RegioTram Kassel

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Zug der Linie RT 3 des RegioTram-Vorlaufbetriebes im Bahnhof Kassel Hbf, Mai 2005
Beschilderung an der Haltestelle Rudolf-Schwander-Straße
RegioTram-Zweikrafttriebwagen 758 in Kassel Hauptbahnhof

Die RegioTram ist ein Zweisystem-Stadtbahnsystem in Kassel und Umgebung. Das Tram-Train-System nach dem Karlsruher Modell ist im Jahr 2007 in Betrieb genommen worden. Mit besonderen RegioTram-Fahrzeugen werden durchgehende Fahrten zwischen dem Netz der Deutschen Bahn und dem innerstädtischen Straßenbahnnetz angeboten, wodurch das mit längeren Fußwegen verbundene Umsteigen zwischen den Zügen der Eisenbahn und der Straßenbahn entfallen kann. Betreiberin der RegioTram bis Dezember 2013 war die RegioTram Betriebsgesellschaft mbH. Diese ist ein Joint-Venture der Regionalbahn Kassel (RBK), einem Tochterunternehmen der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft, mit der DB Regio. Darüber hinaus ist der Nordhessische Verkehrsverbund an der Organisation der RegioTram beteiligt. Seit dem 9. Dezember 2013 wird der Betrieb der RegioTram von einer Bietergemeinschaft aus Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) und Hessische Landesbahn (HLB) durchgeführt.[1]

Konzept[Bearbeiten]

Zur Umsetzung des Projektes RegioTram im Öffentlichen Personennahverkehr in Kassel gehören verschiedene ineinandergreifende Maßnahmen. Ziel ist die Verknüpfung des Straßenbahnnetzes in Kassel mit dem Eisenbahnnetz, so dass Zweisystemfahrzeuge vom Straßenbahnnetz auf Eisenbahnschienen ins Umland fahren können. Kernbestandteil des Kasseler Projekts ist eine neu geschaffene Verknüpfung zwischen beiden Systemen am Hauptbahnhof Kassel.

Geschichte[Bearbeiten]

Zug der RegioTram zwischen Kassel und Warburg
Zweisystemtriebwagen 701 der Linie RT9 im Bahnhof Wabern

Seit 10. Juni 2001 fand auf der Strecke Warburg–Kassel Hbf ein Vorlaufbetrieb mit zunächst sechs von der Saarbahn ausgeliehenen Triebwagen statt. Dadurch wurde der vorherige Regionalbahn-Fahrplan von Stadtbahnfahrzeugen bedient. Zugleich wurde der für den RegioTram-Betrieb vorgesehene 30-Minuten-Takt realisiert. Die seit Juli 2004 ausgelieferten Fahrzeuge vom Typ RegioCitadis, die von Alstom LHB in Salzgitter hergestellt werden, haben diesen Vorlaufbetrieb ab 8. Mai 2005 übernommen, die geliehenen Saarbahn-Fahrzeuge wurden daraufhin zurückgegeben.

Ab 29. Januar 2006 verkehrten erste RegioTram-Züge im Kasseler Straßenbahnnetz. Die Hybrid-Fahrzeuge verbanden in den Hauptverkehrszeiten die Kasseler Innenstadt über die Lossetalbahn mit Hessisch Lichtenau, dem Endpunkt der Straßenbahnlinie. Die dieselelektrischen Fahrzeuge benutzten zwischen Ober- und Niederkaufungen eine Direktverbindung über die Waldkappeler Bahn, die nicht elektrifiziert ist. Dies bedeutete im Gegensatz zu den Straßenbahnzügen – die alle Haltestellen bedienen – eine Verkürzung der Fahrzeit. Im August 2007 wurde der Einsatz von RegioTram-Fahrzeugen auf dieser Linie durch einen durchgehenden Einsatz herkömmlicher Kasseler Straßenbahnwagen ersetzt. Die ehemaligen Fahrten über die nichtelektrifizierte Waldkappeler Bahn wurden durch Straßenbahn-Expressfahrten, die nicht alle Haltestellen entlang der Strecke bedienen, ersetzt.

Seit 1. Juni 2006 verkehrten RegioTram-Züge zwischen Kassel Hauptbahnhof und Melsungen über Baunatal, Guxhagen und Körle. Die RegioTram-Linie 5 verkehrt dabei abwechselnd einmal und zweimal stündlich. Die RT-Triebwagen wurden durch Regionalexpresse (stündlich; Kassel–Fulda) und Regionalbahnen (Kassel–Bebra (–Fulda)) der Deutschen Bahn ergänzt. Seit dem 10. Dezember 2006 erfolgt auf Grund eines Betreiberwechsels die Ergänzung der RegioTram durch Züge der Cantus Verkehrsgesellschaft (stündlich; Kassel–Bebra–Bad Hersfeld–Fulda bzw. Kassel–Bebra–Bad Hersfeld).

