübingen)

Öhningen (alt) Zur ehemaligen Gemeinde Gundholzen gehören das Dorf Gundholzen und die Häuser Im Mettental – letztere grenzen unmittelbar an den Ortsteil Iznang der Nachbargemeinde Moos – sowie die die Wüstung Hof im Turbental – der Flurname Ob dem Hof deutet auf die abgegangene Siedlung hin.
Öhningen (alt) Zur ehemaligen Gemeinde Hemmenhofen gehört das Dorf Hemmenhofen.
Öhningen (alt) Zur ehemaligen Gemeinde Horn gehören das Dorf Horn, der Weiler Hornstaad, das Gehöft Balesheim, sowie die Wüstungen Himmern und Hofstetten. Horn liegt vom See aus gesehen zwischen den Seezeichen (für Untiefen) zwei bis sechs. Der Ort liegt an einem steil zum See abfallenden Hang. Direkt am See befindet sich das ehemalige Schloss Hornstaad (heute Seerestaurant Schlössli). Weiter landeinwärts erstreckt sich der unwegsame Höhenrücken Schiener Berg. Durch die Seelage und die geschützte Westflanke zum Schiener Berg ist Obstanbau möglich.[3]

Als Wahrzeichen der Höri gilt die Kirche von Horn mit ihrem alten Kirchfriedhof. Über die einmalige Sicht von der Pfarrkirche in Horn aus auf den Untersee bis zum Turm des Konstanzer Münsters ist der Ausspruch des badischen Großherzogs Friedrich I. überliefert: „Wenn ich nicht Großherzog von Baden wäre, wollte ich Pfarrer von Horn sein.“[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Auf der Gemarkung der Gemeinde Gaienhofen befinden sich mehrere Siedlungen aus der Jungsteinzeit, so zum Beispiel in Hemmenhofen, Gewann „Im Leh“, und Hornstaad, Gewann „Hinterhorn“.[5] Die Pfahlbausiedlungen Hornstaad-Hörnle I-V sind steinzeitliche Pfahlbausiedlungen aus dem Zeitraum 3918-2690 v. Chr. Untersuchungen in den Jahren 1973 bis 1993 erbrachten wichtige Ergebnisse zur Wirtschafts-, Hausbau-, Siedlungsweise, sozialen Struktur und Handelsbeziehungen. Bemerkenswert ist insbesondere Hornstaad-Hörnle IA am Ufer der Hörispitze, die in einer über zehn Jahre dauernden Ausgrabung großflächig untersucht wurde und über dendrochronologische Untersuchungen auf rund 3900 v. Chr. datiert wird. Letztere ist seit 2011 Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen.[6][7] Funde und Rekonstruktionen sind im Hermann-Hesse-Höri-Museum Gaienhofen und im Archäologischen Landesmuseum Konstanz zu sehen. Im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen findet sich das Hornstaad-Haus als Nachbau zu Forschungszwecken.

Urkundlich erwähnt wurde Gaienhofen erstmals 1295.

Die heutige Gemeinde wurde am 1. Oktober 1974 durch Vereinigung der Gemeinden Gaienhofen, Hemmenhofen und Horn neu gebildet. Bereits am 1. Januar 1974 war die Gemeinde Gundholzen nach Horn eingemeindet worden.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 brachte folgendes Ergebnis:

Partei / Liste  % Sitze
Freie Wähler 31,9 % 4 Sitze
Unabhängige Bürgerliste (UBL) 26,2 % 4 Sitze
Die Aktiven 22,5 % 3 Sitze
CDU 19,5 % 3 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinde Gaienhofen ist seit 1999 Uwe-Michael Eisch (CDU).

Partnerschaften[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das alte Wappen von Gaienhofen zeigt in Silber ein rotes Kreuz, belegt mit einem silbernen Herzschild, darin eine rote [dreilatzige] Kirchenfahne mit [drei] goldenen Ringen.

Das neue Wappen zeigt in Silber ein rotes Kreuz, belegt mit einem schwarzen Herzschild, darin ein doppelreihig rot-silbern geschachter Schrägbalken.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Ein kommunaler Kindergarten besteht im Ortsteil Horn.

Dort ist auch der Grundschulzweig der Hermann-Hesse-Schule beheimatet. Die weiterführende Hermann-Hesse-Werkrealschule befindet sich im Ortsteil Gaienhofen.

