Altenau

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Altenau (Begriffsklärung) aufgeführt.

Koordinaten: 51° 48′ 10″ N, 10° 26′ 44″ O

Bergstadt Altenau
Berg- und Universitätsstadt
Clausthal-Zellerfeld
Wappen von Bergstadt Altenau
Höhe: 460 m ü. NHN
Fläche: 4,66 km²
Einwohner: 1643 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 353 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2015
Postleitzahlen: 38707,
38667 (Torfhaus)
Vorwahlen: 05320, 05328
Bergstadt Altenau (Niedersachsen)
Bergstadt Altenau

Lage von Bergstadt Altenau in Niedersachsen

Blick auf Altenau vom Schwarzenberg

Blick auf Altenau vom Schwarzenberg

Die ehemals freie Bergstadt Altenau ist Bestandteil der Ortschaft Altenau-Schulenberg im Oberharz in der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld im Landkreis Goslar in Niedersachsen. Altenau ist ein staatlich anerkannter heilklimatischer Kurort im Oberharz. Altenau erhielt im Jahre 1617 Stadtrechte. Von 1972 bis 2014 gehörte die Bergstadt Altenau der Samtgemeinde Oberharz an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt zentral im Oberharz. Clausthal-Zellerfeld im Westen ist etwa zehn Kilometer, Goslar im Norden etwa 15 km und Osterode am Harz im Südwesten etwa 25 km entfernt. Östlich der Bergstadt befindet sich in zwölf Kilometern Entfernung der Gipfel des Brockens, den man von vielen Stellen Altenaus aus sehen kann. Altenau wird von Süd nach Nord von der Oker durchflossen. Weitere Bäche münden im Stadtgebiet in die Oker und verleihen Altenau ein Stadtbild mit zahlreichen Tälern und Hügelkuppen. Die Umgebung ist stark bewaldet.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimadiagramm für Altenau


Aufgrund seiner Höhenlage ist Altenau für niedersächsische Verhältnisse ein eher kühler Ort. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei +6,2 °C. Die Sonnenscheindauer liegt im Jahresmittel bei 3,7 Stunden. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1252 mm, wovon ein für niedersächsische Verhältnisse nicht unerheblicher Teil als Schnee fällt.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Altenau gehört die etwa zehn Kilometer entfernte Siedlung Torfhaus. Diese liegt am höchsten Punkt der B 4 auf etwa 800 m Höhe und besteht vorwiegend aus Fremdenverkehrsbetrieben. Torfhaus liegt im Nationalpark Harz. Außerdem liegen das Dammhaus, das Polstertaler Zechenhaus und Gemkenthal im Ortsgebiet.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Ortsnamen von Altenau waren in den Jahren 1298 Altena, 1311 Altena, im 16. Jahrhundert altena, 1542 Altenau, 1587 Altenaw, 1677 Altenau und 1679 Altenauer Weg.[1] Der Name Altenaus tritt im Jahre 1298 auf, als der Ritter Burchard von Wildenstein dem Bürger Burchhard Ehrhaftig zu Goslar eine casam que Altena dicitur zum Lehen übergab.[2] Die Herkunft von Altena bezieht sich dabei im Stamm a, althochdeutsch aha, acha, ach auf das Wort Wasser. Bereits im Gotischen lautet es ahva und ist desselben Ursprungs die das lateinische aqua. Der erste Teil des Namens Altenau verweist auf das gotische alan, was aufwachsen bedeutet und wiederum mit dem lateinischen alere (großziehen) verwandt ist. Zusammengenommen bezeichnen die beiden Wortteile Altenaus daher einen Fluss, der durch Zuflüsse verstärkt wird. So wird dem Bach Altena, von der Wolfswarte kommend, durch die Kleine Altena, das Lilierwasser und andere Nebenbäche, beträchtliche Wassermengen zugeführt.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altenau, Stich von Merian, 1650
Stadtschild
Holzkirche St. Nikolai
  • 1227 Erste Erwähnung im Zusammenhang mit Bergbau
  • 1580 Erste Erwähnung als Bergflecken, 20 Häuser
  • 1617 Erhebung Altenaus zur Stadt
  • 1636 Altenau fiel an Herzog August zu Braunschweig-Lüneburg-Celle
  • 1636 Altenau wurde freie Bergstadt
  • 1665 Altenau kam nach Erbstreitigkeiten letztlich zu Hannover
  • 1871 Einstellung des Eisenhütten-Betriebes
  • 1911 Schließung der Silberhütte
  • 1914 Anbindung Altenaus an die Innerstetalbahn
  • 1972 Verwaltungsgemeinschaft innerhalb der Samtgemeinde Oberharz
  • 1972 Bau des Ferienparks „Glockenberg“
  • 1977 Stilllegung der Innerstetalbahn
  • 2015 Auflösung der Bergstadt Altenau