Der Vorlaufbetrieb zwischen Kassel und Wolfhagen (RT4) über Ahnatal und Zierenberg begann am 10. Dezember 2006.

Zwischen 16. September 2007 und dem Fahrplanwechsel im Dezember 2007 verkehrte die RT9 im Vorlaufbetrieb von Kassel Hbf nach Treysa.

Der Vorlaufbetrieb für die RT4 endete am 19. August 2007, seitdem verkehrt diese weiter bis in die Innenstadt (Innenstadtring). Die Linien RT3 und RT5 folgten am 16. September 2007 und fahren seitdem durch die Innenstadt bis in die Leipziger Straße. Seit Dezember 2007 ist der Vorlaufbetrieb auf der RT9 beendet, seitdem fährt diese Linie durch die Innenstadt bis zur Leipziger Straße. Die RT3 verkehrt zum Auestadion, zeitweise auch die RT5. Der vollständige Ausbau der Infrastruktur mit einem 30-Minuten-Takt auf allen Linien wird frühestens im Jahr 2014 realisiert sein: Dann werden die bislang auf der RT9 fahrenden Fahrzeuge durch dann eingesetzte Regionalbahnen[2] für die übrigen RT-Linien frei.

Auf den Strecken der RT3 und RT4 wurden am 13. Dezember 2008 die neuen Haltestellen Kassel-Jungfernkopf und Vellmar-Osterberg/EKZ an der Harleshäuser Kurve in Betrieb genommen. Am 25. April 2009 folgte die Haltestelle Kassel-Kirchditmold im selben Streckenabschnitt.

In Melsungen wurde am 20. Mai 2011 auf der Strecke der RT5 die neue Haltestelle Melsungen-Bartenwetzerbrücke in Betrieb genommen.

Liniennetz[Bearbeiten]

Bis 14. Dezember 2013

Linie Verlauf Fahrzeit Inbetriebnahme
RT3 (Warburg –) HümmeHofgeismarImmenhausenVellmarKassel Hauptbahnhof – Kassel, Auestadion (66 Min.)/49 Min. 2005
RT4 WolfhagenZierenbergVellmarKassel Hauptbahnhof – Kassel, Am Stern 52 Min. 2006
RT5 MelsungenGuxhagenWilhelmshöheKassel Hauptbahnhof – Kassel, Leipziger Straße 56 Min. 2006
RT9 TreysaBorkenWilhelmshöheKassel Hauptbahnhof – Kassel, Leipziger Straße 81 Min. 2007

Ab 15. Dezember 2013

Linie Verlauf Fahrzeit Inbetriebnahme
RT3 HümmeHofgeismarImmenhausenVellmarKassel Hauptbahnhof – Kassel, Königsplatz – Kassel, Holländische Straße 57 Min. 2005
RT4 (Wolfhagen) – ZierenbergVellmarKassel Hauptbahnhof – Kassel, Königsplatz - Kassel, Holländische Straße (68)/49 Min. 2006
RT5 MelsungenGuxhagenWilhelmshöheKassel Hauptbahnhof – Kassel, Auestadion 46 Min. 2006
RT9 TreysaBorkenWilhelmshöheKassel Hauptbahnhof 74 Min. 2007

Abweichungen im Liniennetz:

  • Die Linienendpunkte in Kassel ändern sich teilweise in der HVZ - einzelne Schülerexpressfahrten auf der Linie RT3. Diese lassen die Haltestellen zwischen Espenau-Mönchehof und Kassel Hauptbahnhof aus und fahren über Lutherplatz zur »Sandershäuser Straße« bzw. »Leipziger Straße«
  • Die Linie RT4 fährt Mo–Sa mit nur mit jedem zweiten Zug bis nach Wolfhagen. Die restlichen Kurse enden in Zierenberg. Abends und Sonntags verkehrt die RT4 durch den Stundentakt mit allen Zügen bis Wolfhagen.
  • Die Linie RT9 hat in der morgendlichen HVZ teilweise unterschiedliche Fahrzeiten - Abweichungen von bis zu 10 Minuten
  • Die Linien RT3, RT4 und RT5 fahren im RegioTram Zielkonzept in der HVZ und NVZ alle halbe Stunde. In der SVZ und WVZ jede Stunde. Die RT9 verkehrt immer mit halben Takt.
  • Durch eine Überlagerung und Taktanpassung entsteht auf dem Abschnitt VellmarKassel Hauptbahnhof – »Königsplatz« – »Holländische Straße« ein viertelstündiger bzw. halbstündiger Takt, welcher ähnlich wie bei einer Straßenbahn ist. In der Holländischen Straße wird dann in einem annähernden Fünfminutentakt gefahren

