Allensbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Allensbach
Allensbach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Allensbach hervorgehoben
47.7152777777789.0713888888889400Koordinaten: 47° 43′ N, 9° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Konstanz
Höhe: 400 m ü. NHN
Fläche: 26,54 km²
Einwohner: 6919 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 261 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78476
Vorwahl: 07533
Kfz-Kennzeichen: KN
Gemeindeschlüssel: 08 3 35 002
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
78476 Allensbach
Webpräsenz: www.allensbach.de
Bürgermeister: Helmut Kennerknecht (CDU)
Lage der Gemeinde Allensbach im Landkreis Konstanz
Bodensee Bodenseekreis Landkreis Waldshut Schwarzwald-Baar-Kreis Landkreis Tuttlingen Landkreis Sigmaringen Aach (Hegau) Allensbach Bodman-Ludwigshafen Büsingen am Hochrhein Stockach Eigeltingen Engen Gaienhofen Gailingen am Hochrhein Gottmadingen Hilzingen Hohenfels (bei Stockach) Konstanz Mainau Moos (am Bodensee) Mühlhausen-Ehingen Mühlingen Öhningen Orsingen-Nenzingen Radolfzell am Bodensee Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Rielasingen-Worblingen Singen (Hohentwiel) Steißlingen Stockach Tengen Volkertshausen SchweizKarte
Über dieses Bild

Allensbach ist eine Gemeinde am Bodensee im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg. Überregional wurde der Ort als Sitz des Instituts für Demoskopie Allensbach bekannt.

Geographie[Bearbeiten]

Allensbach liegt zwischen Konstanz und Radolfzell. Der Kernort liegt direkt am Ufer des Gnadensee genannten Teils des Bodensees gegenüber der Insel Reichenau. Die Gesamtgemeinde erstreckt sich vom Gnadensee über den Bodanrück bis zum Überlinger See in 397 bis 520 Meter Höhe.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Allensbach mit den früher selbstständigen Gemeinden Hegne, Kaltbrunn und Langenrain gehören 16 Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser. Die eingegliederten ehemaligen Gemeinden bilden die Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung Hegne, Kaltbrunn und Langenrain-Freudental.

Zur Gemeinde Allensbach in den Grenzen von 1973 gehört nur das Dorf Allensbach. Zur ehemaligen Gemeinde Hegne gehören das Dorf Hegne, Schloss Hegne und die Häuser Adelheiden, Bahnstation Hegne und Wochenendhaus am See. Zur ehemaligen Gemeinde Kaltbrunn gehören das Dorf Kaltbrunn, die Höfe Gemeinmerk, Türrainhöfe und Waldburgahöfe und das Haus Fischerhaus. Zur ehemaligen Gemeinde Langenrain gehören die Dörfer Langenrain und Freudental und die Höfe Höfen, Kargegg und Stöckenhof.

In der Gemeinde Allensbach im Gebietsstand von 1973 liegen die Wüstungen Azenhausen, Buchenhausen, Eigenhofen, Kappel, Pfahlstetten und Weildorf. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Kaltbrunn liegt der abgegangene Hof Hinter Honberg. Der Storkenhof im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Langenrain ist in Langenrain aufgegangen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gemarkung Allensbachs war bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit Siedlungsraum, es finden sich sowohl prähistorische Pfahlbauten als auch Spuren aus der Römerzeit. Die Fundstelle der Pfahlbausiedlung im Strandbad[3] ist seit 2011 Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen. Beim Bau der Erdgasleitung Rottweil–Konstanz östlich des Mindelsees, nahe westlich des Stöckenhofs, wurden Teile der Grundmauer eines Herrenhauses angeschnitten und 1979 freigelegt.[4][5][6]

Allensbach wurde 724 erstmals als Alaspach in der Gründungsurkunde des Klosters Reichenau erwähnt, zu dessen Erstausstattung es gehörte. Als Anlegestelle der Reichenaufähre und als Marktflecken nahm es eine Sonderstellung ein. Der Allensbacher Markt gehört neben dem Konstanzer und dem Rorschacher zu den ältesten nachweisbaren im Bodenseegebiet.[7] Im Mittelalter besaß es Stadtrechte und eine Stadtmauer. Im 16. Jahrhundert kam Allensbach in den Besitz des Fürstbistums Konstanz. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Allensbach wiederholt besetzt, geplündert und angezündet. Die früher einmal belegten Stadtrechte gingen in den Kriegswirren unter. Bis heute ruhen die Stadtrechte – weder wurden sie aberkannt noch einmal anerkannt. 1803 erlebte Allensbach den letzten Besitzerwechsel und kam zum Großherzogtum Baden.

Die heutige Gemeinde Allensbach entstand am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Gemeinden Allensbach und Hegne. Bereits am 1. Juli 1974 wurden die Gemeinden Kaltbrunn und Langenrain nach Allensbach eingemeindet. Die ehemalige Gemeinde Freudental wurde bereits 1938 mit Langenrain vereinigt.