Im Mittelalter entstanden, gewann der Ort zu Zeiten des Bergbaus (insbesondere des Silberbergbaus) an Bedeutung. Den Namen verdankt der Ort dem Bach „Alte Aue“ oder „Altenah“, der das am Lilierkopf anstehende Wasser aufnimmt und sich durch das Tischlertal fortsetzt. Etwas unterhalb des Parkplatzes im Tischlertal an der Landesstraße L504 nimmt die Altenau das Wasser des Schneidwasser auf und durchfließt das Schultal, bis sie sich am Marktplatz mit der Oker vereinigt. 1606–1618 wurde die Silberhütte unterhalb Altenau erbaut. Der Bergbau blühte auf, und bald betrieb Altenau zwanzig Hauptwerke[4]. Man findet in Altenau viele Zeugen des einstigen Bergbaus in alten Gruben und Schächten, Denkmälern, der erzgebirgischen Herkunft der Harzer und ihres erzgebirgischen Dialektes.

Heute ist Altenau durch den Tourismus bekannt, bedingt durch seine idyllische Lage inmitten des Harzes und seine Angebote an Freizeitmöglichkeiten, wie zahlreiche Wanderwege und Loipen, viele Seen, die im Sommer zum Schwimmen einladen. Der Fremdenverkehr begann mit der Fortführung der Eisenbahn Goslar-Clausthal/Zellerfeld nach Altenau im Jahre 1913. Ab 1914 bis 1970 stiegen die Zahlen der Kurgäste und der Übernachtungen beständig an; davon entfielen 30 % auf Kurhäuser und 70 % auf Privatvermieter. Seit Anfang der 1990er Jahre leidet die Region Westharz unter dem Rückgang der Touristenzahlen, der vielfältige Ursachen hat. Sehr hohe Kosten entstanden der Samtgemeinde Oberharz jedes Jahr durch den Betrieb des Gebäudekomplexes Aqua-Polaris, bestehend aus Wellenschwimmbad und Eissporthalle, der in den 1970er Jahren erbaut und an die hohen Touristenzahlen der 1970er und 1980er Jahre angepasst war. Er wich im März 2007 dem Neubau der Thermen- und Saunalandschaft Kristall Heißer Brocken.

Am 1. Januar 2015 wurden die Samtgemeinde Oberharz sowie die ihr angehörenden Gemeinden Bergstadt Altenau, Bergstadt Clausthal-Zellerfeld, Bergstadt Wildemann und Schulenberg im Oberharz durch Landesgesetz aufgelöst und aus den bisher selbständigen Gemeinden die neue Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld gebildet. Zuvor hatten sich in einer Bürgerbefragung 62 Prozent der abstimmenden Altenauer dagegen ausgesprochen; das Ergebnis war jedoch für den Rat – gemäß einer Klausel in der Satzung – nicht bindend.[5] Seitdem bilden die bisherige Bergstadt Altenau und die bisherige Gemeinde Schulenberg im Oberharz die gemeinsame Ortschaft Altenau-Schulenberg im Oberharz mit einem Ortsrat.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Mehrheit der Bevölkerung ist in der Gemeinde St. Nikolai organisiert, deren Mittelpunkt die St.-Nikolai-Kirche im Zentrum Altenaus ist. Die Kirchengemeinde gehört heute zum Kirchenkreis Clausthal-Zellerfeld, zu ihr gehört auch die St.-Petrus-Kapelle in Schulenberg.

Auf dem Glockenberg befindet sich die katholische Kirche St. Oliver aus dem Jahr 1979. Heute gehört die Kirche zur Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Clausthal-Zellerfeld.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung
Altenau im Herbst
Blick auf den Ort
Jahr Einwohner
1821 1244
1848 1963
1871 2179
1885 2145
1905 2091
1925 1914
Jahr Einwohner
1933 1947
1939 2505
1946 2744
1950 2717
1956 2442
1961 2304
Jahr Einwohner
1968 2209
1970 2250
1975 2500
1980 2522
1985 2541
1990 2405
Jahr Einwohner
1995 2287
2000 2146
2005 1980
2010 1789
2013 1643

(Ab 1968 Stand jeweils zum 31. Dezember)[6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat setzte sich nach der Kommunalwahl am 10. September 2006 folgendermaßen zusammen:

  • SPD: 7 Sitze (54,16 %)
  • CDU: 6 Sitze (45,84 %)

Nach den Kommunalwahl am 11. September 2011 bis zur Eingemeindung nach Clausthal-Zellerfeld setzte sich der Stadtrat folgendermaßen zusammen:

  • SPD: 6 Sitze (54,77 %)
  • CDU: 5 Sitze (45,23 %)

Seit der Eingemeindung bildet der Ortsteil Altenau zusammen mit Schulenberg im Oberharz die Ortschaft Bergstadt Altenau-Schulenberg im Oberharz mit einem gemeinsamen Ortsrat. Dieser wurde am 26. April 2015 erstmals gewählt.

Schützenklippe
Auf der Schützenklippe

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altenau ist heute ein heilklimatischer Kurort. Die Stadt wird von alten Bergmannshäusern aus der Zeit, als Altenau freie Bergstadt war, geprägt. Typisch für die Region ist die Verwendung von Holz als Baumaterial. Im Ort befindet sich die relativ kleine Holzkirche St. Nikolai, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde. Die Häuser sind von alters her gut den harten Wintern angepasst und haben einen für den Harz typischen architektonischen Stil. Ziemlich im Ortszentrum liegt die imposante Schützenklippe, von der man sich eine hervorragende Rundumsicht über den Ort verschaffen kann.

2004 wurde in Altenau der größte Kräuterpark Deutschlands eröffnet. Viele tausend Touristen besuchen jährlich den ganzjährig gepflegten botanischen Garten, der eine Vielzahl an Varietäten zeigt. Weitere Sehenswürdigkeiten erreicht man über Wanderwege zu Fuß. So gelangt man über den Harzer Hexenstieg zum Dammgraben mit dem Dammhaus sowie dem Polsterberger Hubhaus. Des Weiteren führen Wanderwege zum Kellwassertal an der Vorsperre zur Okertalsperre sowie nach Torfhaus in den Nationalpark Harz. Die Heimatstube in Altenau bietet einen Einblick in die Geschichte des Oberharzes. Die dortige Ausstellung widmet sich besonders der Darstellung der Lebensumstände im Oberharz, die stark durch den Bergbau und die von ihm abhängigen Berufszweige – Hüttenwesen, Waldarbeit, Köhlerei und Fuhrwesen – geprägt waren. Ein wichtiger Schwerpunkt der Sammlung stellt das Lebenswerk des Künstlers Karl Reinecke-Altenau dar.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama vom Schwarzenberg aus über Altenau
Panorama Altenaus von der Wolfswarte aus ca. 4,5 km Entfernung

In Altenau findet jährlich der Altenauer Nordic Walking Cross statt. Teilnehmer walken dabei Strecken von 4,7 km bis 18,7 km rund um Altenau. Auch außerhalb der jährlich stattfindenden Veranstaltung ist das Nordic Walking auf diesen Strecken möglich.

Altenau liegt zudem direkt an der Volksbank-Arena Harz, einem 1800 km und 62 Routen umfassenden Streckennetz für Geländetouren mit dem Mountainbike. Hier finden jährlich die Sportveranstaltungen Harzer Mountainbike Event, die größte norddeutsche MTB-Veranstaltung immer am 3. Mai-Wochenende, MTB Endurorennen (seit 2014), MTB Marathon (seit 2002) und der Kids- Schüler und Jugendcup (seit 2000) statt.

Altenau ist außerdem Ausgangspunkt für Wanderungen auf dem Harzer Hexenstieg oder in den Nationalpark Harz. Im Winter finden sich in Altenau und Torfhaus zahlreiche Möglichkeiten für alpinen und nordischen Wintersport sowie eine Rodelbahn mit Lift.

Auf dem Gelände des ehemaligen Wellenbades befindet sich seit 2007 die Thermalsole- und Saunalandschaft „Heißer Brocken“.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortszentrum
Kurhaus mit Kurpark, im Hintergrund der Schwarzenberg

Die Altenauer Brauerei, vormals Paul Kolberg GmbH & Co. KG, ist mit Wirkung zum 1. August 2012 von der Klostergutsbrauerei Wöltingerode GmbH übernommen worden. Deren Alleingesellschafter ist der Allgemeine Hannoversche Klosterfonds, vertreten durch die Klosterkammer Hannover. Die Brauerei hat gegenwärtig einen Ausstoß von jährlich etwa 7000 Hektolitern Bier, das in acht Varianten gebraut wird, und 3000 Hektolitern nichtalkoholischen Getränken.

Weiterhin gibt es zahlreiche Unternehmen, die dem Fremdenverkehr zugerechnet werden können, wie Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Restaurants und der entsprechende Einzelhandel.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altenau liegt an der Bundesstraße 498, die von Goslar nach Osterode führt. Über eine etwa acht Kilometer lange und bis zu neun Prozent steile Landstraße, die „Steile Wand“, erhält man in Torfhaus Anschluss an die B 4.

Omnibusse der RBB fahren nach Clausthal-Zellerfeld und Sankt Andreasberg. Zudem ist Altenau Endpunkt einer Fernbuslinie von Berlin, der so genannten BEX-Buslinie.

Bis 1976 war der Bahnhof Altenau Endpunkt der Innerstetalbahn, deren anderes Streckenende sich in Langelsheim befand. Im Jahr 1977 befuhr ein letzter Zug die Strecke. Aus Kostengründen wurde diese Strecke stillgelegt. Die Gleise wurden vollständig entfernt, die Trasse dient jetzt als Radweg und Langlauf-Loipe.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Knop (1817–1891), Agrikulturchemiker und Pflanzenphysiologe
  • Adolph Knop (1828–1893), Geologe und Mineraloge, Geheimer Hofrat, Professor an und Direktor der Polytechnischen Schule in Karlsruhe
  • Hermine Hartleben (1846–1919), Lehrerin und Biografin
  • Karl Fieke (1857–1945), Buchdrucker, Zeitungsverleger und Heimatschriftsteller
  • Karl Reinecke-Altenau (1885–1943), Künstler und Heimatdichter, Gründer des Oberharzer Heimatbundes (1933)
  • Hartmut Ostermann (* 1951), Unternehmer

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Calvör (1686–1766), Theologe, Lehrer und Gelehrter im Bereich der Bergbautechnik und Mechanik
  • Von 1842 bis 1863 wirkte der Dichter Georg Schulze als Pfarrer in Altenau.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Altenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Altenau – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  2. Georg Bode: Urkundenbuch der Stadt Goslar 2. Nr 535
  3. Friedrich Günther: Die Gründung der Bergstadt Altenau und ihr Bergbau. In: Harz-Zeitschrift. Band 31, 1979, S. 41.
  4. H. Speckter, Bericht zur Ortsplanung Altenau, 1935
  5. Satzung: Vorlage 5/2-1/2014 und Vorlage 3/40/2013
  6. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen. Abgerufen am 19. Mai 2013.
  7. Heinrich Pröhle: Schulze, Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 32, Duncker & Humblot, Leipzig 1891, S. 775 f.