Wustermark

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wustermark
Wustermark
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wustermark hervorgehoben
52.54972222222212.94972222222235Koordinaten: 52° 33′ N, 12° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Havelland
Höhe: 35 m ü. NHN
Fläche: 52,63 km²
Einwohner: 8011 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 152 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14641
Vorwahl: 033234
Kfz-Kennzeichen: HVL
Gemeindeschlüssel: 12 0 63 357
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hoppenrader Allee 1
14641 Wustermark
Webpräsenz: www.wustermark.de
Bürgermeister: Holger Schreiber (parteilos)
Lage der Gemeinde Wustermark im Landkreis Havelland
Brieselang Dallgow-Döberitz Falkensee Friesack Gollenberg (Havelland) Großderschau Havelaue Ketzin/Havel Kleßen-Görne Kotzen (Havelland) Märkisch Luch Milower Land Mühlenberge Nauen Nennhausen Paulinenaue Pessin Premnitz Rathenow Retzow Rhinow Schönwalde-Glien Seeblick Stechow-Ferchesar Wiesenaue Wustermark BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Die amtsfreie Gemeinde Wustermark liegt im brandenburgischen Landkreis Havelland. Die heutige Gemeinde wurde im Zuge der Gemeindereform 2002 aus den vorher eigenständigen Gemeinden Buchow-Karpzow, Elstal, Hoppenrade, Priort und Wustermark des Amtes Wustermark gebildet.

Geografie[edit]

Wustermark liegt in der regional auch als „hohes Havelland“ oder „Auf der Heide“ bezeichneten Gegend in unmittelbarer Nähe zum Regionalpark und Naturschutzgebiet Döberitzer Heide, einem ehemaligen Truppenübungsplatz, der im Jahr 2004 von der Heinz-Sielmann-Stiftung gekauft wurde.

Wustermark und deren dazugehörige Ortsteile liegen im geografischen Bereich der Nauener Platte. Insbesondere in den südlich von Wustermark gelegenen Ortsteilen Hoppenrade, Hoppenrade Ausbau und Buchow-Karpzow finden sich markante langwellige, zum Teil allerdings auch steile Moränenerhebungen. Besonders der 62m hohe Stellberg im Ortsteil Hoppenrade Ausbau bietet somit einen guten Ausblick auf das Havelland bis in den Fläming. Östlich Wustermarks befindet sich der Havelkanal, der sich in einer nord-südlichen Ausrichtung erstreckt.

Gemeindegliederung[edit]

Die Gemeinde Wustermark umfasst die Ortsteile Buchow-Karpzow, Elstal, Hoppenrade, Priort und Wustermark, die Gemeindeteile Wernitz, Dyrotz, Dyrotz-Luch und Hoppenrade-Ausbau[2] sowie die Wohnplätze Am Weiler, Buchow, Karpzow, Niederhof und Olympisches Dorf.

Geschichte[edit]

Ursprünglich durch slawische Besiedlung geprägt, wurde das Havelland im Zuge der sogenannten Ostkolonisation im 12./13. Jahrhundert durch Albrecht den Bären erobert, der auch in Wustermark – 1212 erstmals urkundlich erwähnt – eine Befestigung anlegen ließ.

Wustermark entwickelte sich zu einem Verkehrsknotenpunkt an den von Berlin und Brandenburg kommenden Handelswegen. Daher hatte der Ort schon im 17. Jahrhundert eine Poststation und erhielt 1871 mit dem Bahnhof Wustermark einen der ersten Haltepunkte der Eisenbahnstrecke Berlin–Lehrte. 1909 eröffnete östlich des Ortes im heutigen Wustermarker Ortsteil Elstal der Verschiebebahnhof Wustermark, der lange Jahre einer der wichtigsten Güterverkehrsknoten im Berliner Raum war.

Eingemeindungen[edit]

Dyrotz gehört seit dem 1. Januar 1958 zur Gemeinde Wustermark.[3] Wernitz wurde am 27. September 1998 eingegliedert.[4] Am 31. Dezember 2002 kamen Buchow-Karpzow, Elstal, Hoppenrade und Priort hinzu.[5]

Bevölkerungsentwicklung[edit]

Wustermark:
Bevölkerungsentwicklung in den Grenzen von 2013
Jahr Einwohner
1875 2 708
1890 3 065
1910 2 787
1925 3 911
1933 3 910
1939 4 884
1946 7 627
1950 7 459
1964 5 513
1971 5 294
Jahr Einwohner
1981 4 545
1985 4 453
1989 4 442
1990 4 350
1991 4 268
1992 4 195
1993 4 189
1994 4 279
1995 4 330
1996 4 633
Jahr Einwohner
1997 5 170
1998 5 480
1999 6 018
2000 6 643
2001 6 967
2002 7 166
2003 7 445
2004 7 534
2005 7 599
2006 7 630
Jahr Einwohner
2007 7 652
2008 7 727
2009 7 856
2010 7 878
2011 7 941
2012 8 042
2013 8 011

Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[6].