Ab 14. Dezember 2014

Linie Verlauf Fahrzeit Inbetriebnahme
RT3 HümmeHofgeismarImmenhausenVellmarKassel Hauptbahnhof – Kassel, Königsplatz – Kassel, Holländische Straße 57 Min. 2005
RT4 (Wolfhagen) – ZierenbergVellmarKassel Hauptbahnhof – Kassel, Königsplatz – Kassel, Holländische Straße (68)/49 Min. 2006
RT5 MelsungenGuxhagenWilhelmshöheKassel Hauptbahnhof – Kassel, Auestadion 46 Min. 2006

Die Linie RT9 verkehrt dann als Linie R9 zwischen Kassel-Hauptbahnhof und Schwalmstadt-Treysa mit Fahrzeugen des Typs Stadler Flirt.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Haltestelle Rudolf-Schwander-Straße (Aufnahme 8. Mai 2005)
RegioTram-Haltestelle am Hauptbahnhof. Im Hintergrund der Tunnel, in dem die RegioTram-Linien das Bahnhofsgebäude unterfahren. Linie RT 3 nach Hofgeismar, Gleis 5. Der Fahrgastwechsel ist auf diesem Gleis beidseitig möglich.

Zur Realisierung der RegioTram gehört auch die Ausdehnung des Straßenbahnnetzes, z. B. die Verlängerung über Bettenhausen hinaus nach Kaufungen und über Helsa nach Hessisch Lichtenau, sowie der Neu- und Umbau von Haltestellen und der Ausbau von Eisenbahninfrastruktur. Da die RegioCitadis-Fahrzeuge über stärkere Beschleunigungs- und Bremsfähigkeiten als die bisherigen Regionalzüge der DB verfügen, konnten im Kasseler Umland neue Stationen eingerichtet werden. Des Weiteren wurden in der Stadt Kassel neue Infrastrukturen aufgebaut. Die größten Maßnahmen waren durch die breiteren und längeren RT-Fahrzeuge (2,65 m / 37 m gegenüber 2,3–2,4 m / 30 m der bisherigen Tramfahrzeuge) nötig geworden. Darüber hinaus wurde eine neue Innenstadtstrecke (Rudolf-Schwander-Straße, mit Haltestelle Scheidemannplatz), die Abzweigung an der Lutherkirche und die Verlegung der dortigen Station Lutherplatz bis Ende 2004 umgesetzt. Die Neubaustrecke wird seit dem 19. August 2007 auch von den Straßenbahn-Linien (SL) 7 und 5E (vorher 9) genutzt, da die bisherige Tunnelstation am Hauptbahnhof (eröffnet 1968) geschlossen wurde.[3] Zur Verzweigung der RegioTram-Linie am Scheidemannplatz im Anschluss an die Rampe wurde dort im Frühjahr 2005 ein Gleisdreieck eingebaut.

Die RegioTram-Fahrzeuge verkehren, wie die Straßenbahn auch, im Stadtnetz weitgehend auf ÖPNV-Spuren und werden so nicht vom Individualverkehr beeinträchtigt. Die einzige Ausnahme ist ein kurzer Streckenabschnitt in der Leipziger Straße an der Haltestelle Kirchgassen, wo die Gleise im Individualspurbereich verlaufen, aber signalgesteuert sind und somit auch nicht vom Individualverkehr beeinträchtigt werden.

Durch die Einführung dieses neuen Verkehrsmittels wurde die Anpassung der Takte aller anschließenden Verkehrsmittel erforderlich. Da zwei RT-Linien mit jeweils 30-Minuten-Takt in die Leipziger Straße fahren sollen, bilden diese mit der SL 4 einen 7,5-Minuten-Takt, so dass die SL 8 verkürzt werden kann. Durch den in der Hauptverkehrszeit dichten Straßenbahntakt der anderen Linien ist eine spezielle Anpassung nur in der Schwachverkehrszeit erforderlich, um die Anschlüsse zu gewährleisten.