Blick vom Norden auf Kloster Hegne mit dem Gnadensee, im Hintergrund der Damm zur Insel Reichenau und der Seerücken

Religionen[Bearbeiten]

Aufgrund der Zugehörigkeit zum Hochstift Konstanz ist die Reformation an Allensbach vorbeigegangen. So ist auch heute noch die Mehrheit der Bewohner katholisch, und im Kernort sowie in Hegne gibt es römisch-katholische Kirchen. Seit 1955 gibt es auch eine evangelische Kirche im Ort.

In Hegne befindet sich das Kloster Hegne der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz und der Sitz der Ordensprovinz Baden-Württemberg dieser Kongregation. Die Schwestern betreiben das Tagungs- und Gästehaus St. Elisabeth, die Schule Marianum und das Altenpflegeheim Maria Hilf.

Politik[Bearbeiten]

Allensbach verbindet eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft mit Reichenau und Konstanz.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus dem stimmberechtigten Bürgermeister als Vorsitzendem, 23 Gemeinderäten und den drei nicht stimmberechtigten Ortsvorstehern von Hegne, Kaltbrunn und Langenrain-Freudental. Die Gemeinderatswahl am 7. Juni 2009 brachte folgendes Ergebnis (Spalte „Diff.“ gibt den Unterschied zur vorangegangenen Kommunalwahl vom 13. Juni 2004 an):

Partei / Liste  % Diff. Sitze Diff.
CDU 44,86 % -0,03 11 Sitze + 1
FWG 24,94 % + 3,15 6 Sitze + 2
SPD 16,08 % - 3,17 3 Sitze - 1
Bunte Liste 14,12 % - 0,01 3 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister von Allensbach ist Helmut Kennerknecht. Er hat das Amt seit dem 4. Juli 1983 inne.[8]

  • 1963–1983: Hermann Brunner
  • seit 1983: Helmut Kennerknecht (CDU)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Nikolauskirche in Allensbach

Museen[Bearbeiten]

Das Heimatmuseum am Rathausplatz ist eine vom Heimatgeschichtsverein Arbeitsgemeinschaft Allensbach e. V. öffentlich gemachte Sammlung, die einen Überblick von der Jungsteinzeit (Funde im heutigen Strandbad) bis ins 20. Jahrhundert zeigt.

Bauwerke[Bearbeiten]

Innenansicht der Nikolauskirche
Schloss Hegne von der Seeseite Ende des 19. Jahrhunderts
Unterer Eingang zur Marienschlucht
  • Die barocke katholische Nikolauskirche mit ihrem 1698 erbauten Zwiebelturm und dem von 1732 bis 1735 erbauten Langschiff ist das Wahrzeichen von Allensbach. Im Inneren der Kirche befindet sich ein 1804 gefertigter Hochaltar und zwei Rokoko-Seitenaltäre aus der Zeit um 1750.
  • Das Schloss Freudental im Ortsteil Freudental ist ein 1698 erbautes Barockschloss mit Giebelfassade, das als Seminar- und Tagungsstätte und als Unterkunft für Feriengäste genutzt wird.
  • Das 1648 erbaute Bodmansche Barockschloss im Ortsteil Langenrain beherbergt heute das Institut für Weiterbildung der Fachhochschule Konstanz.
  • Die evangelische Gnadenkirche (1955 erbaut, 1997 erweitert) und das Strandbad (2004) sind moderner Architektur.
  • Das Schloss Hegne liegt an der B33 beim Allensbacher Ortsteil Hegne. Im Jahr 1570 erstmals schriftlich erwähnt, war das Schloss zwischen 1591 und 1803 Sommerresidenz der Konstanzer Bischöfe. Von 1879 bis 1882 von Werner de Weerth aus Neuwied im Stil der Neorenaissance erheblich umgebaut, ist es heute Bestandteil eines Gebäudekomplexes, welcher neben dem Kloster der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz auch verschiedene schulische und karitative Einrichtungen beherbergt (Siehe auch Abschnitte „Religionen“ und „Bildungseinrichtungen“).

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Auf Gemeindegebiet liegt am Südufer des Überlinger Sees die Marienschlucht.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Alljährlich von Juli bis Oktober finden im Seegarten oder in der evangelischen Kirche in Allensbach die Konzerte der Reihe "JAZZ am See“ statt und einmal im Jahr findet für ein Wochenende das Seetorfest statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Allensbach liegt an der Hochrheinbahn, auf der neben der Nahverkehrslinie Seehas im Halbstundentakt auch zusätzlich InterRegioExpress- und RegionalExpress-Züge im Stundentakt fahren. Der Ort gehört dem Verkehrsverbund Hegau-Bodensee an.

Im Sommerhalbjahr besteht eine Personenschifffahrtsverbindung zur Insel Reichenau.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Allensbach verfügt über eine Grund- und Hauptschule, im Ortsteil Hegne gibt es eine reine Grundschule. Außerdem gibt es drei kommunale Kindergärten und einen römisch-katholischen Kindergarten.