Religion[edit]

Politik[edit]

Gemeindevertretungswahl 2008[7][8]
Wahlbeteiligung: 47,28 % (2003: 45,50 %)
 %
30
20
10
0
28,04 %
27,30 %
22,31 %
20,10 %
2,25 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2003
 %p
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-20
-16,53 %p
-9,13 %p
+5,73 %p
+20,10 %p
+2,25 %p
-2,43 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2003: PDS

Gemeindevertretung[edit]

  • CDU: 5 Gemeindevertreter (–3)
  • SPD: 5 Gemeindevertreter (–2)
  • LINKE: 4 Gemeindevertreter (+1)
  • WWG: 4 Gemeindevertreter (+4)

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Bürgermeister[edit]

  • 2003–2010: Bernhard Antonius Drees
  • seit 1. Mai 2010: Holger Jens Schreiber

Wappen[edit]

Das Wappen wurde am 30. November 2005 genehmigt.

Blasonierung: „Innerhalb eines von Silber und Rot zehnfach gestückten Bordes in Grün unter einem flachen goldenen Doppelsturzsparren fünf (3:2) ineinander verschlungene goldene Ringe.“[9]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.

Flagge[edit]

Die Flagge der Gemeinde Wustermark ist Grün – Gelb – Grün im Verhältnis 1:4:1 gestreift mit dem Gemeindewappen im Mittelstreifen.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[edit]

In der Liste der Baudenkmale in Wustermark stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Geschichtsdenkmale[edit]

  • Gedenkstein am Ernst-Walter-Weg/Ecke Rudi-Nowack-Straße im Ortsteil Elstal an die ermordeten Antifaschisten, nach denen die genannten Straßen ihre Namen tragen. Nowacks Vater war vor 1933 Bürgermeister in Elstal. Ernst Walter (* 1893) wurde am 15. Mai 1933 im KZ-Außenlager Meisnershof des KZ Oranienburg umgebracht.

Das olympische Dorf für die Sommerspiele 1936[edit]

Hauptartikel: Olympisches Dorf (Berlin)
Olympisches Dorf Berlin (Ansicht aus dem Jahre 2013)

Im Nachbarort Dallgow errichtete man in den Jahren von 1934 bis 1936 ein olympisches Dorf, welches heute zu großen Teilen nur noch als Ruine erhalten ist und im Zuge der Gebietsreform in den 1990er Jahren, unter dem Protest der Dallgower Gemeindevertretung, der Nachbargemeinde Elstal zugeschlagen wurde. Elstal wurde im Jahre 2002 nach Wustermark eingemeindet, seitdem liegt auch das olympische Dorf auf Wustermarker Gebiet. Wustermark führt nun die olympischen Ringe im Wappen. Das Gelände mit allen Liegenschaften ist Eigentum der DKB-Stiftung für gesellschaftliches Engagement, die sich sowohl um den Erhalt als auch um eine mögliche zeitgemäße Nutzung bemüht. In den letzten Jahren wurde unter anderem das Haus, in dem Jesse Owens während der Spiele wohnte, rekonstruiert.

Das olympische Dorf bestand aus einem Empfangsgebäude, etwa 140 Wohnbauten, einem großen Speisehaus, dem Hindenburghaus, dem Kommandantenhaus, einer Sporthalle, einer Schwimmhalle, einer Sauna sowie einem Ärzte- und Krankenhaus. Weiterhin verfügte das olympische Dorf über ein eigenes Wasserwerk, ein Heizkraftwerk mit angegliederter Wäscherei und eine eigene Kläranlage. Das „Speisehaus der Nationen“ bestand aus 38 Speisesälen auf drei Etagen, die jeweils einer Nation zur Einnahme des Essens und der Geselligkeit dienten. Im Hindenburg-Haus gab es Sport- und Übungssäle und ein reichhaltiges Angebot an Unterhaltungsveranstaltungen: Theater- und Filmvorführungen sowie die ersten Direktübertragungen ausgewählter Wettkämpfe im damals noch experimentellen Fernsehen.

Die größten noch erhaltenen Gebäude auf dem Gelände sind das Speisehaus der Nationen (Verpflegungs- und Gemeinschaftshaus), die ehemalige Schwimmhalle und einige Mannschaftsunterkünfte. In einem guten Zustand befindet sich die Turnhalle. Viele Sportler der damaligen Olympia-Mannschaften, besonders der deutschen Männermannschaft, ließen kurz darauf im Zweiten Weltkrieg ihr Leben. Bei den Olympischen Spielen 1936 wurde der moderne Fünfkampf mit Reiten auf dem Truppenübungsplatz Döberitz eröffnet. Auch das 100-km-Radrennen um den Truppenübungsplatz und die Military-Reiterkämpfe wurden im Gelände der Döberitzer Heide ausgetragen. Direkt nach Beendigung der Olympischen Sommerspiele wurde das Gelände zur weiteren Nutzung an die Wehrmacht übergeben, die ohnehin schon als Bauherr fungiert hatte. Hierbei wurde beispielsweise das von Werner March entworfene, elliptisch geformte Speisehaus der Nationen zu einem Lazarett mit angegliedertem Luftkurbetrieb umgestaltet.