Der Integrale Taktfahrplan 2006 für Nordhessen sieht eine bessere Verknüpfung von Regional- und Fernverkehr vor, da die Regionalbahnen des konventionellen SPNV nicht mehr alle Halte im nahen Kasseler Umland abzudecken brauchen und so den regionalen Schienennahverkehr erheblich beschleunigen.

Im Zuge einer Verbesserung des Angebots und einer besseren Anbindung der Nordstadt wurde mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 die Streckenführung geändert. Infolge dessen wird die Leipziger Straße nur noch von einzelnen Fahrten und den Fahrten zum Betriebshof genutzt. Da die Linien RT3 und RT4 nun zur Endstation Holländische Straße fahren sollten, wurden auch hier Umbaumaßnahmen nötig, die ab August 2013 durchgeführt wurden.

Befahrene Eisenbahnstrecken[Bearbeiten]

Die RegioTram-Züge verkehren auf folgenden Bahnstrecken:

Kassel–Warburg (RT3)[Bearbeiten]

Die Züge der RegioTram-Linie 3 befahren im Abschnitt Warburg–Kassel Hauptbahnhof die Bahnstrecke Kassel–Warburg. Auf dieser Bahnstrecke verkehren neben den RegioTram auch Regionalzüge und InterCitys der Deutschen Bahn.

Kassel–Wolfhagen (RT4)[Bearbeiten]

Die Züge der RegioTram-Linie 4 befahren im Abschnitt Wolfhagen–Vellmar-Obervellmar die Bahnstrecke Volkmarsen–Vellmar-Obervellmar. Diese Strecke ist nicht elektrifiziert. Auf dieser Bahnstrecke verkehren neben den RegioTrams auch Regionalzüge in Richtung Korbach. Ab Vellmar-Obervellmar bis Kassel Hauptbahnhof befahren die RegioTrams die Bahnstrecke Warburg–Kassel.

Kassel–Melsungen (RT5)[Bearbeiten]

Die Züge der RegioTram-Linie 5 befahren im Abschnitt Melsungen–Kassel Hauptbahnhof die Bahnstrecke Bebra–Kassel. Auf dieser Bahnstrecke verkehren neben den RegioTram- auch Regionalzüge in Richtung Fulda und InterCitys in Richtung Eisenach.

Kassel–Treysa (RT9)[Bearbeiten]

Die Züge der RegioTram-Linie 9 befahren im Abschnitt Treysa–Kassel Hauptbahnhof die Main-Weser-Bahn. Auf dieser Bahnstrecke verkehren neben den RegioTram- auch Regionalzüge in Richtung Gießen und InterCitys in Richtung Frankfurt am Main. Diese Strecke wird von den RegioTram-Zügen noch bis Dezember 2014 befahren; danach kommen Regionalbahnen der HLB (Stadler Flirt) zum Einsatz.[2]

Verknüpfungspunkte Eisenbahn-Straßenbahn[Bearbeiten]

Kassel Hauptbahnhof[Bearbeiten]

Tiefbahnsteige der RegioTram im Hauptbahnhof
Ein RegioTram-Zug verlässt den Tunnel unter dem Bahnhofsgebäude stadteinwärts

Zur Verbindung des Eisenbahnnetzes mit dem Straßenbahnnetz im Kasseler Hauptbahnhof (ein Kopfbahnhof) wurden verschiedene Möglichkeiten geprüft: Die Variante mit den umfangreichsten Umbauten sah die Durchbindung durch das Bahnhofsgebäude auf gleichem Niveau vor, wurde jedoch aus Gründen des Denkmalschutzes nicht weiter verfolgt. Ein anderer Vorschlag führte die Trasse niveaugleich um den Südflügel (ehemalige Postumschlaghalle) zu den derzeitigen Bussteigen des Regionalverkehrs am Bahnhofsvorplatz.

Beim letztlich umgesetzten Plan wird der Kopfbau des Hauptbahnhofes unterfahren: Im Gleisvorfeld (westlich der Bahnhofs) wurde eine Rampe mit den RegioTram-Bahnsteigen auf Untergeschossebene umgebaut und ein Tunnel unter dem Bahnhofsgebäude zur bestehenden Straßenbahnrampe in der Kurfürstenstraße (östlich des Gebäudes) vorgetrieben. Die Bauarbeiten hierfür wurden am 12. August 2005 begonnen, der Tunnel wird seit dem 19. August 2007 regulär durchfahren.

