Tobias Huch

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Tobias Huch

Tobias Christoph Huch (* 10. August 1981 in Mainz) ist ein deutscher Unternehmer und Politiker (Junge Liberale).

Politische Tätigkeit[Bearbeiten]

Huch ist stellvertretender Vorsitzender der Jungen Liberalen Rheinhessen-Vorderpfalz[1] und stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Rheinland-Pfalz für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.[2][3]Des Weiteren ist er erster Vorsitzender des Vereins FDP Liberté.[4] Gemeinsam mit dem CDU-Politiker Felix Leidecker initiierte Huch eine Unterschriftensammlung für einen Bürgerentscheid über die Zukunft des Mainzer Rathauses und konnte knapp 2500 Unterschriften sammeln.[5]

Parteiordnungsverfahren[Bearbeiten]

Nachdem Huch in der Bild-Zeitung im Februar 2014 zugegeben hatte, dass er für befreundete Studenten Hausarbeiten geschrieben und somit beim Betrügen geholfen habe,[6] wurde er von der FDP Mainz zum Rücktritt aufgefordert.[7] Da Huch dieser Aufforderung nicht nachkam, wurde im April 2014 ein Parteiordnungsverfahren eingeleitet.[8]

Netzaktivismus[Bearbeiten]

Verfassungsbeschwerde gegen § 184d StGB[Bearbeiten]

2005 reichte Tobias Huch eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gegen den § 184c StGB (heute: § 184d StGB) ein. Der Antrag lautete, § 184d StGB aufzuheben, soweit er sich auf das Verbreiten sogenannter weicher Pornografie in Tele- und Mediendiensten beziehe. In einem verbundenen Verfahren wurde die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen.[9]

Prozess gegen Arcor[Bearbeiten]

Ende 2007 verklagte Huch mit seiner Firma Huch Medien GmbH als Betreiber der Seite Amateurstar.de und als Anbieter eines Altersnachweissystems den Internetzugangsanbieter Arcor. Huch forderte von Arcor, die Suchmaschine Google zu sperren, die über Suchanfragen pornographisches Material ohne Jugendschutzmaßnahmen zugänglich macht. Tobias Huch plante, mit der Klage die Tragweite der Haftungsfreistellungen für Anbieter zu testen.[10] Das Oberlandesgericht bestätigte in seinem Beschluss vom 22. Januar 2008, dass ein Internetzugangsanbieter, auch unter dem Gesichtspunkt der wettbewerbsrechtlichen Verkehrspflicht, für den Inhalt der Webseiten, zu denen er seinen Kunden den Zugang vermittelt, grundsätzlich nicht verantwortlich sei (Az: 6 W 10/08).[11]

T-Mobile-Datenskandal[Bearbeiten]

Der Spiegel berichtete in den Ausgaben 41[12] und 42[13] von 2008 über einen Datenskandal bei T-Mobile. Huch äußerte gegenüber dem Magazin, er sei im Jahr 2006 „zufällig und auf Umwegen“ in den Besitz großer Mengen an Kundendaten gelangt. Er meldete sich 2006 bei der Deutschen Telekom, die zu diesem Zeitpunkt bereits über die kursierenden Kopien ihrer Kundendaten informiert war.[14] Die Geschäftsräume von Tobias Huchs Firma Resisto IT GmbH wurden im Oktober 2008, kurz nach dem Bekanntwerden der Lücke in der Öffentlichkeit, von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Die Firma galt als so genannter „unverdächtigter Zeuge“.[15] Die Datenbank wurde von Huchs Geschäftsrechner gelöscht.

Einstweilige Verfügung wegen Jugendschutzsystem des Senders Sky Deutschland[Bearbeiten]

Im Mai 2010 erwirkte Huchs Firma Resisto IT GmbH als Betreiber eines Altersverifikationssystems beim Landgericht Duisburg eine einstweilige Verfügung gegen den Pay-TV-Betreiber Sky Deutschland.[16] Hintergrund hierfür war, dass sich bei einem Teil der von Sky genutzten Smartcards, denen des Schweizer Verschlüsselungsanbieters Nagravision, die werksseitig eingestellte Jugendschutz-PIN ausrechnen ließ. Huch vertrat den Standpunkt, dass das von Sky verwendete Altersverifikationssystem unzureichenden Jugendschutz bietet, obwohl sowohl die für Sky zuständige Bayerische Landeszentrale für neue Medien als auch die Kommission für Jugendmedienschutz das von Sky und diversen Kabelnetzbetreibern verwendete System als ausreichend ansehen. Wegen dieser einstweiligen Verfügung war Sky zeitweise gezwungen, den Erotiksender Beate-Uhse.TV erst ab 23 Uhr auszustrahlen, sowie diverse weitere Inhalte erst zu späteren Zeitpunkten oder gekürzt auszustrahlen. Auch andere über Sky verbreitete Sender, wie etwa RTL Crime, waren hiervon betroffen.

Sky reagierte Anfang August 2010 auf diesen Vorgang und forderte einen Teil seiner Kunden schriftlich auf, ihre Jugendschutz-PIN zu ändern. Tobias Huch begrüßte diesen Schritt von Sky ausdrücklich, bezeichnete ihn aber auch als Blamage für die verantwortliche Bayerische Landesmedienanstalt (BLM) und die KJM (Kommission für Jugendmedienschutz).[17] Vor dem OLG Düsseldorf nahm Huch die Klage zurück und verzichtete auf eine Klage in der Hauptsache. Das Verfahren wurde damit beendet.

