Uhrencup

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Der Uhrencup ist ein internationales Fussballturnier in der Schweiz. Seit 1962 findet es jährlich im Juli als Saisonvorbereitungsturnier im Stadion Brühl in Grenchen statt und gilt als bedeutendstes Turnier in der Schweiz. Ausrichter war über lange Zeit der Schweizer FC Grenchen. Damals spielte Grenchen noch in der Nationalliga A, jetzt aber in der ersten Liga, der vierthöchsten Spielklasse der Schweiz. Im Jahr 2003 übernahm Sascha Ruefer die Veranstaltung mit einem Organisationskomitee. Der Uhrencup ist mit inzwischen 51 Austragungen eines der traditionsreichsten Turniere für Vereinsmannschaften in Europa. Im Jahr 2014 gibt es unter anderem in Folge einer juristischen Auseinandersetzung keine erneute Austragung des Turniers.[1]

Allgemeines[Bearbeiten]

Grenchen ist Heimat vieler bekannter Uhrenmarken, worauf der Name Uhrencup zurückzuführen ist. Es nehmen jeweils vier Teams teil, wobei seit 2003 jeweils zwei Schweizer gegen zwei Internationale Teams antreten. Schweizer Fixstarter sind in den letzten Jahren der BSC Young Boys (außerhalb der Schweiz auch Young Boys Bern genannt) und der FC Basel geworden.

Bis 2003 wurde nach Pokal-System gespielt. Seit 2004 wird nach Liga-Format pro Team zwei Spiele ausgetragen. Gewinner ist diejenige Mannschaft mit den meisten Punkten oder bei Punktegleichheit, die mit dem besseren Torverhältnis.

Neben dem Turnier werden im Rahmen des Uhrencups auch internationale Testspiele ausgerichtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung als internationales Turnier (1962–1968)[Bearbeiten]

Als 1962 der FC Grenchen die neue Haupttribüne einweihte, waren sich die ansässigen Uhren-Unternehmer der Stadt Grenchen einig, die neue Haupttribüne im Stadion Brühl mit einem Turnier zu feiern. So organisierte der FC Grenchen, damals eine der führenden Mannschaften im Schweizer Fussball und über die Landesgrenze hinaus ein Begriff, ein grosses Einweihungsturnier mit internationalen Teams. Die Resonanz war gross und so wurde das Turnier jährlich wiederholt.

Für den ersten Uhrencup wurde bei der FIFA und dem Schweizerischen Fussballverband ein Turnierreglement angefordert. Weil der Uhrencup in der Vorsaison als Vorbereitungsturnier gedacht war, wollte man die Spieler nicht mit Wiederholungsspielen schwächen. Der Turniergründer Kurt Weissbrodt fand schliesslich zusammen mit Max Schneider, dem damaligen Präsidenten des FC Grenchens, die Lösung mit einem Penaltyschiessen.[2] Die Änderungen im FIFA-Reglement 1962 wurden schliesslich bewilligt, und so wurde 1962 erstmals in einem internationalen Turnier ein Penaltyschiessen durchgeführt. Das Vorrundenspiel zwischen dem RC Brügge und AC Como, fand schliesslich erst beim Stand von 11:10 einen Sieger.[3] In den ersten paar Jahren schoss jeweils ein Schütze die ersten fünf Penaltys. 1969 wurden im Vorrundenspiel zwischen Biel und Lausanne-Sports zweimal fünf Penaltys ausgeführt. Nachdem das Ergebnis beide Male ausgeglichen war, wurde schliesslich auf den Münzwurf zurückgegriffen, womit die Bieler ins Finalspiel einzogen.[4][5] 1964 bescherte der Münzwurf dem BSC Young Boys gar den Finalsieg über den Karlsruher SC.

Uhrencup als zumeist regionale Veranstaltung (1969–2002)[Bearbeiten]

Nach der Saison 1967/68 stieg der FC Grenchen in die Nationalliga B ab. Im Anschluss büsste auch der Uhrencup seine internationale Bedeutung ein und so nahmen zukünftig nur noch Schweizer Mannschaften am Turnier teil.

In den Jahren 1987 bis 1991 konnten noch einmal einige internationale Teams verpflichtet werden und 1991 gewann mit dem 1. FC Köln der damalige deutsche Pokalfinalist mit Trainer Christoph Daum und dem Weltmeister Pierre Littbarski den Uhrencup. Die Krise der Schweizer Uhrenbranche in den 1980er-Jahren hatte jedoch auch finanzielle Folgen für den FC Grenchen, der Schulden ansammelte und dadurch nicht mehr in der Lage war internationale Teams zu verpflichten. Nur sechs Jahre nach dem 1. FC Köln gewann mit dem FC Subingen ein Mannschaft aus der damals vierthöchsten Spielklasse (2. Liga) den Uhrencup 1997.[6]

Neuauflage als internationales Turnier (seit 2003)[Bearbeiten]

2003 wurde der Uhrencup vom Schweizer TV-Moderator Sascha Ruefer und seiner Uhrencup & Event GmbH übernommen. Seitdem nahmen immer wieder europäische Topvereine am Uhrencup teil, so unter anderem Celtic Glasgow, der 1. FC Köln, der 1. FC Kaiserslautern, FC Red Bull Salzburg, FC Twente Enschede, FC Schalke 04, Borussia Dortmund oder Bayer 04 Leverkusen.