Ursprünglich war es geplant, die RegioTram-Bahnsteige in der Lage der heutigen Gleise 3–5 zu bauen. Hierfür wäre aber ein Umbau der Leit- und Sicherungstechnik des Bahnhofes nötig, um den übrigen Verkehr nicht zu stark einzuschränken. Da die DB Netz AG diesen Stellwerksumbau aber nicht rechtzeitig bewältigen konnte, wurden die beiden vorgesehenen RT-Bahnsteige in die Mitte des Bahnhofs (Gleise 4–6) gelegt. Dies hat nicht nur Nachteile; z. B. wirkt das Gesamtensemble harmonischer und die Technikräume, die unterhalb der Gleise 1–4 liegen, brauchten nicht verlegt zu werden.

Die Baukosten für den Umbau betrugen etwa 25,6 Mio. Euro.

Außer der Verbindung am Kasseler Hauptbahnhof existieren in der Region Kassel zwei weitere Übergänge zwischen Eisenbahn- und Straßenbahnnetz:

Straßenbahnnetz[Bearbeiten]

Im Straßenbahnnetz sind zurzeit (2013) nur wenige Strecken von den Regiotramfahrzeugen befahrbar, da die größere Fahrzeugbreite Begegnungen der Fahrzeuge unmöglich macht. Nur der Innenstadtring und die Strecke nach Hessisch Lichtenau sowie die Frankfurter Straße Richtung Mattenberg bis zur Haltestelle „Auestadion“ sind befahrbar. Weiterhin ist die Strecke zur Holländischen Straße im Rahmen der Verlegung der Linien RT3 und RT4 zur Haltestelle „Holländischen Straße“ (ab Dez. 2013) ausgebaut. Auch die Strecke nach Vellmar ist nach den Lichtraumprofilen befahrbar, wird jedoch im regulären Linienbetrieb nicht angefahren.

Des Weiteren ist die Strecke vom Auestadion bis Baunatal befahrbar, zwischen Auestadion und Dennhäuser Straße besteht jedoch in weiten Teilen ein Begegnungsverbot. Von Oberzwehren Mitte bis zum Betriebshof Wilhelmshöhe dürfen die Fahrzeuge ebenfalls fahren. Auch hier besteht zwischen Regiotramfahrzeugen ein generelles Begegnungsverbot, auch wenn Teile der Strecken befahrbar wären. Aus Sicherheitsgründen bleibt das Regiotramfahrzeug auch bei einer Begegnung mit einem Straßenbahnzug stehen, um eventuelle Kollisionen durch ein Schwingen des Fahrzeugkastens zu vermeiden. Diese Strecke wird jedoch nur zu Werkstattfahrten in den Betriebshof Wilhelmshöhe befahren.

Das Netz umfasst 122 km Strecke, davon 6 km Neubaustrecke.

Aktuelle Ausbaumaßnahmen[Bearbeiten]

Im Dezember des Jahres 2011 wurde der Haltepunkt Ahnatal Casselbreite auf der Strecke der RT4 Richtung Wolfhagen eingeweiht. Zum Fahrplanwechsel 2013 konnte das dritte Gleis in Vellmar-Obervellmar in Betrieb genommen werden. Die Regionalexpresszüge halten somit immer an Gleis 1 und 2, die RegioTram-Züge verkehren über das dritte Bahnsteiggleis. Am Haltepunkt Ahnatal Casselbreite nutzen die RegioTram-Züge immer Gleis 1, die Regionalexpresszüge Gleis 2.[4]

Ehemalige Planungen[Bearbeiten]

Abzweig Lohfelden[Bearbeiten]

Diese Strecke soll einmal von der Straßenbahnstrecke in der Leipziger Straße nach der Haltestelle Lindenberg abzweigen. Die Trasse führt dann in eine Seitenstraße, bis sie die alte Söhrebahn erreicht. Dieser Strecke folgend würde die Bahn bis ins Zentrum Lohfeldens fahren. Die Strecke ist als Straßenbahnstrecke geplant, allerdings soll es in Lohfelden keine Wendeschleife geben, so dass die Strecke mit Zweirichtungsfahrzeugen befahren werden würde. Die Strecke ist fertig geplant, der Bau der Planung von 1998 wurde von der Gemeinde Lohfelden verworfen. Ein neuer Plan seit 2010 sieht die Weiterführung über Vollmarshausen nach Söhrewald vor, so dass auch Buslinien ersetzt werden können.[5]