Im Marianum der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz in Hegne sind sieben private Bildungseinrichtungen zusammengefasst: eine Realschule, ein sozialwissenschaftliches Gymnasium (SG), eine zweijährige Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Ernährung (2BFS), ein Berufskolleg für PraktikantInnen (1BKSP), eine Fachschule für Sozialpädagogik (2BKSP), eine Fachschule für Organisation und Führung (FOF) und eine Berufsfachschule zum Erwerb von Zusatzqualifikationen (BFQ-E).

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Die touristische Attraktion in Allensbach ist der Wild- und Freizeitpark Allensbach.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Elisabeth Noelle-Neumann (1916–2010), Gründerin des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD)
  • Julius Boltze, Verleger, Heimatforscher und Mitgründer des Heimatgeschichtsvereins Arbeitsgemeinschaft Allensbach e. V. (AGA)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Niklaus Schradin (* in Allensbach; † zwischen Februar 1506 und 1518 in Luzern), Chronist und Schreiber in Diensten der Abtei St. Gallen und der Stadt Luzern

Andere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Elisabeth Mühlenweg (1910–1961), Malerin und Illustratorin, lebte und starb in Allensbach
  • Fritz Mühlenweg (1898–1961), Maler und Schriftsteller, lebte in Allensbach
  • Gaby Hauptmann (* 1957), Schriftstellerin, lebt in Allensbach
  • Otto Marquard (1881–1969), Maler, Künstler und Widerstandskämpfer, lebte in Allensbach [9]
  • Walter Tilgner (* 1934), Biologe, Naturfotograf und Tontechniker, lebt mit seiner Frau Heidrun in Allensbach

Besonderheiten[Bearbeiten]

Der Steinzeitdolch von Allensbach[Bearbeiten]

Steinzeitdolch aus Allensbach

Im Winterhalbjahr 2002/2003 wurde der Bauplatz eines neuen Gebäudes auf dem Allensbacher Campingplatz von Archäologen der Arbeitsstelle für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie in Hemmenhofen untersucht. Etwa 1,5 m unter der heutigen Oberfläche stieß man auf Reste einer Pfahlbausiedlung, die an dieser Stelle gegründet worden war.

Das dort geborgene Fundmaterial hielt mehrere Überraschungen bereit, vor allem einen langen, perfekt gearbeiteten Feuersteindolch mit vollständig erhaltenem Holzgriff aus Holunderholz. Bis heute hat man nur bei der Ausrüstung des „Ötzi“, der berühmten Gletschermumie vom Hauslabjoch, einen ähnlichen Dolch samt erhaltener Schäftung gefunden. Wie der Dolch vom „Ötzi“ ist auch die Allensbacher Dolchklinge nicht aus einheimischem Rohmaterial, sondern aus qualitätvollem oberitalienischem Feuerstein hergestellt. Die Feuersteinklinge belegt zusammen mit anderen Importfunden, dass die Pfahlbautenbewohner vom Bodensee schon vor rund 5000 Jahren regelmäßige Kontakte zum südlichen Alpenraum nach Norditalien pflegten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Julius Boltze: Altes und immer junges Allensbach am Bodensee. Landschaft, Geschichte, Volkskunde. 2., durchges. u. erw. Aufl. Verlag des Südkurier, Konstanz 1983, ISBN 978-3-87799-007-0.
  • Benedikt Schwarz: Allensbacher Zinsen und Satzungen (Dorfrecht) im 16. Jahrhundert, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 52. Jg. 1923, S. 57–83 (Digitalisat)
  • W. Wartmann: Zum Wappen von Allensbach, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 37. Jg. 1908, S. 172–175 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Allensbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Allensbach – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 755–758
  3. Quelle: Vorarlberger Landesmuseum Bregenz, in: Aufgelistet! Funde von Pfahlbauten am Untersee In: Südkurier vom 9. September 2011
  4. Eric Breuer: Heimatkundliche Schriften des Kulturvereins Eriskirch e. V. Band 3: Römer am nördlichen Bodensee: Eriskirch und Umgebung in römischer Zeit. Hrsg. v. Kulturfreunde Eriskirch, 2001, S. 36.
  5. Vgl. Rolf Dehn, Gerhard Fingerlin: Ausgrabungen der archäologischen Denkmalpflege Freiburg im Jahre 1979. Archäologische Nachrichten aus Baden, Heft 24. Freiburg im Breisgau 1980.
  6. Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 10: 1985. Hrsg. v. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, 1986, S. 523.
  7. Max Miller, Gerhard Taddey: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Band 6, Baden-Württemberg. 2. Auflage, 1980, ISBN 978-3-520-27602-5, S. 12.
  8. Matthias Biehler: Bürgermeister: Es kann nur eine Liste geben. In: Südkurier vom 10. Mai 2010
  9. Porträt von Marquard auf der Website der Gemeinde Allensbach, abgerufen am 13. Juni 2011.