2009 nahm mit Schachtar Donezk der aktuelle UEFA-Cup-Sieger am Uhrencup teil. Nach einer 1:2-Niederlage gegen den BSC Young Boys und einem 3:0-Sieg gegen den FC Basel gewannen sie das Turnier dank des besten Torverhältnisses.

Das Teilnehmerfeld der 50. Auflage des Turniers im Jahr 2011 bildete der FC Basel, der BSC Young Boys, Hertha BSC und West Ham United. Die beiden Schweizer Teams gewannen alle vier Partien und der FC Basel entschied das Turnier aufgrund des besseren Torverhältnis für sich. Für die Jubiläumsausgabe fand noch ein Testspiel zwischen dem Schweizer Vizemeister FC Zürich und dem deutschen Meister Borussia Dortmund statt, welches mit einem 1:1-Unentschieden endete. Im Anschluss an die 50. Jubiläumsausgabe trat Sascha Ruefer nach acht Jahren als Turnierdirektor zurück und mit ihm auch das gesamte Organisationskomitee.[7]

Nach einer einjährigen Unterbrechung fand 2013 die 51. Ausgabe des Uhrencups statt. Als Teilnehmer wurden der FC Basel, Roter Stern Belgrad, der Grasshopper Club Zürich und Fortuna Düsseldorf verpflichtet.[8]

Modus[Bearbeiten]

Mit Ausnahme des Jahres 1990, an dem sechs Vereine um den Uhrencup spielten, wurde das Turnier von 1962 bis 2003 und auch im Jahr 2010 im K.o.-System mit vier teilnehmenden Vereinen ausgespielt. Die Verlierer der Halbfinale spielten um Platz 3, die Sieger um den Uhrencup. Bei Unentschieden gab es jeweils ein Elfmeterschießen. Zweimal, 1964 und 1969, entschied sogar der Münzwurf. Im Jahre 1990 spielten die sechs Teilnehmer in zwei Gruppen zu je drei. Die beiden Gruppenletzten schieden aus, die Gruppenzweiten bestritten das Spiel um Platz 3 und die Gruppensieger das Finale. Mit Ausnahme des Jahrs 2010 spielen seit 2004 die vier Teilnehmer in einer Runde, wo aber jeder Klub nur gegen zwei der drei anderen anzutreten hatte. 2006 nahmen der FC Zürich und der FC Basel gemeinsam als ein Team teil; so hatte jeder der beiden Vereine nur eines der zwei Spiele zu absolvieren.

Die Platzierungen der Teilnehmer in jedem Jahr[Bearbeiten]

In der folgenden Tabelle ist allen Vereinen außerhalb der Schweiz die Nationalflagge beigefügt. Das Fehlen der Nationalflagge bei SchweizSchweizVereinen der Schweiz verschafft einen optischen Überblick über den Wandel des Turniers zwischen nationalem und internationalem Charakter.

 Jahr  Platzierungen
Sieger 2. Platz 3. Platz 4. Platz
1962 FC Grenchen BelgienBelgien Cercle Brügge ItalienItalien AC Como FC Biel-Bienne
1963 EnglandEngland Ipswich Town FC Grenchen FC Biel-Bienne NiederlandeNiederlande Sparta Rotterdam
1964 BSC Young Boys DeutschlandDeutschland Karlsruher SC FrankreichFrankreich Olympique Nîmes FC Grenchen
1965 ItalienItalien Lanerossi Vicenza FC Grenchen BSC Young Boys IsraelIsrael Maccabi Tel Aviv
1966 FrankreichFrankreich FC Sochaux FC Grenchen ItalienItalien Lanerossi Vicenza FC Biel-Bienne
1967 abgesagt
1968 FC Biel-Bienne BSC Young Boys FrankreichFrankreich FC Sochaux FC Grenchen
1969 FC Basel FC Biel-Bienne FC Grenchen FC Lausanne-Sport
1970 FC Basel BSC Young Boys FC Biel-Bienne FC Grenchen
1971 FC Grenchen FC Basel FC Lausanne-Sport FC Biel-Bienne
1972 Neuchâtel Xamax FC Biel-Bienne FC Grenchen FC Basel
1973 BSC Young Boys FC Biel-Bienne Neuchâtel Xamax FC Grenchen
1974 abgesagt
1975 BSC Young Boys FC Grenchen FC Biel-Bienne FC La Chaux-de-Fonds
1976 FC Zürich BSC Young Boys FC Grenchen FC Biel-Bienne
1977 Neuchâtel Xamax FC Basel FC Biel-Bienne FC Grenchen
1978 FC Basel Neuchâtel Xamax FC Grenchen FC Biel-Bienne
1979 FC Basel FC Grenchen FC La Chaux-de-Fonds FC Luzern
1980 FC Basel FC Grenchen FC Biel-Bienne FC Luzern
1981 FC Grenchen FC Basel FC Luzern FC Biel-Bienne
1982 FC Grenchen FC Basel FC Aarau FC Biel-Bienne
1983 FC Basel FC Zürich FC Grenchen FC Biel-Bienne
1984 Servette Genève FC Basel FC Biel-Bienne FC Grenchen
1985 FC Grenchen FC Basel FC Biel-Bienne Servette Genève
1986 FC Basel Grasshopper Club Zürich FC Grenchen FC Biel-Bienne
1987 BSC Young Boys FC Grenchen PolenPolen Górnik Zabrze FC Basel
1988 FC Basel FC Grenchen SlowakeiSlowakei Plastika Nitra NiederlandeNiederlande FC Twente Enschede
1989 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Partizan Belgrad FC Grenchen FC Basel FC Zürich
1990
0
0
PolenPolen Górnik Zabrze FC Basel FC Lugano FC Aarau
Ausgeschieden (punktgleich mit den beiden anderen) als Letzter der Gruppe 1: ZriFC Grenchen
Ausgeschieden als abgeschlagener Letzter der Gruppe 2: GreneFC Zürich
1991 DeutschlandDeutschland 1. FC Köln FC Sion PolenPolen Olimpia Posen FC Grenchen
1992 FC Zürich SR Delémont FC Basel FC Grenchen
1993 FC Zürich FC Basel FC Grenchen SR Delémont
1994 FC Zürich SR Delémont FC Grenchen FC Schaffhausen
1995 FC Aarau FC Solothurn BSC Young Boys FC Grenchen
1996 FC Grenchen FC Solothurn SV Lyss FC Biel-Bienne
1997 FC Subingen FC Biel-Bienne FC Grenchen SV Lyss
1998 FC Solothurn SR Delémont FC Subingen FC Grenchen
1999 FC Grenchen FC Solothurn FC Langenthal FC Thun
2000 BSC Young Boys Neuchâtel Xamax FC Solothurn FC Grenchen
2001 Grasshopper Club Zürich BSC Young Boys FC Solothurn FC Grenchen
2002 Servette Genève BSC Young Boys FC Aarau FC Grenchen
2003 FC Basel BSC Young Boys Grasshopper Club Zürich OsterreichÖsterreich Casino SW Bregenz
2004 BSC Young Boys DeutschlandDeutschland 1. FC Kaiserslautern FC Basel DeutschlandDeutschland FC Schalke 04
2005 TurkeiTürkei Trabzonspor DeutschlandDeutschland 1. FC Kaiserslautern BSC Young Boys FC Basel
2006 FC Zürich & FC Basel BSC Young Boys DeutschlandDeutschland Bayer 04 Leverkusen, DeutschlandDeutschland 1. FC Köln (beide Dritter)
2007 BSC Young Boys FC Basel OsterreichÖsterreich FC Red Bull Salzburg SchottlandSchottland Celtic Glasgow
2008 FC Basel DeutschlandDeutschland Borussia Dortmund FC Luzern PolenPolen Legia Warschau
2009 UkraineUkraine Schachtar Donezk BSC Young Boys FC Basel GriechenlandGriechenland Panathinaikos Athen
2010 DeutschlandDeutschland VfB Stuttgart BSC Young Boys NiederlandeNiederlande FC Twente Enschede SpanienSpanien Deportivo La Coruña
2011 FC Basel BSC Young Boys EnglandEngland West Ham United DeutschlandDeutschland Hertha BSC
2012 keine Austragung
2013 FC Basel SerbienSerbien Roter Stern Belgrad Grasshopper Club Zürich DeutschlandDeutschland Fortuna Düsseldorf

Alle Spielergebnisse und ggf. Tabellen können auf WildStat.com abgerufen werden.[9] Auch im RSSSF-Archiv stehen die Ergebnisse, jedoch nur bis 2009.

Rangliste der Cupsieger[Bearbeiten]

Anmerkung: Der gemeinsame Sieg von Zürich und Basel ist für jeden der Vereine, FC Zürich und FC Basel, gezählt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Grenchen bedauert das Aus für den Uhrencup
  2. Marco Sansoni: Der Beweis für die deutsche Frechheit. Grenchner Tagblatt. 13. Juli 2011. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  3. Erik Garin: Coupe Horlogère - Uhren Cup (Switzerland) 1962–2009: 1962. RSSSF. 6. November 2009. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  4. Erik Garin: Coupe Horlogère - Uhren Cup (Switzerland) 1962–2009: 1969. RSSSF. 6. November 2009. Abgerufen am 14. Juli 2011.
  5. A.W.: Sieger durch Losentscheid. In: Solothurner Zeitung, 8. August 1969.
  6. uhrencup.ch: History. Abgerufen am 15. Juli 2011
  7. Oliver Menge (14. Juli 2011): Wird Boris Banga neuer «Mister Uhrencup»?. Abgerufen am 15. Juli 2011.
  8. Uhrencup - Teams. bielertagblatt.ch. Abgerufen am 6. Juni 2013.
  9. WildStat.com - Uhrencup Alle Ergebnisse und Tabellen des Uhrencups seit 1962 per Abruf

Weblinks[Bearbeiten]