Abzweig Vellmar West[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu früheren Publikationen findet die Strecke heute keine Erwähnung mehr in den Ausbauplanungen. Es war geplant, zwischen Kassel-Harleshausen und Vellmar-Obervellmar die als „Harleshäuser Kurve“ bezeichnete Eisenbahnstrecke zu verlassen und als Straßenbahn ca. vier weitere Stationen nach Westen zu fahren. Es sollte auch eine Verbindung zur dann nur wenige hundert Meter entfernten Straßenbahnlinie nach Vellmar Nord entstehen, mit Fahrtmöglichkeit von Vellmar Nord nach Vellmar West.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Für das Projekt RegioTram wurden durch die Regionalbahn Kassel GmbH (RBK) 28 Fahrzeuge vom Typ Alstom RegioCitadis (Dreiteiliger, achtachsiger Niederflur-Gelenktriebwagen) beschafft.

Die Fahrzeuge wurden ab 2004 in zwei verschiedenen Ausführungen geliefert. Beide Versionen können im Kasseler Straßenbahnnetz (Gleichstrom, 600 V) eingesetzt werden. 18 Fahrzeuge (Wagen 701−718) können als so genannte E/E-Wagen zusätzlich im elektrifizierten Eisenbahnnetz (Wechselstrom, 15 kV / 16,7 Hz) verkehren, die übrigen zehn Fahrzeuge (Wagen 751−760) besitzen als so genannte E/D-Wagen hingegen einen Dieselmotor für den Einsatz auf nicht elektrifizierten Strecken.

Letztgenannte sind die ersten in zweistelliger Stückzahl hergestellten Dieselhybrid-Straßenbahnfahrzeuge. Der Einsatz im Kasseler Projekt bedeutet zudem die erstmalige Verwendung eines derartigen Fahrzeugs im Normalspurnetz.

Der „roll-out“ des ersten RegioCitadis’ fand am 6. Juli 2004 statt. Die Fahrzeuge sind nach Märchenfiguren benannt, um Nordhessen und Kassel als geografischen Mittelpunkt der Grimmschen Märchenwelt bekannter zu machen.

Die E/E-Wagen fahren auf den Linien RT3, RT5 und RT9. Die E/D-Wagen fahren hauptsächlich auf der RT4 Kassel–Wolfhagen sowie in ihren Umläufen auch auf den anderen Linien.

Es können bis zu vier Wagen gekuppelt und in Mehrfachtraktion gefahren werden. Im Eisenbahnverkehr sollen in den morgendlichen Spitzen Dreifachtraktionen gefahren werden, wobei die dritte Einheit im Hauptbahnhof abgekuppelt wird. Im Innenstadtverkehr ist zu diesen Zeiten eine Doppeltraktion vorgesehen. Aufgrund der Breite der Fahrzeuge können die Wagen bisher im Stadtgebiet nur in der Innenstadt (bis Auestadion) und auf der Strecke nach Hess. Lichtenau eingesetzt werden, die restlichen Strecken des Straßenbahnnetzes verfügen nicht über einen ausreichend großen Gleisabstand. Auf diesen Strecken besteht ein Begegnungsverbot.

Im Baureihenschema der DB finden sich die Fahrzeuge als DB-Baureihe 452 (E/E) und 689 (E/D).

Während des Vorlaufbetriebes kamen von der Saarbahn in Saarbrücken ausgeliehene Bombardier-Fahrzeuge zum Einsatz. Diese Fahrzeuge sind Zweisystemfahrzeuge, kamen aber in Kassel nur unter 15kV zum Einsatz.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. KVG und HLB gewinnen EU-weite Ausschreibung der RegioTram- Leistungen in Nordhessen - Start am Dezember 2013. 21. Januar 2013, abgerufen am 14. Januar 2014.
  2. a b Jürgen Eikelberg: Stadler liefert vier weitere FLIRT an die HLB. In: Eisenbahnjournal – Zughalt.de. 15. Dezember 2011, abgerufen am 14. Januar 2014 (deutsch).
  3. Bilder der Straßenbahn-Strecke: 83101 (Regio-Tram-Linien RT 3, RT 4, RT 5 und RT 9 /Straßenbahn). Abgerufen am 14. Januar 2014.
  4. Veränderungen durch den Fahrplanwechsel 2013/14 (Teil 2). 17. Dezember 2013, abgerufen am 19. Januar 2014.
  5. Straßenbahn nach Lohfelden: Entscheidung über Machbarkeitsstudie fällt im Herbst. In: HNA. 22. März 2010, abgerufen am 14. Januar 2014.