Plagiatsaffäre Karl-Theodor zu Guttenberg[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2011 organisierte Huch eine Kampagne auf Facebook[18] für den damaligen Bundesminister der Verteidigung Karl-Theodor zu Guttenberg, dem wegen umfangreicher Plagiate in seiner Dissertation Verfassung und Verfassungsvertrag von der Universität Bayreuth der Doktortitel entzogen wurde.[19]

Sicherheitslücke Hetzner[Bearbeiten]

Am 6. Oktober 2011 wurde eine Sicherheitslücke beim Webhoster Hetzner bekanntgegeben.[20][21] Tobias Huch behauptet, über den FTP-Zugriff eines Shared Hosting-Pakets auf höhere Ordnerebenen gelangt zu sein, wo Verwaltungsdateien von Hetzner frei zugänglich gewesen seien. Diese hätten unter anderem auch Kennwörter für Managed Server oder Hetzners Dokumentenmanagement-System im Klartext enthalten. Tobias Huch trat nach Entdeckung der Lücke zusammen mit einem Spiegel-Redakteur an Hetzner heran und gab dem Webhoster drei Tage Zeit, seine Kunden selbst über die Lücke zu informieren. Hetzner erklärte mehrfach, Huchs Informationen seien nicht schlüssig.

Unternehmerische Tätigkeit[Bearbeiten]

2000 gründete Huch mit 18 Jahren die Firma Erodata, die das Altersverifikationssystem Ueber18.de betreibt[22] und inzwischen unter dem Namen Resisto IT GmbH firmiert. Er ist Geschäftsführer der BAB MEDIA GmbH in Mainz. Die Resisto IT GmbH, Mainz, wurde aufgrund der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 20. Juni 2013 aufgelöst.[23]

Steuerhinterziehung[Bearbeiten]

Am 7. Mai 2012 wurde Huch vom Landgericht Koblenz wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Gericht stellte fest, dass er als faktischer Mitgeschäftsführer von Deutschland aus ein schweizerisches IT-Unternehmen leitete, jedoch die von 2004 bis 2007 in Deutschland anfallende Umsatzsteuer von insgesamt rund 800.000 € hinterzogen hatte. Zusätzlich muss Huch als Bewährungsauflage 75.000 € zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig, da die Staatsanwaltschaft und Huch auf Rechtsmittel verzichteten. Huch erklärte nach dem Urteil, dass er sich nicht persönlich bereichert habe und er die Verteidigung zum Schutz seiner Familie, seines Umfeldes und seines Unternehmens abgebrochen habe.[24]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2007: Erotixxx Award („Ehrenpreis für besondere Verdienste in der Zusammenführung Online / Offline“ für Tobias Huch, Resisto IT)[25][26]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.mainzer-rhein-zeitung.de/mainz/landtag_artikel,-Huch-Pornos-sind-Grundrecht-_arid,337041.html
  2. Landesvorstand. Junge Liberale Rheinland-Pfalz, abgerufen am 17. September 2012.
  3. Impressum. Junge Liberale Rheinland-Pfalz, abgerufen am 20. September 2012.
  4. Impressum FDP Liberté. Verein FDP Liberté, abgerufen am 1. Februar 2013.
  5. Mainz: OB Ebling nimmt 2.470 Unterschriften zur Zukunft des Rathauses entgegen
  6. http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/ich-helfe-beim-betruegen-jungliberaler-tobias-huch-aus-mainz-gibt-zu-fuer-andere-hausarbeiten-zu-schreiben_13869548.htm#3
  7. http://www.rhein-zeitung.de/region/panorama_artikel,-Schluss-mit-lustig-FDP-Parteitag-fordert-Tobias-Huch-zum-Rueckzug-auf-_arid,1121096.html
  8. http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/fdp-in-mainz-will-parteiausschluss-von-tobias-huch-kreischef-dietz-hat-verfahren-auf-weg-gebracht_14057161.htm
  9. BVerfG, 1 BvR 1231/04 vom 24. September 2009, Absatz-Nr. (1 – 11)
  10. Arcor soll Google sperren, Heise online, 4. Dezember 2007
  11. OLG Frankfurt a.M.: Beschluss vom 22. Januar 2008, Az 6 W 10/08 – Verantwortlichkeit des Access-Providers
  12.  Mit höchster krimineller Energie. In: Der Spiegel. Nr. 41, 2008 (online).
  13. Lücke mit T-ücke
  14. „Ich habe die T-Mobile-Daten“ In: taz vom 6. Oktober 2008
  15. S. Krempl: Erotikfirma wegen T-Mobile-Kundendatenbank durchsucht. In: heise.de vom 13. August 2010
  16. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Sky-kassiert-einstweilige-Verfuegungen-wegen-mangelhaftem-Jugendschutz-996449.html
  17. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Sky-bessert-beim-Jugendschutz-System-nach-2-Update-1049103.html
  18. http://www.facebook.com/ProGuttenberg
  19. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,746623,00.html
  20. Interview bei netzwelt.de/
  21. heise.de/
  22. Pressemeldung der Huch Medien GmbH. In: press1.de. HighText Verlag Graf und Treplin OHG, abgerufen am 7. August 2010.
  23. Handelsregisterveröffentlichung vom 20. Juni 2013 22:00:00
  24. Tobias Huch kassiert Bewaehrungsstrafe wegen Steuerhinterziehung. Rhein Zeitung. Abgerufen am 8. Mai 2012.
  25. Frédéric Valin: Guttenberg gefällt ihm. In: taz.de. 25. Februar 2011, abgerufen am 6. September 2012.
  26. Eline Awards und Davids 2007 (Version vom 5. Januar 2009 im Internet Archive)