Verlassenes Wohngebäude der Sowjetarmee im Olympischen Dorf

Nach 1945 übernahm die Rote Armee das Gelände und führte weitreichende Umstrukturierungen durch. Unter anderem wurden die ehemaligen Sportlerhäuser mit seitlichen Außenkaminen versehen, da die originale Fernheizung offensichtlich nicht instand zu setzen war. Weiterhin wurden zahlreiche Sichtachsen des natürlich gestalteten Geländes, welches sich um eine zentrale Dorfaue und einen (inzwischen weitgehend verlandeten) Waldsee gruppiert, von Plattenbauten verschandelt, in welche die in den Sportlerhäusern untergebrachten Soldaten umzogen. Die verlassenen Gebäude wurden entweder zugemauert oder abgerissen.

Trotz aller Bemühungen, zumindest den aktuellen Bestand an Gebäuden zu sichern, fielen in den letzten Jahren sowohl der Dachstuhl des Schwimmbades als auch das Blockhaus der am Waldsee gelegenen finnischen Sauna – der ersten in Deutschland errichteten – Brandstiftungen Jugendlicher zum Opfer. Vom Pfahlbau des Blockhauses verblieb nur noch das Fundament; das Schwimmbad überlebte zwar, ist jedoch auf Grund der eingetretenen Schäden baupolizeilich gesperrt.

Das Gelände des olympischen Dorfes steht inzwischen unter Denkmalschutz und ist vom 1. April bis zum 31. Oktober für Besucher geöffnet. Eingehende Führungen, die auch die Besichtigung ausgewählter Gebäude einschließen, finden an den Wochenenden und nach Vereinbarung statt. Besondere Erwähnung verdient das alljährliche sporthistorische Treffen, das jedes Jahr am Vorabend der Eröffnung des ISTAF (Internationales Stadionfest) auf dem Gelände stattfindet und – neben tausenden Besuchern – zahlreiche prominente Sportler aus Vergangenheit und Gegenwart anzieht.

Archive[edit]

In Wustermark-Elstal befindet sich das Zentrale Oncken-Archiv des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden mit Sammlungen unter anderem zur Geschichte des deutschen Baptismus, der evangelisch-freikirchlichen Brüderbewegung und des Puritanismus. Im Oncken-Archiv wird auch der schriftliche Nachlass des Soziologen und Erfinders der Planungszelle Peter Dienel aufbewahrt.

Wirtschaft und Infrastruktur[edit]

Für die Versorgung Berlins aus dem Westen und des westlichen Brandenburgs ist das Güterverkehrszentrum Berlin-West Wustermark (GVZ) entstanden. Wesentlicher Partner für den Bahnbetrieb des GVZ ist der Rangierbahnhof Wustermark im Ortsteil Elstal an der Schnellfahrstrecke Berlin-Hannover gelegen, welcher seit 2008 vom Rail&Logistik Center Wustermark betrieben wird.

Für den Neubau des Binnenhafens im Ortsteil Wustermark (GVZ) wurde im Juni 2007 der "Grundstein" gelegt, die Fertigstellung erfolgte im Jahre 2008 und hatte rund 15 Millionen Euro gekostet. Den Hauptanteil in Höhe von 12,4 Millionen finanzierte das Land Brandenburg.

Neben der wirtschaftlichen Entwicklung gibt es auch im Freizeit- und Natur bezogenen Bereichen eine positive Entwicklung. Die Heinz-Sielmann-Stiftung, die den ehemals militärisch genutzten Bereich der Döberitzer Heide bewirtschaftet, erfreut sich regem Zulauf. Die Döberitzer Heide ist ein ehemaliger Truppenübungsplatz und ein außergewöhnliches Naturschutzgebiet nahe Berlin und Potsdam. Mit der Heinz-Sielmann-Stiftung wird die Döberitzer Heide schrittweise in ein wildnisähnliches Naherholungsgebiet entwickelt.

Verkehrsanbindung[edit]

Wustermark liegt an der Berlin-Lehrter Eisenbahn, an der Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin sowie am Berliner Außenring (Kreuz Wustermark).
Die verkehrsgünstige Lage der Gemeinde Wustermark an der Autobahn 10, der Bundesstraße 5 und im so genannten Speckgürtel Berlins prägt die aktuelle Gewerbestruktur. Überregional bekannt ist Wustermark für sein Factory-Outlet-Center: B5 Designer Outlet Center Berlin-Brandenburg.

Öffentliche Einrichtungen[edit]

Persönlichkeiten[edit]

  • Jutta Lau (* 28. September 1955), frühere Spitzensportlerin

Einzelnachweise[edit]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Wustermark vom 19. Juli 2011 PDF
  3. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  6. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  7. http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/Stat_Berichte/2008/SB_B7-3-5_j05-08_BB.pdf#page=50
  8. http://www.wahlen.brandenburg.de/kw2003/kg/ergebnisse/gemeinde/1994.html
  9. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  10. Der Sitz des BEFG ist in Bad Homburg v. d. H., vgl. Art. 1 Abs. 2 der Verfassung des BEFG

Weblinks[edit]

 Commons: Wustermark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Wustermark – Reiseführer