In Gaienhofen ist auch das Schulzentrum Schloss Gaienhofen – Evangelische Schule am Bodensee beheimatet. Die frühere Internatsschule umfasst heute das Ambrosius-Blarer-Gymnasium mit einem allgemeinbildenden Zweig und einem Wirtschaftsgymnasium sowie eine Realschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Bronzestatue von Hermann Hesse in Gaienhofen, geschaffen von Friedhelm Zilly
Blick ins Hermann-Hesse-Höri-Museum in Gaienhofen
  • Das Hermann-Hesse-Höri-Museum ist in zwei Gebäuden in der ehemaligen Ortsmitte bei der Mauritiuskappelle untergebracht: Im ehemaligen Schul- und Rathaus sind Werke von Künstlern ausgestellt, die auf der Höri gelebt und gearbeitet haben. Außerdem gibt es eine Abteilung zu den Pfahlbauten am Untersee. Im daneben liegenden Gebäude, einem 1783 erstmals erwähnten Bauernhaus, hatte Hermann Hesse 1904 mit seiner frisch angetrauten Frau Maria den Wohnteil gemietet. Diese Räume stehen zur Besichtigung offen. Hier findet man auch den Schreibtisch, den sich Hesse für diese Wohnung hatte bauen lassen und den er in seine anderen Wohnorte Bern und Montagnola jeweils mitgenommen hatte. In den Geräte- und Vorratsräumen, die zu Hesses Zeit von den Eigentümern noch benutzt wurden, finden jährlich Ausstellungen zu Themen rund um das Leben Hermann Hesses statt – 2009 zum Beispiel geht es um die Freundschaft Hesses mit dem Maler Cuno Amiet.
  • Das Hermann-Hesse-Haus im Erlenloh ließ sich Hesse 1907 im Stil der Reformarchitektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts bauen. Es ist das einzige Haus, das Hesse für sich hat bauen lassen. Dem Haus angegliedert ist ein Garten, den Hesse selbst mit seiner Frau angelegt hat. Hier wohnte die Familie Hesse bis 1912. Das Haus, das noch sehr viel Originalsubstanz enthält, ist von den jetzigen Eigentümern behutsam restauriert worden; dafür wurde 2005 der Denkmalschutzpreis des Landes Baden-Württemberg verliehen. In Haus und Garten gibt es regelmäßig Führungen, auf Anfrage kann das Haus auch besichtigt werden.[8]
  • Der Maler Otto Dix ließ 1936 in Hemmenhofen mit dem Geld seiner Frau Martha ein Wohnhaus samt Atelier errichten, nachdem er 1933 seine Professorenstelle an der Kunstakademie Dresden verloren hatte und sich an den Bodensee zurückzog. Dort lebte und arbeitete er bis zu seinem Tod. Das Otto-Dix-Haus ist eine Gedenkstätte zu Leben und Werk dieses bedeutenden deutschen Malers; es ist der Öffentlichkeit zugänglich. Das Haus befindet sich im Besitz der Dix-Enkelin Bettina. 2009 gab das Kunstmuseum Stuttgart, das für seine Dix-Sammlung bekannt ist, Pläne bekannt, das Haus zu übernehmen, zu sanieren und mit Hilfe der im Dezember 2009 gegründeten öffentlichen Otto-Dix-Haus-Stiftung als Dependance des Kunstmuseums Stuttgart betrieben zu werden.[9] Die Gesamtkosten werden auf 1,5 Millionen Euro gerechnet.[10] Am 15./16. Juni 2013 wurde es als Außenstelle des Kunstmuseums Stuttgart wieder eröffnet.[11] [12]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Hermann-Hesse-Haus beim Hermann-Hesse-Höri-Museum
  • Hermann-Hesse-Haus im Erlenloh
  • Hermann-Hesse-Statue von Friedhelm Zilly
  • Schloss Gaienhofen
  • Evangelische Melanchtonkirche
  • Brunnen von Peter Lenk mit Figuren aus dem Bild Großstadt-Triptychon von Otto Dix
  • Ludwig-Finckh-Haus
  • Otto-Dix-Haus
  • Katholische Pfarrkirche St. Johann in Horn
  • Wasserturm
  • Dorfbrunnen mit Skulpturengruppe von Friedhelm Zilly in Gundholzen

Fährbetrieb[Bearbeiten]

Im „Zick-Zack“ zwischen dem Ortsteil Horn, dem schweizerischen Dorf Berlingen, Gaienhofen und der schweizerischen Stadt Steckborn fährt sonn- und feiertags die Höri-Fähre.

Natur[Bearbeiten]

  • Vogelerkundungsweg des NABU am Ufer des Bodensees

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • László Berkes, ehemaliger Bürgermeister von Balatonföldvár
  • Hermann Biechele, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages
  • Karl Bruttel, ehemaliger Bürgermeister der einst selbständigen Gemeinde Gundholzen und nach der Gemeindereform langjähriger Gemeinderat
  • Dominique Bussereau, Agrarminister von Frankreich, ehemaliger Bürgermeister von Saint-Georges-de-Didonne
  • Anneliese Oerding

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 738–740
  3. Wilhelm Büsing: Bodensee-Uferbeschreibung mit Übersichtskarte. Verlag Paula Büsing, Konstanz 1984, S. 80
  4. Gedenktafel an der Außenmauer der Pfarrkirche von Horn durch den Verkehrsverein Horn-Gundholzen
  5. Quelle: Vorarlberger Landesmuseum Bregenz, in: Aufgelistet! Funde von Pfahlbauten am Untersee In: Südkurier vom 9. September 2011
  6. UNESCO World Heritage Centre: Six new sites inscribed on UNESCO’s World Heritage List', 27. Juni 2011
  7. UNESCO World Heritage Centre: Prehistoric Pile dwellings around the Alps, Nummer 1363-074, Hornstaad-Hörnle
  8. Monumente Online 5.2012
  9. Birgit Kölgen: Die Profis sollen übernehmen. In: Schwäbische Zeitung vom 28. April 2010
  10. Birgit Kölgen: Otto-Dix-Haus. Der Mann, der die Frauen liebte. In: Schwäbische Zeitung vom 28. April 2010
  11. Bericht der Stuttgarter Zeitung zur Wiedereröffnung des Otto-Dix-Hauses
  12. Museum Haus Dix, Hemmenhofen
  13. Gaienhofen.de: Ateliers und Galerien

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gaienhofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien